Romys Recovery RealiTea

Romy Hörbe

#35 Wie werde ich die Waage endlich los?

Warum du beim Wiegen nicht gewinnen kannst – und mein Weg in die Freiheit

10.12.2025 49 min

Zusammenfassung & Show Notes

Jahre lang war die Waage meine beste Freundin und schlimmste Feindin. Egal welche Zahl – ich konnte nie gewinnen. Heute, 6 Jahre später, ist mir diese Zahl egal. Wirklich egal. Wie das geht, erfährst du in dieser Folge. 

22 Jahre lang war die Waage meine beste Freundin und schlimmste Feindin gleichzeitig. Egal welche Zahl sie anzeigte – ich konnte nie gewinnen.

Am 1. Dezember feiere ich seit 6 Jahren jedes Jahr meinen ganz persönlichen Freiheitstag: den Tag, an dem ich mich nach über zwei Jahrzehnten von diesem kalten Stück Metall und damit von einer toxischen Beziehung getrennt habe. Die Waage war mehr als nur ein morgendliches Ritual. Sie war mein mein Richter und mein Selbstwertbarometer. Heute weiß ich: Diese Zahl hat nie etwas über meinen Wert ausgesagt. 
 
In dieser Episode erfährst du: 
  • Warum die Waage neuropsychologisch wie ein Spielautomat funktioniert – und warum dein Gehirn immer wieder den nächsten „Fix" braucht
  • Die drei versteckten Funktionen, die das Wiegen in deinem Leben erfüllt (Spoiler: Echte Kontrolle gehört nicht dazu)
  • Warum „sich an die Zahl gewöhnen" nicht das Ziel ist – und was stattdessen wirklich Freiheit bedeutet
  • 5 praktische Strategien, die mir geholfen haben, die Waage endgültig loszulassen
  • Was du bei Arztterminen sagen kannst, wenn du die Zahl nicht mehr wissen möchtest
Diese Episode ist für dich, wenn:
  • Du merkst, dass deine Stimmung, dein Selbstwert, dein Ess- oder Bewegungsverhalten davon abhängt, was die Waage anzeigt
  • Du schon oft versucht hast, dich weniger zu wiegen – aber der Drang immer stärker war als dein Vorsatz
  • Du dir ein Leben wünschst, in dem eine Zahl nicht mehr über deinen Tag entscheidet


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Über Romy Hörbe - Coach für entspanntes Essverhalten und Körperakzeptanz
Neue Episode jeden Mittwoch um 6 Uhr

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Meine Ausbildungen
  • CCI Certified Eating Disorder Recovery Coach (Carolyn Costin Institute, USA)
  • Zertifizierter Systemischer Coach (Coaching Akademie Weimar-Wiesbaden)
  • Identity Transformation Coach (All In Academy Jackie Sharon Tamblyn)

Dieser Podcast ersetzt keine professionelle therapeutische oder medizinische Betreuung. Bei akuten gesundheitlichen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachpersonen.

