Romys Recovery RealiTea

Romy Hörbe

#39 Keine Kraft mehr? Warum sich Veränderung so schwer anfühlt

Über das Schwer, das bleibt, und das Schwer, das frei macht

14.01.2026 41 min

Zusammenfassung & Show Notes

 In dieser Folge sprechen wir darüber, warum sich Veränderung so verdammt schwer anfühlt und wie du deinen Weg in die Freiheit trotz Kraftlosigkeit meistern kannst – ohne zu kämpfen.

 „Romy, ich habe keine Kraft mehr. Ich schaffe keine Schritte der Veränderung. Ich weiß einfach nicht wie." 
 
Diese Nachricht hat mich vor ein paar Tagen erreicht. Und ich dachte nur: „Oh ja, ich kann sie so gut verstehen!“ 
 
Dieses Gefühl, wenn ein Teil von dir weiß, dass es so nicht weitergehen kann – aber ein anderer Teil einfach nicht mehr kann. Wenn die Stimme in deinem Kopf so laut ist, dass du dein eigenes Wollen kaum noch hörst. Wenn du erschöpft bist vom ständigen Dagegen-Ankämpfen. 
 
Und genau da liegt vielleicht das Problem: beim Kämpfen. 
Denn Kampf bedeutet Widerstand. Und Widerstand kostet Energie – Energie, die du gerade nicht hast. 
Doch gegen wen kämpfst du überhaupt? 
Deine Gedanken, dein Körperbild, dein Essverhalten – das sind keine Feinde von außen. Das ist alles IN dir. Dagegen anzukämpfen bedeutet auch, gegen dich selbst zu kämpfen... kein Wunder, dass du dich müde und kraftlos fühlst. 
 
In dieser Episode sprechen wir über: 
  • Warum dein Gehirn Veränderung hasst – selbst wenn sie dein Leben retten würde (und warum das keine Schwäche ist)
  • Ein Wort, das mir geholfen hat, den Recovery-Prozess komplett anders zu betrachten
  • Den Unterschied zwischen dem Schwer, das bleibt – und dem Schwer, das dich frei macht
  • Warum du nicht motiviert sein musst, um weiterzugehen
  • Meine Dresden-Geschichte: Wie ich von Restriktion, Food Fokus und Bewegungszwang zur heißen Schokolade ohne schlechtes Gewissen kam
Diese Episode ist für dich, wenn...
  • ...du deinen Weg in die Freiheit trotz Kraftlosigkeit meistern möchtest
  • ...du nach außen funktionierst, aber innerlich nur noch existierst
  • ...das Bekannte sich sicherer anfühlt als das, was du dir eigentlich wünschst
  • … du genug davon hast, gegen deinen eigenen Körper zu leben 
Du bist nicht zu schwach für diesen Weg. Vielleicht brauchst du nur einen anderen Blick darauf. 🩷

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Über Romy Hörbe - Coach für entspanntes Essverhalten und Körperakzeptanz
Neue Episode jeden Mittwoch um 6 Uhr

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Meine Ausbildungen
  • CCI Certified Eating Disorder Recovery Coach (Carolyn Costin Institute, USA)
  • Zertifizierter Systemischer Coach (Coaching Akademie Weimar-Wiesbaden)
  • Identity Transformation Coach (All In Academy Jackie Sharon Tamblyn)

Dieser Podcast ersetzt keine professionelle therapeutische oder medizinische Betreuung. Bei akuten gesundheitlichen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachpersonen.

