#3 Zwischen Hype und Wirklichkeit: Was All-In Recovery wirklich bedeutet
All-In oder Step-by-Step? Finde deinen individuellen Recovery-Weg
23.04.2025 31 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Episode beleuchte ich den All-In-Recovery-Ansatz, der in der Recovery-Community häufig gehypt wird, aber für viele nicht zum nachhaltigen Erfolg führt.
Du erfährst, wo das All-In-Konzept ursprünglich herkommt (aus der Behandlung von hypothalamischer Amenorrhoe) und was es wirklich bedeutet (mindestens 2500 Kalorien täglich, keine Waage, keine Kalorienzählung und Sportpause), und warum dieser Ansatz für so verlockend erscheint.
Dabei teile ich offen die Schattenseiten: Wie All-In das Schwarz-Weiß-Denken verstärken kann, welche Herausforderungen die schnelle Gewichtszunahme mit sich bringt, und warum Perfektionismus in der Recovery problematisch ist.
Meine wichtigste Erkenntnis aus fünf Jahren Coaching-Praxis: Es gibt keinen universell richtigen Weg zur vollständigen Recovery. Während All-In für manche funktioniert (besonders bei hauptsächlich körperlichen Ursachen), kann ein schrittweiser, individueller Ansatz mit professioneller Begleitung für andere viel nachhaltiger sein – vor allem, wenn unzuverlässige Hunger- und Sättigungssignale, kompensatorische Verhaltensweisen oder tieferliegende emotionale Themen eine Rolle spielen.
Ich lade dich ein, einen Schritt zurückzutreten und ehrlich zu reflektieren: Ist All-In wirklich das Richtige für dich und deinen Körper? Oder ist ein Schritt-für-Schritt-Ansatz für dich besser geeignet?
Höre jetzt rein und entdecke, welcher Ansatz dich wirklich nachhaltig in die Freiheit führen kann – ohne Perfektionismus, aber mit viel Selbstmitgefühl und echtem Verständnis für deinen einzigartigen Weg.
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Dieser Podcast ersetzt keine professionelle therapeutische oder medizinische Betreuung. Bei akuten gesundheitlichen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachpersonen.
Transkript
Hallo und schön, dass du hier bist bei Romy's Recovery Reality.
Ich bin Romy Hörbe und nach 20 Jahren Essstörung vollständig recovered.
Heute lebe ich mein bestes Leben, ohne Masken, aber mit ganz viel Lebensfreude und Authentizität.
Meine Mission ist es, lebenshungrigen Frauen zu helfen, genau das Gleiche zu tun.
Dieser Podcast ist für dich, wenn du dir tiefe Transformation statt reiner Symptombekämpfung wünschst.
Ich nehme dich mit auf den Weg in die Freiheit und teile ungeschminkt, was mir wirklich geholfen hat.
Mit Herz, Klarheit und der Expertise als Deutschlands erster CCI-zertifizierte Recovery Coach.
Mach es dir gemütlich mit deinem Lieblingstee und lass uns gemeinsam entdecken,
wie viel größer dein Leben jenseits der Essstörung sein kann.
Hallo und schön, dass du dabei bist.
Ja, wie man hört, klinge ich ein bisschen wie ein Bär.
Nichtsdestotrotz wollte ich diese Podcast-Folge unbedingt für dich aufnehmen.
Also bitte verzeih mir, falls ich hier einen kleinen Hustanfall kriege.
Ich hoffe natürlich nicht, aber dieses Thema liegt mir tatsächlich sehr am Herzen.
Und zwar geht es um die All-in-Recovery.
Was ist eigentlich All-in-Recovery bzw. warum ist mir das so wichtig?
Und zwar erlebe ich es sehr, sehr häufig in meinen Discovery-Calls, dass Frauen kommen und sagen,
ja, ich möchte All-in gehen und oder ich habe gehört, ja, man sollte eigentlich All-in gehen
oder jeder sagt, man geht hier All-in in der Recovery und ich will das auch machen.
Oder es sind sogar schon welche, die es versucht haben und eben festgestellt haben,
Mensch, eigentlich wollte ich All-in gehen, aber irgendwie schaffe ich es nicht.
Und da hängt dann oft so ein Bedauern auch drin bzw. wirklich auch fast schon ein Gefühl von Scham,
dass man es eben nicht geschafft hat, All-in zu gehen.
Und ich möchte heute in dieser Podcast-Folge mit dir darauf eingehen,
warum All-in vielleicht überhaupt in den Trend gekommen ist.
Also warum ist dieser Trend so beliebt geworden?
Warum funktioniert er aber oft auch nicht bzw. welche Voraussetzungen braucht es auch,
dass er funktionieren kann?
Und wann ist er für dich geeignet und wann eben aber vielleicht auch nicht?
Weil genau dieses Gefühl aus Verzweiflung oder Hoffnungslosigkeit eben,
weil man versucht hat, das zu machen, weil es ja so gehypt ist,
kann eben oft auch sehr entmutigend sein.
Und wie gesagt, mit Scham und Schuldgefühlen kommen wir sehr, sehr schwer durch die Recovery.
Deswegen lasst uns super gerne an dieser Stelle eintauchen.
Was sind denn eigentlich die Ursprünge?
Also woher kommt eigentlich dieser Begriff All-in?
Denn wenn wir verstehen, was es bedeutet bzw. woher es kommt,
wird auch deutlicher, warum es eben nicht für jeden geeignet ist.
Und eigentlich bzw. ursprünglich stammt dieser Begriff aus der Perioden-Recovery
und zwar genau genommen bei der hypothalamischen Amenorrhoe
und gar nicht primär aus der Essstörungs-Recovery,
auch wenn sich die Themen gerne mal überschneiden.
Also, was ist eigentlich eine hypothalamische Amenorrhoe?
