Romys Recovery RealiTea

Romy Hörbe

#49 Entwicklungstrauma & Recovery – Interview mit Seelenmut

Julia Steppat über den Schmerz, der lange vor dem Essen da war

25.03.2026 41 min

Zusammenfassung & Show Notes

Julia Steppat von Seelenmut nimmt uns mit in ihre ganz persönliche Geschichte – von Pro-Ana-Foren und Doppelexistenz bis zu der Erkenntnis, dass es nie ums Essen ging, sondern um Entwicklungstrauma. Ein ehrliches Gespräch darüber, warum die Wurzel so viel tiefer liegt als das Verhalten.

 Was, wenn der Grund, warum du trotz Therapie, Klinik und bestem Wissen immer wieder am gleichen Punkt landest, nicht im Kopf zu finden ist – sondern viel tiefer? 
In dieser Folge habe ich Julia Steppat, den meisten wohl besser bekannt als Seelenmut, zu Gast. Sie ist klinische Psychologin, Ernährungsberaterin, zweifache Autorin und Gründerin von Seelenmut. Julia war selbst sieben Jahre in der Magersucht gefangen – und ist heute vollständig recovered. Uns beide verbindet der tiefe Glauben und die Erfahrung, dass vollständige Recovery möglich ist. Und wir wissen beide, dass es nie nur ums Essen geht. 
 
In dieser Episode sprechen wir über: 
  • Julias ganz persönlichen Weg – von frühen Vergleichen im Ballett über Pro-Ana-Foren bis zur Doppelexistenz zwischen Funktionieren und innerem Zerfall
  • Warum „für jemand anderen gesund werden" nicht reicht – und was sich ändern muss, damit Recovery wirklich bei dir ankommt
  • Was Entwicklungstrauma ist, warum es nicht das eine große schlimme Ereignis braucht – und warum fast alle Betroffenen es kennen
  • Die Rolle des Familiensystems: Warum es nie nur um das Kind geht, welches Symptome zeigt
  • Warum Quasi-Recovery von außen „normal" aussieht, aber von innen wie ein goldener Käfig ist
Diese Episode ist für dich, wenn …
  • du nach außen "alles im Griff" hast – aber innerlich weißt, dass das nicht die ganze Wahrheit ist
  • du dich in „Funktionieren nach außen, Chaos nach innen" wiedererkennst
  • du dich fragst, warum du trotz Therapie oder Klinik immer wieder am gleichen Punkt landest
👉 Nächste Woche geht es weiter mit Teil 2: Da sprechen Julia und ich über das Nervensystem, ihren Saboteur-Ansatz und eine Übung, die du direkt ausprobieren kannst.
 
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Über Romy Hörbe - Coach für entspanntes Essverhalten und Körperakzeptanz
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Meine Ausbildungen
  • CCI Certified Eating Disorder Recovery Coach (Carolyn Costin Institute, USA)
  • Zertifizierter systemischer Coach (Coaching Akademie Weimar-Wiesbaden)
  • Zertifizierter Identity Transformation Coach (All In Academy Jackie Sharon Tamblyn)

Dieser Podcast ersetzt keine professionelle therapeutische oder medizinische Betreuung. Bei akuten gesundheitlichen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachpersonen.

Transkript

Hallo und schön, dass du hier bist bei Romys Recovery Reality. Ich bin Romy Hörbe und nach 20 Jahren Essstörung vollständig recovered. Heute lebe ich mein bestes Leben. Ohne Masken, aber mit ganz viel Lebensfreude und Authentizität. Meine Mission ist es, lebenshungrigen Frauen zu helfen, genau das Gleiche zu tun. Dieser Podcast ist für dich, wenn du dir tiefe Transformation statt reiner Symptombekämpfung wünschst. Ich nehme dich mit auf den Weg in die Freiheit und teile ungeschminkt, was mir wirklich geholfen hat. Mit Herz, Klarheit und der Expertise als Deutschlands erster CCI-zertifizierte Recovery Coach. Mach es dir gemütlich mit deinem Lieblingstee und lass uns gemeinsam entdecken, wie viel größer dein Leben jenseits der Essstörung sein kann. Heute habe ich eine ganz besondere Frau zu Gast und zwar Julia Steppert, denn sie ist klinische Psychologin, Ernährungsberaterin, zweifache Autorin, kuschgebackene Mama und heute auch mit Baby hier an Bord und die Gründerin von Seelenmut. Und daher kennst du sie wahrscheinlich am meisten. Julia war selbst sieben Jahre lang in der Magersucht und ist heute vollständig recovered. Und was mich an ihrer Arbeit besonders fasziniert ist, dass Julia das Thema Essstörung und Trauma auf einer Ebene verbindet, die viel tiefer geht als das, was ganz, ganz viele eben leider nur kennen. Sei es, sie arbeitet körperorientiert und traumasensibel mit dem Nervensystem und dem inneren Kind,
Julia
00:01:33
nicht nur dem äußeren, was gerade auf ihr sitzt.
Romy
00:01:36
Und wir haben erstaunlich viele Parallelen in unserer Arbeit, obwohl wir auf den ersten Blick ja auch ganz unterschiedliche Sprachen sprechen. Und darüber möchte ich heute mit ihr reden. Julia, vielen Dank, dass du heute hier bist.
Julia
00:01:50
Sehr gerne. Vielen Dank erstmal für die Einladung und ich freue mich, ja, auch mal hier zu sein, mich mit dir nochmal connected zu haben.
Romy
00:01:57
Sehr schön. Julia, wenn du in einem Satz erklären müsstest, wofür Seelenmut steht, was würdest du sagen?
