#39 Keine Kraft mehr? Warum sich Veränderung so schwer anfühlt
Über das Schwer, das bleibt, und das Schwer, das frei macht
14.01.2026 41 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Folge sprechen wir darüber, warum sich Veränderung so verdammt schwer anfühlt und wie du deinen Weg in die Freiheit trotz Kraftlosigkeit meistern kannst – ohne zu kämpfen.
„Romy, ich habe keine Kraft mehr. Ich schaffe keine Schritte der Veränderung. Ich weiß einfach nicht wie."
Diese Nachricht hat mich vor ein paar Tagen erreicht. Und ich dachte nur: „Oh ja, ich kann sie so gut verstehen!“
Dieses Gefühl, wenn ein Teil von dir weiß, dass es so nicht weitergehen kann – aber ein anderer Teil einfach nicht mehr kann. Wenn die Stimme in deinem Kopf so laut ist, dass du dein eigenes Wollen kaum noch hörst. Wenn du erschöpft bist vom ständigen Dagegen-Ankämpfen.
Und genau da liegt vielleicht das Problem: beim Kämpfen.
Denn Kampf bedeutet Widerstand. Und Widerstand kostet Energie – Energie, die du gerade nicht hast.
Doch gegen wen kämpfst du überhaupt?
Deine Gedanken, dein Körperbild, dein Essverhalten – das sind keine Feinde von außen. Das ist alles IN dir. Dagegen anzukämpfen bedeutet auch, gegen dich selbst zu kämpfen... kein Wunder, dass du dich müde und kraftlos fühlst.
In dieser Episode sprechen wir über:
- Warum dein Gehirn Veränderung hasst – selbst wenn sie dein Leben retten würde (und warum das keine Schwäche ist)
- Ein Wort, das mir geholfen hat, den Recovery-Prozess komplett anders zu betrachten
- Den Unterschied zwischen dem Schwer, das bleibt – und dem Schwer, das dich frei macht
- Warum du nicht motiviert sein musst, um weiterzugehen
- Meine Dresden-Geschichte: Wie ich von Restriktion, Food Fokus und Bewegungszwang zur heißen Schokolade ohne schlechtes Gewissen kam
Diese Episode ist für dich, wenn...
- ...du deinen Weg in die Freiheit trotz Kraftlosigkeit meistern möchtest
- ...du nach außen funktionierst, aber innerlich nur noch existierst
- ...das Bekannte sich sicherer anfühlt als das, was du dir eigentlich wünschst
- … du genug davon hast, gegen deinen eigenen Körper zu leben
Du bist nicht zu schwach für diesen Weg. Vielleicht brauchst du nur einen anderen Blick darauf. 🩷
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Über Romy Hörbe - Coach für entspanntes Essverhalten und Körperakzeptanz
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Dieser Podcast ersetzt keine professionelle therapeutische oder medizinische Betreuung. Bei akuten gesundheitlichen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachpersonen.
Transkript
Hallo und schön, dass du hier bist bei Romyss Recovery Reality.
Ich bin Romy Hörbe und nach 20 Jahren Essstörung vollständig recovered.
Heute lebe ich mein bestes Leben, ohne Masken, aber mit ganz viel Lebensfreude und Authentizität.
Meine Mission ist es, lebenshungrigen Frauen zu helfen, genau das Gleiche zu tun.
Dieser Podcast ist für dich, wenn du dir tiefe Transformation statt reiner Symptombekämpfung wünschst.
Ich nehme dich mit auf den Weg in die Freiheit und teile ungeschminkt, was mir wirklich geholfen hat.
Mit Herz, Klarheit und der Expertise als Deutschlands erster CCI-zertifizierte Recovery Coach.
Mach es dir gemütlich mit deinem Lieblingstee und lass uns gemeinsam entdecken,
wie viel größer dein Leben jenseits der Essstörung sein kann.
Hallo und erstmal ein herzliches Willkommen im neuen Jahr.
Ich weiß nicht, ob es dir aufgefallen ist, aber letzte Woche gab es zum allerersten Mal seit Erscheinen des Podcasts keine neue Folge.
Und das war ein ziemlicher, hat mich etwas für Überwindung gekostet.
Aber ich habe mich bewusst für eine kurze Pause entschieden, denn ich habe einfach gemerkt, wie leer meine Energiereserven am Ende des letzten Jahres waren.
Und ich habe mich gefragt, hey, wieso ist das eigentlich so?
Und ganz ehrlich, 2025 war ein unglaublich intensives Jahr.
Nicht nur wegen des kleinen Menschleins, welches ja seit Oktober in meinem Bauch wächst und wohnt,
sondern auch beruflich war es das intensivste Jahr mit den meisten Frauen, die ich je gleichzeitig begleiten durfte.
Und dann hat natürlich auch noch dieser Podcast, das Licht der Welt, erblickt und wollte natürlich auch jede Woche gefüttert werden.
Und dementsprechend habe ich echt gemerkt, am Ende des Jahres, so nach dem letzten Coaching, habe ich echt gedacht, so, oh, jetzt ist mal gar nichts.
Und ich habe früher mehrfach den Fehler gemacht, mich durchzupuschen und zu zwingen und vermeintliche Erwartungen zu erfüllen.
So zum Beispiel, dass eben jede Woche hier eine Podcast-Folge erscheinen muss.
Und ja, das ist mein Anspruch.
Aber manchmal macht es einfach keinen Sinn.
Und inzwischen fällt mir dieses Muster zum Glück auch recht schnell auf und ich kann bewusst dagegen entscheiden.
Und auch wenn mir das verdammt schwergefallen ist, weil ich ein unglaublich verbindlicher Mensch bin,
bin ich sehr, sehr dankbar für diese Freiheit, die ich mir da inzwischen auch erlaube.
Und daher freue ich mich jetzt umso mehr, mit neuer Kraft und Kreativität zurück zu sein.
Denn ich hatte kurzfristig wirklich das Gefühl, auszubrennen und einfach gar nichts mehr rausgeben zu können.
Oder alles schon erzählt zu haben oder über gar nichts mehr sprechen zu wollen.
Und das sind eindeutig, also ich kenne es bei mir einfach auch als das, ein Zeichen von Erschöpfung.
Und das ist aber zum Glück wieder vorbei.
Das heißt, ja, die letzte Woche habe ich ja durchs Wetter gezwungenermaßen,
also wir sind nach Dresden gefahren, um so die erste Januarwoche so ein bisschen entspannt zu starten
und sind gezwungenermaßen dann noch zwei Tage länger in Dresden geblieben,
weil ja Unwetter tief Elli ein bisschen Straßenchaos gemacht hat
und wir gedacht haben, das muss jetzt vielleicht nicht unbedingt sein.
Und es tat einfach so, so gut.
Und warum Dresden in meiner persönlichen Geschichte so besonders ist,
möchte ich heute in dieser Folge auch später noch mit dir teilen.
Aber jetzt freue ich mich erst mal, dass du hier bist
und lass uns einfach direkt ins heutige Thema starten.