Transkript

Hallo und schön, dass du hier bist bei Romyss Recovery Reality. Ich bin Romy Hörbe und nach 20 Jahren Essstörung vollständig recovered. Heute lebe ich mein bestes Leben, ohne Masken, aber mit ganz viel Lebensfreude und Authentizität. Meine Mission ist es, lebenshungrigen Frauen zu helfen, genau das Gleiche zu tun. Dieser Podcast ist für dich, wenn du dir tiefe Transformation statt reiner Symptombekämpfung wünschst. Ich nehme dich mit auf den Weg in die Freiheit und teile ungeschminkt, was mir wirklich geholfen hat. Mit Herz, Klarheit und der Expertise als Deutschlands erster CCI-zertifizierte Recovery Coach. Mach es dir gemütlich mit deinem Lieblingstee und lass uns gemeinsam entdecken, wie viel größer dein Leben jenseits der Essstörung sein kann. Hallo und erstmal ein herzliches Willkommen im neuen Jahr. Ich weiß nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber letzte Woche gab es zum allerersten Mal seit Erscheinen des Podcasts keine neue Folge. Und das war ein ziemlicher, hat mich etwas für Überwindung gekostet. Aber ich habe mich bewusst für eine kurze Pause entschieden, denn ich habe einfach gemerkt, wie leer meine Energiereserven am Ende des letzten Jahres waren. Und ich habe mich gefragt, hey, wieso ist das eigentlich so? Und ganz ehrlich, 2025 war ein unglaublich intensives Jahr. Nicht nur wegen des kleinen Menschleins, welches ja seit Oktober in meinem Bauch wächst und wohnt, sondern auch beruflich war es das intensivste Jahr mit den meisten Frauen, die ich je gleichzeitig begleiten durfte. Und dann hat natürlich auch noch dieser Podcast, das Licht der Welt, erblickt und wollte natürlich auch jede Woche gefüttert werden. Und dementsprechend habe ich echt gemerkt, am Ende des Jahres, so nach dem letzten Coaching, habe ich echt gedacht, so, oh, jetzt ist mal gar nichts. Und ich habe früher mehrfach den Fehler gemacht, mich durchzupuschen und zu zwingen und vermeintliche Erwartungen zu erfüllen. So zum Beispiel, dass eben jede Woche hier eine Podcast-Folge erscheinen muss. Und ja, das ist mein Anspruch. Aber manchmal macht es einfach keinen Sinn. Und inzwischen fällt mir dieses Muster zum Glück auch recht schnell auf und ich kann bewusst dagegen entscheiden. Und auch wenn mir das verdammt schwergefallen ist, weil ich ein unglaublich verbindlicher Mensch bin, bin ich sehr, sehr dankbar für diese Freiheit, die ich mir da inzwischen auch erlaube. Und daher freue ich mich jetzt umso mehr, mit neuer Kraft und Kreativität zurück zu sein. Denn ich hatte kurzfristig wirklich das Gefühl, auszubrennen und einfach gar nichts mehr rausgeben zu können. Oder alles schon erzählt zu haben oder über gar nichts mehr sprechen zu wollen. Und das sind eindeutig, also ich kenne es bei mir einfach auch als das, ein Zeichen von Erschöpfung. Und das ist aber zum Glück wieder vorbei. Das heißt, ja, die letzte Woche habe ich ja durchs Wetter gezwungenermaßen, also wir sind nach Dresden gefahren, um so die erste Januarwoche so ein bisschen entspannt zu starten und sind gezwungenermaßen dann noch zwei Tage länger in Dresden geblieben, weil ja Unwetter tief Elli ein bisschen Straßenchaos gemacht hat und wir gedacht haben, das muss jetzt vielleicht nicht unbedingt sein. Und es tat einfach so, so gut. Und warum Dresden in meiner persönlichen Geschichte so besonders ist, möchte ich heute in dieser Folge auch später noch mit dir teilen. Aber jetzt freue ich mich erst mal, dass du hier bist und lass uns einfach direkt ins heutige Thema starten. Also, vor ein paar Tagen hat mir wieder eine wundervolle Frau auf Instagram geschrieben. Und zwar meinte sie, ich habe keine Kraft mehr zu kämpfen. Ich schaffe keine Schritte der Veränderung. Ich weiß einfach nicht, wie. Und ganz ehrlich, solche Nachrichten kriege ich häufiger. Und auch im Coaching merke ich von Zeit zu Zeit, wie so eine Art Recovery Burnout bei manchen Frauen, die einfach nicht mehr kämpfen wollen. Und ganz ehrlich, das kann ich so nachempfinden. Ich habe ja letztes Jahr bereits eine Masterclass gehalten, warum der Kampf selbst gar nicht unbedingt der hilfreichste Weg in der Recovery ist. Denn kämpfen bedeutet Widerstand. Und Widerstand kostet wahnsinnig viel Energie. Die Energie, die du, wenn du unter einem restriktiven, chaotischen oder wie auch immer es Verhalten leidest, gerade nicht hast. Und gegen wen oder was kämpfst du überhaupt? Denn der Kampf mit dem Essen, mit deinem Körperbild, mit deinen Gedanken, das ist nichts von außen. Das ist kein Endgegner, den du mit genug Waffen besiegen kannst. Das alles sind Dinge in dir. Und dagegen anzukämpfen, würde auch bedeuten, gegen dich zu kämpfen. Und der andere Teil beim Kampf, dabei gibt es auch Verletzte. Aber du wünschst dir doch genau das Gegenteil. Nämlich Frieden und Heilung von diesen destruktiven Gedankenmustern. Und dennoch kann sich der Recovery Prozess manchmal anfühlen wie ein Kampf. Denn er ist, und ich weiß, ich beschönige, oder du weißt ja, ich beschönige da nicht wirklich was. Deswegen heißt es ja auch Reality. Und das kann man einfach nicht beschönigen. Dieser Recovery Prozess, ja, der ist schwer. Denn ganz ehrlich, wäre es leicht, dann wärst du jetzt nicht hier, sondern, ja, einfach schon fertig mit deiner Recovery. Und daher möchte ich heute mit dir über ein anderes Wort sprechen. Also nicht kämpfen, sondern ein Wort, das mir sehr geholfen hat. Denn ich finde, es beschreibt den Recovery Prozess sehr, sehr gut. Und das ist das Wort übergangsschwer. Ja, denn der Punkt ist, die Recovery ist oft ein einziges Paradox. Du weißt, du willst etwas verändern oder du musst etwas verändern, was bei mir damals eher ein Müssen war als ein Wollen. Zumindest, wenn ich nicht arbeitsunfähig und früh berendet werden wollte. Also klar, ich hätte auch dann nicht gemusst. Aber das war einfach was, was ich wirklich überhaupt nicht wollte. Und genau das, was dich krank macht oder dir Kraft raubt zur Veränderung, das ist letzten Endes aber auch das, ja, was du brauchst. Wie gesagt, Recovery an sich braucht Energie. Veränderung braucht Energie. Nicht nur für Menschen