Julia
00:02:05
Oh, in einem Satz. Das ist immer... Und du musst auch zwei Satz ziehen. Also auf jeden Fall für ein Leben ohne Essstörung ist möglich. Das war immer mein Mantra-Satz. Ich würde sagen, damit hat es angefangen. Ich würde sagen, heutzutage steht es irgendwie für generell Heilung ist möglich, weil ich ja auch so viel über Trauma spreche. Und steht irgendwo aber auch für Hoffnung. Ich glaube, das ist so für mich immer eines der wichtigsten Sachen, die ich versuche mitzugeben, dass man nicht allein ist und dass egal, an welchem Punkt man gerade steht, Heilung einfach möglich ist.
Romy
00:02:36
Ja, so, so wichtig und immer noch viel zu selten da draußen, wirklich gesagt.
Julia
00:02:40
Ja, leider.
Romy
00:02:41
Auch ein Grund, warum ich dich damals gefunden habe, wo ich gedacht habe, Mensch, da ist mal jemand, die spricht die gleiche Sprache.
Julia
00:02:47
Ja, das stimmt. Es ist von, ich sage mal, klassischen Kollegen von mir jetzt nicht unbedingt das Credo.
Romy
00:02:53
Ja, aber ich glaube, da liegt es auch viel an der gelebten Erfahrung, dass wir es einfach selber ja beide auch erlebt haben, dass es eben anders geht. Und ich sage mal so, das Leben, was wir heute führen können, zeigt es ja auch. Aber dazu gleich vielleicht nochmal mehr. Ja, du hast ja, wie gesagt, selbst auch, ich glaube, sieben Jahre sind es, Erfahrungen mit der Magersucht. Und du hast mal erzählt, dass es bei dir auch schon sehr, sehr früh angefangen hat. Also auch so mit zehn, bei mir damals auch so mit elf, also wirklich früh. Und dass du da schon angefangen hast, auch deinen Körper zu vergleichen und mit 16 dann eben auch in die Magersucht gerutscht bist. Was war das für dich für einen Moment, als du gemerkt hast, das ist jetzt vielleicht nicht mehr nur eine Diät oder wie hat sich das für dich so entwickelt?
Julia
00:03:34
Ich würde sagen, so dieses Gefühl, ich bin anders und irgendwie, ich bin auch nicht gut genug. Das habe ich schon im Kindergarten gehabt tatsächlich, als ich drei, vier war, hatte ich schon so dieses Gefühl, irgendwie passe ich nicht rein. Ich habe sehr extrem, habe mir meine Eltern auch gespiegelt, versucht, mich an Freunde anzupassen. Ich habe wirklich auch von der Stimmlage und so versucht, den nachzueifern, weil ich so sehr dazugehören wollte. Also es hat mich unheimlich geprägt seit früher Kindheit. Da war auch so ein bisschen, dass ich super leistungsorientiert aufgewachsen bin in so einem sehr klassischen Rollenmodell. Es war sehr wichtig, wie wirken wir nach außen, weil wir sehr bekannt waren in unserem Dorf. Mein Bruder ist dann mit vier Jahre altes Abstand herzkrank auf die Welt gekommen. Also Krankheit war immer schon ein großes Thema gewesen und ich war sehr früh ein Schattenkind irgendwo auch gewesen dadurch und musste eh schon früh erwachsen sein. Und ich glaube, ich habe irgendwie auch gelernt, okay, wenn irgendwas mit dir ist, wirst du gesehen. Das war schon mit ein sehr zentraler Punkt auch in meiner Erstörung. Und es war schon so, dass ich so ein bisschen immer, ist auf unseren Körper geachtet worden. Also was wir essen, wie viele Süßigkeiten. Ich sage so ein bisschen, manchmal meine Mama ist so ein bisschen schon so eine Dinkeldörte, die uns zum Beispiel so blaues Eis verboten hat. Und es gab eher so die Reiswaffeln und so. Und es war halt immer so dieses Jahr, so wie es jetzt ist, ist dein Körper gut. Obst, hast du immer so essen, wie du willst. Aber alles andere, da musst du schon ein bisschen aufpassen. Und das hat mich, glaube ich, einfach immer wieder darin geformt, meinen Körper schon zu vergleichen. Und ich habe dann Ballett damals gemacht und da wurde dann viel an meinem Körper natürlich auch kommentiert. Ich hatte ein Hohlkreuz. Ich habe dann gesehen, die hat viel dünnere Beine als ich. Die hat irgendwie auch längere Haare. Und so fing das halt an, dass ich irgendwie dachte, mein Körper, der ist nicht so richtig. Also der ist irgendwo, ich muss da, ich muss auf jeden Fall aufpassen. Und das war, glaube ich, so der Samen, sage ich mal, der Erstörung. Und später, so 13, 14 hatte ich so eine Phase, da war es eher in so einem emotionalen Binge-Essen schon, weil ich damals so versucht habe, auch noch meinen Traum zu verarbeiten. Und dann, ja, ging das so ein bisschen wieder vorbei. Ich habe so durch den Sport wieder eine neue Identität auch so ein bisschen aufgearbeitet. Und dann kam nochmal durch diesen Leistungsdruck, eigentlich so in der 10. Klasse, dieser Übergang zum Gymnasium, da weiß ich nicht, habe ich mich so verfahren. Und ich glaube, so der schlimmste Einstieg war tatsächlich dieses Eintauchen in die Proana-Welt. Also das kennt ja auch nicht jeder. Ich habe es leider kennengelernt und das war wirklich Teufelskreis. Also ich war in diesen Gruppen drin, man hat Wiegebilder reingeschickt und die schlimmsten Sachen, ehrlicherweise. Ich habe Bücher gelesen und dann war das einfach, ich hatte keine Kontrolle mehr. Eigentlich hatte irgendjemand in dieser Finarella-Gruppe so die Kontrolle, sage ich mal. Und das war dann einfach, ich war so gefangen in der Sucht, dass ich gar nicht mehr so richtig rational wusste, wer ist jetzt eigentlich ich? Wer ist die Essstörung? Und was macht das eigentlich auch mit mir? Also das ist dann so ein verselbstständiger Kreislauf.