Also, vor ein paar Tagen hat mir wieder eine wundervolle Frau auf Instagram geschrieben.
Und zwar meinte sie, ich habe keine Kraft mehr zu kämpfen.
Ich schaffe keine Schritte der Veränderung.
Ich weiß einfach nicht, wie.
Und ganz ehrlich, solche Nachrichten kriege ich häufiger.
Und auch im Coaching merke ich von Zeit zu Zeit, wie so eine Art Recovery Burnout bei manchen Frauen,
die einfach nicht mehr kämpfen wollen.
Und ganz ehrlich, das kann ich so nachempfinden.
Ich habe ja letztes Jahr bereits eine Masterclass gehalten,
warum der Kampf selbst gar nicht unbedingt der hilfreichste Weg in der Recovery ist.
Denn kämpfen bedeutet Widerstand.
Und Widerstand kostet wahnsinnig viel Energie.
Die Energie, die du, wenn du unter einem restriktiven, chaotischen oder wie auch immer es Verhalten leidest,
gerade nicht hast.
Und gegen wen oder was kämpfst du überhaupt?
Denn der Kampf mit dem Essen, mit deinem Körperbild, mit deinen Gedanken,
das ist nichts von außen.
Das ist kein Endgegner, den du mit genug Waffen besiegen kannst.
Das alles sind Dinge in dir.
Und dagegen anzukämpfen, würde auch bedeuten, gegen dich zu kämpfen.
Und der andere Teil beim Kampf, dabei gibt es auch Verletzte.
Aber du wünschst dir doch genau das Gegenteil.
Nämlich Frieden und Heilung von diesen destruktiven Gedankenmustern.
Und dennoch kann sich der Recovery Prozess manchmal anfühlen wie ein Kampf.
Denn er ist, und ich weiß, ich beschönige, oder du weißt ja, ich beschönige da nicht wirklich was.
Deswegen heißt es ja auch Reality.
Und das kann man einfach nicht beschönigen.
Dieser Recovery Prozess, ja, der ist schwer.
Denn ganz ehrlich, wäre es leicht, dann wärst du jetzt nicht hier,
sondern, ja, einfach schon fertig mit deiner Recovery.
Und daher möchte ich heute mit dir über ein anderes Wort sprechen.
Also nicht kämpfen, sondern ein Wort, das mir sehr geholfen hat.
Denn ich finde, es beschreibt den Recovery Prozess sehr, sehr gut.
Und das ist das Wort übergangsschwer.
Ja, denn der Punkt ist, die Recovery ist oft ein einziges Paradox.
Du weißt, du willst etwas verändern oder du musst etwas verändern,
was bei mir damals eher ein Müssen war als ein Wollen.
Zumindest, wenn ich nicht arbeitsunfähig und früh berendet werden wollte.
Also klar, ich hätte auch dann nicht gemusst.
Aber das war einfach was, was ich wirklich überhaupt nicht wollte.
Und genau das, was dich krank macht oder dir Kraft raubt zur Veränderung,
das ist letzten Endes aber auch das, ja, was du brauchst.
Wie gesagt, Recovery an sich braucht Energie.
Veränderung braucht Energie.
Nicht nur für Menschen mit, ja, einem schwierigen Essverhalten,
sondern auch für gesunde Menschen.
Denn jede Veränderung ist erst mal neu.
Und für was Neues brauchen wir Kraft.
Und wenn du aber dir selber diese Kraft raubst,
dann hast du davon eh ja schon nicht mehr genug.
Und daraus kann schnell ein Teufelskreis entstehen,
der sich dann wie so eine Falle anfühlt.
Und daher möchte ich heute mit dir in dieser Folge unter anderem darüber sprechen,
warum dein Gehirn Veränderung hasst,
selbst wenn sie dein Leben retten würde.
Und diese Folge ist für dich, wenn du sagst,
ich will eigentlich, ich weiß nur gerade nicht wie,
weil sich alles so schwer anfühlt.
Aber warum ist Veränderung eigentlich so schwer?
Du kannst dir dein Gehirn so ein bisschen vorstellen wie so einen,
weiß ich nicht, wie so einen Sicherheitsbeauftragten.
Denn dein Gehirn hat einen einzigen Job,
dich am Leben halten.
Egal wie und egal mit welchen Mitteln.
Und was hat dich bisher im Leben gehalten?
Genau das, was du gerade tust.
Immerhin bist du noch hier.
Es kann also nicht komplett falsch gewesen sein,
was du bisher gemacht hast.
Zumindest in der Logik deines Gehirns.
Bedeutet, für dein Gehirn ist das Bekannte gleich sicher,
auch wenn es dich langfristig möglicherweise sogar umbringt.
Im schlimmsten Fall.
Das Unbekannte hingegen ist eine potenzielle Gefahr.
Denn was du nicht kennst oder noch nicht gemacht hast,
hat keine Garantie, dass du es überlebst.
Ziemlich unattraktiv also für deinen Sicherheitsbeauftragten.
Also dein Gehirn.
Dementsprechend vehement und laut versucht es,
deine alten Überlebensmechanismen auch zu verteidigen
und dich vor der unbekannten Veränderung zu beschützen.
Vielleicht hast du schon mal den Satz
Lieber die gewohnte Hölle als den ungewohnten Himmel gehört.
Und das klingt erstmal schräg.
Denn wieso sollte man in der Hölle bleiben wollen,
wenn man den Himmel haben könnte?
Aber letztendlich ist genau das,
wie dein unser Über...
Dein unser...
Also jeder menschliche...
Wie unser Überlebenssystem funktioniert.
Und Recovery bedeutet,
es ist neu, anders, ungewohnt,
auch mal angsteinflößend und anstrengend.
Und das mag unser Gehirn so gar nicht.
Vielleicht hast du eine leise Idee davon,
was ohne Essstörung für dich möglich wäre.
Möglicherweise hinterlässt der Gedanke aber auch erstmal ein Loch.
Oder die große Frage,
ja und,
wie bin ich dann ohne meine Essstörung?
Und somit eben auch noch mehr Angst vor dem Ungewissen.
Denn die Essstörung, die kennst du.
Du weißt genau, was du jeden Tag tun oder lassen musst.
Sie gibt dir Struktur,
ein, wenn auch falsches Gefühl von Sicherheit.
Und auch wenn ein Leben mit Essstörung ebenfalls schwer ist,
Denn das ist es, wenn du komplett gegen deine Bedürfnisse lebst.
So kennst du dieses schwer genau.
Und vermutlich geht es dir ähnlich wie mir damals
und du merkst gar nicht,
wie anstrengend es wirklich ist.
Obwohl es auf Dauer mal schlechter wird.
Das ist so ein bisschen ähnlich wie die Parabel,
ich glaube, es ist eine Parabel,
vom Frosch,
den man in einen Kochtopf mit kaltem Wasser setzt
und dann ganz langsam die Temperatur erhöht.