mit, ja, einem schwierigen Essverhalten, sondern auch für gesunde Menschen. Denn jede Veränderung ist erst mal neu. Und für was Neues brauchen wir Kraft. Und wenn du aber dir selber diese Kraft raubst, dann hast du davon eh ja schon nicht mehr genug. Und daraus kann schnell ein Teufelskreis entstehen, der sich dann wie so eine Falle anfühlt. Und daher möchte ich heute mit dir in dieser Folge unter anderem darüber sprechen, warum dein Gehirn Veränderung hasst, selbst wenn sie dein Leben retten würde. Und diese Folge ist für dich, wenn du sagst, ich will eigentlich, ich weiß nur gerade nicht wie, weil sich alles so schwer anfühlt. Aber warum ist Veränderung eigentlich so schwer? Du kannst dir dein Gehirn so ein bisschen vorstellen wie so einen, weiß ich nicht, wie so einen Sicherheitsbeauftragten. Denn dein Gehirn hat einen einzigen Job, dich am Leben halten. Egal wie und egal mit welchen Mitteln. Und was hat dich bisher im Leben gehalten? Genau das, was du gerade tust. Immerhin bist du noch hier. Es kann also nicht komplett falsch gewesen sein, was du bisher gemacht hast. Zumindest in der Logik deines Gehirns. Bedeutet, für dein Gehirn ist das Bekannte gleich sicher, auch wenn es dich langfristig möglicherweise sogar umbringt. Im schlimmsten Fall. Das Unbekannte hingegen ist eine potenzielle Gefahr. Denn was du nicht kennst oder noch nicht gemacht hast, hat keine Garantie, dass du es überlebst. Ziemlich unattraktiv also für deinen Sicherheitsbeauftragten. Also dein Gehirn. Dementsprechend vehement und laut versucht es, deine alten Überlebensmechanismen auch zu verteidigen und dich vor der unbekannten Veränderung zu beschützen. Vielleicht hast du schon mal den Satz Lieber die gewohnte Hölle als den ungewohnten Himmel gehört. Und das klingt erstmal schräg. Denn wieso sollte man in der Hölle bleiben wollen, wenn man den Himmel haben könnte? Aber letztendlich ist genau das, wie dein unser Über... Dein unser... Also jeder menschliche... Wie unser Überlebenssystem funktioniert. Und Recovery bedeutet, es ist neu, anders, ungewohnt, auch mal angsteinflößend und anstrengend. Und das mag unser Gehirn so gar nicht. Vielleicht hast du eine leise Idee davon, was ohne Essstörung für dich möglich wäre. Möglicherweise hinterlässt der Gedanke aber auch erstmal ein Loch. Oder die große Frage, ja und, wie bin ich dann ohne meine Essstörung? Und somit eben auch noch mehr Angst vor dem Ungewissen. Denn die Essstörung, die kennst du. Du weißt genau, was du jeden Tag tun oder lassen musst. Sie gibt dir Struktur, ein, wenn auch falsches Gefühl von Sicherheit. Und auch wenn ein Leben mit Essstörung ebenfalls schwer ist, Denn das ist es, wenn du komplett gegen deine Bedürfnisse lebst. So kennst du dieses schwer genau. Und vermutlich geht es dir ähnlich wie mir damals und du merkst gar nicht, wie anstrengend es wirklich ist. Obwohl es auf Dauer mal schlechter wird. Das ist so ein bisschen ähnlich wie die Parabel, ich glaube, es ist eine Parabel, vom Frosch, den man in einen Kochtopf mit kaltem Wasser setzt und dann ganz langsam die Temperatur erhöht. Und obwohl der Frosch merkt, dass es langsam ungemütlich wird, bringt er nicht aus dem Topf heraus, denn der Topf mit dem Wasser ist ihm ja vertraut, bis es dann eben irgendwann zu heiß wird und er in dieser Parabel zumindest tragischerweise stirbt. Und auch deine Regeln und Verhaltensweisen rund um Essen, Bewegung und dein Körper fühlen sich nach langer Zeit vertraut an. Das heißt, die Essstörung, die hat dir ja auch irgendwann mal geholfen. Vielleicht tut sie es auch immer noch. Zum Beispiel als Emotionsregulation, zur Kontrolle, zum Schutz, um Zuneigung oder Fürsorge zu bekommen oder was auch immer es für dich ist. Und dadurch hat dein Gehirn gelernt, das hier, das funktioniert zum Überleben. So werden meine Bedürfnisse gestillt oder Unwohlsein gemildert. Das reicht ihm meistens auch schon. Das heißt, dein Gehirn, oder wie gesagt auch dein Sicherheitsbeauftragter, ist auf einer Ebene nicht sehr anspruchsvoll. Es ist ihm nämlich egal, ob du glücklich bist. Du überlebst auch ohne glücklich zu sein. Du musst nicht glücklich sein. Und selbst wenn Überleben längst nur noch zum Existieren geworden ist, stört es dein Gehirn nicht, denn sein Job ist ja erfüllt. Aber reicht dir das? Ich vermute mal nicht, weil sonst wärst du jetzt gerade nicht hier. Und dennoch merkst du vielleicht gerade, es fehlt aber einfach gerade, an der Kraft weiterzugehen oder dran zu bleiben. Denn so sehr du mit einer Essstörung auch gerade am Überleben bist, sie raubt dir die Kraft. Die Mangelernährung, in der sich dein Gehirn ja auch befindet, erschöpft dein Gehirn. Erschöpft deine Willenskraft, deine Resilienz und deine Geduld. Also mein Geduldsfaden war früher sehr kurz. Und das ist nicht deine Schuld, sondern wirklich reine Biologie. Denn dein Körper ist im Energiesparmodus. Wo die Batterie leer ist, ist es verdammt schwierig, noch ein Licht rauszukriegen. Und genau dieses erschöpfte Gehirn soll jetzt Veränderungen planen, was selbst für Menschen mit Energie schon eine echte Herausforderung darstellt. Stell dir mal vor, du hast ein Rennpferd. Und dieses Rennpferd soll für dich ein Wettrennen gewinnen. Aber anstatt es fürsorglich auf dieses Wettrennen vorzubereiten, hast du ihm seit Wochen nichts zu essen gegeben und es nicht ausruhen lassen. Genau das ist Recovery mit Energiemangel. Und deswegen ist auch die Ernährungsrehabilitation, auf die besonders in Kliniken so viel Wert gelegt wird, ein so wichtiger Faktor auf dem Heilungsweg. Du kannst nämlich sämtliche mentale Arbeit machen. Du kannst dich belesen, du kannst dir alles an Wissen anhäufen, ohne genug und regelmäßig Nahrung zuzuführen und dich aus diesem Überlebensmodus zu holen, wirst du nicht genug Energie und Bausteine haben, um dein Gehirn neu zu programmieren und neue, gesündere Bewältigungsstrategien zu lernen. Und genau das ist eben der Teufelskreis. Und ich weiß, du hast Angst, diesen Schritt zu gehen. Aber nur wenn du ihn gehst, wird die Angst kleiner. Denn dein Gehirn lernt dadurch, wir überleben das, es ist