#11 Orthorexie: Wenn gesunde Ernährung krank macht
Die gesellschaftlich akzeptierte Essstörung
18.06.2025 69 min
Zusammenfassung & Show Notes
Heute spreche ich mit einem ganz besonderen Gast über ein Thema, das oft übersehen wird: Orthorexie – die zwanghafte Beschäftigung mit gesunder Ernährung. Madeleine Dähling ist Ökotrophologin, traumasensible Coach, Host des Podcasts „Essen mit Gefühl“ und war selbst 10 Jahre von dieser versteckten Essstörung betroffen.
Was dich in dieser Episode erwartet
Gemeinsam tauchen wir tief in die Welt der Orthorexie ein und räumen mit dem Mythos auf, dass „gesunde Ernährung“ automatisch gut für uns ist. Ich teile meine eigenen Erfahrungen, wie ich über Anorexie und Bulimie in die Orthorexie gerutscht bin, und Madeleine erzählt, wie der Tod ihres Vaters mit 13 Jahren ihre Suche nach Kontrolle durch perfekte Ernährung auslöste.
Du erfährst:
- Was Orthorexie wirklich ist – und warum sie mehr als nur „gesund essen wollen“ bedeutet
- Die versteckten Warnzeichen, die zeigen, dass gesunde Ernährung zum Zwang geworden ist
- Warum Orthorexie gesellschaftlich so akzeptiert ist – und dadurch besonders gefährlich
- Warum die Angst vor Kontrollverlust unbegründet ist
- Konkrete Strategien für den Weg aus dem Regelzwang hin zum intuitiven Essen
- Die Verbindung zwischen Orthorexie und tieferliegenden Ängsten – denn es geht um viel mehr als nur Ernährung
Besonders wertvoll, wenn du...
- Stundenlang Zeit im Biomarkt verbringst und Zutatenlisten studierst
- Soziale Einladungen absagst, weil es dort kein „sicheres“ Essen gibt
- Dich schuldig fühlst, wenn du von deinen Ernährungsregeln abweichst
- Das Gefühl hast, deine Gedanken kreisen 24/7 um gesunde Ernährung
- Merkst, dass deine Lebensmittelauswahl immer kleiner wird
Madeleine und ich sprechen offen über unsere dunkelsten Momente - von der Panik im Urlaub ohne Biomarkt bis zu den absurden Regeln, die wir uns selbst auferlegt haben. Aber vor allem zeigen wir dir, dass Recovery möglich ist und wie befreiend es sich anfühlt, wieder mit Freunden Pizza zu essen, ohne danach tagelang zu kompensieren.
Diese Episode ist ein Weckruf für alle, die glauben, ihre extreme Fokussierung auf gesunde Ernährung sei normal oder sogar bewundernswert. Wir zeigen dir, warum der vermeintlich sichere Käfig der Orthorexie in Wahrheit ein Gefängnis ist - und wie du den Schlüssel zur Freiheit findest.
Höre jetzt rein, wenn du bereit bist, deine Beziehung zum Essen grundlegend zu hinterfragen und zu erfahren, wie wahre Gesundheit aussieht - nämlich wenn Körper, Geist und Seele im Einklang sind.
Hier erfährst du mehr über Madeleine:
🌐 Website: www.madeleinedaehling.de
Hier findest du auch ihren kostenlosen Orthorexie-Test
🎧 Podcast: Essen mit Gefühl – Der Recovery Podcast
📱 Instagram: @essen.mit.gefuehl
Diese Episode ist ein Weckruf für alle, die glauben, ihre extreme Fokussierung auf gesunde Ernährung sei normal oder sogar bewundernswert. Wir zeigen dir, warum der vermeintlich sichere Käfig der Orthorexie in Wahrheit ein Gefängnis ist - und wie du den Schlüssel zur Freiheit findest.
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Über Romy Hörbe - Coach für entspanntes Essverhalten und Körperakzeptanz
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Dieser Podcast ersetzt keine professionelle therapeutische oder medizinische Betreuung. Bei akuten gesundheitlichen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachpersonen.
Transkript
Hallo und schön, dass du hier bist bei Romy's Recovery Reality.
Ich bin Romy Hörbe und nach 20 Jahren Essstörung vollständig recovered.
Heute lebe ich mein bestes Leben, ohne Masken, aber mit ganz viel Lebensfreude und Authentizität.
Meine Mission ist es, lebenshungrigen Frauen zu helfen, genau das Gleiche zu tun.
Dieser Podcast ist für dich, wenn du dir tiefe Transformation statt reiner Symptombekämpfung wünschst.
Ich nehme dich mit auf den Weg in die Freiheit und teile ungeschminkt, was mir wirklich geholfen hat.
Mit Herz, Klarheit und der Expertise als Deutschlands erster CCI-zertifizierte Recovery Coach.
Mach es dir gemütlich mit deinem Lieblingstee und lass uns gemeinsam entdecken,
wie viel größer dein Leben jenseits der Essstörung sein kann.
Heute habe ich einen ganz besonderen Podcast-Gast für dich eingeladen, die liebe Madeleine Dehling.
Madeleine ist Ökotropologin und hat eine zusätzliche Ausbildung zum traumasensiblen Coach.
Eine spannende Kombination.
Sie war, so wie ich, viele Jahre selbst von einer Essstörung betroffen und zwar einer Sonderform der Orthorexie,
über die wir heute auch gemeinsam sprechen werden.
Aber bevor wir tief ins Thema einsteigen, herzlich willkommen, liebe Madeleine.
Stell dich doch kurz vor, wer bist du und was machst du heute?
Ja, hallo, liebe Romy.
Ja, vielen Dank.
Du hast mich gerade auch schon ganz toll vorgestellt.
Ich kann noch ein paar Dinge dazu ergänzen.
Also genau, ich bin die Madeleine.
Ich bin 34 Jahre alt.
Ich komme aus der Nähe von Hamburg.
Ich bin Ernährungstherapeutin.
Genau, Ökotropologin eigentlich.
Also das vielleicht auch nochmal für die, die das nicht kennen, was das ist.
Ist ähnlich wie das ernährungswissenschaftliche Studium, nur praxisorientierter.
Das heißt, ich hatte den Schwerpunkt Ernährung und Beratung und im Gegensatz zu dem ernährungswissenschaftlichen Studium,
wo man auch, ja, wo man eben auch mehr diesen wissenschaftlichen Fokus hat, wo man Studien durchführt,
ist es bei uns eigentlich eher so, dass wir mit Studien arbeiten, aber da eben praktisch an der Person arbeiten sozusagen.
Und genau, ansonsten bin ich, wie du schon sagtest, Coaching für traumasensibles Coaching
und ja, habe das beides für mich kombiniert und arbeite entsprechend mit Menschen mit Essstörungen,
mit diesen beiden Ausbildungen, aber eben natürlich auch, wie du schon sagtest,
mit meinem eigenen Hintergrund und meiner eigenen Erfahrung, eben auch zum Thema Essstörungen.
Und ja, ansonsten spiele ich sehr gerne Gesellschaftsspiele.
Ich habe gerade das Puzzeln für mich neu entdeckt.
Bin sehr gern draußen in der Natur unterwegs.
Ich gehe gern bouldern.
Und vielleicht ein kleiner Funfact.
Ich spreche schließend Niederländisch, weil mein Freund aus dem Niederlanden kommt.
Und deswegen passiert das manchmal, dass ich Sätze ein bisschen komisch aufbaue,
wenn mein Gehirn noch so ein bisschen in der niederländischen Sprache hängt.
Also das vielleicht nur noch mal kurz vorab, wenn ihr manchmal denkt so,
wie sagt sie denn das jetzt?
Dann liegt es wahrscheinlich da dran.
Aber vielleicht taucht es auch heute gar nicht auf.
Also schauen wir mal.
Super, vielen Dank.
Also im Zweifelsfall lernen wir heute einfach noch ein bisschen Niederländisch.
Fände ich übrigens auch sehr spannend.
Ich habe das mal in einem Praktikum ganz kurz so ein bisschen auch mitgehabt.
Und es ist eine sehr schöne Sprache.
Also macht überhaupt nichts.
Okay, sehr schön.
Super.
Ja, vielen Dank auch noch mal für die Poststellung, was eine Ökotrophologin ist.
Ich glaube, das war die erste Frage, die ich dir damals auch gestellt habe.
Ja, ist auch nicht so bekannt.
Also ja, genau.
Aber es ist ein interessanter Schwerpunkt.
Und du hast ja, so wie ich, auch Selbsterfahrungen mit Orthorexie gemacht.
Und wie würdest du denn jemandem erklären, was Orthorexie ist, der noch nie davon gehört hat?
Ja, also ich würde sagen, es ist so eine Mischung aus Faszination und aber auch Zwang, was gesunde Ernährung angeht.
Also es ist so eine kontinuierliche Optimierung, Perfektionierung der Ernährung, es irgendwie immer noch ein Stück besser machen wollen.
Und das Ganze ist gekoppelt mit einer riesigen Angst, es falsch zu machen.
Also das Falsche zu essen, etwas zu essen, was nicht den Regeln entspricht und dadurch am Ende krank zu werden.
Und ich war eben jahrelang davon überzeugt, dass ich durch die perfekte, durch die gesunde Ernährung eben niemals krank werden würde.
Und ja, das ist letztendlich auch das, was ich halt sagen würde, was es halt auch so, was den Leidensdruck letztendlich auch so groß macht.
Weil die Angst die ganze Zeit mitschwingt und es irgendwie so ein bisschen ist wie so ein Wechselspiel aus Angst und kurzer Erleichterung.
So ein bisschen auch, wie viele das auch von der Anorexie kennen.
Irgendwie, wenn es dann zum Beispiel ums Wiegen geht und dann wiege ich mich und dann sehe ich die Zahl und dann passt es für mich.
Dann habe ich eine kurze Erleichterung und danach rutsche ich aber direkt wieder in die Angst und will das aufrechterhalten oder frage mich, was habe ich gemacht, damit es so weit gekommen ist.
Und bei der Orthorexie ist es ja, da kann ich das ja nicht so direkt messen, diese Gesundheit.
Aber ich habe halt immer die Angst, was wäre wenn, was macht das jetzt in meinem Körper, dieses Lebensmittel.
Und versuche halt dadurch, dadurch, dass ich bestimmte Regeln befolge, mich belese, immer wieder gucke, was sind die aktuellen Empfehlungen, was wird hier empfohlen, um nochmal den Darm zu reinigen.
Also verschiedenste Dinge mir zusammenzulegen, um quasi für mich das Perfekte herauszuarbeiten und dann irgendwie sagen zu können, okay, mit dieser Ernährung bin ich safe und da kann mir nichts passieren.
Ja, super erklärt. Und du hast es gerade schon so ein bisschen angedeutet.
Also es gibt ja auch wahnsinnig viele Parallelen zur Anorexie und bei beiden geht es ja letzten Endes auch darum, wirklich ein extremes Maß an Kontrolle zu behalten bzw. wiederzubekommen.
Und auch der Perfektionismus trifft sich natürlich in beiden Essstörungsformen, weshalb es ja auch gar nicht so selten ist, dass eben wirklich auch beide zusammen auftreten.
Also dass man auch durch die zu gesunde Ernährung zum Beispiel dann auch ins Untergewicht kommt, was aber wie gesagt ja gar nicht unbedingt immer der Fall sein muss.
Also man kann das auch in einem Normalgewicht oder auch in einem mehrgewichtigen Körper ja sogar haben.
Aber grundsätzlich sind diese Gemeinsamkeiten ja wirklich sehr, sehr fließend.
Also in meinem Fall war es ja damals auch so, dass ich über Anorexie und Bulimie in die Orthorexie gerutscht bin.
Wie bist du denn hineingeraten? War das eher ein schleichender Prozess oder gab es einen konkreten Auslöser?
Ja, also reingeraten bin ich letztendlich schon als, ich sag mal, inzwischen würde ich sagen Kontrollverschiebung, Notlösung, um von der Anorexie wegzukommen.
Also bei mir war die halt als erstes da.
Also der erste Fokus, als es bei mir ums Thema Essen ging, war aufs Thema Abnehmen, weniger Essen, Energiemenge reduzieren.
Bis sich dann halt irgendwann tatsächlich mir bewusst geworden ist, okay, also ich habe ein Selfie von mir gesehen und dachte, boah krass, okay, deine Schultern sind ganz schön knöchern und so kann das nicht weitergehen.
Ich war mir auch bewusst darüber, dass ich im Untergewicht war.
Und da war irgendwo so ein Punkt, wo ich mich erreicht habe, dass ich gedacht habe, nee, also das ist irgendwie nicht der Weg, weil was soll das noch hinführen, wenn ich da jetzt weitermache?
Ich muss irgendwie in eine andere Richtung gehen.
Aber ich hatte die Anorexie ja auch nicht ohne Grund.
Es ging ja eben nicht nur darum, dünn zu sein, sondern ich hatte halt diesen Anker, der mir Kontrolle gegeben hat, wo ich irgendwie was hatte, wo ich das Gefühl hatte, das ist vorhersehbar.
Und das wollte ich natürlich nicht so einfach abgeben.
Das heißt, es war dann dieser Übergang zu, okay, ich muss zunehmen und dann diese Idee, was ich auch von meinen Klienten höre, aber dann bitte nur Muskeln und kein Fett, weil natürlich eine Angst davor war, was passiert dann mit meinem Körper.