Und obwohl der Frosch merkt,
dass es langsam ungemütlich wird,
bringt er nicht aus dem Topf heraus,
denn der Topf mit dem Wasser ist ihm ja vertraut,
bis es dann eben irgendwann zu heiß wird
und er in dieser Parabel zumindest tragischerweise stirbt.
Und auch deine Regeln und Verhaltensweisen
rund um Essen, Bewegung und dein Körper
fühlen sich nach langer Zeit vertraut an.
Das heißt, die Essstörung,
die hat dir ja auch irgendwann mal geholfen.
Vielleicht tut sie es auch immer noch.
Zum Beispiel als Emotionsregulation,
zur Kontrolle, zum Schutz,
um Zuneigung oder Fürsorge zu bekommen
oder was auch immer es für dich ist.
Und dadurch hat dein Gehirn gelernt,
das hier, das funktioniert zum Überleben.
So werden meine Bedürfnisse gestillt
oder Unwohlsein gemildert.
Das reicht ihm meistens auch schon.
Das heißt, dein Gehirn,
oder wie gesagt auch dein Sicherheitsbeauftragter,
ist auf einer Ebene nicht sehr anspruchsvoll.
Es ist ihm nämlich egal,
ob du glücklich bist.
Du überlebst auch ohne glücklich zu sein.
Du musst nicht glücklich sein.
Und selbst wenn Überleben
längst nur noch zum Existieren geworden ist,
stört es dein Gehirn nicht,
denn sein Job ist ja erfüllt.
Aber reicht dir das?
Ich vermute mal nicht,
weil sonst wärst du jetzt gerade nicht hier.
Und dennoch merkst du vielleicht gerade,
es fehlt aber einfach gerade,
an der Kraft weiterzugehen oder dran zu bleiben.
Denn so sehr du mit einer Essstörung
auch gerade am Überleben bist,
sie raubt dir die Kraft.
Die Mangelernährung,
in der sich dein Gehirn ja auch befindet,
erschöpft dein Gehirn.
Erschöpft deine Willenskraft,
deine Resilienz und deine Geduld.
Also mein Geduldsfaden war früher sehr kurz.
Und das ist nicht deine Schuld,
sondern wirklich reine Biologie.
Denn dein Körper ist im Energiesparmodus.
Wo die Batterie leer ist,
ist es verdammt schwierig,
noch ein Licht rauszukriegen.
Und genau dieses erschöpfte Gehirn
soll jetzt Veränderungen planen,
was selbst für Menschen mit Energie
schon eine echte Herausforderung darstellt.
Stell dir mal vor,
du hast ein Rennpferd.
Und dieses Rennpferd
soll für dich ein Wettrennen gewinnen.
Aber anstatt es fürsorglich
auf dieses Wettrennen vorzubereiten,
hast du ihm seit Wochen
nichts zu essen gegeben
und es nicht ausruhen lassen.
Genau das ist Recovery mit Energiemangel.
Und deswegen ist auch die Ernährungsrehabilitation,
auf die besonders in Kliniken
so viel Wert gelegt wird,
ein so wichtiger Faktor
auf dem Heilungsweg.
Du kannst nämlich
sämtliche mentale Arbeit machen.
Du kannst dich belesen,
du kannst dir alles an Wissen anhäufen,
ohne genug und regelmäßig
Nahrung zuzuführen
und dich aus diesem Überlebensmodus
zu holen,
wirst du nicht genug
Energie und Bausteine haben,
um dein Gehirn neu zu programmieren
und neue,
gesündere Bewältigungsstrategien
zu lernen.
Und genau das ist eben
der Teufelskreis.
Und ich weiß,
du hast Angst,
diesen Schritt zu gehen.
Aber nur wenn du ihn gehst,
wird die Angst kleiner.
Denn dein Gehirn lernt dadurch,
wir überleben das,
es ist sicher.
Und das ist ja das,
was dein Sicherheitsbeauftragter will.
Also dann wird es ja attraktiv,
aber er muss eben erst mal dahin kommen.
Und ich dachte,
ich nehme dich nochmal so ein bisschen mit
in meine persönliche Erfahrung,
denn ich möchte dir nochmal so ein bisschen zeigen,
auch was mir eigentlich erst nach meiner Recovery
und rückblickend so richtig aufgefallen ist.
Weil währenddessen war ich genau so
dieser Frosch da im Topf,
der es einfach nicht gemerkt hat.
Als ich nämlich in der Essstörung noch drin war,
war mein ganzes Leben
eine einzige Anstrengung.
Aber ich hatte mich so sehr daran gewöhnt
und maximal wirklich funktioniert,
dass es normal für mich war,
in Slowmotion und gedämpft
bis zur Depression durchs Leben zu gehen.
Damals dachte ich tatsächlich,
das wäre normal und es fällt mir ja leicht.
Und ja, es war auch irgendwann leichter
für mich zu verzichten als zu essen
oder mich zum Sport zu prügeln,
anstatt mich auszuruhen,
weil ich es nicht mehr anders kannte.
Aber zu Beginn meiner Essstörung
war nichts davon leicht,
sondern hat mich wirklich
unendlich viel Disziplin gekostet,
weshalb ich auch von einer Essstörung
in die nächste gerutscht bin.
Weil das eben, ja, also wie gesagt,
ich hatte ja so diese emotionalen Essensphasen,
dann diese krass restriktiven Phasen,
nach denen dann die Essanfälle kamen,
weil der Körper einfach nicht mehr konnte,
dann die bulimischen und so weiter.
Also das ist hier die ersten Folgen,
in denen ich dich ein bisschen
auf meinen Weg mitgenommen habe.
Und weil es eben so viel Disziplin gebraucht hat
und mein Körper irgendwann auch nicht mehr konnte,
kommt es eben ja auch nicht selten vor,
dass man zum Beispiel von einer Magersucht
irgendwann in den Bulimier rutscht
und dann eben Angst hat, Binge-Eating zu entwickeln,
obwohl der Körper eigentlich nur im Ausgleichen ist.
Denn ich habe, wie gesagt,
letzten Endes jahrzehntelang
gegen meinen eigenen Körper gelebt.
Also gegen meine Biologie,
gegen meine Intuition
und das war verdammt anstrengend.
Denn diese Form der Kontrolle
und diese des Selbstdisziplinen,
die brauchen wir ja nur für Dinge,
die uns schwerfallen,
bis es irgendwann unser neues Normal geworden ist
und es dann eben nicht mehr so schwerfällt.
Also genau genommen könnte man auch sagen,
auch du bist diesen Weg schon einmal gegangen,
nur eben damals andersrum.
Weil ich glaube,
auch dir ist es vielleicht nicht von Anfang an
leicht gefallen,
zum Sport zu gehen,
während es draußen,
weil sie nicht Minusgrade hatte
und du eigentlich lieber auf der Couch liegen geblieben wärst
oder zu verzichten,
während alle auf der Party da fleißig zugegriffen haben.