sicher. Und das ist ja das, was dein Sicherheitsbeauftragter will. Also dann wird es ja attraktiv, aber er muss eben erst mal dahin kommen. Und ich dachte, ich nehme dich nochmal so ein bisschen mit in meine persönliche Erfahrung, denn ich möchte dir nochmal so ein bisschen zeigen, auch was mir eigentlich erst nach meiner Recovery und rückblickend so richtig aufgefallen ist. Weil währenddessen war ich genau so dieser Frosch da im Topf, der es einfach nicht gemerkt hat. Als ich nämlich in der Essstörung noch drin war, war mein ganzes Leben eine einzige Anstrengung. Aber ich hatte mich so sehr daran gewöhnt und maximal wirklich funktioniert, dass es normal für mich war, in Slowmotion und gedämpft bis zur Depression durchs Leben zu gehen. Damals dachte ich tatsächlich, das wäre normal und es fällt mir ja leicht. Und ja, es war auch irgendwann leichter für mich zu verzichten als zu essen oder mich zum Sport zu prügeln, anstatt mich auszuruhen, weil ich es nicht mehr anders kannte. Aber zu Beginn meiner Essstörung war nichts davon leicht, sondern hat mich wirklich unendlich viel Disziplin gekostet, weshalb ich auch von einer Essstörung in die nächste gerutscht bin. Weil das eben, ja, also wie gesagt, ich hatte ja so diese emotionalen Essensphasen, dann diese krass restriktiven Phasen, nach denen dann die Essanfälle kamen, weil der Körper einfach nicht mehr konnte, dann die bulimischen und so weiter. Also das ist hier die ersten Folgen, in denen ich dich ein bisschen auf meinen Weg mitgenommen habe. Und weil es eben so viel Disziplin gebraucht hat und mein Körper irgendwann auch nicht mehr konnte, kommt es eben ja auch nicht selten vor, dass man zum Beispiel von einer Magersucht irgendwann in den Bulimier rutscht und dann eben Angst hat, Binge-Eating zu entwickeln, obwohl der Körper eigentlich nur im Ausgleichen ist. Denn ich habe, wie gesagt, letzten Endes jahrzehntelang gegen meinen eigenen Körper gelebt. Also gegen meine Biologie, gegen meine Intuition und das war verdammt anstrengend. Denn diese Form der Kontrolle und diese des Selbstdisziplinen, die brauchen wir ja nur für Dinge, die uns schwerfallen, bis es irgendwann unser neues Normal geworden ist und es dann eben nicht mehr so schwerfällt. Also genau genommen könnte man auch sagen, auch du bist diesen Weg schon einmal gegangen, nur eben damals andersrum. Weil ich glaube, auch dir ist es vielleicht nicht von Anfang an leicht gefallen, zum Sport zu gehen, während es draußen, weil sie nicht Minusgrade hatte und du eigentlich lieber auf der Couch liegen geblieben wärst oder zu verzichten, während alle auf der Party da fleißig zugegriffen haben. Also manchmal fällt es uns leichter als anderen, ja, was dann eben genau dazu führen kann, dass wir dieses Muster auch weiterführen, weil wir merken, okay, wir können hier was. aber es ist trotzdem nicht leicht, denn, ja, das Leben wird einfach wirklich kleiner. Also jedenfalls hat das bei mir dann dazu geführt, dass mein Leben eigentlich nur noch auf Arbeit stattgefunden hat, wie man das so nennen kann. Und ich bin da noch hingegangen, ich habe dort funktioniert, aber frag mich nicht wie. Also irgendwann war es bei mir sogar so, dass mich Kinder und Eltern in der Kita angesprochen haben, ob es mir gut geht. Und nein, wäre ich ehrlich zu mir gewesen, nein, das tat es nicht. Denn schon der Heimweg hat mich einen unglaublichen Kraftaufwand gekostet. Denn ich hatte alle Energie, die ich irgendwie noch hatte, auf Arbeit gelassen und dann sogar noch einiges extra, um nach außen das Bild aufrecht zu erhalten, dass ich okay und arbeitsfähig bin. Wenn ich dann aber erschöpft nach Hause gekommen bin, lag ich oft nur noch depressiv auf der Couch bis zum Abendessen, welches mir dann wieder minimal genug Energie gegeben hat, um danach noch ein kleines Workout zu meistern. Aber dann ging nichts mehr. Und rückblickend wundert es mich auch überhaupt nicht, dass ich kaum Freunde hatte. Eigentlich gar keine Säute. Ich war einfach nur noch traurig, kraftlos und echt keine angenehme Gesellschaft. Also ich hätte nicht gerne Zeit mit mir verbracht, weil was hätte ich mit mir machen sollen? Ich war auch nicht wirklich in der Lage, Beziehungen zu pflegen. Auch das war mir zu anstrengend. Zumal ich, wie gesagt, so typische Dinge wie gemeinsam essen gehen, abends entspannten Filmen gucken, ins Kino gehen und da sitzen und Co. Das konnte ich ja gar nicht mehr machen. weil da hat mich ja sofort das schlechte Gewissen angebrüllt. Und trotz allem habe ich nicht gemerkt, wie anstrengend das alles eigentlich war. Und damit möchte ich dich nochmal mit nach Dresden nehmen, nämlich an den Ort, wo alles auch irgendwie für mich hier gerade wieder zusammenkommt. Denn wie ich am Anfang ja bereits erzählt habe, bin ich ja gerade für eine Woche. Und Dresden ist für mich dieser Ort, an dem ich in so ziemlich jedem psychischen Zustand schon war. Also wirklich vom Allerschlechtesten, sowohl 2005, als ich wegen meinen Selbstverletzungen bereits in der Nähe von Dresden in einer stationären Behandlung war, als aber auch 2018 in derselben Klinik, wo dann auch meine Essstörung diagnostiziert wurde. Und wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, dann könnte der Kontrast echt nicht größer sein, obwohl da, wie gesagt, ja gerade mal sieben Jahre dazwischen liegen. Denn damals litt ich unter Bewegungszwang und ich kann dir gar nicht sagen, wie viele Kilometer ich so ziemlich jede Ecke von Dresden abgelaufen bin. Restaurants habe ich damals eher nach dem weites entfernten Fußweg ausgesucht und natürlich nach Clean-Eating-Kriterien. Und auch der Schokoladenladen, also wenn man eine Story gesehen hat, ich war da sehr oft diese Woche, der war damals das Objekt meines permanenten Food-Fokus. Und selbst wenn ich dann bereits unzählige Kilometer geschrubbt hatte, durfte ich nur vielleicht eine Schokolade trinken. Und manchmal habe ich mir auch ein Stück Eierscheckentorte erlaubt. Aber frag nicht, wie lange mich mein Kopf danach dann angebrüllt hat, vor schlechten Gewissen. Das heißt, meine komplette Zeit in Dresden hat