Also allein das Wort ist ja schon super, ne?
Kurz gesagt handelt es sich hier um das Ausbleiben der Regelblutung,
das nicht durch eine Schwangerschaft verursacht wird, sondern durch Stress.
Deswegen Hypothalamus. Halleluja, der schlägt an.
Und zwar Stress, den der Körper als Bedrohung interpretiert.
Weil Stress ist ja nicht immer negativ,
aber wenn wir zu viel negativen Stress haben,
also welcher, der wirklich eben für unser System auch als bedrohlich empfunden wird,
dann kann es zum Ausbleiben der Regelblutung kommen.
Und das passiert eben besonders häufig,
auch nicht nur unbedingt, wenn man eine klassische Essstörung hat,
sondern zum Beispiel auch sehr viel bei Sportlern.
Also die zum Beispiel einem sehr strikten Ernährungsplan folgen,
viel Sport haben, krasses Trainingsprogramm,
vielleicht auch einen sehr gesunden Lebensstil leben.
Und häufig kommt es da aber dazu,
also auch gerade so Wettkampfläuferinnen,
also alle Leistungssportler eigentlich,
sind sehr, sehr stark gefährdet,
eben auch an einer ausbleibenden Regelblutung zu leiden.
Und der Hintergrund dazu ist,
dass der Hypothalamus,
also das ist so eine Art Regulationszentrum in unserem Gehirn,
so viel Stress wahrnimmt,
dass er die Hormonproduktion im Körper stark herunterfährt.
Das heißt, das ist wie so ein Selbstschutzmechanismus des Körpers,
um eben in diesen stressigen Situationen besser keine Schwangerschaft hervorzurufen.
Weil früher war es ja so,
warum wären wir in solche Situationen gekommen,
also wo wir uns viel bewegen und wenig essen,
ja eigentlich dann, wenn Nahrungsmangel war.
Und wir, weil wir sind ja Säugetiere, wir migriert werden,
also abgewandert werden.
Das heißt, in Zeiten von Nahrungsmangel und viel Bewegung
ist es natürlich nicht gerade sicher,
Nachwuchs in die Welt zu setzen.
Und dann sagt der Körper,
Hm, Periode brauchen wir jetzt eigentlich gerade nicht.
Das heißt, das ist eigentlich der Hintergrund,
wo das Ganze, also der Begriff All-in auch herkommt.
Und zwar gibt es ja das sehr inzwischen berühmte Buch
und inzwischen sogar auch auf Deutsch übersetzte Buch von Nicola Sykes,
ehemals Rinaldi.
Nope, no period, no what.
Also keine Periode, was jetzt?
Und sie hat den Begriff All-in zum ersten Mal umfassend geprägt,
um einen Ansatz zur Wiederherstellung des Zyklus zu beschreiben.
Also die Idee war, dem Körper wieder genügend Nahrung zu geben
und den Stress, der zum Beispiel eben durch diesen übermäßigen Spott entstanden ist,
zu reduzieren, damit der Körper aus diesem Überlebensmodus herauskommt
und sich wieder sicher fühlt.
Und da es eben sehr, sehr hohe Überschneidungen zwischen dieser hypothalamischen Amenorrhoe
und Essstörungen gibt, die eben beide durch Unterernährung und aber auch durch übermäßigen Sport
ausgelöst werden können, hat der Begriff sehr, sehr schnell auch seinen Weg
in die Essstörungs-Community gefunden.
Und eine sehr, sehr große Rolle hat dabei die Influencerin Stephanie Batamore geführt,
gespielt, die ja vor fünf Jahren, glaube ich, ziemlich genau diesen Begriff sehr populär
gemacht hat, auch im Mainstream.
Und zwar ist Stephanie Batamore eine Fitness-Influencerin
und sie hat vor fünf Jahren auf YouTube ihren Weg dokumentiert
und hat durch ihre Riesenreichwerte, also ich glaube, sie hatte damals schon fast eine Million Follower,
den Begriff eben wirklich im Mainstream verankert und ihm auch ein Gesicht gegeben.
Und bei Stephanie war es so, dass sie, also sie hat niemals gesagt, dass sie eine Essstörung hat,
auch hier ganz wichtig.
Sie litt aber eben aufgrund auch von sehr viel Sport und eben auch, ja,
einer sehr eingeschränkten Ernährung beziehungsweise auch einer sehr cleanen Ernährung
an ständigen Frieren, an Müdigkeit, an nachlassender Kraft, trotz Fitness und an Extremhunger.
Also sie war wirklich revenously hungry, wie sie immer so schön gesagt hat.
Und wie gesagt, sie hat aber nie gesagt, dass sie unter einer Essstörung leidet,
auch wenn es natürlich einige Symptome gibt, die darauf hindeuten,
aber wir diagnostizieren hier niemanden.
Und sie hat sich jedenfalls aufgrund dieser Symptome entschieden,
okay, ich will das so nicht mehr, ich will nicht mehr ständig hungrig, ständig müde, ständig,
ja, einfach so geschafft sein und auch Muskelmasse zu verlieren.
Also wenn man Krafttraining macht und merkt, man wird irgendwie immer schwächer,
hatte ich tatsächlich auch bei Klienten schon, die gemerkt haben,
hey, ich mache Sport, aber ich werde irgendwie immer schwächer.
Ja, das wollte sie einfach loswerden.
Und sie hat damals mit Dr. Nicola Sykes zusammengearbeitet
und wie gesagt, ihre Reise da sehr, sehr genau dokumentiert.
Und um jetzt nochmal vielleicht ein genaueres Bild davon zu bekommen,
also was bedeutet All-In eigentlich, würde ich gerne nochmal auf,
ja, auf so ein bisschen die Hintergründe eingehen.