Transkript

Hallo und schön, dass du hier bist bei Romy's Recovery Reality. Ich bin Romy Hörbe und nach 20 Jahren Essstörung vollständig recovered. Heute lebe ich mein bestes Leben, ohne Masken, aber mit ganz viel Lebensfreude und Authentizität. Meine Mission ist es, lebenshungrigen Frauen zu helfen, genau das Gleiche zu tun. Dieser Podcast ist für dich, wenn du dir tiefe Transformation statt reiner Symptombekämpfung wünschst. Ich nehme dich mit auf den Weg in die Freiheit und teile ungeschminkt, was mir wirklich geholfen hat. Mit Herz, Klarheit und der Expertise als Deutschlands erster CCI-zertifizierte Recovery Coach. Mach es dir gemütlich mit deinem Lieblingstee und lass uns gemeinsam entdecken, wie viel größer dein Leben jenseits der Essstörung sein kann. Jedes Jahr, 1. Dezember, gibt es für mich einen Anlass zum Feiern. Und zwar habe ich an diesem Tag vor inzwischen schon sechs Jahren meine Waage verbannt und mich bis vor kurzem bei einem Arztbesuch auch nie wieder draufgestellt. Sechs Jahre lang durfte ich erleben, wie frei sich ein Leben anfühlt, bei dem nicht mehr eine elektrische Zahl darüber entscheidet, wie ich mich fühle, wie wertvoll ich bin und was oder wie viel ich verdiene zu essen. Die Waage war seit meiner Jugend tatsächlich schon, also nicht sogar noch, ne, also wirklich sehr früh, meine beste Freundin und Feindin gleichzeitig. Und diese intensive Beziehung zu ihr zu beenden, fühlte sich tatsächlich ein wenig an wie das Verlassen einer toxischen Beziehung, was ich übrigens fast zeitgleich getan habe, siehe Podcastfolge 16 und 17. Und ich wusste, dass die Waage mir nicht gut tut und dass ich ohne sie besser dran wäre. Aber irgendwie kam ich 22 Jahre nicht von ihr los. Also die Waage war wirklich das Allerletzte, was so an bewussten, recovery-sabortierenden Verhaltensweisen, sage ich jetzt mal, aus meinem Leben verschwunden ist. Heute, nach über sechs Jahren ohne Waage, kann ich dir sagen, die Trennung von der Waage war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Und in dieser Folge möchte ich mit dir darüber sprechen, warum das so ist und natürlich, wie auch du diesen Schritt gehen kannst. Warum hat diese Waage eigentlich so viel Macht über uns? Der Punkt ist, es geht nie nur um die Zahl. Lass uns mal ehrlich sein. Die Waage ist ja eigentlich genau betrachtet nur ein Stück Plastik, Metall, keine Ahnung, was da alles drin ist, mit einer Anzeige. Sie misst, genau genommen, nur, wie stark die Schwerkraft der Erde deinen Körper anzieht. That's it. Nicht mehr und nicht weniger. Aber für uns fühlt sie sich an wie ein Richter, der jeden Morgen oder gar mehrfach am Tag sein Urteil über uns fällt. Die Zahl auf der Waage steht also für so viel mehr als die reine Ertanziehungskraft. Zum Beispiel für, bin ich genug, habe ich mich im Griff? Darf ich heute zufrieden sein mit mir? Was darf ich essen? Wie viel darf ich essen? Oder muss ich mich bewegen? Und Studien zeigen, dass das Bedürfnis, das eigene Gewicht zu erkennen, direkt mit einem Teil in uns verbunden ist, den ich ja immer wieder den essgestörten Anteil nenne. Also nicht mit unserem gesunden Selbst, dem ist die Waage herzlich egal, sondern eben mit diesem essgestörten Anteil. Das ist dieser ängstliche Anteil, der versucht, über die Zahl Sicherheit und Kontrolle herzustellen, der diese Information braucht. Nicht du, dein wahres, gesundes Ich, mit dem du auf die Welt gekommen bist. Da wurdest du zwar auch direkt gewogen. Das finde ich mir so lustig. Du kommst auf die Welt und das Erste, was sie mit dir machen, ist vielleicht kurz zu Mama und dann mal schnell auf die Waage. Es war dir aber herzlich egal. Und auch die Gesellschaft und vor allem deine Eltern haben sich wahrscheinlich mehr Sorgen gemacht, wenn die Waage nicht in den ersten Wochen und Monaten nach oben gegangen ist. Also da war Gewichtszunahme, glaube ich, das Spannendste und Interessanteste, was passieren konnte, bis die Gesellschaft und das Leben dazwischen kam. Deswegen habe ich mal so ein bisschen recherchiert beziehungsweise überlegt, was war so eigentlich für mich die drei Hauptfunktionen der Waage? Einerseits, ich habe es gerade schon so ein bisschen angedeutet, ist die Waage natürlich eine Illusion von Kontrolle. Kennst du das? Die Welt fühlt sich chaotisch an, alles ist unsicher, aber diese eine Zahl, die kannst du kontrollieren. Oder zumindest glaubst du das. Die Wahrheit ist, die Waage gibt dir keine echte Kontrolle. Sie gibt dir nur das Gefühl von Kontrolle. Und dieses Gefühl hält ungefähr so lange an, wie der Blick auf die Anzeige. Und selbst das funktioniert ja nur, wenn sie ihr dann auch noch die richtige Zahl anzeigt. Und kurz darauf brauchst du den nächsten Fix oder bist du hinterher dann noch kaputter. Also mental, weil du einfach denkst, scheiße, ich habe wieder versagt. Das ist wie bei einer Freundin, die dir ständig sagt, ob du okay bist oder nicht. Und irgendwann traust du dir selber nicht mehr zu, das einzuschätzen, weil du hast ja immer deine Freundin gefragt. Aber auch deine Freundin, klar, die kennt dich vielleicht ganz gut, aber die wird niemals final wissen, wie es dir geht. Und die Waage auch nicht. Dann ist die Waage auch ein externes Selbstwertbarometer. Stell dir mal vor, du würdest jeden Morgen jemanden fragen, bin ich heute wertvoll? Und diese Person antwortet nur mit einer Zahl. Genau das tun wir mit der Waage. Wir delegieren unseren Selbstwert an ein Gerät, das absolut nichts über uns weiß und auch nie dafür gemacht war. Doch dieses kalte Gerät weiß nichts über unsere Freundlichkeit, unsere Herzenswärme, unsere Stärken, unsere Art mit Menschen umzugehen, unsere Liebe für unsere Kinder, Eltern oder Freunde. Sie weiß nur die Erdentziehungskraft. Und selbst da kommt es ja noch drauf an, wo du die Waage hinstellst oder auf welchem Höhengrad du gerade bist. Vielleicht kennst du das auch. Je nachdem, wo die Waage steht, zeigt die schon wieder was anderes an. Also auch das ist noch unzuverlässig. Und die Waage ist auch ein kurzfristiger Angstlöscher. Das heißt, das Wiegen funktioniert wie ein Beruhigungsmittel, aber eins mit üblen Nebenwirkungen. Stell dir vor, du hast Angst vor einem Monster unter deinem Bett. Und jedes Mal, wenn du nachschaust und siehst, okay, kein Monster, fühlst du dich kurz besser. Aber was passiert dabei? Du musst immer öfter nachschauen, um dich zu versichern, denn du hast ja kein Vertrauen und versuchst, dieses fehlende Vertrauen durch Kontrolle wettzumachen. Und dabei wird die Angst nicht kleiner, sondern größer. Genauso funktioniert auch die Waage. Sie beruhigt dich zwar für einen Moment, aber langfristig macht sie die Angst schlimmer und dein Körper wird schlechter. Meine Beziehung zur Waage war, wie mir erst während meiner vielen Diskussionen mit mir selbst auffiel, als ich so überlegt habe, wie gehe ich mich jetzt weiter oder nicht oder doch verbannen oder nicht. Meine Beziehung war nie wirklich gut, egal, was sie angezeigt hat. War die Zahl kleiner als am Tag zuvor, spürte ich, oh, und ich kann mich jetzt noch dann dieses Gefühl von, oh, geil, ich habe es geschafft, kurze Erleichterung und manchmal auch stolz. Aber sehr, sehr kurz darauf gefolgt von der Angst, dass es direkt wieder hochgehen könnte. Also ich hatte zwar das Glücksgefühl, aber dieser Gedanke von, oh, scheiße, aber was, wenn es jetzt morgen wieder hochgeht? Was, wenn es morgen mehr ist? Vielleicht habe ich heute nur ein bisschen mehr gepullert als sonst. so, also selbst dem habe ich misstraut. Und diese Erleichterung, die war auch immer mit einem Schatten überdeckt. Wog ich mehr, und du kannst es dir sicherlich vorstellen, stiegen Panik und Selbsthass an. Und blieb sie gleich, hieß es für mich, na toll, du hast es mal wieder nicht geschafft, abzunehmen, Versagerin. Das heißt, ich konnte nicht gewinnen. Und gleichzeitig war ich so abhängig von diesem kurzen Gefühl der Erleichterung, welches mich ja manchmal belohnt hat. Aber wie gesagt, es sind drei Fälle, dass der eine eingetreten