Also manchmal fällt es uns leichter als anderen,
ja,
was dann eben genau dazu führen kann,
dass wir dieses Muster auch weiterführen,
weil wir merken,
okay, wir können hier was.
aber es ist trotzdem nicht leicht,
denn, ja,
das Leben wird einfach wirklich kleiner.
Also jedenfalls hat das bei mir dann dazu geführt,
dass mein Leben eigentlich nur noch auf Arbeit stattgefunden hat,
wie man das so nennen kann.
Und ich bin da noch hingegangen,
ich habe dort funktioniert,
aber frag mich nicht wie.
Also irgendwann war es bei mir sogar so,
dass mich Kinder und Eltern in der Kita angesprochen haben,
ob es mir gut geht.
Und nein,
wäre ich ehrlich zu mir gewesen,
nein, das tat es nicht.
Denn schon der Heimweg hat mich
einen unglaublichen Kraftaufwand gekostet.
Denn ich hatte alle Energie,
die ich irgendwie noch hatte,
auf Arbeit gelassen
und dann sogar noch einiges extra,
um nach außen das Bild aufrecht zu erhalten,
dass ich okay und arbeitsfähig bin.
Wenn ich dann aber erschöpft nach Hause gekommen bin,
lag ich oft nur noch depressiv auf der Couch
bis zum Abendessen,
welches mir dann wieder minimal genug Energie gegeben hat,
um danach noch ein kleines Workout zu meistern.
Aber dann ging nichts mehr.
Und rückblickend wundert es mich auch überhaupt nicht,
dass ich kaum Freunde hatte.
Eigentlich gar keine Säute.
Ich war einfach nur noch traurig,
kraftlos und echt keine angenehme Gesellschaft.
Also ich hätte nicht gerne Zeit mit mir verbracht,
weil was hätte ich mit mir machen sollen?
Ich war auch nicht wirklich in der Lage,
Beziehungen zu pflegen.
Auch das war mir zu anstrengend.
Zumal ich, wie gesagt,
so typische Dinge wie gemeinsam essen gehen,
abends entspannten Filmen gucken,
ins Kino gehen und da sitzen und Co.
Das konnte ich ja gar nicht mehr machen.
weil da hat mich ja sofort das schlechte Gewissen angebrüllt.
Und trotz allem habe ich nicht gemerkt,
wie anstrengend das alles eigentlich war.
Und damit möchte ich dich nochmal mit nach Dresden nehmen,
nämlich an den Ort,
wo alles auch irgendwie für mich hier gerade wieder zusammenkommt.
Denn wie ich am Anfang ja bereits erzählt habe,
bin ich ja gerade für eine Woche.
Und Dresden ist für mich dieser Ort,
an dem ich in so ziemlich jedem psychischen Zustand schon war.
Also wirklich vom Allerschlechtesten,
sowohl 2005,
als ich wegen meinen Selbstverletzungen
bereits in der Nähe von Dresden
in einer stationären Behandlung war,
als aber auch 2018 in derselben Klinik,
wo dann auch meine Essstörung diagnostiziert wurde.
Und wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke,
dann könnte der Kontrast echt nicht größer sein,
obwohl da, wie gesagt,
ja gerade mal sieben Jahre dazwischen liegen.
Denn damals litt ich unter Bewegungszwang
und ich kann dir gar nicht sagen,
wie viele Kilometer
ich so ziemlich jede Ecke von Dresden abgelaufen bin.
Restaurants habe ich damals
eher nach dem weites entfernten Fußweg ausgesucht
und natürlich nach Clean-Eating-Kriterien.
Und auch der Schokoladenladen,
also wenn man eine Story gesehen hat,
ich war da sehr oft diese Woche,
der war damals das Objekt
meines permanenten Food-Fokus.
Und selbst wenn ich dann bereits
unzählige Kilometer geschrubbt hatte,
durfte ich nur vielleicht eine Schokolade trinken.
Und manchmal habe ich mir auch
ein Stück Eierscheckentorte erlaubt.
Aber frag nicht,
wie lange mich mein Kopf danach
dann angebrüllt hat,
vor schlechten Gewissen.
Das heißt,
meine komplette Zeit in Dresden
hat sich nur um Essen
und Nicht-Essen
und Bewegung um Essen zu können gedreht.
Also kurz um,
wie ich es mir verdienen könnte.
Dass ich dann heute aber
einfach so zu jeder Uhrzeit
und egal,
ob es eine Stunde später
bereits wieder Abendessen gibt
oder nicht,
eine heiße Schoki
und ein Stück Kuchen genieße,
fühlt sich für einen Teil von mir
immer noch unglaublich an.
Und ich glaube auf einer Ebene,
ja gleich ich glaube ich immer noch
so ein bisschen
mein damals aufgebautes Genussdefizit aus.
Wie gesagt,
wie oft ich hier
keine Schokolade getrunken habe,
keine Eierschecke gegessen habe,
kein Schokoladeneis.
Ich kann es nicht zählen.
Und deswegen bin ich immer
so, so dankbar,
wenn wir hier sind
und genieße es einfach
so in vollem Zug.
Einfach alles haben zu können,
was ich will.
Also ich wirklich,
die Eierscheckentorte diesmal nicht,
aber
ein Schokobrownie
mit Pistazieneis,
ein Nougatbecher
mit Nougatsauce
und Sahne,
so noch leckeres
und Suppkuchen,
glaube ich.
Also ja,
verschiedenste Trinkschokoladen
probiert.
Also einfach wirklich alles,
was ich wollte.
Und ja,
das alles letzten Endes,
ohne auch nur einen Gedanken
daran zu verschwenden,
ob das etwas mit mir
oder an meinem Körper verändert.
Und ich habe auch keine Angst mehr,
etwas zu verpassen
und erlebe genau dadurch
nur umso mehr,
weil ich glaube,
der Angst,
was zu verpassen,
war der einzige Grund,
warum ich damals dann doch
ab und zu mal
eine Schokolade getrunken habe
oder ein Stück Kuchen gegessen
oder mir geteilt.
Sehr ungerecht.
Und das meine ich auch,
wenn ich sage,
dass die Belohnung
in der Recovery selbst
manchmal auf sich warten lässt.
Denn als ich anfing,
all diese Regeln
und Lebensmittel zu challengen,
war es mit dem Genuss
noch echt schwer.
Also genießen mit einem
schlechten Gewissen,
was dich anpult,
next level.
Aber heute ist es
mein neues Normal.
Und all das zu tun,
fällt mir unglaublich leicht,
obwohl ich gerade,
schwangerschaftsbedingt,
durch eine mindestens
genauso große
körperliche Umstellungsphase
gehe wie damals
in der Recovery.
Und ich merke,
dass auch das nicht
unbedingt leicht ist.
Aber ich kann annehmen,
dass ich das Aussehen
meines Körpers
nicht toll finden muss
und gleichzeitig
mein Leben lesen
und wissen,
dass ich es genießen darf
und es auch einfach tun.