Also auch in der Orthorexie war die Angst vor einer Gewichtszunahme, die irgendeine Ausprägung annimmt, die ich nicht mehr gut finde und nicht mehr schön finde, die war auch die ganze Zeit da.
Und ich hatte aber so diese Idee, ich mache das kontrolliert.
Und so fing das auch erst mal an.
Ich habe damals auch angefangen, neben dem Studium im Fitnessstudio zu arbeiten, also hatte da kontinuierlich Zugang und habe dann erst mal mit viel Eiweiß meine Ernährung dahingehend angepasst.
Und dann wurde das halt auch immer mehr, dass ich noch mal mehr darauf geachtet habe, wie gesund ist das jetzt?
Was für eine Funktion haben die Lebensmittel?
Ich habe dann irgendwie natürlich auch durch mein Studium, weil da lernt man das natürlich auch alles und steigt da richtig tief in die Materie ein, immer geguckt.
Ich hätte dir zu jedem Lebensmittel sagen können, das esse ich jetzt, was hat die und die Funktion, das hat die und die Nährstoffe und das mache ich deswegen.
Das war so ein bisschen die Kombination.
Und du hast gefragt, so war das sonst ein schleichender Prozess?
Also ich glaube, der ganze Prozess in die Essstörung überhaupt war in dem Sinne schleichend, weil ich immer auf der Suche war nach Kontrolle.
So seit mein Vater gestorben war, da war ich halt 13.
Und der erste Versuch, irgendwie mehr Kontrolle zu erlangen, war tatsächlich damals in der Schule.
Also ich habe wahnsinnig viel gelernt.
Da hatte ich immer dieses, wenn ich lerne, dann weiß ich, was das Outcome ist.
Wenn ich gut vorbereitet bin, dann habe ich eine gute Note.
Und das hatte auch eine Doppelfunktion, weil es hat mich beschäftigt und es hat meinem Umfeld gezeigt, nee, ich komme zu Recht.
So um mich braucht ihr euch keine Sorgen machen.
Ich habe super Noten in der Schule, bei mir passt alles.
Nee und ja, Trauer, ja, das ist irgendwo so im Hintergrund, aber ich bin hier beschäftigt und alles ist gut.
Und so war das dann später eben auch, dass es bei der Essstörung dann noch dazu gekommen ist.
Also noch ein Aspekt, noch ein Gebiet, wo ich kontrollieren konnte, wo ich das Gefühl habe, hier habe ich was, wo ich mich festhalten kann, wo etwas vorhersehbar ist.
Wo ich halt mit dieser Erfahrung durch meinen Vater halt eher dieses Gefühl habe, die Welt ist unvorhersehbar und es kann plötzlich was passieren, was ich halt nicht kontrollieren kann, wo ich keine Macht drüber habe.
Und das wollte ich halt nicht nochmal erfahren.
Also das war ja auch dann diese Idee der Orthorexie zu sagen, ich ernähre mich so gesund.
Das heißt, mir kann das nicht passieren, weil mein Vater ist durch Krankheit halt gestorben.
Also ich bleibe da gesund, ich ernähre mich optimal.
Und sowas wie Diabetes, Krebs, Herzkrankheiten, das wird es bei mir nicht geben und am besten bei meiner Mutter auch nicht.
Also der habe ich das auch eine Zeit lang, als ich noch zu Hause gewohnt habe, dann noch aufgedrückt und gesagt, hier, mach du das am besten auch noch, weil dann sind wir sicher.
Ja, also ist ja ein absoluter Schutzmechanismus auch.
In dieser wirklich unkontrollierbaren Situation mit 13 ist es natürlich so früh auch den eigenen Vater zu verlieren.
An eine Krankheit kann natürlich dann auch sehr den Wunsch einfach auch füttern, zu sagen, okay, ich tue jetzt einfach, was ich kann, damit das nicht nochmal vorkommt.
Und ich eigentlich alles sicher mache ja sogar so weit hinaus.
Und das erlebe ich tatsächlich auch gar nicht so selten, dass du nicht nur dich selber und dein Ernährungsverhalten kontrolliert hast,
sondern dass auch auf dein Umfeld beziehungsweise auf deine nahestehendsten Bezugspersonen übergeschwappt ist.
In dem Fall eben ja deine Mutter.
Hat sie das damals so mitgemacht oder wie war das für sie?
Also ich weiß noch, dass ich viel einfach für sie gekocht habe und irgendwie immer versucht habe, ihr irgendwas schmackhaft zu machen.
Und sie hat aber manchmal noch gesagt, nee, weiß nicht, das mag ich nicht so gerne.
Das ist nicht so meins.
Sie hat gesagt, aha, jetzt muss ich irgendwie versuchen, ihr anders mehr Gemüse unterzujubeln oder so.
Aber ich, also mir war irgendwie schon, ich habe irgendwann aufgegeben, zu versuchen, dass sie das selber macht.
Also das habe ich irgendwann gemerkt, das wird nicht passieren.
Also es ist nicht so, dass sie das für sich selber annimmt und dann ihre Ernährung für sich umstellt,
sondern das einzige Mittel, was ich halt hatte, war wirklich für sie Dinge zubereiten und dann hoffen, dass sie es mit isst.
Und da muss ich sagen, da bin ich irgendwann auch echt ganz schnell auf dem Zahnfleisch gelaufen, weil das,
ist schwierig, schon herausfordernd genug, wenn man für sich selber das die ganze Zeit macht und das 24-7 abläuft.
Und wenn man dann noch versucht, das für jemand anders mitzumachen, also irgendwann habe ich das auch tatsächlich aufgegeben.
Ich bin dann ja auch irgendwann ausgezogen, dann war das sowieso nicht mehr so ein großes Thema.
Dann hat man einfach auch nochmal mehr Abstand.
Aber das ist einfach, ja, was man, genau wie bei der Recovery, niemanden aufdrücken kann, wenn er das nicht möchte.
Also, was natürlich gerade in dem Wunsch oder in der Besorgnis, die ja letzten Endes bei dir auch dahinter gesteckt hat,
natürlich auch wahrscheinlich eine Frustrationserfahrung war, zu sehen, so okay, ich kann es zwar für mich kontrollieren,
aber nicht für meinen geliebten Menschen, was, ja, also wie gesagt, ich erlebe das häufig auch bei meinen Coaches
oder in bestimmten Fällen, dass eben wirklich das Umfeld, auch sei es Kinder oder Partner,
mit in diesen gesunden Lebensstil reingezogen werden, mit diesem starken Wunsch, das eben auch noch zu kontrollieren.
Also, ja, genau, und es ist, ja, und es ist genau wie du sagst, es ist super frustrierend
und man hat dann halt wieder diese Kontrollverlusterfahrung.
Ja, weil da habe ich ja keinen Einfluss drauf, so.
Ich kann wieder nicht kontrollieren, dass mein Gegenüber das mitmacht und komme wieder in diese Not von,
ja, aber ich habe doch hier jetzt meine Lösung in Anführungsstrichen gefunden und meine Strategie
und jetzt geht irgendwie hier mein Umfeld nicht mit.
Also, ja, ja, also das kann extrem frustrierend sein.
Absolut.
Und dann wahrscheinlich auch die eigene Kontrolle nochmal verstärken.
Also, in meinem Fall war es auch so, dass ich gedacht, so, wie, wieso machen die das jetzt alle nicht?
Und sei das erstmal nur bei ganz klassischen Sachen.
Also, ich habe es doch bei meinen Großeltern erlebt, wo ich mir gedacht habe, so, Mensch, wir könnten doch jetzt hier was tun.
Wieso, wieso macht ihr denn jetzt nichts?
Und eben wirklich auch zu akzeptieren, so, okay, das ist eben, ja, nicht der Weg, also nicht der Weg für alle.
Und auch in meinem Fall habe ich ja damals auch gemerkt, so, Mensch, das ist schon ziemlich extrem.
Und ich habe mir ja immer auch eingeredet, mir schmeckt es ja, aber wenn wir das mit gesunden Menschen machen,
die sind da ja durchaus realistischer und denken sich so.
Also, ich habe mir hinterher dann auch gedacht, ich hatte dann irgendwann nach meiner Recovery so einen gesunden Adventskalender
und habe mir nur so gedacht, also irgendwie, weiß ich auch nicht, irgendwie schmeckt das nicht so gut,
wie ich das in Erinnerung hatte, als ich noch eingeredet habe, dass mir das schmeckt.
Ja, und da hast du ja, ich glaube auch, was da mit reinspielt, ist dieser Dopaminausschuss, wenn du denkst, ja, aber es ist gesund.
Das heißt, damit ist es gut und dann spielt sich das schon automatisch so ab, so, dann muss ich es ja mögen,
weil ich mag es allein dafür, dass es gesund ist und weil es sicher ist für mich.
Und klar, wenn ich was esse, wo ich krasse Angst vor habe, weil das nicht in meinen Regeln entspricht,
dann vergeht mir auch der Appetit.
Also, dann ist es oft so, dass erstmal was nicht so lecker schmeckt, wie es vielleicht dann eben vor der Essstörung war.
Ja, ganz genau. Und es ist ja, es ist sogar studienmäßig nachgewiesen, dass, wenn wir davon ausgehen,
dass uns etwas schmeckt, es dann auch besser schmeckt, als es das tun würde, wenn wir das nicht hätten.
Übrigens auch bei der Sättigung. Wenn wir davon ausgehen, dass uns ein Lebensmittel satt macht,
dann werden wir auch mehr Sättigung spüren, als wenn wir davon ausgehen, dass es das nicht tut.
Also, es ist spannend, wie das Gehirn da wirklich auch mitspielt und, ja, wenn wir uns das selber einfach verdammt gut verkaufen können.
Ja, absolut.
Was aber auch die Herausforderung letzten Endes ja auch in der Recovery ist, nämlich zu sagen, so, was schmeckt mir denn wirklich?
Ja.
Also, mag ich das wirklich nicht oder habe ich einfach nur Angst davor?
Weil, wenn ich Angst davor habe, schmeckt es mir natürlich nicht.
Genau. Und ich glaube, deswegen ist halt auch ein Punkt, der so wichtig ist, es doch immer, dem Ganzen immer nochmal eine Chance zu geben.
Und nicht nur einmal, aber das fand ich jetzt nicht lecker, gut, das kann ich von der Liste streichen, weg damit.
Gott sei Dank mag ich nicht.
Ja, genau so. Sondern dem entweder nochmal in der gleichen Form eine Chance zu geben oder halt auch in anderen Formen.
Also, ich hatte neulich auch eine Klientin, die sagt, nee, ich mag gar keine Nüsse.
So, das geht gar nicht für mich.
So, hast du schon mal Nussmus probiert?
Ah, nee, das habe ich noch nie probiert.
So, und dann ist das manchmal einfach etwas, was so eine Möglichkeit wäre, einfach zu integrieren.
Also, ja.
Genau. Also wirklich diese Neugier auch immer rein.
Also, ich habe auch gesagt, also was ich teilweise bestimmte Lebensmittel nochmal und nochmal und nochmal gegessen habe,
bis es dann eben, also bis ich wirklich mit Sicherheit sagen kann, okay, ich mag das nicht und ich meine Essstörung mag das nicht.
Das war nochmal ein ganz schöner Prozess.
Deswegen, ja, wichtig auch für die Recovery einfach im Hinterkopf zu behalten.
Absolut.
Kannst du dich noch erinnern, was so bei dir die ersten gesunden Regeln waren,
beziehungsweise wie die sich vielleicht auch verändert haben oder vielleicht auch verschärft?
Ja, also ich kann auf jeden Fall sagen, bei mir ging das ja ungefähr zehn Jahre mit der Orthorexie
und es ist verrückt, durch wie viele unterschiedliche Ernährungsregelphasen ich da durchgegangen bin.
Also, ich weiß ziemlich, am Anfang war so mein, ich hatte so ein Dampfgrargerät.
Und ich habe am Anfang ganz viel Tiefkühlgemüse gegessen und Kartoffeln
und das habe ich dann immer in diesem Gerät zubereitet.
Und ja, ich meine, das war schon so ein bisschen die Grundlage, dieses Cleaner halt.
Irgendwie reine Lebensmittel ohne Zusatzstoffe.
Aber es kamen dann halt im Laufe der Zeit auch einfach verschiedene Ernährungsformen nochmal dazu,
die ich dann durchlaufen bin.
Also zum Beispiel die vegane Ernährung habe ich zweieinhalb Jahre gemacht.
Dann kam Paleo-Vegan.
Also da kann man fast gar nichts mehr essen.
Da fällt ganz, ganz viel weg.
Und das ist ja eben auch das Verrückte letztendlich,
dass man quasi auch dadurch so ein bisschen,
da zieht man ja so einen Wert raus, wenn man merkt,
ah, guck mal, da habe ich wieder was entdeckt.
Das Lebensmittel ist auch schlecht.
Das kann ich auch wieder weglassen.
Das kann ich auch wieder streichen.
Und dann bleibt am Ende nur noch so eine ganz kleine Gruppe übrig,
die sich für einen sicher anfühlt.