hat oder ist, war vielleicht gerade am Anfang so oder eher kurzfristig, aber es war es einfach nicht wert. Und der Punkt ist, es ist nicht einfach nur so, dass wir, weiß ich nicht, uns vielleicht auch einbilden, dass wir von diesem Ding abhängig sind oder dass wir ohne die nicht mehr leben können oder dass wir ohne sie in ein Loch voll Unsicherheit fallen. Nein, da passiert wirklich auch was in deinem Gehirn. Denn dein Gehirn auf der Waage ist vergleichbar mit, mit was kann man es vergleichen, mit einer Spielautomatensucht zum Beispiel. Klingt jetzt vielleicht übertrieben, aber neuropsychologisch betrachtet funktioniert das Wiegen ähnlich wie eine Sucht. Stell dir jetzt zum Beispiel, also wenn wir jetzt bei dem Beispiel mal bleiben, mal einen Spielautomaten vor. Wie funktioniert das Ding? Du wirfst oben eine Münze ein, heißt du steigst auf die Waage, du wartest gespannt auf das Ergebnis, die Zahl erscheint. Manchmal gewinnst du, also es ist zum Beispiel weniger auf der Waage als erwartet, manchmal und wahrscheinlich häufiger, verlierst du aber auch, weil es entweder mehr ist oder auch eine gleichbleibende Zahl. Also allein die Wahrscheinlichkeitsrechnung sagt schon, ja, die Chance zu verlieren, die ist schon eher hoch. Egal was passiert, du willst es nochmal versuchen. Es könnte ja nochmal das schöne Gefühl des Gewinnens erscheinen, weil das ist wirklich der Kick halt. Und das hängt mit deinem Belohnungszentrum in deinem Gehirn zusammen. Der Teil, der sozusagen für Motivation und das will ich nochmal Gefühle zuständig ist. Und der wird beim Wiegen ganz extrem aktiviert. Jedes Mal, nämlich wenn die Zahl niedriger ist als vielleicht auch befürchtet oder so niedrig ist wie erhofft, gibt es einen kleinen Dopamin-Kick. Und dein Gehirn merkt sich, das hat sich gut angefühlt. Lass uns das nochmal machen. So wie beim Karussellfahren. Okay, nochmal, nochmal. Das Problem, wie bei jeder Sucht brauchst du mit der Zeit immer mehr davon, um den gleichen Effekt zu bekommen. Das heißt, vielleicht wird aus einmal am Tag wiegen zweimal, dreimal oder fünfmal oder vor jeder Mahlzeit. Also ja, aus meiner Erfahrung war es irgendwann mehrfach am Tag. Und ich habe es auch bei meinen Coachies häufig erlebt, dass sie sehr, sehr häufig irgendwann auf die Waage gegangen sind. Ja, also das hat wirklich einen abhängig machenden Charakter, sage ich jetzt mal. Tja, also bei mir, also wenn ich jetzt gerade so drüber nachdenke, auch als ich diese Phase hatte, wo ich mich mehrfach gebogen habe, ich hatte irgendwann wirklich auch Angst, was zu trinken. Ich habe mir echt gedacht, so, wenn ich ja was trinke, ja dann, dann ist ja auch extra Flüssigkeit drauf. Und ich habe auch mal jemanden mit Essstörung getroffen, die tatsächlich auch, also sie ist mir auch begegnet, mit super vertrockneten Lippen, also die sind richtig aufgeplatzt gewesen, weil sie sich nicht mehr getraut hat zu trinken, weil das könnte ja das Gewicht nach oben bringen. Und das ist schon wirklich tragisch. Und blöderweise, weil, wie gesagt, wenn das diese Bereiche im Gehirn aktiviert, sind auch die Entzugserscheinungen erst mal real. Denn wenn du dich eine Weide nicht wiegst, wirst du wahrscheinlich erst mal Entzugserscheinungen erleben. Aber das ist kein Zeichen dafür, dass du die Waage brauchst, sondern ein Zeichen dafür, dass dein Gehirn sich an sie gewöhnt hat. Also erst mal eine ganz normale Reaktion. Und solche Entzugserscheinungen könnten sein zum Beispiel innere Ruhe, Rastlosigkeit, den starken Drang nur mal ganz kurz zu schauen, so ganz klein bisschen vielleicht, vielleicht auch eine Gereiztheit. Also ich glaube, ich war am Anfang ja schon ziemlich angespannt, weil mir hat ja voll mein Sicherheitsinstrument gefehlt. Dann auch das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, weil es war nun mal ein Messmechanismus. Also wer es mir gesagt hat, wie viel Kontrolle ich eigentlich habe und mit dem ich natürlich auch alleine durch Benutzung Kontrolle ausgeübt habe. Und dementsprechend ist auch das Gedankenkarussell um das Gewicht natürlich erst mal durch die Decke gegangen. Also in meinem Kopf habe ich von einem Tag auf den anderen fünf Kilo zugenommen, einfach nur, weil ich nicht gucken konnte. Und dann war natürlich die fürsorgliche Ausrede, naja, aber dann guck doch und dann kannst du dich ein bisschen beruhigen und dann siehst du, dass es nicht so schlimm ist. Dann ist ja genau wieder das der Punkt. Also selbst wenn es dann nicht so schlimm wäre, wie du befürchtest, würdest du ja wieder den Dopaminrezeptor bedienen, also die Taste drücken und sagen, Erleichterung. Und genau nach dieser Erleichterung, nach diesem kurzen guten Gefühl sehnt sich dein Gehirn. Die gute Nachricht ist aber, diese Symptome sind zum Glück nur vorübergehend. Sie zeigen dir, dass du dabei bist, eine ungesunde Gewohnheit zu durchbrechen und nicht, dass du etwas falsch machst. Bei mir war es so, dass die ersten zwei Wochen nach meiner Wagentrennung eigentlich, so wenn ich es rückblickend betrache, die schwersten waren. Danach wurde es etwas leichter, aber der Gedanke, nur mal kurz zu schauen, der poppte, ich glaube, weiß ich nicht, so bestimmt noch fast zwei Monate in meinem Kopf auf. Aber er wurde immer leiser und immer weniger. Und der Punkt ist, wie bei jeder neuen Gewohnheit braucht es mindestens, also man sagt so 60 bis 90, wobei ich ganz ehrlich eher bei den 90 Tagen sind, gerade wenn es so eine sehr eingeschliffene Gewohnheit ist, 90 Tage, bis sich neue Verknüpfungen im Gehirn bilden und alte Muster durchbrochen werden. Und durch dieses tägliche Üben und Dranbleiben wird dann aus diesem kleinen Trampelpfad, also so ein Trampelpfad durch den Busch zu schlagen, das ist auch erstmal anstrengend. Aber je öfter du diesen Trampelpfad gehst, desto breiter und fester und bequemer wird dieser Weg, bis es irgendwann eine Autobahn ist. So wie aktuell vielleicht noch, deine Autobahn ist, sich täglich zu wiegen. Da denkst du ja gar nicht mehr drüber nach. Morgens auf den Augen, auf Toilette, drauf auf die Waage, keine Ahnung. Also wie sehr musst du dich an diese Routine erinnern? Nicht drauf zu gehen, ist erstmal das völlige Gegenteil und braucht auch erstmal Anstrengung. Der Punkt ist aber, oder wofür lohnt sich das vielleicht auch? Die Waage verhindert echte Recovery. Denn eigentlich, man kann sie sich eigentlich so ein bisschen vorstellen wie so einen schlechten Übersetzer. Also dein Körper sendet dir ja täglich Nachrichten. Idealerweise tut er das noch, weil wenn wir es zu lange missachtet haben oder auch zu weit vom Gewicht unten sind, kann es sein, dass der Körper das auch nicht mehr tut. Aber ich sage jetzt mal im Normalfall sagt der Körper ja, hey, ich habe Hunger, hey, ich bin satt, oh, ich brauche jetzt mal Ruhe, boah, ich würde gern was trinken. Deswegen, hm, jetzt ein bisschen Bewegung wäre vielleicht auch ganz schön. Das heißt, der kommuniziert eigentlich die ganze Zeit mit uns. Und die Waage ist aber wie so ein schlechter Übersetzer zwischen unserem Gehirn und unserem Körper, der sich zwischen dich und deinem Körper sozusagen stellt. Denn statt auf diese inneren Signale zu hören, fragst du dann erstmal die Waage, hm, warte mal, darf ich das jetzt essen? War das jetzt zu viel? Ist schon die richtige Uhrzeit? Motte, man müsste ich jetzt vielleicht noch Sport machen. Was muss ich dann dafür machen, wenn ich das jetzt esse? Also, das sind so ein paar Beispiele. Ich denke, ergänze sie einfach um deine eigenen. Und Recovery-Expertin Tabitha Farah, die hat das super auf den Punkt gebracht. Sie hat nämlich gesagt, die Waage kann nicht deinen Wert messen. Sie kann dir nicht sagen, wie viel du essen solltest. Das Einzige, was sie definitiv tut, ist, dich von den Nachrichten abzuschneiden, die dein Körper dir sendet. Und da hat sie recht, denn mit jedem Gang auf die Waage sagst du deinem Körper, hey, ich vertraue dir nicht. Ich brauche nochmal eine externe Bestätigung, dass du hier auch gerade wirklich das richtige Signal