Romys Recovery RealiTea

Romy Hörbe

#12 Bin ich „krank genug“? Diese Frage zerstört dein Leben

Warum Gewicht nichts über dein Leiden aussagt

25.06.2025 18 min

Zusammenfassung & Show Notes

Diese Folge entstand auf Wunsch einer Hörerin, die sich fragt: „Bin ich überhaupt krank genug für Recovery?“ Ein Gedanke, den ich nur zu gut kenne und der mich selbst 20 Jahre in der Essstörung gefangen hielt. Heute decke ich auf, warum genau dieser Gedanke so gefährlich ist – und was er wirklich über dich aussagt. 
 
In dieser Episode erfährst du: 
  • Warum ich mit 11 Jahren trotz deutlicher Anzeichen keine Hilfe bekam – und welche fatalen Folgen das hatte
  • Warum der BMI nichts über deine Gesundheit aussagt (und welche Zahlen wirklich schockieren)
  • Die gefährliche Illusion normaler Blutwerte – und was dein Körper dir verschweigt
  • Mit welchen unterschiedlichen Kompensationsmechanismen dein Körper versucht, dich zu schützen
  • Ein einziger Gedanke, der alles verändert – und warum er der wichtigste Indikator dafür ist, dass JETZT der richtige Moment für deine Recovery ist
  • Was Self-Gaslighting ist und wie du dich selbst in der Essstörung gefangen hältst
Die wichtigste Erkenntnis:

Es gibt einen Gedanken, den gesunde Menschen niemals haben – und wenn du ihn kennst, weißt du sofort, wo du stehst. Diese Erkenntnis hat mein komplettes Verständnis von Essstörungen auf den Kopf gestellt.

Erkennst du dich wieder?

Es gibt bestimmte Anzeichen, die nichts mit deinem Gewicht zu tun haben – aber alles über deine Beziehung zum Essen, deinem Körper und dir selbst aussagen. In der Episode gehe ich durch die wichtigsten Punkte, an denen du erkennst, wo du wirklich stehst.

Meine persönliche Geschichte:

13 Jahre lang lebte ich mit einer unsichtbaren Essstörung - unsichtbar, weil mein Gewicht „normal“ war. Was sich hinter dieser Fassade verbarg und warum ich selbst nach der Diagnose noch Angst hatte, nicht krank genug zu sein, teile ich dir in dieser sehr persönlichen Episode.
 
Die Wahrheit über das Warten:

Es gibt einen Grund, warum Recovery mit jedem Tag schwieriger (nicht unmöglich!!!) wird – und es hat nichts mit deinem Gewicht zu tun. Wir sprechen darüber, was in deinem Gehirn passiert, während du wartest. Ich zeige dir, warum Zeit hier wirklich gegen dich arbeitet.
 
Deine nächsten Schritte:

Ab Juli kann ich wieder einen freien Coachingplatz vergeben.

Nicht für diejenige, die am kränksten ist, sondern für diejenige, die spürt, dass sie genug hat von ihrer Essstörung und den täglichen Einschränkungen in ihrem Leben. 🩷

Wenn DU das bist, dann schreib mir gern oder suche dir einen Termin für einen kostenfreien Discovery Call aus.  Lass uns gemeinsam schauen, wo du stehst und wie ich dich am besten unterstützen kann.

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Über Romy Hörbe - Coach für entspanntes Essverhalten und Körperakzeptanz
Neue Episode jeden Mittwoch um 6 Uhr

Bleib in Verbindung: Abonniere den Podcast, folge mir auf Instagram @romy_hoerbe oder schreibe mir eine E-Mail mit deinen Fragen und Themenwünschen. Dies ist unser gemeinsamer Raum – lass uns zusammen entdecken, was jenseits der Essstörung auf dich wartet!

Meine Ausbildungen
  • CCI Certified Eating Disorder Recovery Coach (Carolyn Costin Institute, USA)
  • Zertifizierter Systemischer Coach (Coaching Akademie Weimar-Wiesbaden)
  • Identity Transformation Coach (All In Academy Jackie Sharon Tamblyn)

Dieser Podcast ersetzt keine professionelle therapeutische oder medizinische Betreuung. Bei akuten gesundheitlichen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachpersonen.