Und das ist ja gerade dieses Paradoxum eben bei der Orthorexie,
die ja sich darauf bezieht, gesund zu ernähren,
wobei ja die Vielfalt einfach komplett weg bleibt
und das dann eben genau deswegen keine gesunde Ernährung mehr ist,
weil ich so eingeschränkt bin in meiner Auswahl
und natürlich auch, weil dieser ganze Punkt,
ja, gesunde Ernährung so als eine Säule gesehen wird
und ich komplett vergesse, wie geht es mir denn dabei psychisch
und ist das noch entspannt für mich
oder ist das eigentlich alles nur auf Zwang basiert,
was mich eigentlich auf einer anderen Stelle gesundheitlich kaputt macht.
Ja, das sind ja einfach so viele Punkte, die mit reinfließen.
Genau, und das ist ja das, was wir heutzutage,
ich meine, das sagt uns ja auch keiner,
weil es heißt immer nur, ist so, das ist gesund
oder vielleicht noch bewegt dich so, das ist gesund,
aber niemand sagt, achte auf deine mentale Gesundheit,
achte auf Stressreduktion und ich sage mal so,
also aus meiner Erfahrung kann ich sagen,
Orthorexie ist alles andere als stressfrei,
weil es geht ja teilweise nicht mal mehr nur um das Lebensmittel selber,
sondern du hast es ja auch schon gerade angedeutet,
wie das Lebensmittel eben zubereitet wird,
dass es eben nur noch Dampf gegart wird
und vielleicht nicht mehr in Öl oder Fett angebraten,
was ja wiederum wichtig ist, um die Vitamine aufzunehmen.
Oder ja, auch so Regeln, die,
also ich hatte zum Beispiel auch so eine Phase
oder ja, eigentlich ist es am Ende immer schlimmer geworden,
dass selbst die gesunden Lebensmittel,
die eigentlich erlaubt waren, weggefallen sind,
weil ich gesagt habe, Mensch, du hast aber jetzt nicht eingeweicht,
du musstest doch eingeweicht essen,
wegen der blöden Phytonährstoffe.
Ja, absolut, das kenne ich auch so gut.
Oder am besten gekeimt essen und dann muss ich aber erstmal wieder ein paar Stunden warten
und dann habe ich das jetzt nicht zu Hause und dann kann ich es nicht essen.
Also alles dreht sich ja darum und das ist ja mit so unfassbar viel Planung eben auch,
geht das ja einher.
Und ich weiß auch noch, wie viel Zeit ich im Supermarkt verbracht habe
und da habe ich mir auch immer eingeredet,
nee, das macht mir einfach Spaß.
Ich glaube, du hattest das auch mal in so einem Podcast gesagt,
ich bin halt ein Foodie.
Ja, genau.
Nee, ich bin einfach voll in der Obsession.
Also ich bin halt so zwanghaft damit beschäftigt,
immer zu gucken, was ist hier das Beste, was ist hier das Neueste.
Also ich weiß das auch noch im Biomarkt.
Oh ja.
Jede Zutaten, das sie gelesen, immer geguckt,
was sind die neuesten Superfoods, die ich noch integrieren kann.
Und ja, es nimmt einfach so viel Zeit in Anspruch im ganzen Alltag
und dadurch wirkt halt alles andere auch in den Hintergrund.
Ja, was ja natürlich auch für Beziehungen,
die man ja auch vielleicht noch in seinem Leben hat,
sehr herausfordernd ist.
Also ich erinnere mich auch noch dran,
so weil du gerade Biomarkt sagst.
Also ich bewundere immer noch die Geduld meines Partners,
der damals ja auch wirklich,
also ich weiß nicht, wie viele Stunden wir in Biomärkten zugebracht haben.
Also wenn wir in einen reingegangen sind
und unter einer Stunde wieder draußen waren,
dann war es ein Wunder.
Und es ist nicht so,
dass ich dann mit einem vollen Korb rausgegangen wäre.
Nee, ich habe dann zwei, drei Sachen da drin liegen,
die dann durch das ganze Kriterium gefallen sind.
Und immer wenn die Bio-Fach war,
also dann die neuen Produkte rauskannen,
dann mussten die auch alle noch studiert werden.
Also ja, ich glaube, mein Hobby war wirklich in den Biomarkt zu gehen
und auch in jeder fremden Stadt.
Das Erste, wo ich hin bin, war nicht irgendein Kaffee,
nee, in den Biomarkt.
Genau das Gleiche.
Ja, das ist exakt wie sowas bei mir auch.
Ja.
Ja.
Das zeigt ja nochmal,
wo die ganze mentale Energie hingeht.
Also das ist so das,
und das ist ja auch irgendwie, glaube ich,
dann in einer neuen Stadt so der erste Ort,
wo man sich sicher fühlt.
Wo ist der Biomarkt?
Ja, genau.
Da kann mir nicht mehr viel passieren.
Ja.
Genau.
Obbi, es gibt keinen.
Ja.
Dann ist die Stadt raus.
Ja.
Ja.
Oder das Leben halt sehr klein.
Ja.
Also ich weiß...
Ob das so führt...
Genau.
Ja.
Ich weiß nicht, wie das bei dir war,
aber bei mir war es zum Beispiel eben auch so,
wenn ich in den Urlaub gefahren bin,
das war mit einer Vorplanung,
ging das einher.
Also zum einen habe ich erstmal studiert,
welche Supermärkte gibt es in der Umgebung?
Was kriege ich da wohl für Lebensmittel?
Haben die wohl die Lebensmittel,
die meinen Kriterien entsprechen?
Wenn die die nicht haben,
dann muss ich erstmal einen halben Koffer
voll mit Essen mitnehmen,
weil ich ja Angst habe,
dass ich sonst die Sachen da nicht kriege.
Und dann wird es ja ganz schlimm,
weil ich meine,
Gemüse kann man jetzt nicht
für mehrere Wochen mitnehmen.
Das wird einem schlecht.
Und was ist,
wenn ich dann keinen Biomarkt in der Nähe habe?
So, wo kriege ich da mein Gemüse her?
Also, ja.
Absolut.
Also ich bin auch immer mindestens
mit einem Rucksack irgendwo hin
auch zu Freunden tatsächlich.
Was, ich sage mal so,
ich war jetzt nicht gerade
der beliebteste Gast,
weil egal wie viel Mühe die sich gegeben haben,
mit dem Kuchen gebacken
und keine Ahnung was
und teilweise sogar gesunde Kuchen,
also so theoretisch.
Also was gesunde Menschen
vielleicht noch als gesund bezeichnen würden.
Nein, aber das ist ja auch noch
und Gluten und na, na, na.
Ja.
Es ist halt echt schwierig.
Und ich, also rückblickend,
haben Freunde zu mir dann auch gesagt,
das ist so schön,
das hat sich echt blöd angefühlt,
wenn du mit deinen ganzen Extrasachen da kamst,
obwohl wir ja eigentlich
Kaffeetrinken vorbereitet hatten.
Ich so, oh, hast du so bereit?
So rückblickend denke ich mir halt echt,
ich war, also ich habe mich nicht gerne
als Gast gehabt.
Ja, und gleichzeitig ja so verständlich,
weil man sich ja mit einem anderen unsicher fühlt.
Ja.
Und man hat ja immer diesen Konflikt aus,
entweder ich nehme jetzt hier mein eigenes mit
und kann irgendwie abends
halbwegs beruhigt einschlafen
oder ich mache das jetzt hier
zum Mitgefühl der anderen irgendwie mit
und habe dann aber,
also bei mir war es so,
drei Tage bin ich dann damit beschäftigt,
wie kann ich das jetzt wieder kompensieren?
Was muss ich noch gesünder essen,
um das wieder auszugleichen?
Und ich weiß auch,
bei mir war es tatsächlich so,
ja, das hat sich auf meine Mutter
ja am Anfang mit ausgewirkt,
aber ansonsten war ich immer sehr zurückhaltend,
mit anderen da zu versuchen zu belehren,
weil ich auch immer diesen Anteil in mir hatte,
dass ich Angst davor hatte,
anstrengend zu sein für andere.
Also das war auch immer nochmal,
was sowas mitgespielt hat.
Und ich eigentlich auch gemerkt habe,
ich habe ja auch versucht irgendwie zu kontrollieren,
wie sehen mich andere?
Also das heißt,
dieser Körperfokus war ja auch noch da.
Aber ich habe auch gemerkt,
es ist eigentlich egal, was ich mache.
Mein Kopf sagt mir immer,
dass Menschen irgendwas Negatives
über mich denken könnten.
Das heißt,
wenn ich mich besonders gesund ernähre,
dann könnten die denken,
boah, ist die anstrengend,
so mit der will ich jetzt ja irgendwie
ja nicht länger zusammen sein.
Da weiß ich ja gar nicht,
was man da noch essen kann.
Oder aber es gibt einen Anteil in mir,
der sagt dann,
oh ja, aber vielleicht denken sie auch,
oh ja, krass,
die ist ja diszipliniert so,
die hat es ja richtig gut,
die hat es ja richtig drauf,
so die kann es ja.
Also das ist ja auch was,
was man dann immer mal wieder hört.
Also es ist schwierig.
Ja, also das ist tatsächlich auch ein Punkt,
weil das ist mir zum Beispiel auch passiert,
dass ich viele Komplimente
tatsächlich auch gekriegt habe von,
oh, und wie kannst du so viel essen?
Ja gut, Berge von Salat.
Oder wie machst du das?
Und ich,
und das tut mir wirklich bis heute leid,
ich wirklich auch gefragt wurde,
ja und so,
hey und ich will auch ein bisschen abnehmen
und wie machst du das?
Und ich dann meine gesunden Ernährungsregeln
wirklich auch weitergegeben habe
und die Leute wirklich zugehört haben
und ganz ehrfürchtig
und ich heute nur denke so,
oh mein Gott,
was habe ich da gesagt?
Also es tut mir auch bis heute noch leid,
aber ich habe es wirklich ja damals
auch in bester Intention gemacht,
war auch stolz darauf,
dass ich eben in solchen Themen
auch gefragt wurde
oder eben,
wieso?
Nö, sie ist doch
und sie ist doch ganz gesund
und das ist ja auch diese Tücke.
Also es tarnt sich ja auch
als gesunder Lebensstil
und ist ja auch gesellschaftlich
durchaus sehr anerkannt.
Ab wann hast du denn gemerkt,
dass das mit Gesundheit
nichts mehr zu tun hat?
Ganz kurz vielleicht noch,
weil mir gerade noch eine Sache eingefallen ist,
die du gerade gesagt hast,
wenn man so seine Ernährungsregeln
weitergibt.
Ich meine,
das Gute ist ja,
wenn da jetzt,
nicht jeder ist ja da so an,
spricht da ja so drauf an.
Und es gibt ja auch genug Leute,
die hören dann die Regeln
und denken sich,
oh Gott,
wenn ich das alles machen muss,
dann lasse ich es lieber.
Und dann ist das ja auch
schon wieder abgehakt.
Und ich meine,
die Erfahrung habe ich auch öfter gemacht
und ja,
dann hat man das halt zwar weitergegeben,
aber bei vielen gesunden Menschen,
was das Ernährung angeht,
ist das ja fünf Tage später
auch wieder vergessen.
Vielleicht sogar schon am nächsten Tag.
Ja,
wenn es nicht relevant ist,
warum darfst du das verinnerlichen?
Genau.
Und es ist eben anstrengend.
Ja.
Und gleichzeitig,
wenn dann jemand darauf anspringt,
also das weiß ich zum Beispiel
bei mir auch noch,
wenn ich irgendwo dann was gehört habe,
dass mir irgendjemand was erzählt hat von,
ja,
zu dem und dem Ernährungsthema
habe ich jetzt gehört,
das und das sollte man nicht essen,
dann war das bei mir sofort eingeloggt.
Also das ist ja auch nochmal
dieser Unterschied
zwischen jemandem,
der dann ein gesundes Verhältnis hat
und jemandem,
der halt alles aufsaugt wie ein Schwamm,
was diese,
was Infos angeht zum Thema Ernährung,
wo das einfach nochmal
sich ganz anders landet auch.
Ja,
genau.
Also bei den einen,
die hören es halt,
denken sich,
aha,
und die anderen,
huh,
neue Regel.
Ja,
genau.
Also es wird ja wirklich sofort eingebaut
ins Regelwerk
und das ist ja auch das Gefährliche,
warum halt auch immer mehr verschwindet
und letzten Endes
ja auch eine Mangelernährung kommt.
Ach,
das war der Gedanke,
den ich vorhin noch hatte,
genau.
Weil dieses Nahrungssuchverhalten,
sage ich immer so schön,
also auch dieser Überfokus damit
oder wo ich damals auch gesagt habe,
ich bin ein Foodie,
lag ja auch daran,
dass ich einfach überhaupt nicht mehr genug Energie hatte,
weil ich meine,
wie viel Energie konnte übrig bleiben
aus Grünzeug und aber eben auch,
ja,
die Nährstoffe gefehlt haben.
Das heißt,
also so gesund die einzelnen Sachen
vielleicht grundsätzlich sind,
aber wenn es zu einseitig ist
und dem Körper einfach was fehlt,
dann kann er ja gar nicht anders,
als vorzusorgen
oder als panisch zu werden,
wenn es vielleicht diese Lebensmittel
dann irgendwo nicht gibt,
weil man in Urlaub fährt
oder irgendwo hingeht.