sich nur um Essen und Nicht-Essen und Bewegung um Essen zu können gedreht. Also kurz um, wie ich es mir verdienen könnte. Dass ich dann heute aber einfach so zu jeder Uhrzeit und egal, ob es eine Stunde später bereits wieder Abendessen gibt oder nicht, eine heiße Schoki und ein Stück Kuchen genieße, fühlt sich für einen Teil von mir immer noch unglaublich an. Und ich glaube auf einer Ebene, ja gleich ich glaube ich immer noch so ein bisschen mein damals aufgebautes Genussdefizit aus. Wie gesagt, wie oft ich hier keine Schokolade getrunken habe, keine Eierschecke gegessen habe, kein Schokoladeneis. Ich kann es nicht zählen. Und deswegen bin ich immer so, so dankbar, wenn wir hier sind und genieße es einfach so in vollem Zug. Einfach alles haben zu können, was ich will. Also ich wirklich, die Eierscheckentorte diesmal nicht, aber ein Schokobrownie mit Pistazieneis, ein Nougatbecher mit Nougatsauce und Sahne, so noch leckeres und Suppkuchen, glaube ich. Also ja, verschiedenste Trinkschokoladen probiert. Also einfach wirklich alles, was ich wollte. Und ja, das alles letzten Endes, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ob das etwas mit mir oder an meinem Körper verändert. Und ich habe auch keine Angst mehr, etwas zu verpassen und erlebe genau dadurch nur umso mehr, weil ich glaube, der Angst, was zu verpassen, war der einzige Grund, warum ich damals dann doch ab und zu mal eine Schokolade getrunken habe oder ein Stück Kuchen gegessen oder mir geteilt. Sehr ungerecht. Und das meine ich auch, wenn ich sage, dass die Belohnung in der Recovery selbst manchmal auf sich warten lässt. Denn als ich anfing, all diese Regeln und Lebensmittel zu challengen, war es mit dem Genuss noch echt schwer. Also genießen mit einem schlechten Gewissen, was dich anpult, next level. Aber heute ist es mein neues Normal. Und all das zu tun, fällt mir unglaublich leicht, obwohl ich gerade, schwangerschaftsbedingt, durch eine mindestens genauso große körperliche Umstellungsphase gehe wie damals in der Recovery. Und ich merke, dass auch das nicht unbedingt leicht ist. Aber ich kann annehmen, dass ich das Aussehen meines Körpers nicht toll finden muss und gleichzeitig mein Leben lesen und wissen, dass ich es genießen darf und es auch einfach tun. Und das ist für mich die größte Belohnung, die mein Leben heute unglaublich frei macht. Und ich habe ja vorhin schon ein bisschen gesagt, so dass das Wort dieser Folge übergangsschwer ist. und das möchte ich dir noch ein bisschen erklären. Und zwar, Recovery ist so ein bisschen wie das Tragen einer Zahnspange. Gerade wenn man so eine Feste kriegt oder wie ich, also ich durfte ja vor zwei Jahren auch nochmal für acht Monate eine Zahnspange tragen. Das war so eine Invisalign, die ja einfach so auf die, also als Zahnschiene draufgeklipst wird und ich dachte, das wäre super easy. Ich kriege vielleicht noch so ein Attachment drauf und dann hat sich da Lack. Nee, gerade zu Beginn haben die mir noch, also hatte ich die ganze Zeit einmal innen, einmal außen. Das heißt, das hat mir zweimal Metallnagel an die Zahninnenseite geklebt, auf jeden Zahn irgendwelche Attachments und ja, wie gesagt, mit den ersten Schienen, also da wurde einfach mal so viel Druck ausgeübt, dass es verdammt unangenehm war. Also wirklich an dem ersten Tag, ich habe es so geheult, ich konnte nicht mal mein weiches Avocado-Brot runterschlucken und habe nur gedacht, oh mein Gott, kann das bitte wieder jemand rausmachen, ich will nicht mehr. Es hat wirklich so krass geschmerzt, meine Zunge war blutig, es ging erst mal gar nichts mehr und ich dachte, so scheiße, ich überlebe das nicht und da wusste ich noch nicht, dass ich nach der Hälfte der Zeit nochmal so viele Schienen kriege. Und auch das ständige Zähneputzen zwischen den Mahlzeiten hat einfach unendlich genervt. Aber heute, heute denke ich überhaupt nicht mehr daran, wie ätzend das war. Ich sehe nur noch die geraden Zähne, die ich für den Rest meines Lebens behalten darf. Und was sind da bitte acht Monate für? So, was hat jetzt die Zahnspange mit deiner Angst und Kraftlosigkeit in der Recovery zu tun? Die Zahnspange, die trägst du, wenn du sie trägst und vielleicht hast du auch Erfahrung, ich glaube inzwischen hat was keiner, keine gehabt. Ich habe sie sogar ja zweimal in meinem Leben gehabt, weil ich keinen Retainer bekommen habe. Das ist wie, wenn man die Recovery da nicht absichert. Aber ja, also eine Zahnspange trägst du zeitlich begrenzt und in dieser zeitlichen Begrenzung ist es unangenehm. Aber dafür hast du ein Leben lang schöne Zähne. Und auch die Recovery ist zeitlich begrenzt und anstrengend. Ja, das ist sie. Aber auch sie schenkt dir lebenslange Freiheit. Hätte ich diese Zahnspange tragen müssen? Nö. Und genauso wenig musst du Recovery machen. Und ja, das meine ich so. Du hast absolutes Recht zu entscheiden, wie du dein Leben leben möchtest. Mit allen Konsequenzen natürlich, denn egal wie du dich entscheidest und selbst wenn du denkst, du entscheidest dich nicht, so trägst du doch immer die Konsequenzen. Also was meine ich damit? Was passiert ohne Zahnspange beziehungsweise ohne Recovery? Ohne Zahnspange wären zumindest meine Zähne, also deswegen war das auch der Grund, warum ich mich dann dafür entschieden habe, weil ich gemerkt habe, Mensch, dieser eine vornere Schneidezahn, der kommt immer weiter raus. Irgendwann habe ich einen Hänxenzahn. Das hatte ich mir dann auch Angst gemacht. Also ich reagiere irgendwie immer erst, wenn mir Dinge Angst machen. Hat aber gereicht. Und ich wusste einfach, okay, ohne Zahnspange wären die Zähne immer schiefer. Und mit der Essstörung, die wird einfach immer schlimmer, weil ganz genau, genau genommen ist es jedes Jahr schlimmer geworden. Und auch die gesundheitlichen Folgeschäden nehmen in beiden Fällen zu. Also ich merke das jetzt gerade mit der Schwangerschaft, was sich ja auch auf die Zahngesundheit auswirkt, weil die einfach, ja, angegriffener sind, sage ich jetzt mal. Ich kann nicht viel besser reinigen, weil die jetzt gerade stehen. Komme jetzt mit diesen kleinen Dentalbürstchen