Transkript

Hallo und schön, dass du hier bist bei Romy's Recovery Reality. Ich bin Romy Hörbe und nach 20 Jahren Essstörung vollständig recovered. Heute lebe ich mein bestes Leben, ohne Masken, aber mit ganz viel Lebensfreude und Authentizität. Meine Mission ist es, lebenshungrigen Frauen zu helfen, genau das Gleiche zu tun. Dieser Podcast ist für dich, wenn du dir tiefe Transformation statt reiner Symptombekämpfung wünschst. Ich nehme dich mit auf den Weg in die Freiheit und teile ungeschminkt, was mir wirklich geholfen hat. Mit Herz, Klarheit und der Expertise als Deutschlands erster CCI-zertifizierte Recovery Coach. Mach es dir gemütlich mit deinem Lieblingstee und lass uns gemeinsam entdecken, wie viel größer dein Leben jenseits der Essstörung sein kann. Diese Folge liegt mir besonders am Herzen, da sie einerseits ein Wunsch einer wundervollen Zuhörerin ist, ganz viel lieber an dich an dieser Stelle. Und auf der anderen Seite ist es in den letzten Wochen häufiger dazu gekommen, dass ich Anfragen von Coaching-Interessentinnen ablehnen musste, was mir jedes Mal das Herz bricht. Denn die Krankheitseinsicht und der Wunsch nach Veränderung ist bei all diesen Frauen da gewesen. Und das ist natürlich die absolute Grundvoraussetzung für Coaching. Aber diese Frauen haben zu lange gewartet, um sich Unterstützung zu suchen, sodass eine ambulante Behandlung und schon gar nicht durch mich allein als Coach nicht mehr sicher war. In der heutigen Folge soll es um den Nummer-eins-Gedanken dahinter gehen, der dazu führt, dass man sich erst so spät wie bei keiner anderen Erkrankung Hilfe sucht. Dieser Gedanke ist wie ein giftiger Klebstoff, denn er hält dich in deiner Essstörung fest, auch wenn du schon längst bereit wärst, loszulassen. Und dieser Gedanke lautet, bin ich überhaupt krank genug? Andere Varianten davon könnten auch sein, hm, ich muss noch x Kilo abnehmen, erst dann bin ich krank genug und habe Recovery verdient. Wenn du diesen Gedanken kennst, dann bleib unbedingt dran, denn heute zeige ich dir, warum dieser Gedanke selbst das deutlichste Zeichen dafür ist, dass du Hilfe verdienst. Lass uns gerne nochmal in meine Geschichte einsteigen, Denn bei mir war es ja so, dass ich mit elf Jahren bereits so wenig gegessen habe, dass ich schon als das Kind, das ich damals ja noch war, wusste, hm, hier stimmt was nicht. Und auch meine Eltern waren besorgt genug, um mich beim Therapeuten vorzustellen. Und weißt du, was passiert ist? Nichts. Das Einzige, was ich gesagt bekommen habe, war, ach, das Gewicht ist doch normal, also das mit dem Essen ist nicht das Problem, das kriegen wir schon wieder hin. Diese Worte haben mein Leben geprägt, und zwar 20 Jahre lang. 20 Jahre, in denen ich mir selbst erzählt habe, siehst du, du bist nicht krank genug, selbst die Experten sagen das. 13 Jahre davon hatte ich einen ganz normalen BMI. Aber ich hatte auch regelmäßige Essanfälle, Abführmittelmissbrauch, darauf folgende Hungerepisoden, exzessiven Sport als Kompensation, eine komplett gestörte Beziehung zu meinem Körper, extreme Ängste und Gewichtsfokus, Selbsthass und Depression, und Selbstverletzungsverhalten und Suizidgedanken, die den gleichen Ursprung wie die Essstörung hatten, die aber einfach nicht erkannt wurde. Aber hey, mein Gewicht war ja normal, also war ich ja nicht krank genug, oder? Lass mich dir eine Wahrheit sagen, die unser Gesundheitssystem gerne vergisst. Essstörungen sind psychische Erkrankungen, nicht Gewichtskrankheiten. Und die atypische Anorexie, also die Magersucht im Normalgewicht, kommt viel häufiger vor als die klassische Anorexie. Denn nur ungefähr 6% der Betroffenen sind wirklich auch untergewichtig. Das heißt, es ist ein verschwindend geringer Anteil für so viele Frauen, die da draußen wirklich rumlaufen