Also es ist ja auch,
auf einer Ebene sehr fürsorglich vom Körper,
einen immer wieder daran zu erinnern
und eben auch so krass vorzusorgen,
damit er überhaupt noch irgendwas hat.
Absolut.
Man hat sich halt quasi
sein eigenes Mangelgebiet erschaffen.
Ja.
Ohne es zu wissen.
Also in bester Absicht,
aber ja.
Ja,
absolut.
Genau.
Also,
wann hast du gemerkt,
okay,
mit gesunder Ernährung oder Gesundheit
hat das eigentlich nichts mehr zu tun,
weil es war ja auch dein Anspruch,
gesund zu bleiben?
Mhm.
Mhm.
Also es gab immer mehr Momente,
in denen ich gemerkt habe,
wie anstrengend das eigentlich für mich ist
und in denen ich wirklich hinterfragt habe,
hey,
Gesundheit ist das eine,
aber das ist ja nicht alles,
also,
nee,
Ernährung ist das eine,
aber das ist nicht alles,
was Gesundheit ausmacht.
Und da gehören noch so viele andere Säulen mit dazu
und da waren so mehrere Momente,
wo ich gedacht habe,
es kann doch nicht sein,
dass ich mir so viele Sorgen,
Gedanken,
Ängste
ums Essen mache
und dass das dann,
also welchen Effekt hat das denn auf meinen Körper?
Also wie viel Stress mache ich tagtäglich durch,
nur um dieses Regelwerk aufrecht zu erhalten,
um den Regeln zu folgen
und was macht das mit mir?
Also das habe ich schon irgendwann immer mehr hinterfragt
und gleichzeitig,
ich habe dann zu der Zeit auch in der WG gewohnt,
habe ich halt gemerkt,
so, ja,
meine Mitbewohner,
die bestellen sich einfach eine Pizza
und essen die
und danach haben sie es wieder vergessen.
Ja.
Das war schon so,
ja,
dass ich so dachte,
wie geht das?
Also das war für mich völlig außerhalb jeglicher Sphären.
Also ich dachte echt,
das könnte ich niemals,
habe ich gedacht.
Das wäre für mich ein absolutes,
aber ich würde es gerne können.
Also das war irgendwann so das Ding,
dass ich dachte,
ja, guck mal,
die machen das doch auch
und es ist ja auch nicht so,
dass die jeden Abend Pizza bestellen,
sondern die haben dann auch,
also die essen dann halt auch mal Salat,
wenn sie Bock drauf haben
oder machen sich irgendwie eine Gemüsepfanne
und am nächsten Tag gibt es wieder Pasta.
Also es wirkte für mich irgendwie
so authentisch ausgeglichen
und da habe ich gemerkt,
so,
das ist was,
was bei mir komplett fehlt,
weil ich kann nichts entspannt essen,
was nicht meinen Regeln entspricht.
Genau.
Und das war dann irgendwann der Punkt,
dass ich so dachte,
ich will was machen in die Richtung
oder ich will,
also ja,
es ist glaube ich auch dieser Punkt von
dieses Paradoxum,
ich denke,
ich sorge gut für mich,
indem ich den Regeln folge
und mich gesund ernähre,
aber ich übergehe die ganze Zeit
meine eigentlichen Bedürfnisse.
Zum Beispiel habe ich vielleicht gerade Lust
auf was anderes.
Ich habe gerade gar keine Lust
auf das Frühstück
oder das Mittagessen,
was ich mir in meinem Ernährungsplan
irgendwie da ausgearbeitet habe
oder was ich mir jetzt vorgenommen habe,
weil das die perfekten Nährstoffe hat,
sondern ich habe gerade Lust
auf was völlig anderes
und ich habe lange gedacht,
zu gesunder Ernährung gehört,
das kontinuierlich zu unterdrücken.
Das ist nicht das,
was wir wollen,
sondern es wird einem ja auch so gesagt.
Also wenn wir heute
in die Gesellschaft gucken,
heißt es ja,
also wenn du Hunger isst,
ja dann isst ein Apfel
oder jetzt gerade noch krasser,
auch mit diesem ganzen Skinny Talk Trend,
der ja wiederkommt,
die ja auch genau solche Regeln wieder sagen.
Wenn du keinen Apfel essen würdest,
wenn du hungrig bist,
dann hast du keinen Hunger.
Ja, wenn du aber wirklich Energie brauchst,
dann hilft dir der Apfel gar nicht.
Ja, also wenn du was Frisches brauchst,
dann isst der Apfel genau richtig.
Aber wenn du wirklich Hunger hast
oder Fette brauchst
oder Kohlenhydrate,
was solltet man da
einen Apfel ausrichten?
Richtig, richtig, voll.
Und es ist halt so schwierig,
gerade am Anfang,
sich dann überhaupt darüber klar zu werden,
ja was will ich denn sonst,
weil ich habe ja nur mein Repertoire
von das sind die Lebensmittel,
die gehen.
Und die anderen,
die sind ja wie Scheuklappen
sind die anderen Lebensmittel
ja ausgeblendet.
Das heißt,
die kommen ja mir erst mal
gar nicht in den Sinn.
Und das langsam wieder
ja anzuwerfen quasi,
also dieses,
ja okay,
es gibt jetzt hier auch noch andere Dinge,
die ich mal ausprobieren könnte,
vielleicht mal durch den Supermarkt zu gehen.
Das habe ich zum Beispiel damals gemacht
und mir gesagt habe,
okay,
wie wäre das jetzt,
wenn ich so mit meinem
früheren Ich hier durchgehen würde,
so mit der kleinen Magdalene,
die irgendwie acht Jahre alt ist,
noch nie was von Kalorien gehört hat,
noch nie was von Nährstoffen gehört hat
und einfach mal das nehmen kann,
worauf sie Bock hat
und danach mal einkaufen zu gehen,
was nicht bedeutet hat,
dass ich das dann direkt zu Hause
auch alles gegessen habe,
weil das war immer noch schwierig.
Ja.
Aber zumindest mal eine Chance zu haben,
zu merken,
okay,
dann würde ich vielleicht hier wirklich
auch mal andere Dinge auswählen
und gleichzeitig auch zu merken,
das macht mir hier gerade Angst,
weil natürlich immer die Idee ist,
ja,
wenn ich das mache,
dann esse ich am Ende ja nur noch sowas.
Dann esse ich ja nur noch Süßigkeiten,
dann esse ich ja nur noch Pizza
und das aber auch immer mehr mitzukriegen,
ist nicht das,
was da passiert.
Wenn ich im Kontakt bin mit meinem Körper,
dann habe ich nicht jeden Tag Lust
auf Pizza, Pasta, Eis.
Zumindest nicht,
wenn ich nicht mehr in der Mangelernährung bin,
das ist ja auch nochmal ein Punkt.
Genau,
weil es kann ja durchaus phasenweise so sein
und da fühlt mich ja genau dieser Anteil,
der auch Angst hat,
total bestätigt.
Das siehst du,
ich habe dir doch gesagt,
wenn du einmal mit dem Eis anfängst,
dann kannst du es nicht mehr beiseite legen,
ganze Box alle.
Ja,
kann passieren.
Ja, logisch.
Ich muss ja auch Eis von fünf oder zehn Jahren aufholen.
Eben.
Also es ist logisch,
dass man da am Anfang erstmal nicht mehr aufhören kann
und das sich aber auch irgendwann beruhigt.
Und das ist ja, glaube ich,
auch so schwierig,
sich da wirklich die komplette bedingungslose Erlaubnis zu geben,
das Essen zu dürfen,
bis zu dem Punkt,
wo ich wirklich merke,
ich will das jetzt gerade nicht mehr
und nicht zu dem Punkt,
wo mein Kopf mir sagt,
ich müsste das jetzt nicht mehr wollen,
weil es war jetzt genug.
Ja,
weil dann bleibt es nämlich,
dann bleibt ja auch dieser Food-Fokus,
dieser mentale Hunger
und ja,
eben einfach auch die Angst,
die ja immer noch sagt,
okay,
ich kann das jetzt zwar essen,
aber nur noch in der Menge.
Das ist ja auch so ein Punkt.
Oder erlebt man ja auch oft in der Makersucht,
also egal bei was,
dass man sagt,
okay,
ich esse das ja,
aber nur so und so viel,
so für das,
was halt noch als sicher gilt.
Aber es ist halt immer noch eine Form von Mangel
und ja,
man sorgt nicht dafür,
dass wir unser Gehirn letzten Endes
auch wieder neu programmieren,
dass wir eben alles haben dürfen.
Genau.
Mein Beispiel damals war ja wirklich so dieses,
Kennst du diese Chips-Clips-Tüten?
So diese Clips,
die man dran macht,
wenn man die Chips-Packung nicht geschafft hat?
Ja.
Ich habe die nicht verstanden.
Ich dachte,
wofür gibt es sowas?
Weil wenn ich dann diese Chips-Tüte aufmache,
dann inhaliere ich die ja auch weg.
Ich habe das wirklich nicht verstanden
und ich habe in meiner Recovery
dann auch angefangen und gesagt,
okay,
du machst jetzt ein Schälchen mit Chips
und bedingungslose Erlaubnis
war auch mein Schlagwort,
wo ich gesagt habe,
okay,
du darfst so oft dir dein Schälchen wiederfüllen,
wie du möchtest.
Du spürst nur kurz in dich rein,
will ich noch mehr oder nicht?
Wenn ja,
dann gehst du dahin.
Und wenn dann am Ende die Packung alle ist,
dann ist die Packung alle.
Und ich habe vorhin die Erfahrung gemacht,
dass da immer so ein kleiner Rest übrig geblieben ist.
Und dann habe ich irgendwann diese Reste vergessen
und hatte lauter angefangene Packungen
mit Chips-Clips-Tüten.
Ich wette,
wenn ich jetzt rüber in den Schrank gehe,
ist da immer noch eine drin.
Dass ich einfach vergessen habe,
das wäre mir nie passiert.
Herrlich.
Ja.
Ja, voll schön.
Und das finde ich auch nochmal so ein wichtiger Punkt,
dieses Eichecken mit sich selber,
ohne aber dabei auch zu akribisch zu sein.
Weil das habe ich irgendwann auch gemerkt,
dass ich dann immer dachte,
ja, will ich das jetzt wirklich, wirklich
und muss jetzt nochmal überprüfen.
Und da habe ich für mich irgendwann
so dieses Mantra entwickelt,
dass ich gesagt habe,
wenn ich gerade zweifle,
esse ich das oder esse ich es nicht,
dann ist es ja.
Ja.
Wenn ich hier schon anfange,
mich damit zu beschäftigen,
dann wird das schon einen Grund haben.
so und dann,
ja,
ich auch.
Also ich saß teilweise auch auf der Couch,
dachte so,
Mensch,
jetzt hast du noch Appetit,
dann habe ich das am Anfang meistens ignoriert.
Zehn Minuten später kam der Gedanke immer noch
und ich so,
okay,
hast jetzt zehn Minuten darüber nachgedacht,
ob du das willst oder nicht.
Dann willst du das wohl,
steh jetzt auf und holst dir
oder willst du noch weitere zehn Minuten
darüber nachdenken
oder den restlichen Abend,
weil du kannst ja auch nicht
was anderes denken
und das war aber genau das,
was die Freiheit gebracht hat.
Absolut.
Und sich dann auch zugestehen zu können,
ja,
und vielleicht ist es manchmal auch genau nicht das,
was ich will
und das ist auch in Ordnung.
Vielleicht merke ich das erst,
wenn ich anfange zu essen.
Oh,
ist es doch nicht.
Und also das war auch eine Zeit lang bei mir,
dass ich dann immer noch mal ausprobiert habe,
ah,
ist es jetzt das?
Nee,
da habe ich doch keine Lust drauf.
Und dann habe ich auch ganz viele Dinge
irgendwie angefangen,
weil ich erst mal wieder entwickeln musste,
ja,
ich hatte dafür ja kein Gefühl mehr,
ist ja auch logisch,
weil ich ja mehr als zehn Jahre halt
ohne dieses Gefühl quasi gegessen habe
und dann mir aber auch erlauben zu können,
ich probiere jetzt mal ein bisschen davon,
ich probiere jetzt mal ein bisschen davon
und am Ende kann ich dann,
ja,
alles essen,
was ich möchte,
in der Menge,
die ich gerade möchte.
Na,
also,
ja.
Und das pegelt sich ja auch wirklich krass ein.
Also,
wie du gesagt hast,
so,
ich habe mal alles eingekauft.
Also,
ich habe eine ähnliche Strategie auch,
habe so gesagt,
okay,
also,
ich habe mir dann wirklich eine Liste geschrieben,
so,
was habe ich als Kind gern gegessen?
Oft emotional verknüpft,
auch weil mein Opa,
der hatte zum Beispiel mal so Happy Hippo Snacks
für mich gekauft
und so eine bestimmte Chipsform.
Meine Oma hat Pudding für mich gekocht
und ich so,
hey,
die ganzen Sachen,
die probieren wir jetzt einfach neu.
Und lustigerweise haben viele Sachen
gar nicht mehr so geschmeckt wie früher.
Oder ich habe eben gedacht,
okay,
ich bin immer davon ausgegangen,
du isst wahrscheinlich die ganze Packung.
Also,
ich habe mir immer gleich die Erlaubnis gegeben,
okay,
könnte passieren.