Romy
00:06:24
Ja, also ich glaube, Selbstständigung spricht das sehr gut an und ist schon auch ein sehr intensiver Weg, der, wenn man das hört, einfach auch nachvollziehbar ist, warum dein System dich das auch als Lösung, sage ich jetzt mal, besucht, klingt immer so blöd, weil man sucht es sich ja nicht aus, aber ebenso als diesen Notanker gegriffen hat. Und ja, gerade wenn da doch so viel, du hast gesagt, Dinkel dort. Ich glaube, heute nennt man sie Armandmoms.
Julia
00:06:47
Oh, ich finde, man hört das immer noch, aber, ach, das ist ja so lustig ausgedrückt, aber es war halt schon eben sehr so, ja, ich sage jetzt mal einfach das Ökologische in Anführungsstrichen, es war jetzt halt eben alles schon immer so ein bisschen reglementiert und gesund und nicht gesund und das hat natürlich alles so geprägt, auch in der Essstörung. Ich meine, heutzutage eh wieder eine andere Welt von Vegan und all den ganzen Hokus-Pokus gab es vor meiner Zeit noch nicht, aber es sind halt so Sachen, es gibt ja nicht die Ursache von Essstörungen, aber es sind halt so diese Anfänge.
Romy
00:07:17
Ja, also ich sage auch immer, es ist ja so ein perfekter Sturm, der letzten Endes zusammenkommt, also von Charaktereigenschaften grundsätzlich schon mal, genetische Faktoren, aber eben auch, ja, wie ist man selber so, auch ist man sehr sensibel, ist man sehr, ja, weiß ich nicht, saugt man einfach auch viel auf, wie sollte ich sein? Also auch diese Vergleiche, die du beschrieben hast, sind ja schon dann auch sehr intensiv und...
Julia
00:07:39
Entwicklungstrauma, so ein Stichwort. Das war es, bei mir wusste ich damals alles nicht, hat mir auch keiner erklärt, aber das war auf jeden Fall, dass ich einfach, niemand hat meine Hochsensibilität erkannt. Ich wurde interessanterweise schon in der Grundschule zum Schulpsychiater geschleppt, weil ich nicht in der Schule so gut war, wie meine Eltern das gerne gehabt hätten und es wurde sehr früh, glaube ich, an mir immer dieses Gefühl gegeben, da ist was nicht richtig. Und Hochsensibilität gab es damals natürlich auch nicht und meine Eltern waren natürlich eine andere Generation als heute, aber es sind halt diese ganz tiefen Sachen, die sich dann immer mehr so geprägt haben im Sinne von, ah ja, ich bin halt nicht gut genug. Und dann gab es ja diese Essstörung, die sagt, ja, da kannst du plötzlich was. Also dieses gute Gefühl von, ich kann halt meinen Körper kontrollieren, ich kann bestimmen, wie viel ich abnehme. Und das war für mich schon ein Erfolgserlebnis oder so ein Erfolgsgefühl.
Romy
00:08:27
Ja, weil es ist halt wirklich, ich sage auch immer, was ist die größte Abkürzung, die wir eigentlich haben, über unseren Körper, über unser Essen. Aber spannenderweise kommt ja auch da dann so dieser eigene innere Antreibe, der trotzdem auch wieder sagt, äh, nicht gut genug. Also der kommt ja trotzdem wieder, der ist ja auch nie ganz weg.
Julia
00:08:44
Nee, da kommt dann so eigentlich das Abkürtenspiel, dass wir nie an diesem Punkt ankommen, wo wir dünn genug sind, wo wir anfangen zu recovern. Richtig, eigentlich, genau. Es ist dann so dieser Kreislauf, wo man denkt, ja, ich arbeite auf mein Ziel drauf hin. Mein Papa hatte mich auch dann damals so natürlich besorgt gefragt, wie viel wir zu abnehmen. Und ich war immer so, ich wusste es gar nicht. Also ich hatte Zahlen im Kopf, aber eigentlich war ich auch schon immer bei der nächsten Zahl, wenn ich sie erreicht hatte.
Romy
00:09:06
Ja, das ist ja das Schlimme auch, dass es kein Ende gibt. Also das kenne ich ja auch noch, dass ich gedacht habe, wenn ich die Zahl erreicht habe, dann bin ich glücklich. Wenn ich das geschafft habe, dann bin ich glücklich. Und irgendwie kam dieses dann aber nie.
Julia
00:09:17
Richtig. Es kommt nicht, weil wir eigentlich aussteigen aus unserem Ich und auch aus der Verantwortung. Und sagen, okay, ich bin halt auf dieser Mission und irgendwann komme ich an.
Romy
00:09:25
Genau, in der Hoffnung. Und dann gehen wir weiter und weiter und weiter. Und ja, der Teufelskreis entsteht. Du hast ja auch auf deiner Website, ich glaube, beschreibst du, dass du dir damals so eine Art Parallelwelt erschaffen hast. Also die Essstörung wirklich als eine innere Welt, während du nach außen aber voll funktioniert hast. Wie hat sich diese, nennen wir es mal Doppel-Existenz, wie hat die sich für dich angefühlt?