Und das ist für mich
die größte Belohnung,
die mein Leben
heute unglaublich frei macht.
Und ich habe ja vorhin
schon ein bisschen gesagt,
so dass das Wort
dieser Folge
übergangsschwer ist.
und das möchte ich
dir noch ein bisschen
erklären.
Und zwar,
Recovery ist so ein bisschen
wie das Tragen einer Zahnspange.
Gerade wenn man so eine
Feste kriegt oder wie ich,
also ich durfte ja vor zwei
Jahren auch nochmal
für acht Monate
eine Zahnspange tragen.
Das war so eine Invisalign,
die ja einfach so auf die,
also als Zahnschiene
draufgeklipst wird
und ich dachte,
das wäre super easy.
Ich kriege vielleicht
noch so ein Attachment drauf
und dann hat sich da Lack.
Nee, gerade zu Beginn
haben die mir noch,
also hatte ich die ganze Zeit
einmal innen, einmal außen.
Das heißt,
das hat mir zweimal
Metallnagel an die
Zahninnenseite geklebt,
auf jeden Zahn
irgendwelche Attachments
und ja,
wie gesagt,
mit den ersten Schienen,
also da wurde einfach mal
so viel Druck ausgeübt,
dass es verdammt
unangenehm war.
Also wirklich an dem
ersten Tag,
ich habe es so geheult,
ich konnte nicht mal
mein weiches Avocado-Brot
runterschlucken
und habe nur gedacht,
oh mein Gott,
kann das bitte wieder
jemand rausmachen,
ich will nicht mehr.
Es hat wirklich so krass geschmerzt,
meine Zunge war blutig,
es ging erst mal gar nichts mehr
und ich dachte,
so scheiße,
ich überlebe das nicht
und da wusste ich noch nicht,
dass ich nach der Hälfte der Zeit
nochmal so viele Schienen kriege.
Und auch das ständige Zähneputzen
zwischen den Mahlzeiten
hat einfach unendlich genervt.
Aber heute,
heute denke ich überhaupt
nicht mehr daran,
wie ätzend das war.
Ich sehe nur noch
die geraden Zähne,
die ich für den Rest
meines Lebens behalten darf.
Und was sind da bitte
acht Monate für?
So, was hat jetzt die Zahnspange
mit deiner Angst
und Kraftlosigkeit
in der Recovery zu tun?
Die Zahnspange,
die trägst du,
wenn du sie trägst
und vielleicht hast du auch Erfahrung,
ich glaube inzwischen hat was
keiner, keine gehabt.
Ich habe sie sogar ja zweimal
in meinem Leben gehabt,
weil ich keinen Retainer bekommen habe.
Das ist wie,
wenn man die Recovery
da nicht absichert.
Aber ja,
also eine Zahnspange
trägst du zeitlich begrenzt
und in dieser zeitlichen Begrenzung
ist es unangenehm.
Aber dafür
hast du ein Leben lang
schöne Zähne.
Und auch die Recovery
ist zeitlich begrenzt
und anstrengend.
Ja, das ist sie.
Aber auch sie
schenkt dir
lebenslange Freiheit.
Hätte ich diese Zahnspange
tragen müssen?
Nö.
Und genauso wenig
musst du Recovery machen.
Und ja,
das meine ich so.
Du hast
absolutes Recht
zu entscheiden,
wie du dein Leben leben möchtest.
Mit allen Konsequenzen natürlich,
denn
egal wie du dich entscheidest
und selbst wenn du denkst,
du entscheidest dich nicht,
so trägst du doch immer
die Konsequenzen.
Also was meine ich damit?
Was passiert ohne Zahnspange
beziehungsweise ohne Recovery?
Ohne Zahnspange wären
zumindest meine Zähne,
also deswegen war das auch der Grund,
warum ich mich dann dafür entschieden habe,
weil ich gemerkt habe,
Mensch,
dieser eine vornere Schneidezahn,
der kommt immer weiter raus.
Irgendwann habe ich einen Hänxenzahn.
Das hatte ich mir dann auch Angst gemacht.
Also ich reagiere irgendwie immer erst,
wenn mir Dinge Angst machen.
Hat aber gereicht.
Und ich wusste einfach,
okay,
ohne Zahnspange
wären die Zähne immer schiefer.
Und mit der Essstörung,
die wird einfach immer schlimmer,
weil ganz genau,
genau genommen
ist es jedes Jahr schlimmer geworden.
Und auch die gesundheitlichen Folgeschäden
nehmen in beiden Fällen zu.
Also ich merke das jetzt gerade
mit der Schwangerschaft,
was sich ja auch auf die Zahngesundheit auswirkt,
weil die einfach, ja,
angegriffener sind,
sage ich jetzt mal.
Ich kann nicht viel besser reinigen,
weil die jetzt gerade stehen.
Komme jetzt mit
diesen kleinen Dentalbürstchen
und so komme ich dazwischen.
Das heißt,
ich kann Folgeschäden
vermindern,
weil ich es gemacht habe.
Ohne?
Weiß ich nicht.
Müsste ich jetzt
wahrscheinlich ein paar Mal zum Bohren gehen.
Deswegen, ja.
Und auch in der Recovery
beziehungsweise mit einer Essstörung.
Wenn wir nichts dagegen machen
und der Körper dauerhaft in einem Mangel ist,
der kann das lange, lange Zeit ausgleichen.
Aber irgendwann geht es nicht mehr
und dann kriegen wir Folgeschäden.
Osteoporose,
Muskeln bauen sich ab,
Herzmuskel baut sich ab,
Verdauungsprobleme,
all diese ganzen Sachen,
die treten erst mit einer
oder meistens nach einer ganzen Weile auf,
weil der Körper irgendwann
nicht mehr gegenkompensieren kann.
Und in jedem Fall
löst sich das Problem
nicht von selbst auf.
Im Gegenteil.
Also ich habe noch nie
eine Essstörung gesehen,
bei der es auf Dauer
nicht eher schlimmer geworden ist,
wenn man da stehen geblieben ist.
Wie gesagt,
ich habe es selber 20 Jahre ausprobiert
und es ist einfach nicht besser geworden.
Es ist oft anders geworden,
aber nie von alleine besser.
Wie gesagt,
am Ende stand mein komplettes Leben
und meine Zukunft auf dem Spiel.
Und auch,
ob dieses kleine Menschlein
zum Beispiel gerade
in meinem Bauch wachsen kann oder nicht.
Weil damals wäre das nicht gegangen.
Und das klingt vielleicht hart,
aber was ich dir eigentlich sagen möchte,
ist,
es gibt zwei Arten von schwer.
Schwer mit Essstörung
und schwer in der Recovery.
Schwer mit Essstörung bedeutet,
Du bist dauerhaft erschöpft,
gereizt oder energielos.
Du hast ständige Gedankenspiralen.
Denn zu verzichten,
mag sich nicht so schwer anfühlen,
wie das schlechte Gewissen
hinterher auszuhalten.