und das gleiche Leid haben. Und manchmal habe ich im Kennenlerngespräch auch das gegenteilige Phänomen. Also Frauen, die sich regelrecht entschuldigen, dass sie ja im Normalgewicht sind und es deswegen ja gar nicht so schlimm ist. Und sie haben regelrecht ein schlechtes Gewissen, weil sie sich eben im Normalgewicht Unterstützung suchen. Und für diese Frauen habe ich so extrem viel Respekt, Mitgefühl und Verständnis. Denn ich war 13 Jahre lang eine von ihnen und hatte nicht den Mut, mir einzugestehen, dass ich ein Problem habe. Doch jede dieser Frauen leidet genauso stark, hat die gleichen medizinischen Komplikationen. Also Refeeding-Syndrom kann zum Beispiel auch im Normalgewicht auftreten. Und jede dieser Frauen verdient Unterstützung. Aber sie werden systematisch übersehen. Das ist wie, als würde man sagen, Och, du hast zwar Depressionen, aber du lächelst ja noch. Also bist du nicht depressiv genug. Absurd, oder? Aber genau das passiert täglich in unseren Arztpraxen. Und viele Ärzte und dann natürlich auch die Patienten stürzen sich zudem auf die Blutwerte als Krankheitsindikator. Und hier kommt eine noch bitterere Wahrheit. Die Blutwerte bleiben extrem lange normal, bevor sie auffällig werden. Wenn die Blutwerte bei Essstörungen endlich auffällig werden, ist es in der Regel bereits zu schweren und möglicherweise irreparablen Schädigungen gekommen. Die renommierte Essstörungsspezialistin Dr. Jennifer Gaudiani, die auch das Buch Sickenaff geschrieben hat, warnt eindringlich. Normale Laborwerte können über Monate bis Jahre bestehen bleiben, während gleichzeitig lebensbedrohliche Organschäden voranschreiten. Und eine wegweisende Studie von John Thier aus dem Jahre 2011 mit 298 Anorexie-Patienten hat über sieben Jahre erschreckende Zahlen geliefert. Und zwar waren 60% der Patienten, also die haben einfach normale Werte gezeigt, in allen 38 untersuchten Laborparametern, obwohl sie an einer schweren Anorexie litten. Und selbst bei extremer Unterernährung, also bei einem BMI von unter 14 geht man von einer extremen Unterernährung aus, blieben über 50% der Laborwerte im Normalbereich. Was bedeutet das? Dein Körper ist ein Meister der Kompensation. Und er wird alles tun, um dich am Leben zu halten, bis er nicht mehr kann. Und dann ist es oft zu spät. Wie macht er das? Dein Körper durchläuft drei Kompensationsphasen. Also in den ersten 24 Stunden, in denen er in eine Hungersnot eintritt, nutzt er die Glykogenspeicher. In den nächsten 24 Stunden, also innerhalb der ersten 48 Stunden, wandelt die Leber Aminosäuren zu Glucose um und versorgt so dein Gehirn und alles, was nötig ist, auch ebenfalls noch gut. Und schließlich stellt sich der Stoffwechsel auf Ketose um, was ja auch das Ziel bei einer ketogenen Ernährung ist, die, wie gesagt, ja auch ihre Nachteile hat. Und diese bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit kann monatelang und teilweise jahrelang normale Blutwerte aufrechterhalten. Das heißt, der Körper ist unglaublich schlau, das, was er braucht, erst mal aus sich selber heraus zu synthetisieren und dieses ganze System am Laufen zu halten. Wenn die Blutwerte bei Essstörungen auffällig werden, liegen meist bereits schwere und teils irreversible Schäden vor, mit dramatisch erhöhtem Sterberisiko. Das heißt, der Körper kompensiert durch evolutionär perfektionierte Mechanismen so lange, bis die Reserven, die er hat, wirklich auch erschöpft sind. Und diese normalen Laborwerte, die bieten eine trügerische Sicherheit und verzögern oft lebensrettende Interventionen. Das habe ich selber auch bei Coaching-Klientinnen schon erlebt, dass eben wirklich die Blutwerte noch völlig normal waren, während, wie gesagt, alle anderen Symptome gezeigt haben, dass hier wirklich dringender Handlungsbedarf ist und einfach