und so komme ich dazwischen. Das heißt, ich kann Folgeschäden vermindern, weil ich es gemacht habe. Ohne? Weiß ich nicht. Müsste ich jetzt wahrscheinlich ein paar Mal zum Bohren gehen. Deswegen, ja. Und auch in der Recovery beziehungsweise mit einer Essstörung. Wenn wir nichts dagegen machen und der Körper dauerhaft in einem Mangel ist, der kann das lange, lange Zeit ausgleichen. Aber irgendwann geht es nicht mehr und dann kriegen wir Folgeschäden. Osteoporose, Muskeln bauen sich ab, Herzmuskel baut sich ab, Verdauungsprobleme, all diese ganzen Sachen, die treten erst mit einer oder meistens nach einer ganzen Weile auf, weil der Körper irgendwann nicht mehr gegenkompensieren kann. Und in jedem Fall löst sich das Problem nicht von selbst auf. Im Gegenteil. Also ich habe noch nie eine Essstörung gesehen, bei der es auf Dauer nicht eher schlimmer geworden ist, wenn man da stehen geblieben ist. Wie gesagt, ich habe es selber 20 Jahre ausprobiert und es ist einfach nicht besser geworden. Es ist oft anders geworden, aber nie von alleine besser. Wie gesagt, am Ende stand mein komplettes Leben und meine Zukunft auf dem Spiel. Und auch, ob dieses kleine Menschlein zum Beispiel gerade in meinem Bauch wachsen kann oder nicht. Weil damals wäre das nicht gegangen. Und das klingt vielleicht hart, aber was ich dir eigentlich sagen möchte, ist, es gibt zwei Arten von schwer. Schwer mit Essstörung und schwer in der Recovery. Schwer mit Essstörung bedeutet, Du bist dauerhaft erschöpft, gereizt oder energielos. Du hast ständige Gedankenspiralen. Denn zu verzichten, mag sich nicht so schwer anfühlen, wie das schlechte Gewissen hinterher auszuhalten. Aber dennoch ist es nicht schön, bei sozialen Events oder auch einfach nur abends auf der Couch die Einzige zu sein, die nicht in den Süßigkeiten mit den Teller greift, obwohl du so Appetit darauf hättest. Und was häufig natürlich dann auch dazu führt, dass du dich vielleicht sozial isolierst, um nicht in Versuchung geführt zu werden oder um eben deinem eigenen Plan zu folgen. Also ich erlebe das auch im Coaching häufiger, dass Frauen wirklich da sind, die sagen, Mensch, ich hätte eigentlich Bock, wieder mehr soziale Kontakte zu pflegen, aber dann kann ich ja meinem Sportprogramm nicht folgen. Und da sich dann anders zu entscheiden, ist verdammt schwer. auch dein Körper und kann eine Mangelernährung und Raubbau durch zu viel Sport, wie gesagt, lange kompensieren, aber er zahlt dafür einen verdammt hohen Preis und es kommt zum körperlichen Abbau. Wenn dich das mehr interessiert, hör gerne auch nochmal in Podcast Folge 21 rein, da habe ich das so ein bisschen näher auch geschildert. Du musst auch mit also in einem Leben mit Essstörungen dauerhaft gegen deinen eigenen Körper, gegen deine eigene Biologie und gegen deine Intuition leben. Und es wird nicht leichter. Es bleibt so oder, wie gesagt, das erlebe ich eher häufiger, es wird schlimmer. Was bedeutet jetzt schwer in der Recovery? Auch diese Phase ist intensiv, aber, und das ist der wichtigste Unterschied, sie ist zeitlich begrenzt. Du wirst nicht ein Leben lang ein schlechtes Gewissen haben, wenn du regelmäßig Kuchen und Co. isst, aber du wirst ein Leben lang Angst haben, wenn du diese Dinge aus Angst vermeidest. Das heißt, Recovery ist wie ein Tunnel mit Licht am Ende. Während du drin bist, hast du jedoch noch keine Ahnung, wann genau das kommt, denn dein Tunnel hat mit Sicherheit Kurven. Aber wenn du Schritt für Schritt weitergehst, dann wirst du irgendwann das Licht sehen. Und jeder Schritt bringt dich näher zur Freiheit. Gib deinem Gehirn Sicherheit und lässt dich wachsen. Denn dein Körper und dein Gehirn, die heilen aktiv. Und am Ende hast du sogar noch Fähigkeiten an der Hand, die du für dein komplettes weiteres Leben nutzen kannst. Die Frage ist also nicht, wählst du zwischen schwer oder leicht, also zwischen Essstörung, Recovern und in der Essstörung bleiben, sondern die Frage ist, welches schwer wählst du? Das andauernde mit der Essstörung oder das kurzfristige der Recovery? Denn die gute Nachricht ist, dein Gehirn ist kein starrer Bock und es ist auch nicht gegen dich, auch wenn es sich vielleicht manchmal so anfühlt. es muss lediglich lernen, dass du auch auf dem neuen Weg sicher bist. Denn es formt sich ständig neu. Durch das, was du tust oder aber auch durch das, was du nicht tust. Denn jedes Mal, wenn du trotz Angst isst, baust du neue Nervenbahnen auf. Und jedes Mal, wenn du dich zum Beispiel nicht wiegst oder nicht zum Sport gehst, obwohl du es sonst regelmäßig getan hast, wachsen alte Nervenbahnen zu, beziehungsweise verschwinden und neue neuronale Verknüpfungen, also das sind deine Nervenbahnen, werden dafür an, also an deren Stelle sozusagen gebildet. Das ist so ein bisschen wie ein Weg, den du dann lange nicht benutzt. Also ich muss immer an so Endzeitfilme denken, wo dann so diese Straßen zuwachsen und so. Aber genau das Gleiche passiert in deinem Gehirn, wenn du bestimmte Dinge auf einmal nicht mehr tust. Und ja, das braucht etwas Zeit und vor allem stetige Wiederholung. Aber genau das gibt dir die Sicherheit und das Vertrauen, die du dir so sehr wünschst. Und dein Sicherheitsbeauftragter, also dein Gehirn, kann sich entspannen. Also, wie kannst du jetzt trotzdem anfangen oder weitergehen? Ganz wichtig, erinnere dich nochmal darum, warum du hier bist. Du bist zum Beispiel hier in einem Recovery-Podcast oder vielleicht auch auf meinem Instagram-Kanal, weil ein Teil von dir bereits entschieden hat, dass es so wie vorher nicht weitergeht. Und ich kenne diese ängstliche und oft sehr überzeugend klingende Stimme, die Angst vor Veränderung hat nur zu gut, die immer wieder sagt, hey, so schlimm ist es doch nicht, ach Mensch, geht doch, ach guck mal, uns geht es doch eigentlich gut. Aber ganz ehrlich, wäre das wahr, dann wärst du jetzt nicht her. Das heißt, was es braucht, ist, dass du dein gesundes Ich stärkst. Denn dein gesundes Ich, das ist das, was weiß, dass es so nicht weitergeht und dass sich etwas anderes für dich wünscht. Vielleicht mehr Leichtigkeit oder