gesendet hast. Und, also bei mir war es damals zum Beispiel auch, also nicht nur die Waage, bei mir war das zum Beispiel auch die Uhr. Wenn ich, weiß ich nicht, weil ich schon nach einer Stunde wieder Hunger hatte, habe ich mir gesagt, nee, das kann ja gar nicht sein, weil es ist erst eine Stunde vergangen, ich darf ja erst in x Stunden wieder Hunger. Also auch solche Sachen. All das sind Signale, dass wir unserem Körper nicht vertrauen. Und der steht natürlich da und denkt sich, hm, habe ich das zwar gesagt, aber irgendwie passiert da nichts. Also wie soll so Vertrauen auch zwischen dir und deinem Körper entstehen? Und wenn auch für dich vielleicht das Ziel ist, irgendwann intuitiv und frei zu essen, also sieh da gerne noch mal oder hör doch gerne noch mal in die letzte Podcast-Folge rein, wenn du das noch nicht getan hast. Oder du dir auch vielleicht wünschst, dich aus Freude zu bewegen, dann ist die Waage dein größtes Hindernis. Denn die Grundvoraussetzung dafür ist, dass du dir erlaubst, auf deinen Körper und seine Signale zu hören. Und natürlich, dass dein Körper sie überhaupt schon senden kann. Solange die Waage also als Übersetzer und Mittelsmann dazwischen steht, ist diese Verbindung unterbrochen. Und der Punkt ist, du kannst nicht gleichzeitig kontrollieren und vertrauen. Also diese beiden Punkte, die liegen wirklich komplett in unterschiedlichen Richtungen. Das ist wie, wenn du sagst, okay, ich würde gerne, wo würde ich gerne hinfliegen? Ich nehme ein Beispiel. Ich würde gerne nach Dubai fliegen und dann steige ich aber und fliege nach Amerika. Also ja, wenn ich lang genug fliege, komme ich vielleicht auch irgendwann auf der anderen Seite wieder raus. Aber ja, ich glaube, du verstehst, was ich meine. Und wie gesagt, ich würde gleich das auch gerne oder das ist das, was mir damals als Bild vielleicht auch oder vielleicht hilft es dir auch, dieses Beispiel wirklich mit einer Freundin. Und wenn du der zum Beispiel sagst, also auch hier stell dir, denk vielleicht, wenn du einen hast, wirklich mal eine gute Freundin, der du wirklich auch vertraust. Und vielleicht sagst du ihr das sogar und sagst, hey, ich vertraue dir total. Und jetzt stell dir mal vor, du kontrollierst dann aber jeden Tag ihr Handy oder auch bei einer Partnerschaft. Das ist vielleicht noch wahrscheinlicher, dass wir das in einer Partnerschaft tun. Also jemandem zu sagen, ich vertraue dir und dann aber hintenrum das Handy zu kontrollieren, das sagt ja nicht nur die, ihn oder ihr, wenn sie dich erwischt so, hä, was soll das jetzt bitte sein? Das Vertrauen wird nämlich da schon krass angekratzt, sagt aber auch dir selber, ja, ich sage dir zwar, ich vertraue ihr, aber eigentlich tue ich es nicht, weil die Handlung, die wiegt immer stärker. Und genauso ist das auch mit der Waage und deinem Körper. Du kannst nicht sagen, ja, ich möchte jetzt meinem Körper vertrauen und ihn gleichzeitig täglich kontrollieren. Denn echtes Vertrauen bedeutet eben, loszulassen, nichts zu wissen und trotzdem okay zu sein. Ich erinnere mich noch ziemlich genau an meinen Wendepunkt, wahrscheinlich auch, weil dieser 1. Dezember, also der ist für mich halt wirklich so symbolisch. Und das war so auch dieser Tag, als mir klar wurde, die Waage kann mir in keiner Zahlenkonstellation auch nur irgendetwas Gutes tun. Wie gesagt, Zahl runter, kurze Erleichterung, dann Druck weiterzumachen, Zahl hoch, Panik, Selbsttasseinschränkung, Zahl gleich, Versagensgefühl, weil ich es nicht geschafft hatte. Und ich wusste auch, wenn ich mich davon weiter Auflase halten lasse, weil das war ja, wie gesagt, kurz bevor ich mein Zielgedicht erreicht habe, ja, ich konnte nicht gewinnen. Es gab nur verschiedenste Arten, mit dieser Waage zu verlieren. Und das ist mir an diesem 1. Dezember sehr, sehr bewusst geworden. Und als ich das wirklich verstanden hatte, wusste ich auch, ich musste das letzte Band zu meiner Essstörung durchtrennen. Und das war nun mal die Waage. Dieser Entschluss kam für mich, als ich, wie gesagt, mich mit diesem zweiten Zielgewicht ja auseinandergesetzt habe, beziehungsweise mich dem genähert habe, wo ich ja gehofft habe, dass meine Therapeutin, die das da eben als mein gesundes Gewicht vermutet hat, und die hat das schon, zum Glück, also das war ja schon mal gut von ihr, sie hat das schon höher angesetzt als den Minimum BMI. Das war ein Gewicht, wo ich gedacht habe, also no way ever, gehe ich da wieder hin. Also mein Zwischengewicht, dass ich in die Wiedereingliederung durfte, das war mir ja schon zu hoch. Und das waren noch mal ein paar Kilo drüber. Und dann habe ich gesagt, no way ever, gehe ich da hin. Und diesem Gewicht habe ich mich aber tatsächlich mit zunehmender Recovery, im wahrsten Sinne des Wortes, in großen Schritten genähert. Und ich war ein paar Jahre ja bereits vorher schon mal gehen geblieben, also auch mit dem Gewicht im Versuch, nicht über diese Zahl zu kommen. Also das war so das Höchstgewicht, was ich mir erlaubt habe, seitdem ich doch damals mit den Modeln angefangen habe. Und das war aber auch genau das. Also ich habe mich in dem Moment auch an diese Situation erändert und habe mir gedacht, Mensch, ich kenne das schon. Und ja, da ging es mir zwar besser, weil das war eher so ein quasi Recovery-Zustand, wo ich wie gesagt auch Obstbrandpralinen und Streuseltaler und solche Sachen essen konnte. Also das ging schon und ich selber auch gedacht hätte, ich wäre eigentlich jetzt relativ gesund oder ziemlich gesund, war ich aber nicht. Ich wollte dieses Mal, und das war mir irgendwie auch schon klar, als ich am Anfang losgegangen bin, ich wollte wirklich final frei werden. Auch wenn das bedeutet, dieses Gewicht zu überschreiten. Und kleiner Spoiler, das habe ich auch. Und dennoch war es das Beste, was ich hätte tun können. Mir heute vorzustellen, ich hätte wegen drei oder vier Kilo mehr vielleicht nicht diese Freiheit, die ich heute tagtäglich spüre. Also der Gedanke, ich finde den gerade zu grausam. Aber faktisch ist es genauso. Dann gibt es ja noch diesen Ansatz oder ja auch Menschen oder vielleicht gerade auch Ärzte und Therapeuten, die sagen, du musst dich an die Zahl gewöhnen. Wirklich? Hast du den Satz auch schon gehört? Wenn ja, dann tut es mir nämlich mega leid, denn das stimmt nicht. Ich will dir auch sagen, warum ich diesem Ansatz nicht zustimme. Vielleicht hast du, und gerade wie gesagt, wenn das vom Fachpersonal kommt, ist es nochmal schwieriger. Aber vielleicht hast du von deinem Therapeuten oder von deinen Ärzten gehört, hey, du musst lernen, mit der Zahl umzugehen. Du musst dich daran gewöhnen. Ich sehe das anders. Und ich bin damit auch nicht allein. Caroline Koston, eine weltweite Koryphäe im Bereich Essstörungen, sowie auch Speakerin und Autorin, mehrere erfolgreiche Essstörungs-Recovery-Bücher und natürlich auch meine Mentorin und Ausbilderin, die hat es so gesagt. Wenn du wirklich recovered bist, dann sind konkrete Zahlen von wenig oder keiner Bedeutung mehr für dich. Das Ziel ist also, nicht die Zahl zu tolerieren, was Ärzte ja in dem Moment von dir verlangen. Das Ziel ist, dass sie dir egal wird, beziehungsweise du dich einfach nicht mehr drum kümmerst und sie eigentlich nichts mehr mit dir zu tun hat. Und Caroline vertritt die Ansicht, dass eine Waage nichts Lebensnotwendiges ist. Wie jetzt zum Beispiel Essen, auf das wir nun mal nicht verzichten können. Auch an Alkoholiker. Wir brauchen keinen Alkohol, um zu überleben. Also wir sagen ja auch nicht mehr Alkoholiker, oh, setz dich aber mal richtig schön in die Bar und in die Kneipe und dann guckt man den anderen beim Trinken zu, weil das musst du aushalten können. Echt? Muss man das? Also ich sitze nie in der Kneipe. Also, nee. Ich sitze wirklich nirgendwo, wo ich denke, hey, da muss ich mich jetzt mit konfrontieren können. In Dubai schon mal noch weniger, weil da trinkt keiner Alkohol. Also jedenfalls nicht da, wo ich bin. Also in der Laun schon, wo die Gäste und so sind. Aber ganz ehrlich, also ich glaube, ich habe