Julia
00:09:50
Anstrengend. Also ich weiß gar nicht mehr, wie ich das eigentlich früher geschafft habe, diese Doppelwelt ehrlicherweise auch zu leben. Also richtig, richtig anstrengend. Aber irgendwie war es halt so ein Schutz. Also im Außen bin ich zur Schule gegangen, habe meinen Abschluss gemacht. Wir waren eine gute Vorzeigefamilie. Und im Inneren, ja, wenn ich von der Schule nach Hause kam, dann habe ich meine Zwänge ausgeführt, bin den ganzen Tag so im Kinderzimmer auf und abgegangen. Habe vom Fenster gestanden auf allen Beinen. Also so richtig kranke Sachen, um irgendwie Kalorien zu verbrennen. Und habe mir beeingeredet, das ist alles, das ist was richtig Gutes. Also ich tue meinen Körper da was Gutes, ich passe auf den auf. Und ich befolge halt, ja, Anas Gesetze. Also die war irgendwann für mich so eine Freundin, das ist so krasse, diese Welt, in die man reingezogen wird, mit diesen Geboten, mit diesen Regeln. Also irgendwas in mir hat schon gesagt, boah, das ist richtig falsch für dich. Was tust du da eigentlich? Auch damals in meinem Kind ich. Aber das war alles so mitgezogen durch die Gruppe. Das war so geleitet, das war ja schon fast so induktriert wie so eine Glaubenswäsche, ehrlicherweise. Und irgendwie wird einem so bewiesen, hey, du hast ja auch niemanden, du hast nur die Essstörung. Und ich war damals dann alleine aufgewachsen bei meinem Vater. Der war völlig überfordert, alleinerziehend nach der Trennung. Die Frau, die er kennengelernt hatte, konnte ich auf den Tod nicht ausstehen. Also ich habe mich auch alleine gefühlt und ich hatte nichts und dachte, okay, das Einzige, was ich halt habe, ist die Essstörung. Und das hat sich dann halt immer mehr so positiv verformt, obwohl ich schon gemerkt habe, dass es mir körperlich eigentlich richtig schlecht ging.
Romy
00:11:13
Ja, und das ist ja wirklich auch so ein Punkt, weil es ist ja nicht mal nur die Essstörung, die du dann hattest, so als Anker, sondern was du beschreibst ja auch durch diese Poanaforen eben auch, die Gruppe, also diese Bestärkung, dieses Anfeuern. Und das ist ja was, was leider irgendwie auch gerade in so einem anderen Gewand wiederkommt mit diesem ganzen Skinny-Talk.
Julia
00:11:31
Ich glaube, es war nie weg, auch wenn es beobachtet wird von Jugendschutz und man da versucht, was zu machen. Die eröffnen doch jede Minute auf. Also man kann auch immer noch das eingeben und kommt auf so Seiten leider oder auf so Blogs. Also wenn man es will, kriegt man natürlich sehr schnell Zugang. Oder eben, es ist halt ummantelt zwischen Lifestyle und Orthorexie. Und ich meine, wie viele Influencer gibt es, die sich da eigentlich magesüchtig hinstellen und sagen, oh, ich habe meine Essstörung voll überwunden und ich esse. Also wir leben halt auch in dieser Vergleichswelt. Ja, und das finde ich, ist auch wirklich schwierig zu sehen. So auch als Psychologin, was ich sehe, die Kinder werden immer jünger mit Essstörungen. Sie haben immer mehr Probleme, die Kliniken voll, die Therapien sind voll. Also es ist schon echt ganz schön besorgniserregend.
Romy
00:12:14
Ja, und ich sage mal so, umso mehr Verunsicherung oder umso mehr Botschaften einfach auch im Außen kommen. Ich sage mal, wir sind zum Glück ja noch so ein bisschen die Generation, die zumindest von Social Media verschont wurden. Aber wenn du wirklich tagtäglich so, du hast es ja immer einen Handygriff entfernt eigentlich, kannst da eintauchen, egal wo du bist. Das heißt, in so eine Parallelwelt zu flüchten, ist heute natürlich nochmal viel, viel einfacher geworden. Und ja, eben aber auch in dieser Parallelwelt zu funktionieren oder eben wirklich auch nach außen dieses Bild dann zu verkörpern. Von es ist alles in Ordnung, ich habe mein Leben total im Griff.
Julia
00:12:45
Sau anstrengend.
Romy
00:12:48
Also das ist auch die Erfahrung, die ich gemacht hatte, also auch gerade was so Arbeit und sowas anging. Oder man kriegt sogar noch Komplimente dafür, wenn man so diese orthorektische Richtung geht.
Julia
00:12:54
Richtig, der Krankheitsgewinn. Ja. Also ich habe das gar nicht mehr so viel bekommen, weil ich war nie in diesem total krass untergewichtigen Zustand. Also man hat es mir eine Zeit angesehen und dann bin ich aber auch selbstständig wieder raus. Da hat man es mir nicht mehr angesehen. Ich war trotzdem noch durch HLS gestört. Also ich war super quasi in diesem Zustand von Heilung, wo man dachte, ach ja, mir geht es gut. Ich habe ja dann auch studiert und bin ausgezogen. Also vermeintlich ist halt eine Essstörung ja eigentlich auch keine Gewichtsstörung, wie ich es immer so schön sage. Nur weil man es jetzt nicht ansieht, heißt es nicht, dass es der Person gut geht.
Romy
00:13:23
Ja, absolut. Und das ist so und so ein wichtiger Punkt. Also wie oft erlebe ich das zum Beispiel? Und ich weiß nicht, wie dir das geht, aber auch in so Kennenlerngesprächen, dass ganz oft das mit einer Entschuldigung eingeleitet wird. Im Sinne von, ja, ich bin ja aber im Normalgewicht und ich denke mir so, das hat doch nicht mit dem Gewicht zu tun. Also ich war ja selber auch 13 von 20 Jahren im Normalgewicht oder vielleicht sogar oberen Normalgewicht. Aber es ist keine Gewichtskrankheit.