Freiheit, Gemeinschaft und Unbeschwertheit im Alltag oder auch auf Reisen. Also, das erlebe ich jetzt auch gerade in der Soulgroup so krass, also wirklich, was wir da an Reiseberichten gekriegt haben und was jetzt schon so anders ist. Das ist einfach der Wahnsinn und das nach vier Monaten. Ha, Wahnsinn. Also, wie stärkst du das? Erlaube dir, auf diesen gesunden Teil zu hören, auch wenn er vielleicht nur ganz, ganz leise ist, weil je nachdem, wo du gerade stehst, ist ja am Anfang eher so ein ganz, ganz kleines zartes Stümmchen und später und mit zunehmender Übung wird er aber immer lauter. Und du stärkst ihn, indem du ihm Gehör schenkst und tust, was er eigentlich will. Und ich weiß, dein erstgestörter Anteil, der wird erstmal Rabatz machen. Das darf der auch. Das ist nicht schlimm. Aber höre auf deinen gesunden Anteil und gib ihm das Mikrofon und mach dir immer wieder bewusst, warum du, wie gesagt, in erster Linie losgegangen bist. Vielleicht fühlst du dich auch gerade unmotiviert und das macht nichts. Motivation ist ein Bonus und keine Voraussetzung für Recovery. Du musst nicht motiviert sein, um anzufangen oder weiterzugehen. Motivation kommt oft erst durch das Tun und ist etwas, was sehr, sehr häufig auch von außen gegeben wird. Das bedeutet aber auch, dass es immer wieder einen neuen Impuls von außen braucht und wie stark dieser äußere Motor ist, sehe ich immer wieder im Coaching. Also im Coaching kann man sich zum Beispiel ja auch vorstellen wie so Starthilfe beim Auto. Es gibt einfach Momente, wo man alleine einfach nicht mehr kann, weil die Angst so laut brüllt, dass man das eigene gesunde Ich gar nicht mehr so richtig hört. Und in diesen Momenten kann es lebensverändert sein, jemanden an der Seite zu haben. wenn deine Energie nachlässt Das heißt, oder du das Gefühl hast, hinschmeißen zu wollen, dann können externe Impulse helfen. Und wenn dein Auto keine Batterie mehr hat, dann springt es einfach nicht an und braucht jemanden, der kurz Starthilfe gibt, damit du weiterfahren kannst. Und dann kannst du dir ein Stück Energie burgen. Aber dauerhaft bist immer du diejenige, die dein Auto fährt. Deswegen ist auch das Ziel von Coaching nicht die Motivation. Also ich sage mal, ich bin Coach, kein Cheerleader. Also klar, natürlich kann das auch wahnsinnig viel Motivation geben. Und das ist, glaube ich, auch so das Feedback, was ich am meisten kriege, wie motivierend das war, wie viel Kraft es wieder gegeben hat und pipapo. Aber das eigentliche Ziel von Coaching ist Transformation, damit du nicht einfach stehen bleibst, wenn keiner mehr jubelt. Und Transformation macht, dass du selbst aus dir raus, morgens aus dem Bett hüpfst und deine Recovery wirklich nachhaltig wird. Und irgendwann, auch ganz ohne Kraftanstrengung, einfach dein neues Leben lebst, weil im Frieden mit dir, deinem Körper und deinem Essen zu sein, ist dann dein neues Normal geworden. Das heißt, eine Begleitung kann zum Beispiel bieten jemandem, der den Weg selbst gegangen ist und die fachliche Expertise hat. Also das wäre jetzt in meinem Fall zum Beispiel, also prüft er bitte auch. Also wie gesagt, das muss jetzt nicht ich sein. Wie gesagt, ich bin auch meistens gut ausgebucht. Aber frag im Zweifelsfall gerne an, weil ich sage immer, nur gelebte Erfahrung alleine reicht nicht. Es braucht auch die fachliche Expertise, psychologische Hintergründe und Co., um jemand anderen auch gut durch diesen Prozess zu begleiten. Und das kann eben dann wirklich auch sein, dass du jemanden hast, der deine Ängste kennt und die nicht kleinredet oder sagt, naja, du musst dir jetzt halt mal durch, sondern der sie versteht und der dir hilft, sie anzuschauen und zu schauen, wie gehe ich trotz dieser Angst weiter. Kann jemand sein, der dir Kraft leitet, wenn deine aufgebraucht ist und der dich an dein Ziel erinnert, wenn du es aus den Augen verlierst. Also wie oft ich das teilweise auch im Coaching mache, weil ich immer, also ich weiß ja immer, wo der Weg lang geht, was ich vorher aber mit jeder meiner Coaches einzeln auch erstmal aushandle, weil ich lege nicht fest, wo das Ziel ist. Das macht meine Coaches selber und ich behalte es aber im Blick und helfe dann, den Weg dahin eben auch zu gehen und das Ziel dann, nicht aus den Augen zu verlieren. Und es braucht eben jemanden, der deine, also oder der dir hilft, deine Identität von innen heraus zu verändern und neue Strategien für dein Leben zu entwickeln. Aber ich weiß auch, also wie gesagt, auch Coaching geht nicht in jedem Stadium. Also wenn der Körper einfach zu weit unten ist, dann hat das seine Grenze. Und wenn die Kraft wirklich fehlt, also so komplett oder du sehr stark im Untergewicht bist oder einfach sehr depressiv oder noch weitere Begleiterscheinungen da sind, dann braucht es oftmals einfach auch klinische Unterstützung. Denn manchmal ist der Energiemangel bereits so groß, dass du erstmal medizinisch wieder aufgepäppelt werden musst. Und wenn du selbst nicht mehr in die Umsetzung kommst, weil deine Energie eben durch den Mangel einfach zu niedrig ist, dann ist das keine Schwäche, aber dann ist es eben wirklich sehr, sehr wichtig und wertvoll, dir wirklich erstmal klinische Unterstützung zu suchen. Und vielleicht denkst du dir so, höh, bisher hat sie auch nicht so begeistert von Kliniken gesprochen. Ja, das liegt aber eher daran, dass es zur vollständigen Recovery nicht reicht. Was eine Klinik aber sehr wohl bieten kann, ist, dass sie dich eben körperlich erstmal aufpäppelt, damit du überhaupt genug Kraft und Energie für die Arbeit an den Themen hast, weshalb die Essstörung wirklich da ist. Und eine Klinik gibt dir auch erstmal eine Auszeit von deinem normalen Alltag, in dem du funktionierst und dich vielleicht noch um Job, Familie und Haushalt kümmerst und am Ende des Tages einfach keine Energie mehr für dich hast. Und wie gesagt, dein Gehirn neu zu programmieren benötigt einiges an Energie. Also bei mir war es auch so, wäre ich nicht nochmal, eigentlich wie gesagt, ja damals wegen dem Trauma nochmal in die Klinik gekommen. Ich hätte einfach weitergemacht. Ich