es einmal, zweimal in Dubai in den letzten zweieinhalb Monaten habe ich was getrunken. Verschwinden gering. Also das sind Dinge, also weder an Alkohol, das da vor unserer Nase steht, noch an die Waage müssen wir uns gewöhnen. Das sind Dinge, auf die können wir im Leben verzichten. Auf Essen nicht. Einzige Ausnahme, wo eine Waage nochmal lebensnotwendig sein könnte, ist meiner Meinung nach, wenn dein, wenn du zum Beispiel Medikamente nimmst, die wirklich auch auf Gewicht eingestellt werden müssen. Oder bevor du eine Narkose bekommst. Das wäre natürlich blöd, wenn du dich wie ein Elefanten betäubst und du wiegst aber viel weniger. Also das könnte blöd ausgehen. Oder aber, das Beispiel habe ich mir damals von Carolyn, das fand ich so cool, weil die scheint öfter mal in solche kleinen Inseln zu fliegen, wo man durchaus auch mal in ein klapprigeres Flugzeug besteigt, welches dann nach Gewicht betankt wird. Da macht es natürlich schon Sinn, auch das eigene Gewicht und die Koffergewichte zu wiegen. Das wäre lebensnotwendig. Weil im Zweifelsfall, wir haben es bei, ich weiß nicht, wer das noch, also ich meine Generation, wer das bei Aliyah damals mitgekriegt hat, die ja auch mit so einem kleinen Flugzeug auf den Bahamas, glaube ich, abgestürzt ist. Das war zu voll. Also da kann es wirklich lebensrettend sein. Aber ansonsten und im Alltag fällt mir kein Grund ein, warum man sich mit dieser Waage auseinandersetzen oder sich gar daran gewöhnen muss. Und hier vielleicht auch nochmal zu diesem Unterschied zwischen tolerieren und egal sein. Stell dir mal vor, du kennst oder hast vielleicht einen Menschen in deinem Leben, der dich früher sehr verletzt hat. Tolerieren würde bedeuten, du kannst im selben Raum sein wie diese Person, ohne zusammenzubrechen. Aber innerlich bist du wahrscheinlich angespannt und auf der Hut. Aber du kannst es tolerieren erstmal, dass die Person da ist. Also du musst zumindest nicht aus dem Raum rausrennen. Egal sein bedeutet, du siehst diese Person und denkst, gar nichts Besonderes. Sie löst nichts mehr in dir aus. Also weder positive noch negative Gefühle. Sie hat damit ihre Macht über dich verloren. Und bei der Waage ist es genauso. Das Ziel ist nicht, dass du die Zahl siehst und damit umgehen kannst. Das Ziel ist, dass dein Gehirn die Information als so unwichtig einstuft, dass es sie nicht mal mehr speichert. Ziel ist also nicht, dich nach der Recovery immer noch regelmäßig zu wiegen. Oder wofür soll ich das denn tolerieren? Denn wenn ich mich dann eh nicht mehr regelmäßig wiege. What's the sense in that? I don't get it. Wozu würdest du das überhaupt tun wollen? Deswegen, ja, wie ging es mir jetzt oder wie geht es mir jetzt so sechs Jahre ohne Waage? Also wie gesagt, ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es absolut möglich ist, wirklich auch in diesen Egalbereich zu kommen. Denn nach sechs Jahren ohne Waage wurde ich dieses Jahr aus medizinischen Gründen wieder häufiger gewogen. Und weißt du was? Die Zahl hatte keinen Einfluss mehr auf meine Stimmung, auf mein Essverhalten oder auf meine Bewegung. Ich stand auf der Waage, sah die Zahl und es war, als würde jemand die Außentemperatur sagen. So, hm, okay, interessant. Mehr nicht. Gebe zu, weil ich war mir unsicher, wie ich darauf reagieren würde, weil ich ja auch gedacht habe, hm, also ich habe zwischendurch auch überlegt, müsste ich mich damit auseinandersetzen? Dann habe ich wieder gedacht, hey, why? Gibt eigentlich keinen Grund. Und meine eigene Reaktion darauf, also dass ich wirklich so neutral war, die hat mich tatsächlich erstmal selber überrascht. Zeigt mir aber auch, ich habe meinen Wert komplett von dieser Zahl entkoppelt. Weil ich weiß ja auch, dass das, was ich mache, mit mir selber, mit meinem Körper, wie ich den ernähre, wie ich den bewege, wie meine Routinen so sind, dass das wirklich in Fürsorge passiert. Das heißt, wenn das das Ergebnis ist, was ich damit habe, dann ist es halt so. Aber das heißt nicht, dass ich deswegen weniger wertvoll bin. Und ich bin inzwischen wirklich auch im tiefen Vertrauen, dass mein Körper das Beste für mich tut, solange ich auf ihn höre, ihn liebevoll unterstütze und mit statt gegen ihn arbeite. Und trotzdem würde ich jetzt die Waage dann auch nicht außerhalb dieser Arzttermine nutzen. Warum? Ich kenne ja mein Gehirn. Das heißt, es liebt durchaus den Vergleich mit sich selbst. Und wenn ich mich privat wieder regelmäßig draufstellen würde, würde ich meinem Kopf im Zweifelsfall wieder das Signal geben, dass dies eine wichtige Information über mich ist. Ist sie aber nicht. Ich weiß, dass ich eine Erdanziehungskraft habe und dass die jetzt mehr ist als früher. Mir auch gut. Sie ist vielleicht wichtig für die Ärzte, die meine Gesundheit überwachen, aber nicht für mein mit sich selbst gern mal in Wettkampf gehendes Gehirn. Und ich habe auch keine Lust mehr auf Selbstoptimierung, die ja schon mal dazu geführt hat, dass ich das Vertrauen in meinen Körper verloren habe. Das heißt, für mich geht es hier bei dieser Entscheidung auch wirklich eher um Risikovermeidung. Nicht, weil ich Angst vor der Zahl habe, sondern weil ich meine Freiheit schütze. Weil die ist mir wirklich unglaublich wertvoll. Und dann gibt es noch einen Punkt, warum sich daran gewöhnen, weil es Störungen nicht funktioniert wie vielleicht bei anderen Ängsten. Also es gibt ja so bei klassischen Phobien, zum Beispiel, weiß nicht, Spinnenangst oder sowas, gibt es ja diese Expositionstherapie. Das heißt, du wirst durch Spinne ausgesetzt, du machst die Erfahrung ein paar Mal, okay, da passiert nichts Schlimmes, okay, so sieht die aus, so guckst du dir an. Und dein Gehirn lernt, okay, Spinnen sind nicht gefährlich. Bei der Waage ist das anders, gerade wenn du vielleicht noch in diesem aktiven Recovery-Zunahme-Prozess bist. Denn das, wovor du Angst hast, also Gewichtszunahme, passiert in der Recovery ja tatsächlich, wenn du dein Gewicht durch es gestörte Verhaltensweisen unterdrückt hast. Dein Gehirn kann in der Situation also nicht lernen, war gar nicht so schlimm, weil das gefürchtete Ereignis ja auch real eintritt. Deswegen sage ich auch niemanden, es wird nichts passieren. Doch es wird im Zweifelsfall was passieren. Und das ist ja auch genau das, was ich im Coaching mache. Meine Coaches eben dann auch darauf vorzubereiten, okay, und wenn was passiert, wie gehe ich denn dann damit um? Weil das ist das, was eigentliche Recovery ausmacht. Und außerdem würde stetiges Weiterwegen und oder vielleicht auch nur, um sich da Zahl zu stellen, das Muster am Laufen halten, dass diese Zahl für irgendwas in unserem Leben wichtig ist. Aber das ist sie nicht. Ich kann nämlich ein schönes, glückliches und gesundes Leben führen, egal wie stark meine Erdanziehungskraft ist. Deshalb brauchen wir einen anderen Weg. Nicht Toleranz durch Exposition, sondern wirklich echte Gleichgültigkeit durch Entkopplung vom Selbstwert und der Zahl. Eine Frage, die mich auch erreicht hat, war, ja, aber was ist denn jetzt, wenn mein Arzt sagt, ich muss mich wiegen? Die Realität ist, manchmal ist medizinisches Monitoring, also wirklich so eine Überwachung, auch nötig. Und ich will hier ganz ehrlich sein, es gibt wirklich Situationen, in denen medizinisches Fachpersonal dein Gewicht auch überwachen muss. Besonders, wenn du in einer frühen Recovery-Phase bist oder dein Gewicht medizinisch kritisch ist. Und das ist okay. Das ist sogar wichtig für deine Sicherheit. Aber es gibt einen riesigen Unterschied zwischen medizinisches Fachpersonal überwacht mein Gewicht und ich wiege mich selbst täglich zu Hause. Deswegen gibt es ja zum Beispiel auch den wirklich auch evidenzbasierten Ansatz, beziehungsweise die Alternative Blindwiegen. Blindwiegen bedeutet, du wirst gewogen, siehst die Zahl aber nicht. Das heißt, du steigst zum Beispiel rückwärts auf die Waage oder schaust weg, während Arzt, Ärztin, Schwester, wer auch immer, die Information dokumentiert. Und, ihr kennt mich ja, ich gucke immer mal ein bisschen