Also, mal angenommen, man sagt, wie Stephanie damals,
okay, ich will jetzt All-In gehen, was müsste man dafür tun?
Und zwar hat Dr. Nicola Sykes eben gesagt, okay, um diese Periode wieder herzustellen,
ist es wichtig, dass man ein Minimum, bitte hört das bei drei Ausrufezeichen,
ein Minimum, kein Maximum, ich weiß gerade, restriktive Essstörungen hören immer ein Minimum gerne,
auch als Maximum, nein, sie meint Minimum,
2500 Kalorien am Tag zu essen und bei mehr Hunger,
also egal ob mental, also bei ständigen Gedanken ans Essen, bei Appetit, bei was auch immer
und natürlich auch bei körperlichem Hunger,
dann bitte auch unbedingt mehr als diese 2500 Kalorien zu essen.
Also 2500 Kalorien sind wirklich das absolute Minimum, was der Körper eben braucht,
um diese Sicherheit zu bekommen und wieder genug Energie zu haben.
Gleichzeitig geht es aber auch hier darum, dir die volle Erlaubnis zu geben,
alles zu essen, was du eben auch essen willst,
also so viel von dem, was du willst, bis du satt bist
und auf dein Hungergefühl sowohl körperlich als eben auch mental zu reagieren.
Außerdem bedeutet es, die Angst vor Vierfoods zu überwinden,
mit der bedingungslosen Erlaubnis, alles zu essen, was du magst.
Und es bedeutet, keine Kalorien oder Makros mehr zu zählen,
also das ist natürlich dann auch egal.
Jetzt fragst du dich vielleicht so, wie komme ich dann auf die 2500 Kalorien?
Guter Punkt.
Das wäre nochmal was, wo man an einer eigenen Folge auch nochmal drauf eingehen kann.
Aber wie gesagt, dieser Ansatz, und ich gehe später auch nochmal genauer drauf ein,
für wen der auch geeignet ist,
wenn wir nicht sicher sein können, dass wir ein gutes Hungergefühl haben,
dann ist dieser Ansatzdefinition schon mal nicht gut geeignet,
weil dann besteht die Gefahr, dass wir auf Hunger hören
und Hunger aber schwierig da ist und wir dann nicht genug essen.
Das heißt, das funktioniert wirklich nur auch ohne Kalorien zählen,
wenn der Körper wirklich im Extremhunger ist oder wirklich starke Hungersignale auch zeigt.
Und All-in bedeutet auch, die Waage wegzuwerfen,
beziehungsweise auch generell seinen Körper nicht zu messen
und das Gewicht einfach nicht mehr zu kontrollieren.
Und ganz entscheidend, denn wie gesagt,
es kommt ja, wie gesagt, auch viel aus dem Leistungssport
und eben einem erhöhten Bewegungs,
ja, Pensum, nennen wir es so,
dem Körper Ruhe zu gönnen
und auch eine Pause von körperlicher Aktivität.
Das ist wirklich eine klassische Sportpause.
Und ja, eben einfach so viel Ruhe zum Heilen
und zum Regenerieren zu geben, wie möglich.
Also hier merkt man auch schon,
okay, Stephanie hat nebenbei trotzdem noch Sport gemacht
und ja, das eben auch nicht so klassisch durchgezogen,
weil sie hat zum Beispiel auch gesagt,
dass sie immer noch 75 Prozent clean ist
und dann eben ihre Cheat Days hat,
was jetzt für mich in dem aktuellen Verständnis
von All-in für die Recovery,
ja, dieser Definition sozusagen sogar widersprechen würde.
Und was ganz wichtig zu sagen ist,
gerade in der Anfangsphase ist All-in kein normales Essen.
Das heißt, wir haben ja gerade gesagt,
okay, das Minimum, was wir essen wollen,
sind eben diese 2500 Kalorien.
Es kann aber sein,
dass du eben gerade,
wenn du aus einer Phase von langer Restriktion kommst,
also Diäten, sehr wenig gegessen hast,
dich sehr viel bewegt hast,
dein Körper eben in den sogenannten Extremhunger fällt
und das vielleicht sogar Doppelte oder Dreifache braucht.
Also gerade am Anfang ist es total normal,
dass wir Hunger auch auf mehr haben.
Also das kann bis zu dem Doppelten,
wie gesagt, sein von dem,
was eine durchschnittliche Person benötigt.
Deswegen können wir uns ja auch nicht
mit normalgesunden Menschen vergleichen.
Das heißt, es kann sein,
dass wir hier wirklich in dieser Phase
4000 bis 8000 Kalorien,
manchmal sogar noch mehr,
tagtäglich essen.
Und das ist völlig normal.
Und wurde übrigens bereits auch in den 1940ern
in der Minnesota-Hungerstudie dokumentiert.
Also auch hier wurde darauf eingegangen,
wie Körper eben auf Mangel reagieren.
Und es ist wirklich total normal.
Genau.
Also das erstmal zum Hintergrund,
was All-In eigentlich auch meint.
Und jetzt lasst uns mal anschauen,
warum klingt das denn vielleicht so verlockend?
Also einerseits ist natürlich die Vorstellung,
wirklich auch so einen klaren, radikalen Cut zu machen
und vollständig in die Recovery einzutauchen.
Ja, das klingt schon sehr, sehr verlockend,
weil es kann so ein absoluter Befreiungsschlag auch sein.
So dieses, also gerade,
wenn man vielleicht an den Punkt gekommen ist von
ich habe keinen Bock mehr,
ich will das so nicht mehr
oder ich kann das so nicht mehr
oder mein Körper zeigt mir vielleicht auch,
nee, ich halte das so nicht mehr durch
oder ich will das nicht mehr.