Julia
00:13:45
Es ist halt immer noch der Diagnostik Wegner. Es ist immer noch der BMI. Bei jedem Arzt, bei jedem therapeutischen Erstgespräch wird noch den BMI gehandelt, auch in Kliniken. Wird überhaupt Therapie angeboten oder gesagt, sie sind ja eh nicht therapiefähig. Also ich finde auch das Konzept wahnsinnig, wahnsinnig überaltert. Das bedarf da einer wirklichen Revolution. Aber es ist sehr schwierig in der Psychologie etwas zu verändern, habe ich auch in meinem Studium gemerkt. Das ist sehr, sehr alteingesessen. Und es wird super stark was angezweifelt, wenn etwas Neues kommt. Schon gar, wenn es nicht wissenschaftlich hypothetisch tausendmal überprüft worden ist.
Romy
00:14:17
Ja, wobei es ja hier wirklich auch gute Studien gibt. Also gerade auch diese Beispiele, also mit der atypischen Anorexie. Eigentlich müsste die atypische doch die viel typischere sein, weil sie so viel häufiger ist auch.
Julia
00:14:28
Ist sie eigentlich auch, ehrlicherweise. Diagnostisch gesehen ist sie am höchsten in der Statistik.
Romy
00:14:32
Ja, und das wirklich mal bewusst zu machen, weil wir oft auch gerade hier, wenn wir schon diesen nicht gut genug Antreiber haben. Ich muss erst noch das bestimmte Gewicht erreichen, damit ich dann krank genug bin. Also ich habe es für mich damals ja auch eigentlich erst mit dem Stempel, den ich dann in der Klinik bekommen habe. Nachdem ich das Ganze aber ja schon 20 Jahre hatte. Ich hatte es schon 20 Jahre, dann kam der Stempel und dann habe ich es von mir selber anerkannt. Obwohl ich, wie du ja auch so gesagt hast, ich wusste eigentlich schon, das ist irgendwie nicht so richtig in Ordnung. und zwischendrin eben auch immer diesen quasi Zustand von, ja, äußerlich eigentlich okay, aber innerlich halt total gefangen. Richtig. Wie hast du denn gemerkt, du hast schon gesagt, du hast dich auch schon wieder immer so ein Stückchen rausgebracht. Es sah nach außen eigentlich normal aus.
Julia
00:15:17
Ja. Woran hast du gemerkt? Ich habe es nie für mich getan. Das war der Punkt. Ich habe es damals für meinen Papa gemacht, weil ich war noch 17. Und ein Punkt in diesen Gruppen war immer, pass auf, dass du nicht zwangseingewiesen wirst. Dann passieren schlimme Dinge mit dir. Du kriegst eine Sonde. Und ich hatte so Worst-Case-Bilder. Und ich hatte eh eine sehr symbiotisch, sehr kranke Beziehung zu meinem Papa. Das war super, vertretenden Rollen, traumatisch. Und dann habe ich gemerkt, dass er leidet. Und dann habe ich aus seinem Leid heraus gesagt, nee, da muss ich jetzt quasi gesund werden, damit er nicht mehr leidet. Also es war nie für mich heraus, sondern ich dachte immer, okay, ich wollte ja etwas, dass er mir mehr Aufmerksamkeit schenkt, mehr Beachtung. Dann konnte ich es natürlich nicht annehmen, diese wunderschöne Ambivalenz. Aber dass er dann leidet oder krank wird, das war für mich auch so schlimm, dass ich mich dann so halb rausgezogen habe. Und durch die Oberstufe ging das dann ein bisschen besser. Neuer Lebensabschnitt. Und nach dem Abi ist das dann aber tatsächlich wieder eingebrochen, als ich angefangen habe zu studieren. Da bin ich dann ausgezogen und habe gemerkt, ich kann nicht alleine leben. Ich kann mich auch gar nicht alleine versorgen. Und dann kam es über eine Depression tatsächlich wieder nach hinten rum rein.
Romy
00:16:25
Das ist ja auch genau der Punkt. Also wenn wir die inneren Muster, die wirklich dahinter liegen, nicht aufarbeiten, sondern, also ich sage mal, ein Externer kann ja erstmal Motivator sein. Ich gehe erstmal los, aber das alleine reicht halt nicht, spätestens wenn es wegfällt oder andere Themen einfach auch im Leben wieder kommen. Hast du Babyunterbrechung gehabt?
Julia
00:16:48
Stell deine Frage doch nochmal. Das wäre super.
Romy
00:16:51
Ja, du hast es eigentlich betrieben gehabt, dass du ja wirklich reingegangen bist und es eigentlich für deinen Papa auch gemacht hast. Genau, richtig.