nicht mehr viel geht. Und jede Verzögerung erhöht das Risiko von irreversiblen Schäden an Gehirn, Knochen und anderen Organen. Deswegen ist es auch so, so wichtig, sich so schnell wie möglich eben aus diesem unterernährten Zustand herauszuholen. Und Dr. Gaudianis zentrale Erkenntnis lautete, es gibt keinen Labortest, keinen, der bestimmt, ob jemand krank genug für eine Behandlung ist. Also, wenn du an dem Blutwerden oder dein Arzt merkst, dass es brennt, dann ist die Fassade deines Hauses bereits eingestürzt. Und jetzt, und das macht es eigentlich noch viel verrückter, jetzt kommt der absolute Hammer, auch beim BMI kommt es zu zweideutigen Botschaften in unserem Gesundheitssystem. Denn, wie man ja auch bei mir damals gesehen hat mit elf, ist man erst nicht krank, weil der BMI ja noch normal ist. Och, ist ja nicht so schlimm. Nee, nee, das passt schon alles und wird deswegen übersehen. Und wenn die Menschen, die deshalb, so wie ich eben ja auch nicht beachtet wurden, oder durchs Raster gefallen sind, dann endlich das Untergewicht erreicht haben, falls der Körper, wie gesagt, überhaupt dahin kommt, weil das passiert, wie gesagt, bei den Allerwenigsten, dann heißt es plötzlich, oh, also Ihr BMI ist jetzt aber zu niedrig für unsere Essstörungsklinik. Sie müssen erst mal medizinisch stabilisiert werden. Also, wie gesagt, ich erlebe das auch in meiner Coaching-Praxis. Frauen kommen zu mir, fühlen sich endlich krank genug für Unterstützung und dann ist es meist zu spät. Denn eine sichere Recovery ohne engmaschige medizinische Überwachung ist dann nicht mehr möglich. Das heißt, so Probleme beziehungsweise wirklich auch Risikofaktoren wie Refeeding-Syndrom, Herzprobleme, Elektrolyt-Entgleisungen und eingeschränkte Gehirnleistung sind kein coachingfähiger Zustand mehr. Und das System sagt dir, warte, bis du kranker bist und dann, jetzt bist du zu krank. Also, da kann ich echt nur noch den Kopf schütteln. Also, es ist ja kein Wunder, dass wir auch verwirzen und denken, ja so, wann bin ich denn jetzt krank? Da bin ich nicht krank und da bin ich zu krank. Also, wann denn jetzt und wie denn jetzt? Deswegen fallen auch so viele Frauen durchs System und deswegen ist mir diese Folge, wie gesagt, auch so, so wichtig. Und hier ist die Wahrheit, die ich dir heute mitgeben möchte. Der Gedanke, ich bin nicht krank genug, ist bereits der Beweis dafür, dass du es bist. Lass das kurz mal einsinken. Der Gedanke, ich bin nicht krank genug, ist der Beweis dafür, dass du es bist. Denn gesunde Menschen denken nicht, wusste ich jetzt genug für Hustensaft? Blutig genug für ein Pflaster? Nur wenn wir eine Essstörung haben, quälen wir uns mit dieser Frage. Und weißt du warum? Weil es ein Symptom der Krankheit selbst ist. Deine Essstörung ist wie so eine toxische Freundin, nur in dir drin, die dir einredet, ach, du übertreibst. Andere haben es viel schlimmer. Das bisschen Kalorien zählen ist doch normal, das macht doch jeder. Jeder macht mal Sport, um Essen zu kompensieren. Och, deine Periode ist zwar weg, aber hey, ist doch super praktisch im Sommer. Den habe ich oft gedacht. Und weißt du was? Das ist Gaslighting. Nur machst du das mit dir selber. Das heißt, du zweifelst deine eigene Wahrnehmung an, deine eigenen Gefühle und dein eigenes Leiden. Du fragst dich vielleicht, ist es wirklich so schlimm, während du den dritten Tag Abführmittel nimmst und merkst, wie du die Dosis immer weiter steigern musst. Oder du denkst, bilde ich mir das nur ein, während du zum fünften Mal deine Mahlzeit neu berechnest. Nein, tust du nicht. Wie gesagt, das ist Self-Gaslighting in Reinform. Und der essgestörte Anteil in dir ist Meisterin da drin. Also, um das nochmal zusammenzufassen, du bist krank genug, wenn dein Tag um deine Essensregeln strukturiert ist, wenn