Dann ist es natürlich erstmal verlockend,
denn All-In verspricht eine schnelle Gewichtsrehabilitation,
also dass der Körper wirklich
zu seinem gesunden Gewicht zurückkehrt,
weil du deinem Körper die Energie gibst,
die er wirklich braucht.
Eben gerade dadurch,
dass du ja nun auf alle Signale auch hörst,
anstatt mit dem Kopf gegen zu regulieren.
Und es ist auch eine Überwindung von Angst
vor eben bestimmten Lebensmitteln
oder sogenannten Vierfoods
und auch Essensregeln,
weil du bist durch diesen Ansatz
natürlich auch eigentlich gezwungen,
immer genau das Gegenteil von dem zu machen,
was vielleicht dein essgestörter Anteil dir sagt.
Das heißt,
du gibst dir wirklich die bedingungslose Erlaubnis,
endlich alles essen zu dürfen,
was natürlich,
ja, das ist wie so Schlag auf dem Land,
so ja, jetzt endlich darf ich,
also wenn ich all in gehe,
dann darf ich endlich alles machen
und alles essen und alles haben,
was ich will.
Super belohnungsreich.
Also das heißt,
das ist natürlich wirklich ein sehr,
ja, sehr angenehmer Gedanke
für ein Gehirn,
das im Mangel ist.
Und es verspricht auch
eine Normalisierung von Portionsgrößen,
weil vielleicht,
wenn wir zu wenig gegessen haben,
dann ist es natürlich auch
die Erlaubnis,
normal zu essen.
Wobei, wie gesagt,
hier ja auch die Gefahr drin hängt,
dass wir am Anfang auch deutlich mehr essen,
was wieder zu Angst führen kann.
Und es ist die Möglichkeit,
wieder auf Hunger und später allerdings,
weil wie gesagt,
gerade am Anfang ist es eher nicht so,
dass wir wirklich schon mal
gute Sättigungssignale haben,
aber eben vor allem die Hungersignale,
diesen wirklich auch zu vertrauen
und denen bedingungslos nachzugeben.
Und all in ist,
das sagt so ein bisschen auch,
also all in könnte man auch
als eine Einstellung sehen,
so nach dem Motto all in oder all out,
dazu sage ich gleich nochmal was,
ist auch ein klares Commitment
zur vollständigen Recovery.
Das heißt,
diese extreme Herangehensweise
wirkt natürlich erstmal besonders anziehend,
weil sie auch sehr eindeutig ist.
Und wie gesagt,
wenn ich mir sage,
okay, ich gehe jetzt all in,
dann habe ich natürlich
diese bedingungslose Erlaubnis.
Und das kann zum Beispiel auch bedeuten,
hey, wo vorher Sportpflicht war,
also wie gesagt,
wir haben ja auch gesagt,
okay, auch Bewegung wird damit rausgenommen,
dann ist jetzt meine Pflicht auszuruhen.
Also es ist auch ein sehr klarer Kompass
auf einer Ebene.
Das heißt,
es erlaubt uns eigentlich genau das zu tun,
wonach sich unser gesundes Ich
nach oft Jahren oder gar Jahrzehnten
von Restriktionen durchpushen
und verboten so sehr sehnt.
Und so verlockend
dieser Ansatz eben auch ist,
so hat er eben doch auch einige,
sagen wir mal Schattenseiten.
Weil leider ist die Realität
dann doch ein bisschen komplexer,
als sich diese bedingungslose Erlaubnis zu geben.
Weil wenn es so einfach wäre,
würden wir das ja einfach alle tun.
Und genau hier liegt auch so ein bisschen
das Problem des All-In-Ansatzes.
Und bevor ich das jetzt, wie gesagt,
oder bevor ich nochmal auf die Probleme dazu eingehe,
ist es mir ganz wichtig zu sagen,
wie gesagt, er kann gelingen
und es gibt auch bestimmte Umstände,
unter denen er wirklich auch gut gelingen kann.
Und ich bin nicht dagegen.
Aber die Realität und auch die Erfahrung
aus fünf Jahren Coaching-Praxis
zeigen eben,
dass es durchaus auch gewisse Tücken gibt.
Und wie gesagt,
wir sind ja hier bei absoluter Reality.
Und ich will dich einfach darin mitnehmen,
denn falls du vielleicht
vor der einen oder anderen stehst
oder gestanden hast,
dann will ich, dass du weißt,
du hast nichts falsch gemacht,
sondern dieser Ansatz
ist eben einfach nicht für jeden.
Und Probleme, die es geben kann,
sind unter anderem zum Beispiel,
ich habe es gerade eben schon mal gesagt,
so dieses,
du bist all in oder all out.
Was ist das?
Das ist eigentlich
klassisches Schwarz-Weiß-Denken.
Und gerade in sehr disziplin-geprägten,
restriktiven Essstörungen
haben wir oder neigen wir eh sehr,
sehr häufig zu Schwarz-Weiß-Denken.
Und genau das kann eben
durch diesen All-in-Ansatz
nochmal verstärkt werden.
Das heißt,
er suggeriert natürlich,
entweder du bist vollständig dabei
oder gar nicht.
Aber es gibt eigentlich
nicht wirklich was dazwischen.
Also keine Grautöne
beziehungsweise Grau klingt immer so blöd.
Ich sage immer,
zwischen Schwarz und Weiß liegt der Regenbogen.
Und die gibt es aber bei All-in,
wenn man den wirklich,
so wie das ja unser
essgestörtes,
perfektionistisches Gehirn
manchmal hört,
nicht.
Der Punkt ist nämlich,
Recovery läuft nicht linear.
Ich habe noch keine Recovery erlebt,
die in irgendeiner Weise linear läuft,
sondern Recovery ist in der Regel
wirklich chaotisch
und bei jedem Menschen anders.