Aber dennoch ist es nicht schön,
bei sozialen Events
oder auch einfach nur abends
auf der Couch die Einzige zu sein,
die nicht in den Süßigkeiten
mit den Teller greift,
obwohl du so Appetit
darauf hättest.
Und was häufig
natürlich dann auch dazu führt,
dass du dich vielleicht
sozial isolierst,
um nicht in Versuchung
geführt zu werden
oder
um eben
deinem eigenen Plan
zu folgen.
Also ich erlebe das auch
im Coaching häufiger,
dass Frauen wirklich da sind,
die sagen,
Mensch,
ich hätte eigentlich Bock,
wieder mehr soziale Kontakte
zu pflegen,
aber
dann kann ich ja
meinem Sportprogramm
nicht folgen.
Und da sich dann
anders zu entscheiden,
ist verdammt schwer.
auch dein Körper
und
kann eine Mangelernährung
und Raubbau
durch zu viel Sport,
wie gesagt,
lange kompensieren,
aber er zahlt dafür
einen verdammt hohen Preis
und es kommt
zum körperlichen Abbau.
Wenn dich das mehr interessiert,
hör gerne auch nochmal
in Podcast Folge 21 rein,
da habe ich das
so ein bisschen näher
auch geschildert.
Du musst
auch mit
also in einem Leben
mit Essstörungen
dauerhaft gegen deinen
eigenen Körper,
gegen deine eigene Biologie
und gegen deine
Intuition leben.
Und es wird
nicht leichter.
Es bleibt so
oder, wie gesagt,
das erlebe ich eher häufiger,
es wird schlimmer.
Was bedeutet jetzt
schwer in der Recovery?
Auch diese Phase
ist intensiv,
aber,
und das ist der
wichtigste Unterschied,
sie ist zeitlich begrenzt.
Du wirst nicht ein Leben
lang ein schlechtes
Gewissen haben,
wenn du regelmäßig
Kuchen und Co. isst,
aber du wirst ein Leben
lang Angst haben,
wenn du diese Dinge
aus Angst vermeidest.
Das heißt,
Recovery
ist wie ein Tunnel
mit Licht am Ende.
Während du drin bist,
hast du jedoch
noch keine Ahnung,
wann genau das kommt,
denn dein Tunnel
hat mit Sicherheit Kurven.
Aber wenn du
Schritt für Schritt
weitergehst,
dann wirst du
irgendwann das Licht
sehen.
Und jeder Schritt
bringt dich näher
zur Freiheit.
Gib deinem Gehirn
Sicherheit und
lässt dich wachsen.
Denn dein Körper
und dein Gehirn,
die heilen aktiv.
Und am Ende
hast du sogar noch
Fähigkeiten an der Hand,
die du für dein
komplettes weiteres Leben
nutzen kannst.
Die Frage
ist also nicht,
wählst du zwischen
schwer oder leicht,
also zwischen
Essstörung,
Recovern und
in der Essstörung bleiben,
sondern die Frage ist,
welches schwer wählst du?
Das andauernde
mit der Essstörung
oder das kurzfristige
der Recovery?
Denn die gute Nachricht ist,
dein Gehirn ist kein
starrer Bock
und es ist auch nicht
gegen dich,
auch wenn es sich vielleicht
manchmal so anfühlt.
es muss lediglich lernen,
dass du auch auf dem
neuen Weg sicher bist.
Denn es formt sich
ständig neu.
Durch das, was du tust
oder aber auch durch das,
was du nicht tust.
Denn jedes Mal,
wenn du trotz Angst
isst,
baust du neue Nervenbahnen
auf.
Und jedes Mal,
wenn du dich zum Beispiel
nicht wiegst oder nicht
zum Sport gehst,
obwohl du es sonst
regelmäßig getan hast,
wachsen alte Nervenbahnen
zu,
beziehungsweise verschwinden
und neue neuronale
Verknüpfungen,
also das sind deine
Nervenbahnen,
werden dafür an,
also an deren Stelle
sozusagen gebildet.
Das ist so ein bisschen
wie ein Weg,
den du dann lange
nicht benutzt.
Also ich muss immer
an so Endzeitfilme denken,
wo dann so diese Straßen
zuwachsen und so.
Aber genau das Gleiche
passiert in deinem Gehirn,
wenn du bestimmte Dinge
auf einmal nicht mehr tust.
Und ja,
das braucht etwas Zeit
und vor allem
stetige Wiederholung.
Aber genau das
gibt dir die Sicherheit
und das Vertrauen,
die du dir so sehr wünschst.
Und dein Sicherheitsbeauftragter,
also dein Gehirn,
kann sich entspannen.
Also,
wie kannst du jetzt
trotzdem anfangen
oder weitergehen?
Ganz wichtig,
erinnere dich nochmal
darum,
warum du hier bist.
Du bist zum Beispiel
hier in einem
Recovery-Podcast
oder vielleicht auch
auf meinem Instagram-Kanal,
weil ein Teil von dir
bereits entschieden hat,
dass es so wie vorher
nicht weitergeht.
Und ich kenne diese
ängstliche und oft
sehr überzeugend klingende
Stimme,
die Angst vor Veränderung
hat nur zu gut,
die immer wieder sagt,
hey, so schlimm ist es doch
nicht,
ach Mensch, geht doch,
ach guck mal,
uns geht es doch
eigentlich gut.
Aber ganz ehrlich,
wäre das wahr,
dann wärst du jetzt
nicht her.
Das heißt,
was es braucht,
ist, dass du dein
gesundes Ich stärkst.
Denn dein gesundes Ich,
das ist das,
was weiß,
dass es so nicht weitergeht
und dass sich etwas
anderes für dich wünscht.
Vielleicht mehr Leichtigkeit
oder Freiheit,
Gemeinschaft und
Unbeschwertheit im Alltag
oder auch auf Reisen.
Also, das erlebe ich jetzt
auch gerade in der Soulgroup
so krass, also wirklich,
was wir da an Reiseberichten
gekriegt haben
und was jetzt schon so anders ist.
Das ist einfach der Wahnsinn
und das nach vier Monaten.
Ha, Wahnsinn.
Also, wie stärkst du das?
Erlaube dir,
auf diesen gesunden Teil zu hören,
auch wenn er vielleicht
nur ganz, ganz leise ist,
weil je nachdem,
wo du gerade stehst,
ist ja am Anfang eher
so ein ganz, ganz kleines
zartes Stümmchen
und später
und mit zunehmender Übung
wird er aber immer lauter.
Und du stärkst ihn,
indem du ihm Gehör schenkst
und tust,
was er eigentlich will.
Und ich weiß,
dein erstgestörter Anteil,
der wird erstmal Rabatz machen.
Das darf der auch.
Das ist nicht schlimm.
Aber höre auf deinen gesunden Anteil
und gib ihm das Mikrofon
und mach dir immer wieder bewusst,
warum du, wie gesagt,
in erster Linie losgegangen bist.
Vielleicht fühlst du dich
auch gerade unmotiviert
und das macht nichts.