Und dann habe ich aber auch beobachtet,
wie geht es mir eigentlich damit?
Und ja,
am Anfang habe ich wirklich deutlich mehr davon gegessen.
Also,
mein bestes Beispiel waren immer die Kinder Bueno.
Am Anfang habe ich wirklich so ein ganzes Sechserpack gegessen.
Irgendwann habe ich gemerkt,
so der Erste,
oh ja,
war gut,
da brauche ich noch ein Zweiter.
Ja,
ist auch gut.
Dritte,
irgendwie verändert sich der Geschmack.
Also,
ein Viertes macht mich jetzt auch nicht mehr glücklicher.
Und es hat sich eingepegelt.
Und das hat aber genau eben auch die Angst genommen,
weil es ist ja genau diese,
also wirklich auch an dieses Pendel erst mal zu kommen von,
ich habe es gar nicht gegessen zu,
ich will nur noch das,
was ja eine berechtigte Angst ist.
Und vielleicht wirklich auch eine Zeit lang einfach so ist,
hinzu,
aber es pegelt sich aus.
Also,
heute sind die wenigsten Sachen,
weil ich weiß einfach auch,
wie sie schmecken oder wie sie mich vielleicht fühlen lassen
oder so,
wo ich sage,
okay,
ist in der Regel nicht dran.
Oder manche Sachen auch,
die ich eigentlich abgeschrieben habe,
gibt es dann in Momenten,
wo ich dann denke,
aber heute passt es irgendwie.
Genau.
Und ich glaube,
das ist ja auch der Punkt,
du kannst es ja morgen wieder essen.
Ja.
Das geht ja nicht vorbei.
Und ich glaube,
das ist halt auch so ein ganz,
ganz wichtiger Punkt,
dass wir vorher ja oft immer so in Etappen oder Grenzen gegessen haben.
Oder zum Beispiel auch,
naja,
wenn ich dann mein Recovery-Gewicht,
was ich ja gar nicht weiß,
wo das ist,
aber was ja öfter immer mal gerne von außen festgelegt wird,
wenn ich das erreicht habe,
so,
was mache ich denn dann?
Dann darf ich das nicht mehr essen.
Genau.
Und das ist nämlich ein super wichtiger Punkt.
Das sehe ich auch mal wieder bei Klienten.
Nee,
das ist kein Fear Food mehr für mich.
Bis sie dann an dem Gewichtspunkt sind.
Ja,
aber jetzt muss ich es ja nicht mehr essen,
weil jetzt muss ich ja nicht mehr zunehmen.
Und teilweise sagen dir das sogar Kliniken oder Therapeuten.
Ja,
dann müssen sie das jetzt nicht mehr essen.
Also als wäre es damit ab,
ich sage,
wir machen das doch nicht,
um uns danach wieder einzuschränken.
Das macht ja überhaupt keinen Sinn.
Absolut.
Ja.
Und das ist nicht Recovery.
Nein.
Aber das ist halt genau die Idee,
auf die dahinter steckt.
definiere als reine Gewichtszunahme.
Und ja,
die ist auch wichtig,
aber ist halt nicht alles.
Und das ist halt genau das,
was du sagst.
Wenn ich das nur darauf beschränke,
dann fange ich ja wieder von vorne an.
Eben.
Oder du bist halt in dem gleichen Problem,
nur mit einem höheren Körpergewicht.
Was dann ja die Angst wird.
Das ist ja was,
wenn ich dann,
wenn mein Kopf nicht nachgekommen ist,
weil ich bin einfach nur mehr Gewicht.
Das macht ja dann auch keinen Sinn.
Das war auch der Punkt,
wo ich gesagt habe,
also dieses Zielgewicht,
ich habe ja so zwei gekriegt,
eins für die Wiedereingliederung,
eins,
was wahrscheinlich mein Endgewicht ist.
Und als ich mich dem genähert habe,
habe ich wirklich gesagt,
okay, wage raus,
weil ich will nicht,
dass ich jetzt anfange,
mich unterbewusst wieder einzuschränken,
weil ich denke,
ich darf da nicht rüber gehen.
Also das war wirklich der Punkt,
wo ich auch gesagt habe,
nee,
weg jetzt damit,
mach genau jetzt so weiter,
weil dieses,
das Gewicht sagt nichts darüber aus,
ob du jetzt fertig bist oder nicht.
Und gerade der BMI,
der ja eh nichts aussagt,
wird meistens ja viel zu niedrig angesetzt.
Ja.
Ja.
Und das ist so schön,
wenn man sich das dann erlaubt.
Ja.
Und das macht ja auch dann das Vertrauen.
Ja,
absolut.
Und dann ist natürlich
vielleicht zwei,
drei Kilo mehr.
Aber dafür bin ich frei.
Ja.
Genau.
Genau.
Und ich meine,
das ist ja auch immer so das,
was du sagst.
Das,
was jetzt wirklich
das richtige stimmige Gewicht
in diesem Moment für meinen Körper ist,
weiß letztendlich nur mein Körper.
Ja.
Und das ist,
wenn ich das von außen festlegen lasse,
ist es genau wie mit den Regeln,
die ich mir irgendwann aufgestellt habe
und die ich ja auch an Dingen festmache,
die ich irgendwann mal im Außen gehört habe
und die einfach nicht konkurrent sind
mit dem,
was eigentlich für meinen Körper richtig wäre.
Ganz genau.
Und du hast ja auch
auf deiner Website geschrieben,
was als gesund ist,
ist höchst individuell.
Das bedeutet ja,
was für dich gesund war,
wäre für mich vielleicht
ungesund gewesen
oder also eingestuft werden
vom Label her.
Hast du gemerkt,
wie sich das bei dir auch
so verändert hat
im Sinne von,
was das vielleicht war
oder gab es Dinge,
wo du heute sagst so,
hä?
Keine Ahnung,
wie ich da drauf gekommen bin?
Ja, also ich merke das
vor allen Dingen eben
an diesen unterschiedlichen Phasen,
die ich da durchgemacht habe.
Also zum Beispiel war bei mir
eine Zeit lang irgendwie
Rohkost total im Trend
und ich habe
mittags wirklich Berge
von Salat gegessen.
Auch spannenderweise,
ich habe das überhaupt
nicht vertragen.
Also mein Darm hat
völlige Faxen gemacht
und das war echt
nicht gut für mich.
Aber das war was,
was ich halt nicht gesehen habe,
weil diese Angst vor Krankheiten
war wirklich eher so diese Angst
vor langfristigen Krankheiten
wie eben Diabetes, Krebs
und so weiter.
Und das,
wie es mir im Moment
eigentlich mit meiner Ernährung geht,
das habe ich eigentlich
völlig ausgeblendet.
Und das konnte ja auch
damit nicht zusammenhängen
nach meiner Idee,
weil es war ja perfekt
und das ist ja gut
und dann habe ich ja
durch Rohkost irgendwie
die volle Nährstoffladung
und da waren halt
in dieser ganzen Phase
der Orthorexie
so viele Widersprüche,
weil ich hatte dann
nämlich auch eine Phase,
wo ich dann davon überzeugt war,
es ist besser,
alles gekocht zu essen,
weil das einfach der Darm
viel besser verträgt
und das war dann auch
teilweise so,
aber da habe ich dann
wieder andere Sachen
weggelassen,
die für mein Darm
auch wichtig gewesen wären.
Also ja,
also deswegen kann ich schon sagen,
so im Rückblick
waren da einfach viele Sachen
einfach sehr widersprüchlich
und das kommt,
würde ich sagen,
eben auch viel dadurch,
durch das,
was ich vorhin meinte,
dass man halt wie so
ein Schwamm durch diese Welt läuft
und alles aufnimmt,
was einem irgendwie
von außen gesagt wird.
Ich weiß noch,
ich war damals im Rahmen meiner,
ich habe noch eine Weiterbildung gemacht
zum Ernährungsberater
und das war noch so ganz
in den Anfängen
und da war ich auf so einem Seminar
und da war eine quasi
Kollegin von mir,
die meinte,
ja hier,
das Buch musst du dir kaufen
und da ging es dann irgendwie
um Smoothies und Detox
und da meinte sie,
sie nimmt immer ihren Mixer
überall hin mit,
weil sie nur noch
diese Smoothies drehen
und ich war dann natürlich so,
oh das ist es so,
jetzt habe ich die goldene Bibel gefunden
und das ist es.
Ja,
also das habe ich auch wirklich
nicht lange gemacht,
weil also ich hatte,
ich hatte die übelsten Durchfälle
in dieser Woche,
also es war wirklich,
es war so schlimm
und das war einfach was,
wo ich gemerkt habe,
das geht einfach gar nicht
und das habe ich dann schon
wieder gelassen,
aber dann war ich natürlich
wieder auf der Suche
nach was Neuem,
also,
ja,
wenn es dieser heilige Graal
nicht ist,
ist es denn,
weil es muss ihn ja geben.
Richtig,
und das ist ja wirklich auch so spannend,
weil die Wissenschaft sagt ja,
wir können eigentlich gar nicht sagen,
was wirklich gesund ist,
also man weiß es halt einfach nicht,
deswegen,
ich bin ja auch ein absoluter Fan
von Risikoverstreuung,
wenn man das denn so nennen kann,
weil umso abwechslungsreicher wir essen,
desto weniger ernähren wir uns ja auch
nur von einer Sache,
die vielleicht irgendwann mal
als ungesund gilt
oder ich meine,
selbst irgendwelche Superfoods,
die sind ja auch,
also ich war ja auch voll der
Superfoodfoodie
und habe geguckt,
was ist so der neueste Trend
und da sind ja auch viele
wieder zurückgenommen worden,
dass gesagt wurde so,
naja,
so gesund sind die doch nicht
oder die sind vielleicht
mit irgendwas belastet
oder na, na, na.
Ja,
weil die irgendwo aus China kommen
und ja,
absolut.
Und dann hast du aber ganz viel
davon gegessen,
weil du ja nur das gegessen hast.
Richtig,
richtig.
Ja,
und ich glaube,
es ist halt wirklich dieser,
es ist ja endlos,
also du kommst ja nie an,
genau wie du meintest,
du suchst immer diesen heiligen Gral
und gehst dann vom einen
ins nächste,
aber also ich hatte nie das Gefühl so,
jetzt bin ich angekommen.
Es gab immer so ein paar Lebensmittel,
die waren immer so basic dabei,
aber am Rest habe ich die ganze Zeit
irgendwie rumgewerkelt
und ich glaube,
es ist eigentlich ähnlich
wie bei der Anorexie,
wo man ja beim Gewicht nie ankommt.
Also man hat ja nie wenig,
also wenig genug,
das hört sich so gut an,
dass man da irgendwann denkt,
so jetzt bin ich angekommen,
jetzt geht es mir gut,
jetzt habe ich irgendwie alles,
was ich mir dachte,
was ich durch ein niedriges Gewicht
erreichen kann,
sondern es geht immer weiter
und man denkt sich,
ich habe es immer noch nicht,
das heißt,
ich muss weitermachen
und genauso ist es bei der Autorexie auch.
Es ist immer noch nicht perfekt genug,
das heißt,
ich muss weitersuchen.
Genau,
Perfektionismus,
du sagst es gerade,
weil das ist,
glaube ich,
auch die größte Gemeinsamkeit
zwischen diesen beiden Essstörungsformen
und deswegen verschwimmt es ja auch so oft,
weil letzten Endes kannst du ja wirklich
beides perfekt miteinander kombinieren,
oft ja auch im Sinne von,
ich mache was Gutes
oder ich esse vielleicht mehr,
aber dann halt auch nur
die gesunden Lebensmittel,
was auch immer das dann ist.
Und es ist aber genau
dieser Perfektionismus,
weil es hört halt nicht auf.
Also wo ist die ganze,
wo ist das Ende erreicht?
Ja,
absolut.
Und es ist ja auch eben nicht messbar.
Also woher weiß ich,
ob ich jetzt durch die Ernährung von heute
in 20 Jahren Krebs habe?
Also ich muss ja immer weiter perfektionieren,
weil ich ja das auch gar nicht absehen kann.
Und weil es ja,
wie gesagt,
nicht nur darauf ankommt.
Da sind so viele Faktoren,
die ich nicht kontrollieren kann,
die da mit reinspielen
und sich nur an der einen Säule festzuhalten,
ist halt,
ja,
auch irgendwo aussichtslos.
Ganz genau.
Welche Warnzeichen
würdest du denn jemandem mitgeben,
der sich fragt,
bin ich vielleicht betroffen?
Ja,
also an der Stelle,
es gibt übrigens einen Orthorexie-Test
auf meiner Website.
Also falls da jemand ist,
der das ist,
habe ich gelesen.
Selber mal durchgegangen ist.
Okay.
Ja,
genau.
Also da sind einfach so ein paar Fragen
nochmal mit dabei.
Aber also ich glaube,
es ist schon ein Punkt ist,
dass man sich mal angucken sollte,
wie viel Zeit verbringe ich denn
mit dem Thema Ernährung?
Und inwiefern stresse ich mich mit dem Ganzen?
Also was macht es mit mir,
wenn ich mal von meinen Regeln abweiche?
Habe ich auch da ein kompensatorisches Verhalten?