du Angst vor bestimmten Lebensmitteln hast, du soziale Events wegen Essen vermeidest, du vor oder nach dem Essen den Drang verspürst, dafür zu kompensieren und ein schlechtes Gewissen hast, deine Stimmung von der Zahl auf der Waage abhängt und du diesen Podcast hörst und dich angesprochen fühlst. Keines dieser Zeichen hat mit Gewicht zu tun. Aber alle haben mit deiner Psyche zu tun. Und gleich denkst du jetzt, den habe ich ja auch gerade kurz erwähnt, aber andere haben es ja viel schlimmer. Na ja, aber bei der, die ist ja noch viel dünner, die ist ja noch viel kränker, die ist ja noch viel nenne. Weißt du was? Es wird immer jemanden geben, der noch kränker aussieht. Aber seit wann behandeln wir denn nur die Kranken, die am kränksten sind? Stell dir mal vor, in der Notaufnahme würde der Arzt sagen, oh, sie haben einen gebrochenen Arm. Tut mir leid, also da drüben ist jemand mit zwei gebrochenen Armen. Dem geht es ja noch viel schlimmer. Jetzt sagen sie mal nicht ständig, aua, kommen sie wieder, wenn sie auch zwei gebrochene Arme haben. Klingt verrückt, oder? Ist es auch. Aber genau das tun wir mit unserer psychischen Gesundheit. Und aus meiner Coaching-Praxis weiß ich, je länger du wartest, desto schwieriger wird die Recovery. Nicht nur körperlich, da eben auch Verdauungsprobleme und andere Gefahren voranschreiten, sondern je länger wir die Verhaltensweisen ausführen, desto tiefer graben sie sich ein. Das heißt, die neuronalen Pfade in deinem Gehirn werden stärker. Das ist wie so ein Feldweg, also am Anfang ist es nur ein Feldweg, weil wir mal ein Verhalten ausgeführt haben, der so oft betreten wurde, dass er zu einer stabilen Straße geworden ist, auf der du ganz bequem fahren kannst. Und auch deine Identität verschmilzt zunehmend mehr mit der Krankheit. Das heißt, es ist wie ein Fleck auf dem Teppich. Je länger du wartest, desto schwerer geht er raus. Was wäre, wenn ich dir sage, hey, die Frage ist nicht, bin ich krank genug, sondern verdiene ich es, gesund zu sein? Fällt dir ein Mensch ein, der es nicht verdient, gesund zu sein? Oder gar glücklich? Wenn nicht, warum dann du? Auch du verdienst es, ohne Essensängste zu leben, deinem Körper zu vertrauen, spontan mit Freunden essen gehen zu können, Energie für dein Leben und die Dinge, die du liebst zu haben, in Frieden mit dir selbst zu sein und jemanden an deiner Seite zu haben, der dich versteht und dir hilft, dir deine Lebensfreude zurückzuholen. Und das verdienst du jetzt, nicht erst bei Gewicht X oder Diagnose Y. Und weißt du was? Auch ich habe verdammt lange gewartet. 20 Jahre nach meinem ersten Therapeutenbesuch bekam ich endlich eine Diagnose. Und selbst dann, als ich es schwarz auf weiß auf Papier lesen konnte, habe ich immer noch gedacht, also jetzt muss ich aber erst nochmal richtig runter mit dem Gewicht. Nicht, dass die Therapeutin, bei der ich erst in zwei Monaten in Therapie gehen kann, dann denkt, dass ich ja jemanden einen Platz wegnehme. Ich hatte wirklich panische Angst, dass wenn ich alleine bereits Fortschritte machen würde, jemand denken könnte, ich hätte nur simuliert. Das heißt, ich war immer noch geprägt von der Angst, dass es bei mir doch eigentlich nicht so schlimm ist und man mir nicht glauben könnte. Das heißt, ich habe mein Leben riskiert, um zu beweisen, dass ich krank genug bin. Und deswegen sage ich auch meinen Coaches immer, besonders denen, die von der ersten Stunde die gleichen Gedanken haben, denn manchmal ist auch das so, du hast so den Coaching-Termin ausgemacht und manchmal kam direkt auch eine Nachricht von Klienten, die eben sehr bewusst damit auch waren und gemerkt haben, so irgendwie taucht bei mir gerade der Gedanke auf, dass ich jetzt nochmal richtig runtergehen muss. Und dann sage ich jedes Mal, Nein, du musst mir