Und Rückschläge gehören einfach
auch dazu
und sind ein ganz normaler Teil
des Prozesses.
In dem Moment,
wo wir aber glauben,
dass All-in der einzige Weg ist
zur vollständigen Recovery
und man dann einen Rückschlag erlebt,
ja,
was ist dann?
Genau.
Dann glaubst du nämlich wahrscheinlich,
du hast versagt
oder du bist jetzt nicht mehr All-in.
Okay,
wenn ich jetzt nicht mehr All-in bin,
bin ich dann All-out.
Und weil dieses
Denken eben immer noch sehr
in diesen Extremen ist
und einen auch in diesen Extremen
gefangen hält,
ist es natürlich relativ logisch,
dass es dann auch
zu so einer Demotivation kommt,
die einfach sagt so,
okay,
Scheiße,
hat nicht geklappt,
ja,
dann gehe ich jetzt halt
in meine alten Verhaltensweisen zurück
und damit verstärkt sich
diese Schwarz-Weiß-Spirale.
Das heißt,
wenn man eh schon,
also prüft es gerne mal für dich,
zu so Schwarz-Weiß-Denken neigt,
dann ist es natürlich nicht hilfreich zu sagen,
okay,
und jetzt gehe ich auch noch All-in.
Außerdem,
und das ist ja ein sehr,
sehr hoher Punkt,
also wie gesagt,
ein weiteres Problem ist,
die Angst vor der Gewichtszunahme,
die ja in der Recovery
in der Regel
und bei 99 Prozent,
also ja,
selbst die,
die gesagt haben,
sie haben keine Angst vor der Gewichtszunahme,
hat sich irgendwann herausgestellt,
naja,
so ganz,
so ganz ohne war es dann doch nicht,
dass diese Angst vor der Gewichtszunahme
natürlich,
ja,
trotzdem da ist
und wie gesagt,
dieser Ansatz,
also All-in zu gehen,
verspricht ja genau das,
eine schnelle Gewichtsrehabilitation.
Was jedoch große Angst machen kann,
wenn man aus einer restriktiven Essstörung kommt
und keine Bewältigungsstrategien hat,
um eben wirklich auch damit umzugehen.
Also in der Regel
tut ja unser dünner oder dünnerer Körper,
wenn man wie gesagt
in einem Untergewicht auch gelandet ist,
auch etwas für uns.
Der hat in der Regel auch eine Funktion
und da zu sagen eben,
okay,
ich lasse den jetzt von jetzt auf gleich los
oder ich lerne jetzt einfach diese Gewichtszunahme
auch anzunehmen,
das ist schon ein ziemlich radikaler Ansatz
und oft ist es ja auch in den Kliniken so,
die eben den Fokus ja auch sehr
auf Gewichtsrehabilitation haben
und eigentlich hauptsächlich auch darauf,
was auch gut ist,
weil Gewichtsrehabilitation ist wichtig,
aber sie alleine reicht eben nicht
und das ist auch das Problem in diesem Ansatz,
dass dann die Rückfallgefahr sehr groß ist,
weil wir vielleicht nicht gelernt haben,
okay, wie lerne ich jetzt meinen neuen Körper zu akzeptieren,
wie verhält er sich auch,
was ist vielleicht auch normal in diesem Prozess,
wenn ich einfach von jetzt auf gleich entscheide,
okay, ich gehe da rein,
aber ich habe eigentlich gar keine Ahnung,
was passiert denn mit meinem Körper,
wenn ich das mache
und wie lerne ich ihn eben anzunehmen,
so wie er ist,
wenn er in seiner gesündesten Form ist.
Also wie gesagt,
die Rückfallgefahr
oder dass man zu schnell
wieder mit angezogener Handbremse fährt
und dann doch mal entgegensteuern zu müssen,
ist einfach relativ groß.
Und Essstörungen sind ja keine Gewichts- oder Essensstörungen.
Ja, sie haben mit Gewicht und mit Essen zu tun,
aber, und wie gesagt,
und so wichtig das auch ist,
das Gewicht wieder herzustellen
und normale Essgewohnheiten zu entwickeln,
so sind Essstörungen doch vor allem psychische Krankheiten
und sie haben eine Funktion.
Das heißt, diese Funktion, die sie hat,
die gilt es natürlich einerseits erstmal durch die Recovery
und eben auch durch eine professionelle Begleitung zu entdecken
und dann dafür aber auch gesündere Mechanismen
und Bewältigungsstrategien zu entwickeln,
damit eben diese, ja,
diese Funktion auch ersetzt werden kann,
weil sonst gehen wir vielleicht rein,
essen auf einmal mehr,
haben vielleicht auch das Gewicht
an einem anderen Punkt
und an einem gesünderen Punkt,
aber der Rest wurde nicht aufgearbeitet
und ich sage immer,
Recovery ist die größte Chance,
wirklich auch an all diesen Hintergrundthemen,
an Themen,
die auch gesunde Menschen haben,
an denen sie aber oft gar nicht arbeiten,
weil, warum denn?