Was bei der Anorexie das weniger Essen ist,
kann halt bei der Orthorexie
das noch gesündere Essen sein
oder am nächsten Tag nochmal was besser machen,
was ich vielleicht am Vortag meine,
nicht gut genug gemacht zu haben.
Dann werde ich da immer strenger mit mir.
Also merke ich,
die Einschränkungen werden immer größer.
Ich sage vielleicht,
Familien feiern ab
oder Treffen mit Freunden
oder gucke halt immer
so diese Punkte,
die wir auch schon besprochen haben.
Dass ich mein sicheres Essen dabei habe,
dass ich mein sicheres Essen
vielleicht sogar mitnehme.
Also das ist,
letztendlich geht es 24-7 ums Essen
und es ist manchmal sehr schwierig,
das für sich so zu differenzieren.
Weil ich glaube,
hätte man mich in der tiefsten
Orthorexie-Phase angesprochen,
hätte ich gesagt,
nö, ich mache das hier alles total gerne
und das macht mir Spaß
und ich bin gerne irgendwie
drei Stunden im Biomarkt
und ich esse das auch alles gerne,
was ich hier esse
und das ist alles super,
weil das ja natürlich eine Funktion hat.
Also ich mache das ja eben auch
durch das, was ich vorhin meinte.
Es gibt mir Halt,
es gibt mir Sicherheit,
es gibt mir das Gefühl,
ich habe hier einen Einfluss
und ich habe hier eine Kontrolle.
Das heißt,
ich muss mich eigentlich
auch noch einen Schritt weiter tasten
und auch noch mal gucken,
was liegt eigentlich dahinter?
Wann hat das Ganze angefangen?
Wie ging es mir,
bevor ich angefangen habe,
mich so extrem mit Ernährung zu beschäftigen?
Was wollte ich eigentlich damit erreichen?
Was ist meine Hoffnung?
Also es sind so viele Fragen,
die da irgendwie auch noch mal mit reinspielen.
Letztendlich würde ich irgendwie immer sagen,
das ist so diese Grenze von gesunder Ernährung
zur Orthorexie,
ist halt auch der Leidensdruck,
der aber manchmal nicht direkt deutlich wird,
sondern erst viel später.
Genau.
Also ich würde auch sagen,
wenn man vielleicht auch merkt,
es schränkt das Umfeld mit ein
oder es löst halt Angst oder Panik aus,
es mal nicht ausführen zu können
oder eben,
ja wirklich,
wie du auch gesagt hast,
so diese sozialen Kontakte,
die sich eben einfach auch einschränken.
Und aber auch so dieser Punkt,
weil du hast auch gerade gesagt,
wenn man dich darauf angesprochen hätte,
hättest du gesagt,
mache ich gerne.
Das war bei mir auch so ein Red Flag,
weil meine Mama tatsächlich,
die sich ja sonst gar nicht so unbedingt
mit Essstörungen ausgekannet,
die hat irgendwann zu mir gesagt,
Mensch Mädel,
du hast doch Orthorexie.
Dann gehe ich so,
nein,
habe ich nicht.
Dann habe ich mich dann auch
ein bisschen mit beschäftigt.
Was meint sie überhaupt?
Dann dachte ich,
nein,
das ist nicht zwanghaft
und mir geht es ja viel besser damit.
Und gerade wenn sich das,
glaube ich,
auch verlagert,
ist es ja häufig auch,
es geht an mir auch erst mal besser.
Also es ging mir von den ganzen
Essstörungsformen,
die ich hatte,
und ich hatte ja wirklich 20 Jahre
alle möglichen Formen,
ging es mir mit der Orthorexie
so gesehen am besten,
was natürlich den Widerstand
nach Heilung auch
sehr groß gemacht hat,
sage ich mal.
Weil ich sage mal,
bei mir hat es,
ich habe immer gesagt,
ja, die Orthorexie hat mich
aus der Bulimie gebracht.
Weil ich ja damals gesagt habe,
so okay,
wenn ich das Ganze,
was ich jetzt esse,
aber gesund esse,
dann ist es ja nicht so schlimm
und dann muss ich es ja
nicht wieder gut machen.
Und habe dann eben angefangen,
diese ganzen Sachen gesünder,
also gesunde Alternativen
zu kochen, zu backen,
zu keine Ahnung was.
Aber ich konnte halt einfach,
ja,
also es hat sich besser angefühlt.
Und dieses,
wenn es sich doch gut anfühlt
oder auch als ich die Diagnose
bekommen habe,
ich war ja so im Widerstand,
weil ich gedacht habe,
jetzt, wo ich das schöne Wort
unter Kontrolle habe,
jetzt erzählte mir,
ich hätte Magersucht.
What the heck?
Also das kann ja,
ich war richtig in der Verleugnung
erst mal.
Ja, verständlich.
Weil man sich ja denkt,
jetzt habe ich irgendwie
hier die Lösung gefunden.
Der heilige Gral.
Ja, absolut.
Und die wollen mir das wegnehmen.
Ja.
Ja,
und das ist ja letztendlich
eben diese,
eine Kontrollverlagerung,
weil du hast dadurch
ja eine Lösung für dich gefunden,
um nicht mehr zu erbrechen,
weil du dir damit halt
diese Erlaubnis geben konntest.
Ich kann diese Sachen essen,
die sind nicht so schlecht,
dass ich sie erbrechen muss,
sozusagen.
Und ich meine,
so ähnlich,
also bei mir war es ja halt auch so,
dieses,
ich merke,
okay,
das Gewicht ist zu niedrig,
ich muss da was machen,
aber ich will meine Regeln
da nicht ganz loslassen.
Das heißt,
ich gehe irgendwie von der Anorexie
in die Orthorexie.
Ich esse etwas mehr
bis zu einem bestimmten Punkt,
bis ich ein bestimmtes Gewicht
erreicht habe,
aber habe da meine ganzen Regeln,
die nehme ich mit.
Nur in einem etwas anderen Deckmantel.
Ganz genau.
Also dieser Deckmantel,
der sich eben wirklich ja auch
ja immer wieder verschiebt.
Was hat dir denn
den Handlungsdruck gegeben,
etwas zu verändern?
Also gab es so einen konkreten Moment
oder war das auch eher ein Prozess,
wo du gesagt hast,
so jetzt,
also da ist die Grenze erreicht,
ich will jetzt was anderes.
Ich glaube,
es waren viele Faktoren,
die da so zusammengespielt haben
und auch nochmal,
ich habe dann später noch
eine Ausbildung
in der TCM-Dietätik gemacht
und da wird halt ganz viel
mit Getreide gearbeitet
und ich hatte da auch schon
diverse Dinge ausgeschlossen
und bei Kohlenhydraten
war sowieso alles schwierig
und das war dann zum Beispiel
ein Baustein,
wo ich gemerkt habe,
nee, das ist aber schon wichtig
und ich merke,
wenn ich das einbaue,
dann geht es mir auch viel besser.
Und da hatte ich dann schon
so die ersten Lebensmittel,
die ich einfach wieder
mehr mit eingebaut habe,
wo ich gemerkt habe,
okay, diese Vielfalt
tut mir irgendwie doch gut.
Dann habe ich mich mit
intuitiver Ernährung
auch immer mehr beschäftigt
und es ging eigentlich mehr darum,
wie tue ich mir jetzt
wirklich was Gutes?
Nicht durch die ganzen Regeln,
sondern indem ich mich mal frage,
was will ich hier eigentlich?
Und auch mit dem ganzen Thema
Hunger übergehen
habe ich auch jahrelang noch gemacht
und auch in der Orthorexie,
also eben nicht nur in der Anorexie
und das auch immer noch mal
wieder zu hinterfragen.
Also es waren schon so einige Punkte,
wo ich so Momente hatte,
wo ich dachte,
ja, das ist irgendwie so Aha-Effekte.
Diese Überzeugung,
die ich hatte,
ja, ich gehe ja so gut mit mir um
und ich sorge ja so gut für mich,
weil ich ja nur perfekt esse,
halt gar nicht so war,
weil ich ja überhaupt nicht
wirklich bedürfnisorientiert gegessen habe,
sondern nur regelorientiert.
Großer Unterschied.
Ja, absolut.
Und das waren wirklich so die Punkte,
wo ich gemerkt habe,
okay, da möchte ich eine Veränderung
und der Rest war halt
so dieses WG-Beispiel,
halt zu merken,
so andere haben da
einen viel entspannteren Umgang,
haben so viel mehr Kapazitäten
für Hobbys,
für andere Dinge,
da läuft Essen halt so nebenbei
und bei mir geht es um nichts anderes mehr
und das will ich auch nicht
für den Rest meines Lebens.
Und ich glaube,
an dem Punkt,
wo mir das auch klar geworden ist,
ich will nicht sagen,
war Recovery leicht,
aber es war einfach viel machbarer,
weil ich gemerkt habe,
wofür ich das hier eigentlich mache
und wo ich hin will.
Ich glaube,
das ist halt auch nochmal
wirklich ein Punkt,
dass sich das ja da selber
quasi hinentwickelt hat,
weil du kriegst ja mit der Orthorexie
nicht so einfach eine Diagnose von außen.
Und ich meine,
so wie du jetzt gesagt hast,
du hast diese Anorexie-Diagnose bekommen
und warst dann voll im Widerstand,
was ich auch verstehen kann,
das ist halt,
das ist nochmal ein ganz anderer,
ganz anderer Punkt,
wenn dir jemand von außen sagt,
hier stimmt was nicht
und du das dann selber für dich
erstmal dahin entwickeln musst,
so okay,
ist das jetzt wirklich so
und da erstmal ein Bewusstsein kreiert,
kreieren muss sozusagen.
Das macht es ja auch nochmal herausfordernder
und gleichzeitig ist es aber ja auch
manchmal gut,
irgendwie da mal so einen Denkanstoß zu kriegen,
weil man manchmal ja sonst einfach
auch sehr, sehr lange
da drin stecken bleiben kann.
Ganz genau.
Und das, was du beschreibst,
ist ja wirklich dieser Wunsch nach was anderem
ist größer geworden als sozusagen
die Sicherheit oder ja auch
einfach auch zu merken,
das kann eigentlich gar nicht so
oder es ist nicht das,
was ich dachte, was es ist.
Also so ein bisschen auch dieses,
ja, diesen Deckmantel runternehmen
und mal hinzuschauen
und zu gucken,
okay, also so gesund wie ich denke,
ist das gar nicht.
Das, was es mit meinem Leben macht,
ist nicht das, was ich will.
Was natürlich eine ganz andere
Grundmotivation macht,
auch zu sagen,
okay, ich gehe jetzt los,
ich möchte was anderes ausprobieren.
Was war denn für dich der schwierigste Teil
beim Loslassen der orthorektischen Regeln?
Also ich weiß noch so,
dass diese Integration der Vierfood sozusagen,
so vor allem Süßigkeiten und so,
das war schon schwierig.
Das war schon immer mit Ängsten verbunden
und auch am Anfang immer mit ganz vielen Fragen
und ich beiße da nur einmal ab
und will ich da jetzt wirklich noch mehr?
Genau die Sachen, die wir besprochen haben,
ne, ne, schmeckt mir gar nicht,
ne, brauche ich gar nicht mehr.
Aber das dann doch irgendwie
nochmal wieder zuzulassen
und die ganze Zeit diese Angst,
wenn ich einmal damit anfange,
dann höre ich nicht wieder auf.
Also das ist, glaube ich,
das, was mir am schwersten gefallen ist,
das ganze Regelwerk loszulassen,
weil ich nicht wusste,
was kommt danach.
Was esse ich dann noch?
Und wenn ich jetzt sage,
ich will bedürfnisorientiert essen,
ja, was bedeutet denn das?
Und in welche Richtung geht das?
Und kann ich das aushalten?
Also, ja.
Und was sind überhaupt meine Bedürfnisse?
Weil die wurden ja auch krass unterdrückt
durch dieses Regelwerk.
Absolut.
Ja, genau.
Und du hast dir ja auch professionelle Hilfe geholt.
Du hast, glaube ich, gesagt,
auch so ein bisschen an einem späteren Punkt erst.
Aber was war für dich der entscheidende Punkt,
zu sagen, so, okay,
ich hole mir jetzt doch Unterstützung
oder ich schaffe das vielleicht auch nicht so ganz allein?
Ja, das ist ganz interessant,
weil ich habe mir die Unterstützung
tatsächlich gar nicht für das Ess-Thema gesucht.
Also ich war wirklich mehrere Jahre
so in meiner Recovery,
wobei ich damals noch nicht mehr wirklich wusste,
dass es eine Recovery ist,
von diesem ganzen Ess-Thema sozusagen.
Ich habe da viel gelesen,
auch über intuitive Ernährung,
auch die Bücher gelesen.
Ich weiß gerade nicht,
wie die beiden Damen heißen,
die das ins Leben haben.
Alice Ration, Evelyn Fiboli.
Genau.
Also damit habe ich mich viel beschäftigt.
Und das Ernährungsthema war eigentlich schon
auf einem sehr guten, entspannten Weg.
Aber was bei mir halt immer noch ein Thema war,
war das ganze Körperthema.
Und dann habe ich halt ein Coaching angefangen.
Da ging es aber eigentlich mehr um Beziehung.
Also das war nämlich eine Nebenbauspielstelle bei mir.
Ich hatte Ewigkeiten, keine Beziehung mehr.
Ich immer dachte,
oh nee, das ist mir zu anstrengend.