hätte auch weitergemacht, bis ich wahrscheinlich irgendwann umgefallen wäre. Und es wäre noch eine Weile gegangen. Wie gesagt, es gibt ja auch wirklich diese hochfunktionalen Essstörungen. Also ich würde mich auch als sehr hochfunktional damals bezeichnen. und habe es, wie gesagt, gar nicht gemerkt. Erst in der Klinik, wo ich wirklich Zeit hatte, mich wirklich mal mit mir und meinen Themen zu beschäftigen, kam einmal so wirklich alles hoch. Und wie gesagt, es ist vollkommen okay, wenn der Tank erst mal wieder gefüllt werden muss, bevor du losfahren kannst. Das ist wirklich wichtig. Und danach, wenn du dann wieder genug Kraft hast, kannst du an den eigentlichen Themen arbeiten. Denn bei der Herstellung deines Gewichts, falls du überhaupt zu den wenigen gehörst, die untergewichtig laut BMI geworden sind, wie gesagt, das ist ja auch noch so ein Thema, dass ich oft nur auf diese Gewichtsrehabilitation eben, ja, fokussiert wird. Aber da hört der Weg ja nicht auf. Also ich sage immer, da beginnt das Ganze sehr, sehr häufig. Und das erlebe ich auch bei den Coaches, die sagen, so, ich bin jetzt im Normalgewicht, aber irgendwie, jetzt ist es irgendwie nochmal herausfordernder, weil alle denken jetzt, ich bin gesund, das ist alles wieder okay. Und ne, nee, I know it's not. Ich weiß, dass da so viel mehr dazugehört. Und gerade dann, wenn du aber wieder diese Grundstabilität hast, dann lohnt es sich auch wirklich, Erlaube dir erstmal, dass deine Schritte Mikroschritte sein dürfen, statt Riesensprünge. Du musst nicht morgen alles ändern. Setz dir lieber wirklich kleine, gehbare, realistische Ziele, auf denen du dann aufbauen kannst. Zum Beispiel ein Snack mehr, eine Bewegungseinheit weniger oder dich jemandem mitteilen, um nicht allein damit zu sein. Egal welcher Schritt, jeder winzige Schritt zählt. Denn, und das erlebe ich auch sehr häufig, so ein bestimmtes Gedankenmuster, was uns, glaube ich, auch anfällig dafür macht, dann ist geschirrter Anteil der Will, dass du denkst, ganz oder gar nicht. Aber das ist nicht wahr. Du kannst mit einem einzelnen mutigen Schritt anfangen. Recovery ist nicht schwarz-weiß, aber wenn wir denken, ich mache entweder den Riesenschritt oder gar keinen, ja, dann ist die Wahrscheinlichkeit, wahrscheinlich, wenn du eh schon nicht so viel Energie hast, Schritte, wie gesagt, von auch nach Rom. Und auch ich kann heute nur hier so frei in Dresden sitzen und jeden Tag heiße Schoki trinken, Kuchen essen und abends dann noch Pizza oder Thai oder worüber wir Lust haben und anschließend noch, also das wäre auch ein Unding gewesen früher, dann noch mit sattem Bauch und ohne schlechtes Gewissen in die Sauna gehen, weil ich immer wieder kleine Schritte gegangen bin. Weil damals, ganz ehrlich, wusste ich noch nichts vom ollen Innenansatz und das ist auch nicht schlimm. Aber ich habe an jedem Tag ein Stück nachjustiert, etwas mehr gegessen, mich einer neuen Regel gestellt und ich bin gestolpert, habe aber auch nochmal Anlauf genommen und es dann nochmal anders gemacht. Und letztendlich ist es auch egal, wie oft wir hinfallen, eine Pause brauchen oder was auch immer. Solange du dich immer wieder für das schwer entscheidest, welches dich langfristig frei macht und dadurch natürlich auch leicht wird, wirst du dort auch irgendwann ankommen. Ich bin heute nicht hier, weil ich stärker war als du, sondern weil ich irgendwann durch diese Übergangsschere durchgegangen bin. und ich war wirklich öfter davor, wieder zurückzugehen oder stehen zu bleiben. Aber ich wollte auch wissen, wie es ist, wirklich frei zu sein. Und heute kann ich sagen, es war wirklich jeden Schritt wert. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich nie so lange gezögert. Aber, und das ist jetzt der Punkt, weil selbst wenn du Vorwilde hast, die das vielleicht schon gemacht haben, unser eigenes Gehirn glaubt es erst, wenn wir es auch wirklich tun und selber erleben. Puh, lange Folge heute. Also, ich hoffe, diese Folge konnte dir wieder etwas mehr Kraft geben. Und lass mich nochmal ganz kurz das Wichtigste in Kürze zusammenfassen. Also, Recovery ist Übergangsschwer, ein Leben mit Essstörung dauerhaft schwer. Und ein Leben mit Essstörung ist auch schwer, auch wenn wir es nicht merken, weil es, wie gesagt, unser Normal geworden ist. Und, das Wichtigste ist, dein Gehirn kann sich verändern, wenn du ihm neue Wege zeigst und, ja, auch dir Energie gibst. Weil aus irgendwas muss er ja diese neuen Autobahnen in deinem Gehirn bauen. Also, er braucht auch Bausteine. Und, wenn du merkst, dass du ein wenig zusätzliche Energie und Begleitung brauchst, dann melde dich super gern bei mir und hol dir auch sonst alles an Unterstützung, was dir hilft. Du musst das nicht alleine schaffen. Also, wie gesagt, hätte ich nicht ein paar Menschen an meiner Seite gehabt, die mich einfach so krass unterstützt hätten. Ich glaube nicht, dass ich heute hier wäre. Und, ich möchte dich auch einladen, zu überlegen, was dein nächster, ganz, ganz kleiner Schritt sein könnte. Also, egal wie groß oder klein, du darfst auch einen größeren machen, natürlich. Also, da will ich dich gar nicht bremsen. Aber, was könnte dieser eine Schritt sein, den du jetzt, jetzt sofort am besten oder direkt gleich danach nach anhören schon gehen kannst. Denn, schon alleine das kann dein Energiemotor wieder in Schwung bringen. Wie die Starthilfe beim Auto. Ein Nachschritt. Also, ich sende dir ganz, ganz viel Kraft und alles, alles Liebe. Bis zum nächsten Mal. Vielen Dank, dass du dir Zeit für eine Tasse Reality mit mir genommen hast. Ich hoffe, diese Folge hat einen kleinen, positiven Unterschied in deinem Tag gemacht. Mit deiner 5-Sterne-Bewertung kannst du genau diesen Unterschied auch im Leben anderer lebensvolliger Frauen bewirken, die diesen Podcast noch nicht gefunden haben und sich ebenfalls nach einem Leben in Freiheit und Authentizität sehnen. Ich danke dir von Herzen und freue mich, auf Instagram mit dir in Kontakt zu bleiben. Alle Links findest du in den Shownotes. Bis zum nächsten Mal.

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