Weil so die Essstörung bringt uns in gewisser Weise
auch in Persönlichkeitsentwicklung,
aber eben auch da rein
neue gesunde Bewältigungsstrategien
und teilweise echt auch Lebensstrategien,
also was ich an Lebensstrategien
auch mit meinen Klienten mache,
die man einfach so oft nicht gelernt kriegt
oder auch an vielen Stellen nicht gelernt kriegt,
was wir da nachholen,
das ist einfach der absolute Wahnsinn
und wenn man jetzt einfach nur sagt,
okay, ich esse von heute auf morgen einfach alles
und gebe meinem Hunger nach,
dann ist das ein wichtiger Teil,
aber dieser Aspekt kommt eben einfach zu kurz
und auch das habe ich schon erlebt,
ist, wenn man keine Unterstützung dabei hat
und wie gesagt irgendwann ja auch
zu einem normalen Essverhalten zurückkommen möchte,
weil wie gesagt,
am Anfang ist All-In einfach,
hat nichts mit normalem Essen zu tun,
wenn wir an Extremhunger leiden,
dann kann das ja überwältigend sein,
wenn wir eigentlich keine Ahnung haben
und gerade hier kann es eben wichtig sein,
auch zu lernen so,
okay, wie baue ich mir denn eine Mahlzeitenstruktur an,
die mich, also die mich wirklich gut versorgt,
die mich nährt,
die aber kein neuer Zwang ist,
wie esse ich vielleicht,
wie baue ich mir auch einen sättigende,
zufriedenstellende Teller,
wie, ja, wie mache ich einfach all diese Dinge,
die ganz lebenspraktisch sind,
weil ich sage mal so,
wo hat man denn heute wirklich gute Beispiele
für eine gesunde, ausgewogene Ernährung,
die aber eben nicht restriktiv ist,
sondern auch, ich sage immer so,
Vierfoods sind für mich eher Funfoods,
also wirklich Lebensmittel,
die einfach Freude machen,
Schokolade, Chips, Burger, was auch immer,
die all diese Lebensmittel ganz normal
und als ganz normalen Bestandteil auch integriert,
also all diese Dinge gilt es einfach auch erst mal zu lernen,
das habe ich zum Beispiel auch in meinem
Find Your Satisfaction Kurs,
weil mir das wichtig ist,
hier wirklich in der Ausgewogenheit auch zurückzukommen
und nicht in neue Extreme
oder eben in so ein Gefühl von,
okay, jetzt esse ich eigentlich dauerhaft,
aber ich weiß gar nicht,
wie ich mich jetzt in eine Mahlzeitenstruktur zurückbringe,
die mir einfach auch eine Sicherheit gibt
und die meinem Körper vor allem auch eine Sicherheit gibt.
Das heißt, hier macht es absolut Sinn,
auch da eine Unterstützung zu haben,
einfach auch um ein gesundes,
nicht orthorektisches,
aufgewogenes Essverhältnis einfach auch wieder zu lernen.
Und was eben auch schwierig sein kann beim All-In-Ansatz ist,
wenn wir den mit Perfektionsanspruch machen.
Also diese extreme Konzentration auf die perfekte Recovery
kann genau das sein, was wir eben nicht wollen.
Und ich sage immer,
wir können die Essstörung nicht so machen,
wie wir die Recovery nicht so machen,
wie wir unsere Essstörung gelebt haben,
nämlich mit Perfektion.
Und zu sagen, okay,
ich will jetzt perfekt All-In gehen
und wenn ich das einmal nicht geschafft habe,
dann habe ich da wieder versagt.
Das ist natürlich auch das,
was wir nicht wollen
und was uns letzten Endes vielleicht auch davon abhält,
wieder an diesen Punkt von vollständiger Recovery zu kommen.
Das heißt, auch hier geht es darum,
nicht die Perfektion reinzubringen,
sondern wirklich zu sagen,
wo kann ich loslassen?
Wo kann ich mir mehr die Erlaubnis geben?
Und für mich persönlich war das ein schrittweiser Prozess.
Also ich habe wirklich jeden Tag mich diese Frage gestellt,
aber ich persönlich bin nicht All-In gegangen
und ich bin auch ehrlich gesagt sehr, sehr dankbar gewesen,
dass es diesen Trend eben,
ich war wirklich gerade durch,
durch meine Recovery,
als Stephanie ihrer angefangen hat,
so nach dem Motto.
Und da eben zu merken,
okay, es geht eigentlich darum,
wie kann ich mir immer mehr die Erlaubnis geben?
Wo kann ich loslassen?
Wo kann es noch ein bisschen freier werden?
Und das eben als Prozess zu sehen
und nicht als etwas,
was ich von heute auf morgen mache.
Weil viele sagen ja so,
ab morgen gehe ich All-In.
Das ist so ungefähr wie,
ab morgen gehe ich auf Diät.
Das macht was mit uns.
Also es kann entweder sein,
also das erlebe ich sogar vor Coachings manchmal,
dass Klienten denken so,
okay, warte,
bevor ich ins Coaching gehe und loslasse,
muss ich aber in der Essstörung erst nochmal so richtig tief runter.
Also auch das wäre eine Gefahr,
die eben durch diesen Perfektionsanspruch,
aber eben auch durch das Schwarze-Weiß-Denken
gefördert werden kann.
Und es gibt auch einfach Punkte,
wo es nicht nur problematisch ist,
sondern wo wirklich dieser Ansatz auch nicht geeignet ist.
Denn, ich sage mal so,
geeignet ist dieser Ansatz eigentlich vor allem für diejenigen,
die ihren Körper durch übermäßigen Sport
und eine unfreiwillige Gewichtsabnahme
mehr oder weniger unfreiwillig
in diesen Überlebensmodus gebracht haben.
Also jemand,
die ja auch sehr strikt,
sage ich mal,
durchgegangen ist
und es ganz gut gelebt hat,
war Tabi Farah Farah.
Sie aber zum Beispiel,
also sie hat ja auch
Rehabilitate, Rewire, Recover geschrieben,
was jetzt auch übersetzt wurde aufs Deutsche.
Und sie hat damals Gewicht verloren,
weil sie ein bestimmtes Pferd reiten wollte.
Also sie hatte viele andere Mechanismen,
zumindest soweit man das jetzt weiß,
nicht im Hintergrund
und hat einfach durch diese
geringe Gewichtsabnahme ihren Körper,
wie gesagt,
wenn wir da eine genetische Veranlagung für haben,
dann kann es reichen,
dass wir einfach in ein Untergewicht kommen
und dadurch bestimmte Mechanismen angehen.