nach, Studien und wissenschaftlichen Beweisen auch dazu. Und Studien zeigen, dass Blindwiegen im Vergleich zum offenen Wiegen weniger Angst auslöst, weniger essstörungsspezifische Gedanken triggert, die Behandlungsmotivation erhöht und den Aufbau von Körpervertrauen erleichtert. Und eine Teilnehmerin dieser Studie sagt zum Beispiel, das offene Wiegen, also nicht das Blindwiegen, das offene, war wahrscheinlich das, was mich am meisten zurückgehalten hat, als ich beschloss zu recovern. Und, ihr kennt mich ja, ich bin super ehrlich, ich kenne den Mundstief, Zahl zu sehen, von mir selbst noch sehr gut. Und der Gedanke, dass jemand anderes die Zahl kennt und ich nicht, der hat mich wahnsinnig gemacht. Weil, das war ja für mich genau das Letzte, was ich wollte, das hat sich angefühlt wie ein Kontrollverlust und Ohnmacht. Jemand wusste mehr über mich oder mein Gewicht als ich. Damals war das für mich unvorstellbar. Daher muss ich ehrlicherweise sagen, dass ich diesen Schritt damals nicht gegangen bin. Und ich weiß heute aber auch, welche Motivation dahinter stand. Und jedes Wissen um die Zahl hat mich damals auch erst mal fertig gemacht. Als ich zum Beispiel mein erstes Zielgewicht für meine Wiedereingliederung erreicht hatte, war ich nicht etwa stolz darauf. Und ich habe mich auch vorbereitet, dass diese Zahl irgendwann da stehen wird, weil ich habe ja alle Schritte dafür getan. Deswegen hätte ich eigentlich schon sehr stolz sein können, weil die Zahl da stand, das war eine krasse Leistung und ein Verdienst. Aber ich habe das damals überhaupt nicht so gesehen, sondern bin erst mal voll in Tränen ausgebrochen und habe mich trotz dieses offensichtlichen Sieges gefühlt wie eine Versagerin. Deswegen berüft da bitte wirklich, ich weiß, es gibt beide Ansätze. Also ich habe auch Coaches, die sagen, hey, sie haben sich dafür entschieden, es tut ihnen eigentlich ganz gut. Und dann haben Ärzte aber was doch verraten. Dazu komme ich gleich nochmal. Und dann kenne ich aber auch die, die sagen, ich muss das unbedingt wissen. Es gibt ja auch auf Instagram-Accounts, die zum Beispiel jetzt auch das so ein bisschen eher vielleicht befürworten oder sagen, die haben dadurch das Vertrauen entwickelt, dass das Gewicht nicht immer dauerhaft nach oben stellt. Ja, das kann sein. Aber sich dann wirklich davon zu lösen, ist trotzdem nochmal ein Schritt weiter. Was könntest du jetzt also deinem Arzt sagen, wenn du sagst, okay, ich entscheide mich dafür, ich will das Gewicht wirklich nicht mehr wissen? Konkrete Formulierungen, die du nutzen könntest, wären zum Beispiel, ich möchte die Zahl lieber nicht wissen, können Sie mir mein Gewicht bitte nicht mitteilen? Oder bitte vermerken Sie in meiner Akte, dass ich mein Gewicht nicht sehen möchte, falls mal jemand anders ist. Oder, das habe ich jetzt auch die letzten Jahre immer wieder gefragt, ist das Wiegen für diesen Besuch medizinisch notwendig oder können wir stattdessen einfach andere Werte überprüfen? Wie gesagt, das hat mich jetzt auch jahrelang, weil also der Versuch gerade beim Frauenarzt oder so, das ist schon immer so, die anderen fragen eigentlich gar nicht, weil ich habe ja sonst nie wirklich was, aber so gerade diese regelmäßigen Sachen irgendwie beim Frauenarzt werde ich zumindest irgendwie jedes Mal gefragt und ich so, ja, du, ich wiege mich seit Jahren irgendwie nicht mehr. Also, das war dann auch prima geklappt. Aber Achtung, leider habe ich, wie gesagt, auch das überlebt, dass zum Beispiel Schwestern nicht mehr daran gedacht haben und trotz eindringlicher Bitte die Zahl nicht zu nennen, sie dann doch genannt haben. Das ist einfach so in denen ihrer Routine drin. Weil meistens ist das kein böser Wille, sondern zeigt einfach auch, wie normalisiert es in unserer Gesellschaft ist, mit dieser Zahl um sich zu werfen. Also, selbst wenn du das gesagt hast, erinnere die bitte im Zweifelsfall in der Situation und wenn die wollen, dass du dich wiegst oder das halt wirklich notwendig ist, dann erinnere sie gern nochmal daran, dass du die Zahl wirklich nicht wissen möchtest. Das kann man nie zu oft genug sagen. Und ich habe ja gerade gesagt, so auch so alternative Wege zum Beispiel auch, die man vorschlagen könnte. Also, jetzt wirklich halt auch um zu prüfen, wie geht es deiner Gesundheit, wären zum Beispiel Vitalzeichen. Also, Temperatur, Herzfrequenz, Blutdruck, das kann man ja auch messen und dann auch Anzeichen dafür so, wie funktioniert der Körper? Ist er vielleicht noch im Hungerstoffwechsel oder wie geht es dem? Dann Bluttests. Da reicht ein kleines Blutbild, selbst ein großes manchmal, nicht unbedingt aus, aber wirklich mal die Elektrolyte zu checken, die Schilddrüse, die Hormone. Da wirklich nochmal tiefer reinzugehen, weil das sind dann wirklich auch Marker, die, also gerade wenn man eben, also ich war jetzt selber auch gerade und habe nochmal mir ein paar Werte angefordert, die so nicht gemacht werden. Zum Beispiel bei Schilddrüse wird eigentlich immer nur das TSH gemessen, aber ich wollte halt wirklich auch das T3 und das T4, weil die viel aussagekräftiger sind oder den Eisenwert nochmal, weil der war bei mir beim letzten Mal sehr niedrig. Das heißt, ich habe jetzt Eisen supplementiert, habe mir aber auch schon wieder vergessen. Und ich so, ja, können wir dann jetzt mal gucken vielleicht, ob die Supplementation da jetzt auch angekommen ist oder ob ich da jetzt auf Erhaltung gehen kann oder ob ich noch mehr brauche, dass das einfach überprüft wird. Also heutzutage im Gesundheitssystem macht es schon auch Sinn, Verantwortung für sich zu übernehmen. Und sie können dich zum Beispiel auch Dinge fragen, zum Beispiel zu Energie, zum Schlaf, zum Menstruationszyklus. Ist der regelmäßig? Ist der mit Schmerzen verbunden? Wie ist die Schlafqualität? Warst du mehrfach in der Nacht auf? Solche Sachen. Ich weiß, einige Ärzte sind auch offen dafür. Sie wissen nur vielleicht auch manchmal nicht, wie wichtig das wirklich auch ist. Das heißt, du darfst hier wirklich für dich und deine Recovery einstehen. Das ist übrigens ein super Signal, auch wenn du das tust. Also zumindest für dich und die Beziehung zu dir selber. falls jetzt, und das kann passieren, dein Arztbehandler wäre auch immer nicht mitmacht. Weil manchmal stoßen wir einfach wirklich auf Widerstand. Denn manche Therapeuten oder Ärzte glauben wirklich, du müsstest lernen, mit der Zahl umzugehen. Dann mein Rat, hol dir eine Zweitmeinung. Ich weiß, je nachdem, wer das ist, ist das manchmal auch sehr schwierig. Oder, und das mache ich auch, da bin ich wie ein Schießwort für meine Coaches, bitte zum Beispiel deinen Recovery Coach oder auch eine auf Essstorgen spezialisierte Ernährungsberaterin, also wen auch immer du vielleicht noch im Team hast, auch direkt mit deinem Arzt zu sprechen. Und such dir, wenn du es dir aussuchen kannst, gerne auch Behandler, also sei das jetzt Ärzte oder auch Therapeuten, Ernährungsberater, wie auch immer, die nach dem HACE-Ansatz, also dem Health at Every Size Ansatz, arbeiten und den vertreten. Denn der Punkt ist, eine Waage ist nichts überlebenswichtiges. Und du kannst ein vollkommen gesundes Leben führen, ohne jemals dein Gewicht zu kennen. Lustigerweise haben Menschen das ja hundertelang getan und überlebt. Komisch, oder? Ja, wie ist das jetzt, wenn du denkst, vielleicht aber doch nur mal ab und zu und vielleicht ja so einmal im Monat oder ich wiege mich einfach nicht mehr jeden Tag oder halt nur noch einmal pro Woche. Das ist doch okay, oder? Hier möchte ich dich nochmal einladen, deine Motivation zu hinterfragen. Also frag dich wirklich ehrlich, warum will ich mich wiegen? Was erhoffe ich mir davon? Wie würde ich mich fühlen, wenn ich die Zahl nicht wissen könnte? Beeinflusst die Zahl, wie ich danach esse oder mich bewege? Und wenn die ehrliche Antwort ist, weil ich sicher gehen will, dass ich nicht zugenommen habe oder weil es mir ein Gefühl von Kontrolle gibt, dann ist das immer noch die Essstörung, die da spricht. Gib dir immer noch