gar nichts beweisen. Ich weiß, wie schlimm die Krankheit ist und ich weiß, dass das nichts, also wirklich gar nichts mit deinem Gewicht zu tun hat. Das heißt, wenn ab sofort der Gedanke, bin ich krank genug, bei dir auftaucht, dann ist das dein Startsignal, nicht dein Stoppschild, dein Startsignal. Als würde dein innerer Feuerwehr da anspringen. Denn wenn eine Kerze im Feld und dein Wohnzimmer in Flammen steht, fragst du dich doch auch nicht erst, hm, fremst du jetzt genug, dass ich die Feuerwehr rufe? Weißt du, was ich am meisten bereue? Dass ich so viele Jahre meines Lebens an die Essstörung verloren habe. Jahre, die ich nicht zurückbekomme. Momente, die nicht nachholzbar sind, was ich eben gerade jetzt auch mit meiner Oma sehr merke, wo ich mir so denke, oh mein Oma, das hätten so schöne Jahre sein können und jetzt kann ich verschiedene Dinge einfach nicht mehr mit ihr machen, weil sie nicht mehr in dem gesundheitlichen Zustand ist. Es sind 20 Jahre, in denen ich hätte leben können, in denen ich hätte in Frieden mit mir sein können und wirklich ehrlich und aus tiefstem Herzen lachen können. Stattdessen habe ich gewartet, gewartet, bis ich endlich krank genug bin und selbst diesen Moment hätte ich um ein Haar verpasst. Das heißt, egal wie, für unsere Essstörung sind wir niemals krank genug. Das bedeutet, du musst meinen Fehler nicht wiederholen. Du musst nicht 20 Jahre oder falls du schon 20 Jahre gewartet hast, noch länger warten. Du musst nicht erst deinen Körper zerstören, um dir Heilung zu erlauben. und du kannst dich jeden Moment dafür entscheiden. Nicht erst morgen, sondern jetzt sofort. Und wenn du dir heute nur eine Sache mitnimmst, dann würde ich mir wünschen, dass es diese ist. Der Gedanke, bin ich krank genug, ist dein Beweis, dass du krank genug bist. Denn gesunde Menschen stellen sich diese Frage nicht. Punkt. Und weißt du was? Wenn du diese Folge bis hierher gehört hast und dich in meinen Worten wiedererkannt hast, dann ist das kein Zufall. Vielleicht ist es Zeit, dass du nicht mehr nur zuhörst, sondern den nächsten Schritt gehst. Und die gute Nachricht ist, ich habe im Juli wieder einen Coachingplatz frei. Nicht für diejenige, die am kränkesten ist, weil da darf ich leider nichts tun, sondern für diejenige, die spürt, dass sie genug hat von ihrer Essstörung und den täglichen Einschränkungen in ihrem Leben. Wenn du bereit bist, für dich loszugehen, dann schreib mir gern oder such dir einen Termin für einen kostenlosen Discovery Call aus und den Link findest du, wie gesagt, wie immer in den Shownotes. Ich weiß, dieser Schritt fühlt sich riesig an, aber er ist es, der auch alles verändern kann. Also wie gesagt, auch meine Recovery hat mit einem Schritt begonnen, mit diesem, nee, da ist noch was anderes und wie gesagt, du würdest dir die Frage nicht stellen, wenn du nicht eigentlich wüsstest, ich bin es. Und wie gesagt, mein Schritt damals hat alles verändert und so wie er es bei mir getan hat und bei all den wundervollen Frauen, die ich bereits auf ihrem Weg in die Freiheit begleiten durfte, kann er es auch bei dir tun. Du entscheidest jetzt. Also in diesem Sinne, ich danke dir und bis zum nächsten Mal. Vielen Dank, dass du dir Zeit für eine Tasse Reality mit mir genommen hast. Ich hoffe, diese Folge hat einen kleinen positiven Unterschied in deinem Tag gemacht. Mit deiner 5-Sterne-Bewertung kannst du genau diesen Unterschied auch im Leben anderer lebensfondiger Frauen bewirken, die diesen Podcast noch nicht gefunden haben und sich ebenfalls nach einem Leben in Freiheit und Authentizität sehnen. Ich danke dir von Herzen und freue mich, auf Instagram mit dir in Kontakt zu bleiben. Alle Links findest du in den Shownotes. Bis zum nächsten Mal.

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