Wenn es wirklich nur eine körperliche Ursache hat,
dann kann dieser All-In-Ansatz
durchaus sehr, sehr hilfreich sein,
weil er eben schnell hilft,
auch wieder aus diesem Überlebensmodus rauszukommen.
Aus meiner Erfahrung kann ich allerdings sagen,
dass das bei den,
also ich hatte bisher noch keinen in meinem Coaching
und wenn du diesen Podcast hörst,
dann ist es wahrscheinlich auch bei dir nicht der Fall,
dass nur das der Grund dafür war.
Und nicht geeignet ist dieser Ansatz meiner Meinung nach,
wenn die Essstörung nur das Symptom
für tieferlegende Probleme ist.
Also es eben eine,
oder sie eben eine Funktion für dich hat.
Weil wie gesagt,
dann geht es darum,
diese zu erforschen
und dafür Lösungen zu finden
und nicht nur das Symptom
des zu wenig Essens
und des zu vielen Sports,
wenn das beides zusammenspielt,
ja sozusagen zu behandeln.
Und es ist auch nicht empfehlenswert,
wenn du zum Beispiel in der Vergangenheit
mit weiteren Begleiterscheinungen,
wie zum Beispiel Traumata
oder Selbstverletzungen,
also auch in meinem Fall zum Beispiel,
sind in dem Moment,
wo ich in die Recovery gegangen bin,
auf einmal meine Selbstverletzungstendenzen
wieder angegangen,
die ich eigentlich schon zehn Jahre im Griff hatte.
Das heißt,
auch hier können Dinge getriggert werden.
Das heißt,
wenn du unter sowas leidest
oder eben wirklich starke kompensatorische Verhaltensweisen hast,
wie eben Erbrechen
oder vielleicht auch Abfüllmittelmissbrauch
oder ja exzessiven Spurt einfach,
also Sportbulimie sozusagen
oder eben eine Verlagerung auch
von verschiedenen Essstörungen,
dann würde ich das auch eher nicht empfehlen.
Und ich würde es auch dann nicht empfehlen,
wenn du medizinisch instabil bist.
Also du zum Beispiel schon
einen sehr niedrigen Puls hast
oder abweichende Blutwerte
oder wenn bei dir das Risiko
für Refeeding besteht.
Also ich habe auch einen Beitrag,
ich werde den mal in den Shownotes anhängen
zum Refeeding-Syndrom,
wo du für dich mal prüfen kannst,
okay, bin ich da gefährdet oder nicht?
Weil wenn du Refeeding gefährdet bist
und dann all in gehst
und das ohne medizinische Überwachung,
dann kann das lebensgefährlich sein.
Also ich will hier keinem Angst machen,
ich erwähne es nur lieber einmal mehr als weniger.
Weil gerade wenn wir dann unkontrolliert
bestimmte Dinge einfach hochfahren
und der Körper das überhaupt nicht gewöhnt ist,
dann hat das einfach bestimmte Risiken.
Also wie gesagt, ich verlinke das für dich,
prüfe das gerne für dich
und wie gesagt,
dann brauche es einfach auch eine Überwachung
ärztlicherseits.
Und es ist auch nicht geeignet,
all in zu gehen,
wenn du ja noch gar keine zuverlässigen
Hunger- und Sättigungssignale hast.
Wie gesagt, Sättigungssignale sind nicht ganz so schlimm,
aber vor allem,
wenn dein Hungergefühl nicht da ist,
was gar nicht so selten passiert
oder du eben auch ein schnelles Völlegefühl hast
nach dem Essen.
Also mein Magen zum Beispiel war damals so zusammengeschrumpft,
dass ich also wirklich satt nach Mini-Portionen war.
Dazu habe ich auch einen Beitrag auf meinem Blog
zum Thema Gastroparese,
weil der Körper natürlich alles runterfährt.
Das heißt,
wenn ich was gegessen habe,
lag das Essen ewig im Magen.
Heißt dann zu sagen,
okay, ich warte jetzt mal auf mein Hungergefühl,
hätte dazu geführt,
dass ich noch weniger gegessen habe.
Also ich erinnere mich an Mahlzeiten.
Ich war zum Beispiel mit meiner Oma irgendwann mal Mittagessen,
habe eine normale Mittagsportion gegessen,
was für mich schon echt Halleluja,
weil der Erfolg war
und wusste aber,
ich will in meiner Essensstruktur bleiben,
die ich mir selber erstellt habe.
Und dachte so,
okay, spätestens nach vier Stunden isst du wieder was.
Hm.
Jetzt hing ich nach vier Stunden da und dachte,
nee,
ich habe einfach keinen Hunger.
Und nach sechs Stunden hing ich immer noch da
und dachte,
ich habe immer noch keinen Hunger.
Und dann habe ich gedacht,
okay,
auf Hunger brauchst du heute nicht mehr warten.
Also bitte nicht so lange warten.
Du kannst dich einfach nicht darauf verlassen.
Das heißt,
ich hätte nicht All-In gehen können,
weil mein Körper mir die Hungersignale nicht gesendet hat.
Ich hatte allerdings mentalen Hunger
und das ist auch ein Thema
und ein sehr großes Thema auch,
um dem sich eben mein Kurs
Find Your Satisfaction dreht,
wo du ganz viele Hinweise auch dazu bekommst,
wenn du da näher einsteigen möchtest.
Aber das ist genau der Punkt.
Ich konnte mich darauf nicht verlassen.
Ich musste mich auf mentalen Hunger verlassen.
Das alleine reicht aber nicht,
um All-In zu gehen.
Ja,
was ist jetzt mein Fazit
und was ist vielleicht auch das,
was du dir mitnehmen kannst?