Und da waren natürlich auch diverse andere Themen noch,
die da drunter lagen.
So immer nur mein eigenes Ding gemacht
und ich muss sowieso alles alleine schaffen.
Das war bei mir auch so ein großer Punkt,
das zu lernen.
Ich darf mir Hilfe suchen.
Und ich darf auch in der Beziehung mal
was von meinem Partner abfragen,
wenn ich den mal zur Unterstützung brauche.
Also naja, und dahingehend hatte ich eigentlich
damals dieses Coaching gemacht
und habe da dann aber gemerkt,
so gut das jetzt mit der Ernährung auch funktioniert,
ich habe die ganze Zeit immer noch die Gedanken im Kopf.
Zum Beispiel, ich gehe an den Strand, im Bikini.
Was denken dann die anderen von mir?
Und da waren wieder diese Gedanken auch von damals eben.
Die einen denken vielleicht,
ah ja, das sieht ja irgendwie ganz gut aus.
Die anderen denken, ja, aber das ist doch voll anstrengend.
Ich will nicht wissen, wie die sich ernährt
oder wie viel Sport die macht, damit die so aussieht.
Die ganze Zeit war ich damit beschäftigt,
was denken andere über mich?
Und das war eigentlich letztendlich auch ein entscheidender Part
für mich im Coaching, da zu merken,
das war auch mit Gruppensitzungen
und da wirklich auftauchen zu können.
Mit allem, was bei mir gerade da ist.
Mit den Schwächen, die gerade da sind.
Also Schwächen in sehr vielen Anführungsstrichen.
In Form von, dass da mal Tränen gekommen sind,
dass ich überfordert war,
dass ich genau diese Ängste hatte,
dass da andere waren,
die mich da drin gesehen haben
und nicht abgewertet haben,
sondern einfach super liebevoll da drin unterstützt haben.
Und das hat bei mir wirklich nochmal so den letzten Baustein quasi gegeben,
um das Ganze wirklich abzurunden,
weil das Körperthema einfach noch sehr, sehr lange danach auch aktiv war.
Obwohl ich mich auch schon dazu entschieden hatte,
durch dieses ganze Thema intuitive Ernährung,
okay, ich habe ein biologisches Sollgewicht
und es ist okay, ich lasse meinen Körper machen
und ich gehe den Weg dahin
und es ist okay, dass ich mich auch auf dem Weg nicht wohl fühle.
Und trotzdem aber diese Themen nochmal zu bearbeiten,
so worum geht es hier eigentlich im Kern?
Weil im Kern geht es darum,
dass ich so geliebt und angenommen werden möchte,
wie ich bin
und eben nichts mehr dafür tun muss.
Genau, ja.
Was dann letztendlich die Entspannung auch reinbringt,
wenn ich sagen kann,
und es ist mir eigentlich,
ja, und eben diesen Fokus wegzubringen,
warum ist es eigentlich so wichtig und bedeutend für mich,
was andere Menschen,
die irgendwo am Strand an mir vorbeilaufen,
und die ich danach nie wieder sehe,
von mir denken.
So, wofür ist das wichtig?
Warum sollte es mir nicht eigentlich um die Menschen gehen,
die in meinem direkten Umfeld sind,
mit denen ich im direkten Kontakt bin,
die mir wichtig sind?
Natürlich ist mir da schon wichtig,
was denken die von mir
und ich gehe da gerne in den Austausch.
Aber das ist ja das wichtige Umfeld
und nicht irgendjemanden,
den ich einmal im Leben sehe
und danach wahrscheinlich nie wieder.
Ja, und die wahrscheinlich auch viel mehr
mit sich selber beschäftigt sind,
als danach zu gucken,
wer am Strand welche Figur hat.
Richtig.
Und wenn sie das tun,
hat das wahrscheinlich schon wieder andere Gründe.
Also ja, das wirklich zu entkoppeln
und auch dieses,
weil du hast ja auch beschrieben,
du bist ja auch sehr früh in dieses Leisten rein,
also Leisten auch als Kontrolle
und letzten Endes ist ja auch diese
gesunde Ernährung,
das Perfektionieren auch da,
ist ja auch eine krasse Leistung.
Ja.
Und letzten Endes beschreibst du aber dieses,
hey, ich will gar nicht mehr leisten,
auch nicht über meinen Körper
oder über das, wie irgendwas aussieht,
sondern ich will einfach angenommen sein,
so wie ich bin,
also für mein Sein.
Ja, absolut.
Und ich glaube,
das ist auch wirklich diese Maske,
hinter der ich mich halt auch jahrelang versteckt habe,
von bei mir ist alles gut
und ich habe keine Probleme
und ich bin die Stabile
und bei der läuft es halt.
Und ich hatte solche Angst davor,
dass jemand auch eben die,
das, was da drunter liegt,
quasi entdecken könnte
und ich mich dafür dann ablehnen würde,
weil das war einfach auch
ein ganz großer Punkt damals
in dieser Trauerphase,
dass es sehr schwierig war,
vor allen Dingen für meine Mutter,
damit umzugehen,
wenn sie mich halt weinen,
wenn sie gesehen hat,
dass ich weine.
So, und das war dann halt immer so,
okay, das ist was,
das muss ich verdrängen,
weil sonst ist mein Umfeld überfordert
und das sind Dinge,
mit denen darf ich nicht auftauchen.
Das heißt,
ich habe die ganze Zeit
einen Teil von mir abgespalten
und darauf halt diese Maske gesetzt von,
bei mir ist alles super,
Ernährung läuft,
Figur läuft,
ihr braucht ja keine Sorgen machen.
Ja, alles toll.
Ja, ja.
Also auch da ja
eine krasse Schutzstrategie
auch für dein Umfeld,
so diese so,
nee, ich mache nicht auch noch ein Problem,
weil es war ja sicherlich
auch für deine Mama sehr schwer,
da ihren Mann so früh
eben auch zu verlieren.
Und dann bist du ja
sehr, sehr fürsorglich,
eigentlich so über fürsorglich
auch in eine beschützende Rolle
reingekommen
und durftest eigentlich,
so wie du es ja gerade beschreibst,
auch lernen,
so hey,
ich darf auch schwach sein
beziehungsweise
ich verliere dadurch
auch nicht Verbindung,
sondern,
ich weiß nicht,
also beschreib gerne nochmal
deine Erfahrung,
gerade das sich öffnen
oder sich eben auch
verletzlich zu zeigen,
finde ich,
schafft ja auch wahnsinnig
viel Verbindung.
Wenn einer immer alles im Griff hat
und Perfektes,
ich sage immer so,
wenn alles perfekt ist,
wo soll ich denn da andocken?
Also wie sind da
deine Erfahrungen gewesen?
Absolut auch so.
Ich glaube,
das Problem ist einfach,
diese Bubble,
in der ich eben auch damals war,
als ich 13 war,
da gab es ja eigentlich
nur meine Mutter.
Das war so,
dass mein nahes Umfeld,
meine Geschwister
waren viel älter,
die waren schon lange ausgezogen.
Und das,
was halt nah dran war,
war meine Mutter.
Und da habe ich halt
diese Erfahrung gemacht,
so dass es halt schwierig ist,
wenn ich mit solchen Sachen auftauche
und dass da weniger Verbindung
irgendwie da ist.
und es ist aber genau das,
was du sagst,
das ist ja nicht der Spiegel
für die Welt.
Das heißt,
es gibt andere Menschen,
die damit komplett anders umgehen,
die dafür Kapazität haben,
die sehen,
ah, okay,
dir geht das gerade nicht gut
und das ist ja total normal
und menschlich.
Und dann vielleicht auch sagen,
hey,
wie kann ich dich gerade unterstützen?
Also das heißt,
das ist ja der eine Punkt
und der andere Punkt
ist natürlich auch
diese Unterstützung
übers Coaching,
da einen Coach zu haben,
der das halten kann
oder einen Therapeut zu haben,
der das halten kann,
wo ich weiß,
hier kann ich mit allem auftauchen
und ich werde nicht verurteilt.
Genau.
Im Gegenteil,
ich werde vielleicht sogar,
also was heißt vielleicht,
also gerade auch
in unseren beiden Fällen,
wir haben ja nun wirklich
die gelebte Erfahrung,
wir haben die fachlichen Hintergründe
und wir wissen einfach wirklich,
wie sich es anfühlt.
Also es gibt,
ich sage auch immer,
es gibt keinen Gedanken,
den ich nicht wahrscheinlich
in der einen oder anderen Form
auch schon mal gedacht habe
oder irgendwas,
wofür du dich hier schämen musst.
Du darfst hier wirklich
mit allem kommen,
weil letzten Endes ist genau das auch,
das, was eben den Raum
für die Heilung überhaupt aufmacht.
Ja, absolut, absolut
und das kann wirklich
so wundervoll sein,
wenn man die Erfahrung
letztendlich macht
und auch zulässt.
Und das ist, glaube ich,
was oft unterschätzt wird,
wie wichtig das eigentlich ist.
Weil das ist ja,
das ist ja auch immer so
das Paradoxe
bei dem ganzen Thema Essstörung,
dass wir uns auf der einen Seite
ja Verbindungen so sehr wünschen
und wir die Idee haben,
wir müssen auf eine bestimmte Art
und Weise sein,
um Verbindungen und Kontakt
erleben zu können
und uns genau dadurch,
durch diese ganzen Strategien,
Regeln,
uns aus diesem Kontakt rausziehen
und dann eher
in der Isolation landen.
Genau, weil wenn du nirgendwo
mehr hingehen kannst,
weil es da nicht
das sichere Essen gibt,
dann hat das nichts mehr
mit Verbindung zu tun.
Und gerade Essen ist ja auch
ein Thema,
über das man sich verbinden kann.
Also gerade wenn man auch
so in die südlichen Länder guckt,
Frankreich,
Italien,
die essen spät nachts
und sitzen Ewigkeiten zusammen,
die genießen,
kochen gemeinsam.
Also all diese Dinge,
Essen ist ja auch ein wahnsinnig
verbindendes Element.
Ja, absolut.
Ja, das ist genau der Punkt.
Der soziale Aspekt
wird da oft total vergessen.
Und der ist ja wiederum
auch nachweislich
ein Kriterium für Gesundheit
und für lange Lebenserwartung.
Ja, absolut.
Weil eben gesunde Beziehungen
und Verbindungen mit Menschen,
das macht einfach was mit uns.
Und da wären wir ja auch wieder
bei der mentalen Gesundheit,
bei der psychischen Gesundheit.
Und das sorgt ja auch dafür,
dass bestimmte Hormone,
Botenstoffe ausgeschüttet werden.
Und ohne das wären wir auch
gar nicht auf dieser Welt.
Weil das ist ja auch nachweislich,
auch in dieser,
ich weiß nicht,
ob du diese Studie kennst,
wo wirklich Babys mal nur
nach Grundbedürfnissen
versorgt wurden.
Also wurden Windeln gewechselt.
Das war noch vor dem Krieg,
das wäre heute ethisch
gar nicht mehr vertretbar.
Aber denen wurden Windeln gewechselt
und denen wurde Futter gegeben.
Und ansonsten haben die
keine Verbindung
und keinen Kontakt erlebt.
Und die sind gestorben.
Der Hospitalismus, ne?
Ja.
Ja, genau.
Weil ohne Nähe und Verbindung
geht das nicht.
Also wir können zwar
die Grundbedürfnisse erfüllt haben,
aber wir sind soziale Wesen.
Wir sind auf Gemeinschaft,
auf Gruppe,
auf die anderen einfach auch angewiesen.
Und auch Essstörungen an sich,
sie gedeihen einfach
in der Einsamkeit.
Weil dann braucht man ja
noch mehr halt.
Fühlst dich vielleicht alleine
und dann kommt wieder,
aber hallo,
ich habe eine Lösung,
weil ich gebe dir hier Kontrolle
oder du hast eine Beschäftigung
und musst dich damit
gar nicht beschäftigen,
wie du dich eigentlich gerade fühlst.
Absolut.
Und ich komme ja jedes Mal,
wenn ich aus meiner Höhle rausgehen will,
wieder mit der Angst in Kontakt.
Und dann muss ich irgendwo hingehen,
dann muss ich irgendwas essen.
Oh, dann muss ich das wieder fühlen.
Nee, das will ich auch nicht.
Ja.
Was würdest du denn jemandem sagen,
der Angst hat,
seine gesunden Regeln,
also ohne seine gesunden Regeln,
die Kontrolle zu verlieren?
Ja, das ist ja auch
immer so ein bisschen das Ding,
dass wir dann das Gefühl haben,
wir verlieren die Kontrolle,
aber eigentlich haben wir die Kontrolle
ja abgegeben,
dadurch,
dass wir nach den Regeln leben.
Und ich kann das erstmal
total nachvollziehen,
weil das war bei mir auch so,
dass ich,
also wahrscheinlich war das
auch mit ein Aspekt,
warum ich gar nicht darüber nachgedacht habe,
mir irgendwelche Unterstützung zu suchen,
weil ich dachte,
dann wird mir direkt alles weggenommen.
Und das will ich nicht.
Und das ist ja auch logisch,
weil es ist ja ein Fundament,
was wir uns da aufgebaut haben.
Wenn mir das unter den Füßen
weckerissen wird,
dann habe ich erstmal nichts mehr.