Motivation ist ein Bonus
und keine Voraussetzung für Recovery.
Du musst nicht motiviert sein,
um anzufangen oder weiterzugehen.
Motivation kommt oft erst durch das Tun
und ist etwas,
was sehr, sehr häufig
auch von außen gegeben wird.
Das bedeutet aber auch,
dass es immer wieder
einen neuen Impuls von außen braucht
und wie stark dieser äußere Motor ist,
sehe ich immer wieder im Coaching.
Also im Coaching kann man sich
zum Beispiel ja auch vorstellen
wie so Starthilfe beim Auto.
Es gibt einfach Momente,
wo man alleine einfach nicht mehr kann,
weil die Angst so laut brüllt,
dass man das eigene gesunde Ich
gar nicht mehr so richtig hört.
Und in diesen Momenten
kann es lebensverändert sein,
jemanden an der Seite zu haben.
wenn deine Energie nachlässt
Das heißt,
oder du das Gefühl hast,
hinschmeißen zu wollen,
dann können externe Impulse helfen.
Und wenn dein Auto
keine Batterie mehr hat,
dann springt es einfach nicht an
und braucht jemanden,
der kurz Starthilfe gibt,
damit du weiterfahren kannst.
Und dann kannst du dir
ein Stück Energie burgen.
Aber dauerhaft bist immer du diejenige,
die dein Auto fährt.
Deswegen ist auch das Ziel von Coaching
nicht die Motivation.
Also ich sage mal,
ich bin Coach,
kein Cheerleader.
Also klar,
natürlich kann das auch
wahnsinnig viel Motivation geben.
Und das ist, glaube ich,
auch so das Feedback,
was ich am meisten kriege,
wie motivierend das war,
wie viel Kraft es wieder gegeben hat
und pipapo.
Aber das eigentliche Ziel von Coaching
ist Transformation,
damit du nicht einfach stehen bleibst,
wenn keiner mehr jubelt.
Und Transformation macht,
dass du selbst aus dir raus,
morgens aus dem Bett hüpfst
und deine Recovery
wirklich nachhaltig wird.
Und irgendwann,
auch ganz ohne Kraftanstrengung,
einfach dein neues Leben lebst,
weil im Frieden mit dir,
deinem Körper und deinem Essen zu sein,
ist dann dein neues Normal geworden.
Das heißt,
eine Begleitung kann zum Beispiel
bieten jemandem,
der den Weg selbst gegangen ist
und die fachliche Expertise hat.
Also das wäre jetzt
in meinem Fall zum Beispiel,
also prüft er bitte auch.
Also wie gesagt,
das muss jetzt nicht ich sein.
Wie gesagt,
ich bin auch meistens gut ausgebucht.
Aber frag im Zweifelsfall gerne an,
weil ich sage immer,
nur gelebte Erfahrung alleine reicht nicht.
Es braucht auch die fachliche Expertise,
psychologische Hintergründe und Co.,
um jemand anderen auch gut
durch diesen Prozess zu begleiten.
Und das kann eben dann wirklich auch
sein, dass du jemanden hast,
der deine Ängste kennt
und die nicht kleinredet
oder sagt,
naja, du musst dir jetzt halt mal durch,
sondern der sie versteht
und der dir hilft,
sie anzuschauen und zu schauen,
wie gehe ich trotz dieser Angst weiter.
Kann jemand sein,
der dir Kraft leitet,
wenn deine aufgebraucht ist
und der dich an dein Ziel erinnert,
wenn du es aus den Augen verlierst.
Also wie oft ich das teilweise
auch im Coaching mache,
weil ich immer,
also ich weiß ja immer,
wo der Weg lang geht,
was ich vorher aber mit jeder
meiner Coaches einzeln
auch erstmal aushandle,
weil ich lege nicht fest,
wo das Ziel ist.
Das macht meine Coaches selber
und ich behalte es aber im Blick
und helfe dann,
den Weg dahin eben auch zu gehen
und das Ziel dann,
nicht aus den Augen zu verlieren.
Und es braucht eben jemanden,
der deine,
also oder der dir hilft,
deine Identität von innen heraus
zu verändern
und neue Strategien
für dein Leben zu entwickeln.
Aber ich weiß auch,
also wie gesagt,
auch Coaching geht nicht
in jedem Stadium.
Also wenn der Körper
einfach zu weit unten ist,
dann hat das seine Grenze.
Und wenn die Kraft
wirklich fehlt,
also so komplett
oder du sehr stark
im Untergewicht bist
oder einfach sehr depressiv
oder noch weitere
Begleiterscheinungen da sind,
dann braucht es oftmals
einfach auch klinische Unterstützung.
Denn manchmal ist der Energiemangel
bereits so groß,
dass du erstmal
medizinisch wieder
aufgepäppelt werden musst.
Und wenn du selbst
nicht mehr in die Umsetzung kommst,
weil deine Energie eben
durch den Mangel
einfach zu niedrig ist,
dann ist das keine Schwäche,
aber dann ist es eben wirklich
sehr, sehr wichtig
und wertvoll,
dir wirklich erstmal
klinische Unterstützung
zu suchen.
Und vielleicht denkst du dir so,
höh, bisher hat sie
auch nicht so begeistert
von Kliniken gesprochen.
Ja, das liegt aber eher daran,
dass es zur vollständigen
Recovery nicht reicht.
Was eine Klinik aber
sehr wohl bieten kann,
ist, dass sie dich eben
körperlich erstmal aufpäppelt,
damit du überhaupt genug
Kraft und Energie
für die Arbeit
an den Themen hast,
weshalb die Essstörung
wirklich da ist.
Und eine Klinik
gibt dir auch erstmal
eine Auszeit
von deinem normalen Alltag,
in dem du funktionierst
und dich vielleicht noch
um Job, Familie
und Haushalt kümmerst
und am Ende des Tages
einfach keine Energie
mehr für dich hast.
Und wie gesagt,
dein Gehirn neu zu programmieren
benötigt einiges an Energie.
Also bei mir war es auch so,
wäre ich nicht nochmal,
eigentlich wie gesagt,
ja damals wegen dem Trauma
nochmal in die Klinik gekommen.
Ich hätte einfach
weitergemacht.
Ich hätte auch weitergemacht,
bis ich wahrscheinlich
irgendwann umgefallen wäre.
Und es wäre noch
eine Weile gegangen.
Wie gesagt,
es gibt ja auch
wirklich diese
hochfunktionalen Essstörungen.
Also ich würde mich auch
als sehr hochfunktional
damals bezeichnen.
und habe es, wie gesagt,
gar nicht gemerkt.
Erst in der Klinik,
wo ich wirklich Zeit hatte,
mich wirklich mal mit mir
und meinen Themen
zu beschäftigen,
kam einmal so wirklich
alles hoch.
Und wie gesagt,
es ist vollkommen okay,
wenn der Tank erst mal
wieder gefüllt werden muss,
bevor du losfahren kannst.