Also ganz wichtig ist zu sagen,
es gibt keinen universell richtigen Weg zur Recovery.
Was für die eine Version funktioniert,
kann für die andere genau eben nicht funktionieren
und nicht passen.
Und es geht darum,
deinen individuellen Ansatz zu finden,
der dir hilft,
deine Bedürfnisse
und einfach auch das,
was du gerade brauchst,
zu erfüllen
und dich eben in die Sicherheit
auch der Recovery zu bringen.
Und All-In ist ein Ansatz,
aber er hat wie gesagt
ja einfach auch seine Schattenseiten
und wenn du merkst,
ich neige zu dem einen oder anderen,
dann würde ich es eher nicht empfehlen,
sondern wirklich gucken
und das ist auch das,
was ich in meinen Coachings mache.
Also wie gesagt,
ich halte niemanden davon ab
und wer das kann,
das befreuere ich
und das unterstütze ich
und dann gucke ich eher,
okay,
welche Hindernisse könnten da sein
und helfe dazu umschiffen.
Aber wer das nicht schafft,
das ist überhaupt nicht schlimm
und es sagt auch nichts
über deine Recovery aus
oder wo dein Endgewicht landet
oder was auch immer,
dann ist wirklich
so ein Schritt-für-Schritt-Plan
hilfreich,
eben wirklich zu gucken,
okay,
was ist das Thema,
was wir jetzt aufarbeiten.
In meinem Gruppencoaching
Rediscover gehen wir zum Beispiel
auch erst in Woche 4
auf die Ziele ein,
weil wir vorher erst mal
die Grundlage schaffen,
dass du sicher bist
und dass du mit Gefühlen,
die auftauchen,
umgehen kannst,
dass du verstanden hast
oder dass du Tools hast auch,
um mit deinem
Essgestörten Anteil umzugehen
und erst dann gehen wir darauf ein
und dann ist es auch
deutlich leichter
und das sind all die Sachen,
die man natürlich auch
im Coaching machen kann
und wo ein Schritt-für-Schritt-Ansatz,
also auch auf der Ebene,
einfach hilfreicher sein kann.
Was bedeutet das für dich?
Also wenn du gerade
mit dem Gedanken spielst,
all in zu gehen,
dann möchte ich dich
einfach ermutigen,
erst nochmal ganz kurz
den Schritt zurückzutreten
und zu überlegen,
ist dieser Ansatz für mich
jetzt nach dem,
was ich auch gehört habe,
das Richtige für mich?
Wenn ja, bitte go for it.
Oder suche ich vielleicht
aber auch nach einer anderen
Form von Unterstützung?
Was könnte das sein?
Beides ist in Ordnung.
Und was dir helfen kann,
ist wirklich dich auch zu fragen,
ja, warum will ich denn
jetzt eigentlich all in gehen?
Also was reizt mich vielleicht daran?
Es kann sein,
dass das ist,
weil dein Körper dich
wirklich dazu zwingt,
weil er so starken
Extremhunger hat,
dass es nicht oder wenig Essen
einfach keine Option mehr ist.
Also auch das erlebe ich,
dass manche Menschen
wirklich sagen,
ey, ich kann nicht mehr,
ich muss jetzt einfach essen.
Und dann ist all in
natürlich super verlockend.
Wichtig hier halt nur,
auch die anderen Themen
mit aufzuarbeiten.
Es kann aber auch der Wunsch sein,
schnell durch zu sein.
Auch das super nachvollziehbar,
zu sagen,
ich habe jetzt so lange
mit meiner Essstörung gekämpft,
ich habe keinen Bock mehr,
ich will einfach nur noch da raus.
Auch legitim.
Es kann aber auch sein,
dass du sagst,
hey, jeder sagt,
er geht all in
und es ist eigentlich so gehypt
und ja,
das wird mir so als die Lösung
zur vollständigen Recovery verkauft.
Dann möchte ich einfach,
dass du weißt,
ja, es ist ein Weg,
aber nein,
es ist nicht der einzige Weg
und es ist wie gesagt
auch eigentlich von der Praxiserfahrung,
die ich dir sagen kann
aus den letzten fünf Jahren,
der,
den die wenigsten gehen.
Deswegen ist es überhaupt nicht schlimm
und zu wissen,
warum will ich das machen,
kann auch schon ein Indiz dafür sein,
zu sagen,
was brauche ich eigentlich auch wirklich.
Das heißt,
ich möchte dich hier
an dieser Stelle wirklich ermutigen,
geh deinen Weg,
schau,
was du gerade brauchst,
was sich an Begleitung
auch rechtstimmig für dich anfühlt
und mach den Weg so,
dass er sicher für dich ist.
Wie gesagt,
es gibt kein richtig oder falsch.
Auch hier,
mir geht es darum,
dass du sicher bist
und dass du einfach für dich
eine Entscheidung triffst,
die sich,
wie gesagt,
nicht stimmig für deinen
Essgestörten Anteil anfühlt,
aber eben stimmig für dein Ziel
und für das,
wo du wirklich hin möchtest
und für das Leben,
was du auch leben möchtest.
Vielen Dank,
dass du dir Zeit
für eine Tasse Reality
mit mir genommen hast.
Ich hoffe,
diese Folge hat einen kleinen
positiven Unterschied
in deinem Tag gemacht.
Mit deiner 5-Sterne-Bewertung
kannst du genau diesen Unterschied
auch im Leben anderer
lebensfongriger Frauen bewirken,
die diesen Podcast
noch nicht gefunden haben
und sich ebenfalls
nach einem Leben
in Freiheit und Authentizität sehnen.
Ich danke dir von Herzen
und freue mich,
auf Instagram mit dir
in Kontakt zu bleiben.
Alle Links findest du
in den Shownotes.
Bis zum nächsten Mal.
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