So, und ich glaube,
das ist ein ganz wichtiger Punkt,
dass es bei Recovery
an auch alle,
die da draußen das jetzt gerade hören,
darum geht,
dass du das in deinem Tempo
und in deinen Schritten machen kannst.
Und wenn du bei bestimmten Sachen
Angst hast, es loszulassen,
dann fangen wir erstmal
bei anderen Sachen an,
so dass wir halt immer
in dieser Zone bleiben.
Wir wollen ja nicht
in eine Panikzone gelangen,
sondern immer gucken,
was ist gerade für dich halt möglich.
Und das ist der eine Punkt.
Und der andere Punkt
ist halt wirklich
dieses Kontrollthema von
ich übernehme ja letztendlich
oder ich habe wirklich
die Kontrolle wieder
über mein Leben,
wenn ich,
wenn wir wieder
beim Bedürfnisorientierten wären,
danach leben kann,
was ich eigentlich wirklich will.
und nicht nach diesem
Regelkatalog.
Dann habe ich wieder
das Gefühl,
ich habe Möglichkeiten,
ich habe eine Flexibilität
in meinem Leben
und gleichzeitig ist es auch so,
dass wir natürlich
das Leben nicht kontrollieren können,
aber das können wir auch nicht,
wenn wir uns perfekt ernähren
oder irgendwas anderes machen,
wo wir Kontrolle ausüben wollen.
Das heißt,
das ist glaube ich auch
ein Aspekt,
der wichtig ist zu lernen,
dass das Leben einfach
in vielen Facetten
unkontrollierbar ist,
aber es nicht darum geht,
es kontrollierbar zu machen,
sondern sich damit
auseinanderzusetzen,
wie erlebe ich das,
wie gehe ich mit mir
letztendlich am Ende um,
wenn ich merke,
da kommt etwas auf mich zu,
das überfordert mich.
Zum Beispiel,
indem ich mir dann Hilfe suche,
weil es kann immer wieder
Lebensereignisse geben,
die sind überwältigend,
die sind überfordernd,
das ist ganz normal,
das gehört dazu,
dass wir das erfahren
und dass wir das eben auch
als überfordernd erfahren
und wir müssen das
nicht alleine schaffen.
Wir dürfen uns genau da
eben auch Unterstützung suchen
und das sind glaube ich
so die zwei Punkte,
die da finde ich
mit entscheidend sind.
Absolut
und das ist gut gesagt,
weil ich sage auch immer so,
Kontrolle letzten Endes
ist ja das Gegenteil
von Vertrauen
und wenn ich aus Angst handele,
dann ist es für mich
per Definition ja keine Kontrolle mehr,
weil dann muss ich,
also wenn ich vor etwas Angst habe
und das war ja früher auch
evolutionär durchaus sinnvoll,
wenn ich Angst vor einem Tiger habe,
dann vermeide ich den,
dann habe ich aber keine Kontrolle
über den Tiger,
dann habe ich Angst vor dem Tiger
und renne weg,
aber die Situation habe ich
trotzdem noch nicht unter Kontrolle
und ich glaube das Sicherste,
was wir wirklich lernen können,
auch da,
weil ja das Umfeld ist einfach,
also diese Welt ist nicht kontrollierbar,
aber was wir lernen können,
ist eben genau diese Sicherheit
auch in uns selber aufzubauen,
also uns selbst sozusagen sicher zu machen,
nicht durch Regeln,
sondern durch dieses tiefe Vertrauen,
eben auch wieder diese Connection
mit den Bedürfnissen,
dass ich kann mir Hilfe holen,
wenn ich wirklich was brauche,
also wirklich zu gucken,
okay,
wie komme ich sozusagen in dieser Welt,
die einfach so ist,
wie sie ist,
gut zurecht,
ohne eben äußere Kontrollmechanismen
zu brauchen,
sondern mich sicher zu fühlen
und das ist ja auch etwas,
was wir lernen können.
Genau,
genau
und wie kann ich mit den Gefühlen,
die dann eben auch damit einhergehen,
wenn ich mal sowas wie ein Kontroll,
also nicht Kontrollverlust,
aber wenn ich sowas erfahre,
wie ein Verlust zum Beispiel
von einem geliebten Menschen,
wie kann ich diese Gefühle,
die dann auftauchen,
da erfahren?
Weil oft ist es so,
dass wir halt,
als wir klein waren,
darin eben nicht adäquat begleitet worden sind.
Man nennt das ja auch Co-Regulation.
Das heißt,
wenn wir Kinder sind,
dann sind solche Gefühle
überwältigend für uns.
Dann haben wir gar nicht die Kapazität,
das auszuhalten.
Als Erwachsene haben wir das schon,
aber in unserem Gehirn ist noch gespeichert,
nee, das kann ich nicht,
weil das habe ich ja nie gelernt.
Wie gehe ich damit um?
Wie halte ich sowas aus?
Und dass das auch etwas ist,
was wir wieder neu erfahren können.
Ja, absolut.
Und das ist ja genau der Punkt,
weil du sagst es gerade,
als Kind können wir das nicht.
Als Erwachsene können wir es aber lernen.
Also wir sind nicht mehr
auf das Umfeld angewiesen,
auf der Ebene.
Wir können vieles selber,
weil wir müssen den Zugang
auch erstmal wiederfinden.
Genau, genau.
Ja.
Was würdest du dir denn wünschen,
was noch mehr Menschen
über Orthorexie wissen?
Ein wichtiger Punkt ist, finde ich,
wie lebenseinschränkend
und wie leidvoll das sein kann,
auch wenn es, ich sage mal,
auf der äußeren Hülle so aussieht,
als wäre es das Tollste,
was man machen kann.
Also ich denke da auch so ein bisschen
an Instagram und den ganzen Glamour
und so schaut her,
ich ernähre mich so und so
und dadurch geht es mir richtig gut.
Und das bringt ja natürlich immer
diese Message mit von,
wenn ich das so mache,
dann geht es mir auch so.
Dann kann ich XY erreichen,
und dann ist alles toll.
Und das wirklich immer nochmal
zu hinterfragen,
also auch wenn ich da gerade
selber drin bin,
wie gut geht es mir damit
denn wirklich?
Ja.
Und das eben auch für die,
die da draußen sind
und nochmal zu deiner Frage eben auch,
das ist einfach wichtig,
das zu wissen,
dass eine nach außen scheinende,
perfekte, gesunde Ernährung
nicht bedeutet,
dass es auch jemandem im Inneren
wirklich damit gut geht.
Ja.
Im Inneren und im Äußeren
tatsächlich auch,
weil wissen wir,
ob diese Person nicht auch
mit dem tierischen Blähbauch
und keine Ahnung was
zu kämpfen hat.
Also ich kenne einige Influencer,
die irgendwann Jahre später
gesagt haben so,
ja, aber mein Blähbauch,
den ich die ganze Zeit hatte,
das war halt einfach nicht gut.
Den haben wir aber nicht gesehen,
weil wir haben ja nur
das perfekte kurze
Schnappschussbild gesehen
oder eben auch die Verknüpfung.
Wenn ich mich so ernähre,
sehe ich so aus,
was natürlich auch wieder
die Hoffnung schürt,
dass, ja, einfach,
wenn ich mich an die Regeln halte,
dann ist das das Ergebnis,
was ich bekomme.
Klingt sehr sicher,
aber diese Idee funktioniert nicht.
Ja, es ist halt wirklich
dieser Glamour,
der da teilweise von außen
irgendwie draufliegt
und wie du schon sagst,
wir können nicht
in die Person hineinfühlen.
Wir wissen nicht,
ob die Blähbauch hat,
ob die Darmkrämpfe hat,
ob es der nicht gut geht,
weil sie den ganzen Tag
gestresst ist,
weil sie über Ernährung nachdenkt.
Das ist einfach etwas,
was wir nicht sehen können.
Ja, genau.
Genau.
Ganz genau.
Also noch hier nicht vergleichen.
Also ich sage immer,
vergleichen ist schwierig,
beziehungsweise wir Menschen
können uns eigentlich
nicht nicht vergleichen,
aber dieses Bild,
mit was wir uns vergleichen,
auch größer zu machen.
Weil wir sehen einfach
immer nur einen Ausschnitt.
Genau.
Und da eben nochmal
hinter zu gucken,
genau das ist,
was du sagst mit dem Ausschnitt.
Was ist denn das,
was ich mir dadurch erhoffe?
Das ist ja eigentlich
immer eher die Frage.
Weil es gibt ja auch
bestimmte Momente,
so wie diesen Moment,
den ich mit meiner WG auch hatte,
wo ich ja schon gemerkt habe,
die machen ja was,
das will ich auch.
Das will ich auch können.
Ja.
Und da war in dem Sinne
ja der Vergleich
in der Form positiv,
dass ich merke,
okay, es ist auch noch
was anderes möglich,
außerhalb dieser
orthorektischen Regeln.
Und das, was ich gesehen habe,
das war ja wirklich
einfach dieses
entspannte,
flexible beim Essen,
nicht mehr drüber nachdenken,
wirklich genießen können.
Und in manchen Situationen
kann uns genau,
ist auch genau das wichtig,
um da nochmal
diese Motivation zu schüren
und zu wissen,
hey, es gibt hier noch was
abseits.
Genau, der Bubble.
Ganz genau.
Gibt es noch etwas,
was du unseren Hörerinnen
in Bezug vielleicht auch
auf die Orthorexie
mitgeben möchtest,
gerade wenn sie vielleicht
mir gemerkt haben,
okay, ich bin vielleicht doch
da in der einen oder anderen
Form drin gefangen?
Also ich glaube,
ein wichtiger Punkt
ist erstmal,
keine Panik,
nur weil du das jetzt
gerade merkst,
heißt das nicht,
dass du von heute auf morgen
deine Regeln über Bord
schmeißen musst
und dass du jetzt
alles verändern musst,
sondern wenn du merkst,
dass für dich gerade
vielleicht was Neues ansteht,
aber du noch nicht weißt,
wie du vielleicht auch
damit überfordert bist,
eben genau deine Regeln
abzugeben und das noch nicht
willst,
dann ist das auch in Ordnung
und von dem Punkt
kann man aber auch
schon weiterarbeiten,
weil es wird ja auch
einen Grund geben,
warum du gerade
diesen Podcast hörst.
Also da ist ja schon
irgendwas da,
was sagt,
ja, da ist vielleicht
noch was anderes,
was ich mir auch gut
vorstellen könnte,
was ich gerne möchte,
aber das hat auch noch
ganz viel Angst,
weil das, was ich mir
aufgebaut habe,
fühlt sich sicher an
und das aber auch
erstmal anzuerkennen,
dass das völlig normal ist,
dass das völlig logisch ist
und dass es aber schon
mal ein riesiger Schritt ist
zu sagen,
hey, da gibt es aber
noch was anderes
und vielleicht möchte ich
doch mal meine Fühler
ausstrecken
und von dem Punkt aus
dann Schritt für Schritt
halt weiterzugehen
und zu gucken,
was ist denn das,
was du dir da vielleicht
wünschst
und welche Veränderungen
du vielleicht da auch
einleiten möchtest,
wie gesagt,
immer in deinem Tempo.
So, so wertvoll.
Ich danke dir.
Also letzten Endes
ist es ja auch der Weg,
den du hattest.
Du hast ja auch
erstmal gemerkt,
irgendwie da ist
noch was anders
und das ist okay,
erstmal irgendwo zu starten,
zu gucken
und sich vielleicht auch
einfach erstmal zu beobachten,
indem wie das gerade ist.
Also vielen, vielen Dank.
Es war super wertvoll,
super informativ
und ja,
du hast es selber gesagt,
du hast auch eine eigene Website,
du hast einen Test.
Wo können denn unsere Hörerinnen
mehr über dich
und deine Arbeit erfahren?
Genau, auf der Website
oder auch bei Instagram
oder halt über meinen Podcast.
Also mein Podcast
ist Essen mit Gefühl,
der Recovery Podcast
und auch bei Instagram
findet ihr mich auch
unter Essen mit Gefühl
und genau,
meine Website
madelenedeling.de
Aber ich tippe mal,
dass du das wahrscheinlich
auch noch in den Shownotes verlinkst,
dass wir sie einfach finden.
Genau.
Also ich verlinke auf jeden Fall
alle Quellen zu dir
auf den Shownotes.
Also folgt unbedingt gerne
auch Madelene.
Es ist unglaublich wertvoll.
Sie ist ein super Herzensmensch auch
und ich hoffe,
ihr konntet euch heute
ganz, ganz viel
für euren Weg mitnehmen
und bis zum nächsten Mal.
Vielen Dank,
dass du dir Zeit
für eine Tasse Reality
mit mir genommen hast.
Ich hoffe,
diese Folge hat
einen kleinen positiven Unterschied
in deinem Tag gemacht.
Mit deiner 5-Sterne-Bewertung
kannst du genau diesen Unterschied
auch im Leben anderer
lebensfondiger Frauen bewirken,
die diesen Podcast
noch nicht gefunden haben
und sich ebenfalls
nach einem Leben
in Freiheit
und Authentizität sehnen.
Ich danke dir von Herzen
und freue mich,
auf Instagram mit dir
in Kontakt zu bleiben.
Alle Links findest du
in den Shownotes.
Bis zum nächsten Mal.
Madeleine
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