Das ist wirklich wichtig.
Und danach,
wenn du dann wieder
genug Kraft hast,
kannst du an den
eigentlichen Themen arbeiten.
Denn bei der Herstellung
deines Gewichts,
falls du überhaupt
zu den wenigen gehörst,
die untergewichtig
laut BMI geworden sind,
wie gesagt,
das ist ja auch noch so ein Thema,
dass ich oft nur
auf diese Gewichtsrehabilitation
eben, ja,
fokussiert wird.
Aber da hört der Weg
ja nicht auf.
Also ich sage immer,
da beginnt das Ganze
sehr, sehr häufig.
Und das erlebe ich auch
bei den Coaches,
die sagen,
so, ich bin jetzt
im Normalgewicht,
aber irgendwie,
jetzt ist es irgendwie
nochmal herausfordernder,
weil alle denken jetzt,
ich bin gesund,
das ist alles wieder okay.
Und ne,
nee,
I know it's not.
Ich weiß,
dass da so viel mehr
dazugehört.
Und gerade dann,
wenn du aber wieder
diese Grundstabilität hast,
dann lohnt es sich auch
wirklich,
Erlaube dir erstmal,
dass deine Schritte
Mikroschritte sein dürfen,
statt Riesensprünge.
Du musst nicht
morgen alles ändern.
Setz dir lieber wirklich
kleine, gehbare,
realistische Ziele,
auf denen du dann
aufbauen kannst.
Zum Beispiel
ein Snack mehr,
eine Bewegungseinheit weniger
oder dich jemandem mitteilen,
um nicht allein damit zu sein.
Egal welcher Schritt,
jeder winzige Schritt zählt.
Denn,
und das erlebe ich auch sehr häufig,
so ein bestimmtes Gedankenmuster,
was uns, glaube ich,
auch anfällig dafür macht,
dann ist geschirrter Anteil
der Will,
dass du denkst,
ganz oder gar nicht.
Aber das ist nicht wahr.
Du kannst mit einem
einzelnen mutigen Schritt
anfangen.
Recovery ist nicht schwarz-weiß,
aber wenn wir denken,
ich mache entweder
den Riesenschritt
oder gar keinen,
ja,
dann ist die Wahrscheinlichkeit,
wahrscheinlich,
wenn du eh schon nicht
so viel Energie hast,
Schritte,
wie gesagt,
von auch nach Rom.
Und auch ich kann heute
nur hier so frei in Dresden sitzen
und jeden Tag heiße Schoki trinken,
Kuchen essen
und abends dann noch Pizza
oder Thai oder worüber wir Lust haben
und anschließend noch,
also das wäre auch ein Unding gewesen
früher,
dann noch mit sattem Bauch
und ohne schlechtes Gewissen
in die Sauna gehen,
weil ich immer wieder
kleine Schritte gegangen bin.
Weil damals,
ganz ehrlich,
wusste ich noch nichts
vom ollen Innenansatz
und das ist auch nicht schlimm.
Aber ich habe an jedem Tag
ein Stück nachjustiert,
etwas mehr gegessen,
mich einer neuen Regel gestellt
und ich bin gestolpert,
habe aber auch nochmal Anlauf genommen
und es dann nochmal anders gemacht.
Und letztendlich ist es auch egal,
wie oft wir hinfallen,
eine Pause brauchen
oder was auch immer.
Solange du dich immer wieder
für das schwer entscheidest,
welches dich langfristig frei macht
und dadurch natürlich auch leicht wird,
wirst du dort auch irgendwann ankommen.
Ich bin heute nicht hier,
weil ich stärker war als du,
sondern weil ich irgendwann
durch diese Übergangsschere
durchgegangen bin.
und ich war wirklich öfter davor,
wieder zurückzugehen
oder stehen zu bleiben.
Aber ich wollte auch wissen,
wie es ist,
wirklich frei zu sein.
Und heute kann ich sagen,
es war wirklich jeden Schritt wert.
Hätte ich das vorher gewusst,
hätte ich nie so lange gezögert.
Aber,
und das ist jetzt der Punkt,
weil selbst wenn du
Vorwilde hast,
die das vielleicht schon gemacht haben,
unser eigenes Gehirn glaubt es erst,
wenn wir es auch wirklich tun
und selber erleben.
Puh, lange Folge heute.
Also,
ich hoffe,
diese Folge konnte dir
wieder etwas mehr Kraft geben.
Und lass mich nochmal ganz kurz
das Wichtigste in Kürze zusammenfassen.
Also,
Recovery ist Übergangsschwer,
ein Leben mit Essstörung
dauerhaft schwer.
Und ein Leben mit Essstörung
ist auch schwer,
auch wenn wir es nicht merken,
weil es, wie gesagt,
unser Normal geworden ist.
Und,
das Wichtigste ist,
dein Gehirn kann sich verändern,
wenn du ihm neue Wege zeigst
und,
ja,
auch dir Energie gibst.
Weil aus irgendwas
muss er ja diese neuen Autobahnen
in deinem Gehirn bauen.
Also,
er braucht auch Bausteine.
Und,
wenn du merkst,
dass du ein wenig zusätzliche Energie
und Begleitung brauchst,
dann melde dich super gern bei mir
und hol dir auch sonst
alles an Unterstützung,
was dir hilft.
Du musst das nicht alleine schaffen.
Also,
wie gesagt,
hätte ich nicht ein paar Menschen
an meiner Seite gehabt,
die mich einfach so krass unterstützt hätten.
Ich glaube nicht,
dass ich heute hier wäre.
Und,
ich möchte dich auch einladen,
zu überlegen,
was dein nächster,
ganz, ganz kleiner Schritt sein könnte.
Also,
egal wie groß oder klein,
du darfst auch einen größeren machen,
natürlich.
Also,
da will ich dich gar nicht bremsen.
Aber,
was könnte dieser eine Schritt sein,
den du jetzt,
jetzt sofort am besten
oder direkt gleich danach nach anhören
schon gehen kannst.
Denn,
schon alleine das
kann dein Energiemotor
wieder in Schwung bringen.
Wie die Starthilfe beim Auto.
Ein Nachschritt.
Also,
ich sende dir ganz,
ganz viel Kraft
und alles,
alles Liebe.
Bis zum nächsten Mal.
Vielen Dank,
dass du dir Zeit
für eine Tasse Reality
mit mir genommen hast.
Ich hoffe,
diese Folge hat einen kleinen,
positiven Unterschied
in deinem Tag gemacht.
Mit deiner 5-Sterne-Bewertung
kannst du genau diesen Unterschied
auch im Leben anderer
lebensvolliger Frauen bewirken,
die diesen Podcast
noch nicht gefunden haben
und sich ebenfalls
nach einem Leben
in Freiheit
und Authentizität sehnen.
Ich danke dir von Herzen
und freue mich,
auf Instagram
mit dir in Kontakt zu bleiben.
Alle Links findest du
in den Shownotes.
Bis zum nächsten Mal.
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