Julia
00:16:58
Ja, es hat mich, also ich habe mir lange Zeit auch eingeredet, komm, du schaffst das noch, so ein bisschen weiter. Also ich war damals auch so fern. Ich hatte sogar Angst vor einer Fachpsychologie in meinem alten Studium tatsächlich. Weil ich immer dachte, oh, vielleicht können die mich lesen oder irgendwas passiert. Ich weiß auch nicht. Ich war damals so krass drauf, weil das auch meine Familie war so, das sind so Verrückte, die in die Klinik gehen. Da geht man auch hin zum Therapeuten. Also so ganz, ganz typisch. Und in meinem Studium war es dann so, die Depressionen kamen super schleichend. Mir ging es immer schlechter. Ich hatte immer mehr innere Leere. Schon so ein bisschen auch übertrüstige Gedanken. Und es war einfach alles zu viel. Ich war da mit 21 wirklich im Burnout gewesen. Also zu einem super frühen Zeitpunkt. Und es gab so eine Zeit, wo meine Zwänge immer stärker geworden sind. Auch so schleichende, so die Kontrollzwänge, auch Waschzwänge. Und ich habe irgendwann Angst vor mir selbst bekommen. Und das war ein Punkt, wo ich tatsächlich gesagt habe, ich muss mir Hilfe holen. Und zwar nicht nur so ein bisschen, weil ich hatte damals dann auch kurze Therapie gestartet und dachte, das ist wie so ein Wochenendseminar. Ich gehe dann ein paar Mal hin, dann gehe ich geheilt wieder raus. Und das ist es natürlich nicht. Und das war für mich dann damals der Weg zu einer Vertrauensdozentin tatsächlich an der Uni, der ich dann wirklich so unter Tränen erzählt habe, wie schlecht es mir eigentlich geht. Und eine Dozentin hatte mich auch mal gefragt, sagt mal, geht das eigentlich noch? Und ich fand diese Frage so spannend, weil sie mir so bewirkt hat, nee, es geht eigentlich schon ganz, ganz lange nicht mehr.
Romy
00:18:23
Ja. Und ist das überhaupt eine Option, dass es nicht mehr geht? Weil du hast ja beschrieben, wie krass dieses Funktionieren für dich auch war.
Julia
00:18:28
Und das war so wichtig für mich. Das war mein Ein und Alles. Also auch der Gang in die Klinik, ich habe da wochenlang hin und her. Und mein Therapeut war so, du gehst da jetzt hin. Und ich war so, nein, ich kann da nicht hingehen. Weil das für mich mit so einem Versagen auch gekoppelt war, in so eine Klinik zu gehen. Und dann habe ich dort die Erfahrung gemacht, das ist gar nicht so schlimm. Also ich war da mehr wegen der Depression dort und wegen dem Burnout überhaupt nicht, wegen der Essstörung, weil die war auch gar nicht so präsent. Ich habe dort kennengelernt, die Wurzel ein war mein Trauma. Es ging nie ums Essen. Und auch dieser Wunsch nach Kontrolle war durch mein inneres Kind, durch das Trauma gekoppelt. Aber nicht, weil ich jetzt irgendwie 49 Kilo toll fand oder sowas in die Richtung. Also es war halt dieses, ich bin nicht gut genug. Mein Kernschmerz, der sich dann über die Essstörung einfach so präsentiert hat. Dieser Schrei auch so ein bisschen, so seht doch mal, mir geht es nicht gut.
Romy
00:19:17
Ja. Und es sind ja viele Funktionen letzten Endes, die das Verhalten auch für dich hatte. Aber eben, ja, letzten Endes war die, ich sage mal, die Essstörung eigentlich ja nur so ein Boot auf einem großen offenen Meer. Von vielen.
Julia
00:19:29
Ja, so kann man das ausdrücken. Es war wirklich ein winziges Bötchen. Und damals dachte ich aber, ah, wenn du wieder essen kannst, dann geht es dir doch gut, ne? Genau. Und wenn du den Sport auch so halbwegs im Griff hast, macht ja auch jeder. Also ich habe so lange mich einfach so gut angelogen. Es ist wirklich schon schauspielerische Leistung, wie sehr ich mich selbst sabotiert habe. Oh ja. Ja, einfach mein Ich auch gar nicht kannte. Und das war, glaube ich, aber auch, das erlebe ich bei vielen meiner Klienten, das ist, glaube ich, so der große Krankheitsgewinn. Na, bei der Essstörung bin ich halt wenigstens essgestört. Also habe ich wenigstens irgendwas. Aber wer ist denn, wer bin ich denn eben ohne die Krankheiten? Also diese Angst vor dem freien Fall auch, der ist einfach so viel größer, dass man lieber im Destruktiven bleibt. Auch wenn das richtig, richtig, ja, schlecht für einen ist. Also ich habe ja auch welche da, leidet der Körper jetzt nicht seit gestern, ne? Oder die haben auch so medizinisch echt Sachen, wo man sagen könnte, na, wie lange macht der Körper das noch mit? Aber spielt einfach in dem Moment keine Rolle.
Romy
00:20:25
Ja, total. Und ich glaube wirklich auch, dass, also das ist so ein bisschen das, was du beschreibst, was bei mir passiert ist. So auf der einen Seite die Angst vor dem Stempel. So dieses, oh Gott, jetzt weiß ich nicht. Also bei mir war es ja auch so, dass die mich schon in der sechsten, siebten Klasse, hatte ich so den Spitznamen Psychotossi. Wo ich wusste, okay, es stimmt halt was mit mir nicht. Aber es war auch nicht greifbar. Also bei mir hat es sich ja auch über andere Sachen immer auch verschoben. Also was du beschrieben hast, ist ja auch so eine krasse Verschiebung von, okay, dann war es vielleicht nicht mehr das Essen. Und was war ich so ein bisschen der Sport? Dann ist es so in die Zwänge oder in die Depression. Also es hat sich ja immer einen anderen Weg gesucht, wenn man eben nicht an diese Wurzel, die du ja zum Glück dann, dadurch, dass du dir Hilfe gesucht hast auch und in die Klinik gegangen bist. Also wo du einen ganz anderen Ansatzpunkt ja auch gefunden hast.