ein paar Fragen mit zur Selbstüberprüfung. Also, die könnten dir auch helfen zu erkennen, ob das Wiegen noch ein Problem ist. Zum Beispiel habe ich vielleicht Regeln rund ums Wiegen, also nur morgens oder nur nüchtern oder nur nach dem Klo? Oder beeinflusst die Zahl, wie gesagt, was oder wie viel ich dann danach esse? Beeinflusst sie meine Stimmung für den Rest des Tages? Fühle ich Angst oder Unruhe, wenn ich mich nicht wiegen kann? Löst die Zahl Verhaltensweisen aus? Also zum Beispiel mehr Sport, weniger Essen, Kompensation, andere Art. Oder auch nur ein, ja, ich esse zwar, aber dann eben nicht dieses Lebensmittel, sondern sichereres, cleaneres, besonderes, whatever. Wenn du auch nur eine dieser Fragen mit Ja beantwortest, dann ist die Waage noch Teil deiner Essstörung, nicht Teil deiner Recovery. So, wie kommst du denn jetzt daraus? Du kennst mich ja, ich habe immer auch praktische Strategien. Und die meisten davon, nee, eigentlich, doch, eigentlich alle, habe ich selber auch durchgeführt. Deswegen, ich gebe dir nichts mit, wo ich nicht sage, hey, das habe ich auch mal getestet. Oder wenn, dann bin ich auch ehrlich und sage, nee, das habe ich selber nicht gemacht, wie jetzt eben gerade mit dem Blindwiegen auch. Aber Strategie 1, und die hat bei mir relativ gut funktioniert, war die Waage entführen zu lassen. Klingt jetzt vielleicht dramatisch, aber es funktioniert. Also bitte zum Beispiel deinen Partner oder eine Freundin, ein Familienmitglied oder vielleicht auch deine Therapeutin, deine Waage zu nehmen. Am besten mit einem unterschriebenen Vertrag oder einer Vereinbarung, sie dir nicht zurückzugeben, egal wie sehr du bittest. Ich habe meine Waage damals von Markus aus meinem Sichtfeld entfernen lassen, weil die stand bei uns im Schlafzimmer. Und ja, ich bin eigentlich immer drüber gestolpert, beziehungsweise die hat mich so magisch angezogen. Also echt wie so ein Magnet. Und allein, dass er die entfernt hat und ich wusste auch nicht, wohin, ich wollte es auch nicht wissen, hat mir schon geholfen, weil ich nicht mehr ständig daran erinnert wurde. Weil wenn die auch noch im Sichtfeld steht, das ist wirklich wie beim Alkoholiker, dann wenn du an der Alkoholflasche vorbeiläufst und sagst, aber ich darf das jetzt nicht trinken. Na, viel Erfolg. Und ich zwar, zwar auch einmal versucht, sie zu suchen, habe ich auch getan. Und ich habe sie tatsächlich auch gefunden, weil so groß ist die Wohnung dann auch nicht. Aber als ich sie gefunden habe, habe ich mich dann doch entschieden, mich nicht draufzustellen. Aber das war nochmal ein Extrakampfwert. Und dann habe ich mir gedacht, ey, er nennt, dass ich diesen Kampf jetzt hier gemacht habe. Das war ja mal völlig unnötig. Das heißt, sie aus meinem Sichtfeld zu haben, war definitiv eine Erleichterung. Und inzwischen steht die Waage wieder im Schlafzimmer, aber ich nehme die gar nicht mehr wahr. Weil sie ist einfach so unwichtig geworden. Markus wiegt sich ab und zu mal. Und ich denke mir so, you do you. I don't need it. Das heißt, auch das priggert mich null mehr. Strategie zwei wäre, deine Morgenroutine. Also gerade wenn du morgens drauf gehst, ich vermute mal, das ist eher so der Fall, deine Morgenroutine neu zu gestalten. Das heißt, was tust du als erstes, wenn du aufstehst? Wenn die Antwort wiegen ist, dann ist das ein automatischer Ablauf, den es zu unterbrechen lohnt. Ich habe mir zum Beispiel, also wirklich dann auch eine neue Morgenroutine zugelegt, die mich auch besser mit meinem Körper verbindet. Also zum Beispiel Trockenbürsten. Oder sanftes Yoga oder Stretching. Oder einfach mal über die Faszienrolle rollen. Oder wirklich erstmal ein paar tiefe Atemzüge zu nehmen. Im Sommer auch gerne erstmal auf den Balkon raus. Oder Fenster auf. Oder keine Ahnung was. Also wirklich erstmal Luft rein. Dann habe ich ja auch meine ätherischen Öle. Also ich habe ja zum Beispiel mal Balance. Das ist so eine erdende, ausgleichende Mischung auf die Fußsohlen gerollert. Und morgens meistens, also gerade eben, als ich auch noch, ja, so in diesem sehr bewussten Zustand war und noch nicht so richtig zurück in der Arbeitsroutine, ansonsten habe ich es dann nur noch am Wochenende gemacht. Aber auch das war schon mal gut. Wirklich morgens bereits im Bett ein paar Zeilen in mein Dankbarkeitsbuch zu schreiben. Also ich hatte so ein Sechs-Minuten-Tagebuch. Und dabei eine Tasse Tee zu trinken. Also ich bin wirklich aufgestanden, habe mir den Tee gekocht, habe mir mein Buch geschnappt, bin wieder ins Bett gegangen, habe den Tee getrunken und lag dann da. Da war dann auch Zeit vergangen. Oder ich habe einfach im Bett noch was gelesen oder bin wirklich mit Musik schon in den Tag gestartet, wenn ich jetzt morgens die Zeit nicht hatte, die mich für den Tag schon mal eine positive Verstimmung, Verstimmung, nein, nicht in eine Verstimmung, in eine positive Stimmung versetzt hat. Genau. Weil der Schlüssel ist, ersetzt das Wegen nicht durch nichts. Unser Gehirn kann mit nichts nicht so richtig gut umgehen, sondern wirklich durch was Näherndes. Strategie 3, das war eigentlich nur eine kurze Sache, die kann man sich wirklich ganz gut auch zurechtlegen, war ein Mantra. In den ersten Wochen und Monaten hatte ich wirklich ein Mantra, was ich mir immer wieder gesagt habe. Und das hing eben mit der Erkenntnis, die ich da an diesem 1. Dezember hatte zusammen. Und das habe ich vor allem dann gebraucht, wenn der Drang sehr groß war. Also mein Mantra war, egal was auf der Waage steht, es wird mir nicht helfen. Und dieser Satz wiederum hat mir aber geholfen, in Momenten der Versuchung innezuhalten und mich zu erinnern, warum ich das tue. Und für dich ist ganz wichtig, wenn du das machen möchtest, finde dein eigenes Mantra. Etwas, das für dich wahr ist und dich an dein Warum erinnert. Und Strategie 4, durchhalten. Hier sage ich immer so die 90-Tage-Regel. Ich bin ja sonst kein Fan von Regeln, aber manchmal machen sie Sinn. Das heißt, für mich waren ja diese ersten zwei Wochen bis ungefähr zwei Monate die härtesten. Wobei wirklich die ersten zwei Wochen waren eigentlich die schlimmsten. Danach war es wirklich deutlich besser. Aber das ist normal, denn dein Gehirn hat ja oft über Jahre gelernt, dass die Waage wichtig ist. Heißt, es braucht, wie wir es ja eben schon gesagt haben, auch circa 90 Tage, um neue neuronale Verknüpfungen zu bilden und neue Gewohnheiten zu etablieren. In dieser Zeit wirst du wahrscheinlich einen vermehrten Drang, dich zu wiegen, wahrnehmen. Oder wie gesagt, das Gedankenkarussell haben oder auch Angst vor dem Unbekannten. Und vielleicht auch Trauer. Vielleicht ja, weil du die Waage vermisst war und die Sicherheit verlierst, weil es sich einfach ungewohnt anfühlt. Und all das ist normal und es geht vorbei. Also wichtig, halte hier durch. Und Strategie 5, nochmal ein bisschen bei Tabitha abgeguckt. Wie gesagt, sie hat da auch einen sehr direkten Ansatz. Sie sagt einfach, steig nicht auf die verdammte Waage. Egal, wie sehr du es willst. Und egal, wie sehr dir dein Gehirn versucht, dich zu überzeugen oder dich zu überreden, dass diese Information gebraucht wird, wird sie nicht. Und falls du doch hochfällig wirst, dann ist jedes Mal etwas, um die Handlung zu kontern und deinem essgestörten Anteil zu zeigen, dass dieser Vorschlag Konsequenzen hat, die ihm mit Sicherheit nicht gefallen. Also ich habe wirklich auch immer, wenn ich an Essen gedacht habe oder an irgendeine blöde Verhaltensweise, habe ich gedacht, okay, zum Dank dafür, dass du mir diesen Gedanken gesetzt hast, esse ich jetzt was. Das fand meinen essgestörter Anteil hochgradig unattraktiv. Also der hat relativ schnell aufgehört. Und er hat angefangen, wie denn jetzt aufgehört, mich daran zu erinnern. So rum. Genau. Und, wie gesagt, es kann passieren. Wie gesagt, ich habe auch einmal, bin ich zumindest fast draufgegangen, aber auch jetzt, wenn du merkst, hey, Disziplin ist vielleicht auch ein Teil meiner Essstörung. Die können wir doch auch für uns nutzen und für