Julia
00:21:06
Ja, also tatsächlich habe ich ihn nicht ganz in der Klinik und in der klassischen Therapie gefunden, sondern tatsächlich über meine eigene Recherche und so durch Spiegelung auch. Also ich habe schon natürlich auch die typischen Sachen durchgemacht, S-Pläne und Sorgmodelle und so. Aber ich war immer so, das ist es nicht. Also ich habe auch manchmal gedacht, da war ich immer beim Psychiater. Meine Güte, was ich für die Diagnosen hatte, den ganzen Katalog. Also das war auf der einen Seite gab mir das teilweise echt leider auch so ein Gefühl von, ach ja, wenn du es nicht schaffst im System, naja, dann bist du halt psychisch krank.
Romy
00:21:36
Ja, da so eine Entschuldigung.
Julia
00:21:38
Ja, leider ist das aber auch so, dass sich viele da dran klammern, weil unser System das natürlich auch auffängt. Und das ist auch gut so, gar keine Frage. Aber es ist manchmal auch, dass wir uns in der Krankheit dann so zugehörig fühlen und vielleicht auch gar keine eigene Motivation mehr entwickeln. Gerade wenn so ein Psychiater sagt, ah ja, dann nehmen Sie das Medikament noch und ja, da stellen wir Sie auch drauf ein. Und sonst kommen Sie halt nochmal wieder so. Also man hangelt sich dann auch so von Therapieklinik, Therapieklinik. Man verpasst, finde ich, sehr, weil in der Klinik ist das halt eine Glocke. Also man kommt ja auch zurück in ein Leben. Das war bei mir dann so, ich war eh nicht so lange da. Auch da so Leistungsfokus. Ich gehe dann mal hin und dann gehe ich wieder raus. Ja, und viele haben ja nicht unbedingt die Struktur. Ich war aber sehr eingegliedert. Ich wusste auch, okay, bei mir geht das Studium und so weiter. Aber es war dann schon so, ja, ich weiß nicht, in der Klinik war das auch toll. Man bekommt so alles abgegeben. Ich kann auch da einfach so zwischen Ergotherapie und meiner Kunsttherapie so ein bisschen umher. Und mehr gibt es da auch nicht. Das ist so der Tagesinhalt. Und plötzlich kommt dann das Leben wieder und sagt, ja, aber du bist halt auch erwachsen. Eigentlich ist es deine Verantwortung jetzt zu schauen, wo willst du hin? Und das war für mich echt so ein Identitätstod, der richtig weh getan hat. Also so dieses, oh mein Gott, ich bin aber eigentlich noch Kind. Und ich glaube, das war auch so bei mir, ich musste so schnell und früh erwachsen sein, dass mir viel Kindheit gefehlt hat, was ich versucht habe, vielleicht auch mit so einem kindlichen Körper irgendwie so ein Mädchenseit festzuhalten, weil Beziehungen waren dann auch keine guten Beziehungen, die ich da kennengelernt habe, in der Weise. Und ich war einfach auch so lost mit dieser Weiblichkeit und mit dem Körper und all diesen ganzen Themen.
Romy
00:23:14
Ja, und also so nachvollziehbar auch, weil, also gerade wenn du ja auch aus diesem Kreis davon funktionieren und früh Verantwortung übernehmen gekommen bist, dann auch, und dann ist so eine Klinik ja wirklich, ich sage auch immer so, die Babbel, du sagst Glocke, ich babbel.
Julia
00:23:26
Ja, genau, aber es stimmt.
Romy
00:23:31
Also ich weiß auch noch, das war für mich auch so ein Aufatmen von, ich muss mal kurz nicht funktionieren. Und dann aber wirklich auch, und du dürftest da ja sogar drin bleiben, also nicht vielleicht jetzt dauerhaft in der Klinik, aber.
Julia
00:23:40
Ja, und man durfte da auch einfach sie so tagsüber hinlegen oder so. Also es war ja strukturiert, aber trotzdem mit so viel Freiheit. Und ich kam da am Anfang aber auch gar nicht gut drauf klar mit diesem so, du musst nicht funktionieren. Und ob du das mitmachst oder nicht. Und ich war so, Gott, was mache ich da den ganzen Tag? Ich glaube, ich habe 20 Bücher in dieser Zeit gelesen. Oh, ruhig einfach. Ja, ich war wirklich, es ist wie so eine andere Persönlichkeit, eigentlich so eine zweite Julia. Manchmal berichten wir das auch, Leute, echt, du warst damals so drin, es klingt einfach so überhaupt gar nicht nach dem, wie ich jetzt lebe. Es sind wirklich zwei völlig unterschiedliche Leben und Identitäten.
Romy
00:24:14
Total. Also das sage ich auch immer. Ich sage, es gibt so zwei Romis. Es gibt so die bis vor acht Jahren und dann gibt es die. Ich sage, Leute von vor acht Jahren würden mich heute nicht wiedererkennen und andersrum.
Julia
00:24:24
Ja, und ich glaube, als Mama kriegst du nochmal eine neue Identität.
Romy
00:24:29
Jetzt sind wir es ja gewöhnt, wir haben ja Übungen. Genau. Klasse. Ja, und Entwicklungstrauma war ja jetzt auch ein Punkt, der schon sehr, sehr häufig gefallen ist. Deswegen lass uns da gerne nochmal ein bisschen eintauchen. Weil dein zweites Buch heißt ja auch Leben im Überlebensmodus und handelt von Entwicklungstrauma. Und viele denken ja beim Trauma an so diese großen Katastrophen, also Missbrauch, Gewalt, Unfall. Was genau verstehst du unter Entwicklungstrauma und was hat das denn auch mit Essstörungen zu tun?