die Recovery. Das heißt, ja, lern deinem Gehirn wirklich, was es auch lernen soll. Und ich weiß, dein Gehirn denkt, dein Gewicht sei eine der wichtigsten Informationen überhaupt, aber das tut es nur, weil du es ihm so beigebracht hast. Das heißt, behandle deine Gewichtsgedanken so wie eine schlechte Gewohnheit und nicht als wichtige Information. Denn dein Ziel ist, und deswegen bist du vermutlich auch hier, echte Freiheit. Carolyn Kostin sagt über vollständige Recovery, es ist ein Teil ihrer Definition, und die definiert sie so. Wenn du recovered bist, nehmen Essen und Gewicht eine angemessene Perspektive in deinem Leben ein und was du wiegst, ist nicht wichtiger, als wer du bist. Tatsächlich sind konkrete Zahlen von wenig oder keiner Bedeutung mehr. Und das ist das Ziel. Nicht Toleranz. Nicht damit umgehen können, sondern es ist dir egal. Und Tavisas Erfahrung, ich weiß nicht, wer das Buch gelesen hat, sie hat ja auch das Buch geschrieben, Rehabilitieren, Rehabilitate, Rewire, Recover. Inzwischen gibt es es auch auf Deutsch. Carolyn ihre Bücher, glaube ich, immer noch nicht, leider, was ich echt nicht nachvollziehen kann. Da auch einen Schluck Tee trinken. Die hat gesagt, so Tavisa, über ihre eigene Recovery, ich wog mich früher mehrmals am Tag. Wenn ich eine Waage sah, in einem Geschäft, bei einer anderen Person zu Hause, fühlte ich, dass ich draufsteigen musste. Heute kann ich mich nicht mehr erinnern, wann ich mich zuletzt gewogen habe. Die Krankenschwester hat mich kürzlich beim Arzt gewogen und ich weiß, dass ich die Zahl gesehen habe, aber ich könnte dir nicht sagen, was sie war. Mein Gehirn hat die Information nicht behalten. Mein Gehirn denkt nicht, dass diese Information wichtig genug ist, um sie zu behalten. Und genau das ist auch meine Erfahrung heute. Die Zahl hat keine Macht mehr über mich. Nicht, weil ich sie so oft gesehen habe, dass ich abgestumpft bin, sondern weil ich wirklich verstanden habe, dass sie nichts über mich und meinen Wert aussagt. Das heißt, mein Leben heute sieht wirklich ganz, ganz anders aus. Heute bin ich glücklich, in einem gesunden Körper zu leben, der mir so viel ermöglicht. Das Bedürfnis, mich zu wiegen, ist komplett verschwunden. Ich muss nicht mal mehr darüber nachdenken. Also es kostet mich keine Energie und keine Anstrengung. Ich übersehe die Waage regelrecht, selbst wenn sie vor meiner Nase steht, weil sie einfach so unwichtig geworden ist. Also auch in den Hotels, wo wir sind, die haben irgendwie ganz häufig einfach auch eine Waage da stehen und ich so, ey, die nimmt mir jetzt den Platz im Schrank weg, kann die mal woanders hin und steht sie irgendwo anders. und dann vergesse ich sie aber auch. Also die ist mir einfach Latte. Und mein Körper ist einfach nur noch mein Körper. Also wirklich der Ort, in dem ich mich endlich zu Hause fühle und in dem es ruhig und friedlich geworden ist. Das heißt nicht, dass ich immer mag, wie der aussieht. Tue ich nicht. Aber kann trotzdem, oder ich weiß, dass ich ihn brauche, um in dem das Leben zu führen, was ich jetzt eben auch führe. Und das gefällt mir ziemlich gut. Also danke Körper, dass ich das mit dir darf. Und heute sag mir auch keine Zahlen mehr, wie ich mich fühle. Und die Gedanken und Kalorien oder Mengen oder mein Gewicht, mein Körper, sein Aussehen, all das ist nicht mehr so wichtig. Ja, ich nehme die manchmal auch wahr. Also gerade so Aussehen, weil sie nicht mit Body Image tagt oder sowas, habe ich auch. Aber ich gebe dem keine Bedeutung mehr. Ich denke mir eher so, okay, was gerade los? Aha, zu wenig geschlafen, gestresst, zu wenig Me-Time, alles klar. Weiß ich Bescheid. Und stattdessen habe ich Platz für das, was wirklich zählt. Also Beziehungen, Träume, Genuss, Leichtigkeit, Leben in Freiheit, Podcasts. All diese Dinge. Ich hätte früher überhaupt keinen Nerv für einen Podcast gehabt. Weil es ist für mich auch wirklich krass viel Zeit, die ich auch hier in die Vorbereitung stecke. Also ich könnte auch was anderes machen. Zum Beispiel draußen spazieren gehen und Kalorien verbrennen. Oder weil sie nicht in der Küche stehen und mir irgendwelche clean Snacks kochen. Deswegen, ich hatte früher echt null Zeit für sowas. Ich habe wirklich nur in der Küche oder draußen Zeit verbracht. Unglaublich. War aber völlig nicht mehr wertspendend. Also weder für mich noch für jemand anderen. Deswegen würde ich für nichts in der Welt mehr tauschen. So, lass uns nochmal kurz zusammenpassen, was du aus dieser Folge mitnehmen kannst. Also, die Waage ist nicht nur ein Messgerät. Sie ist das letzte Kontrollzentrum deiner Essstörung. Und solange du an ihr festhältst, kannst du das finale Band nicht durchtrennen. Es geht auch nie um die Zahl selbst. Es geht um Kontrolle, um Sicherheit, um Selbstwert. All die Dinge, die die Waage dir nicht geben kann. Aber die Recovery schon. Dein Gehirn hat gelernt, dass die Zahl wichtig ist, weil du ihm das beigebracht hast. Aber was gelernt wurde, kann auch verlernt werden. Wie eine Sprache, die du vielleicht in der Schule gelernt hast, aber später nie genutzt hast. So geht es mir leider mit meinem Französisch. Ich habe eine einzelne Schule. Ich bin Französisch. Ich kann nichts. Ich kann die Dialoglätter, die ich auswendig gelernt habe. Es ist wirklich tragisch, weil ich sie einfach nicht genutzt habe. Und du musst dich auch nicht an die Zahl gewöhnen. Das Ziel ist, dass dir die Zahl egal wird. Und das ist möglich. Immerhin bin ich da der Lebende beweis. Und ja nicht nur ich, sondern auch Tabitha, auch Carolyn und so, so viele andere. Auch gelegentliches Wiegen hält die Essstörung am Steuer. Also frag dich wirklich ehrlich nach deiner Motivation, wenn du den Drang verspülst, dann doch vielleicht mal so und vielleicht auch nach längerer Zeit mal wieder zu gucken. Und bei Arztterminen bitte um blind wiegen. Frag, ob das wirklich relevant ist, auch gerade wenn du vielleicht schon ein Stück weiter bist. Denn du hast das Recht, deine Zahlen nicht zu sehen. Also, wenn du gerade denkst, das klingt ja alles toll, aber ich schaffe das nie, dann möchte ich dir sagen, ich habe auch so gedacht. Die Waage und ich hatten wirklich eine jahrzehntelange Beziehung. Also 22 Jahre ist schon echt lang. Das ist egal, als ich lebe. Also es ist mehr als die Hälfte meines Lebens. Und ich konnte mir echt nicht vorstellen, morgens aufzustehen ohne diesen Gang ins Bad und ohne diesen Blick nach unten und diese Zahl, die dann meinen Tag bestimmt hat. Und heute ist mir diese Zahl egal. Nicht nur theoretisch, sondern wirklich auch tief in meinem Herzen. Und wenn ich das geschafft habe, nach über 20 Jahren Essstörung, dann kannst du das auch. Aber, und das ist der wichtigste Punkt, das beginnt mit einer Entscheidung. einer mutigen Entscheidung für dich, aber auch für dein Leben und für deine Freiheit. Denn die Waage ist nur ein rumstehender Gegenstand. Und du entscheidest, wie viel Macht du ihr gibst. Denn du bist so viel mehr als eine Zahl. Und wenn du merkst, boah, irgendwie ganz schön viel und du denkst, oh Mensch, ein bisschen Unterstützung wäre schon schön. Du weißt ja, wo du mich findest. Also, ich hoffe, die Folge hat dir geholfen. Vielleicht hast du dir auch ein paar wichtige Dinge für dich rausgeschrieben als Reminder oder was auch immer. Oder schick sie auch gern jemanden, der vielleicht auch davon profitieren könnte. Und ich würde sagen, bis zur nächsten Folge. Vielen Dank, dass du dir Zeit für eine Tasse Reality mit mir genommen hast. Ich hoffe, diese Folge hat einen kleinen positiven Unterschied in deinem Tag gemacht. Mit deiner Fünf-Sterne-Bewertung kannst du genau diesen Unterschied auch im Leben anderer lebensvolliger Frauen bewirken, die diesen Podcast noch nicht gefunden haben und sich ebenfalls nach einem Leben in Freiheit und Authentizität sehnen. Ich danke dir von Herzen und freue mich auf Instagram mit dir in Kontakt zu bleiben. Alle Links findest du in den Shownotes. Bis zum nächsten Mal.

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