Julia
00:24:58
Oh, ganz, ganz viel. Also genau, es ist so, Entwicklungstrauma ist so eine Diagnose, die gibt es bei uns nicht in Deutschland. Das ist einmal vorweg gesprochen, weil ich glaube, da werden sich wahrscheinlich alle drin erkennen. Und dann geht man so in der Hoffnung los, ich habe ein Entwicklungstrauma. Es gibt so Traumatyp 2 bei uns im ICD, in der psychologischen Diagnostik. Aber tatsächlich ist es super streng gegliedert, wenn man auch keine Flashbacks hat oder bestimmte Symptome, dass einem dann gesagt wird eher, man geht vielleicht. Und das ist jetzt in Anführungsstrichen zu sehen, weil ich jemand bin, der auch sich da sehr klar von abgrenzt, beispielsweise ADHS. Oder auch so diese Neurodivergenz sind alles super spannende Themen. Es überschneidet sich aber sehr häufig auch mit einem überregulierten Nervensystem sozusagen und Trauma. Und Entwicklungstrauma sind eigentlich so ganz kleine Dinge, die typischerweise, so liest man es, so bis vier Jahre im vierten Lebensjahr sind, wo wir uns eh nicht unbedingt daran erinnern können. Aber ich finde auch darüber hinaus, in der späteren Kindheit und Jugend entsteht auch Trauma. Und das ist so dieses, beispielsweise, was ich erlebt habe, Liebe muss man etwas für tun. Das ist nicht grundsätzlich da, sondern man wird auch mal mit einem Liebesentzug zum Beispiel bestraft, dass man nicht mehr umarmt wird. Oder auch Vergleiche schon, so Vergleichen zu sagen, warum bist du denn nicht das Kind wie XY, das rausgeht und ein Sieginstrument spielt. Ich war immer so ein drinnen Kind, sage ich. Und meine Eltern waren immer so, ja, warum kannst du nicht so sein wie andere Kinder? Ist jetzt nicht böse ausgesprochen. In mir war das aber super, die Bestätigung, ja, ich bin eh falsch, ich bin eh nicht richtig, wie ich bin. Also auch im Geschwisterbereich und auch so dieses, ja, emotionaler Missbrauch manchmal schon ein Stück weit. Narzisstische Elternteile beispielsweise, die einem immer wieder so die Rollen vertauschen. So eine Mutterwunde oder auch Vaterwunde, wo die Tochter beispielsweise eher die Mama ist. Man sorgt so für die Mama mit. Eine Klientel von mir hat letztens gesagt, es war wie so ein Laufen auf Eierschalen zu Hause. Es ist immer zu gucken, wie ist die Mama heute drauf. Und wenn ich mich zu viel verhalte, dann ist die Mama aber gleich wieder in Angst. Ach je, ich bin eine schlechte Mutter. Also so diese wirklich toxisch manipulativen Sachen, das ist jetzt schon sehr traumatisch. Aber es ist manchmal auch wirklich dieses, ja, Leistungsprinzip. Oder dieses Bild der Familie ist super, super wichtig und du bist auch wichtig. Aber das Bild ist so ein bisschen wichtiger.
Romy
00:27:20
Das geht drüber.
Julia
00:27:20
Also ganz viel einfach emotional nicht gesehen zu werden, nicht so geliebt zu werden, nicht anerkannt zu werden, so wie man ist. Ja, das ist eigentlich Entwicklungstrauma, weil es ja auch in unserer Entwicklung uns prägt. Und ich würde sagen, bei Ersterung, dass eigentlich alle ein Entwicklungstrauma besitzen. Und das sage ich jetzt einfach mal so, weil ich würde sagen, es ist immer so. Diese Wurzel von ich bin nicht gut genug, die zieht sich ja durch alle Erstörungsthemen durch. Und das ist immer ein Entwicklungstrauma. Ob es jetzt aus der Kernfamilie immer durch Eltern geprägt worden ist, nein. Also natürlich kann sich das ja auch später durch im Freundeskreis beispielsweise prägen. Ja, oder durch Mobbingerfahrung. Da haben die Eltern jetzt nicht direkt was mit zu tun, aber sehr wohl, wie wir zu Hause damit halt umgehen. Also ich habe ja Erstörung immer so als eine systemische Familienkrankheit betrachtet, weil ich systemisch gerne arbeite. Und hier geht es ja darum, dass das Kind ein Symptomträger ist und zum Beispiel sagt in unserer Familie, da läuft gerade irgendwas nicht so richtig. Wir sitzen eigentlich alle im Boot und die Erstörung wird ja spannenderweise immer als so, das Kind ist krank und wir geben es irgendwo hin, Therapie, Klinik und dann kommt es bitte gesund zurück. Hauptsache, wir müssen in unseren Familien, genau, Konstrukt nichts ändern. Und schon allein, das ist auch Trauma, weil wir ja alle irgendwo auch ein verletztes inneres Kind haben und unsere Eltern natürlich auch. Und es geht gar nicht um Schuld, zu sagen, ich habe das Trauma, weil meine Mutter war so oder ist so, sondern einfach sich das auch einzugestehen. Ich habe das so erlebt und meine Schwester hat vielleicht keine Erstörungen und fand das alles super. Also ob Trauma entsteht, hängt nicht vom Ereignis ab. Das ist ganz wichtig. Trauma hat nichts mit der Schlimmigkeit, sage ich jetzt einfach mal, zu tun, sondern allein, ob unser Körper die Ressourcen hat, wie es uns an einem Tag geht, wie sensibel wir sind, ob wir gegenreguliert werden, ob es dann unser Nervensystem beflutet und es kommt zu einem Trauma und es bleibt Energie stecken oder wir können es verarbeiten.
Romy
00:29:16
Wunderschön beschrieben, ja. Also es ist auch spannend, wirklich dieses, das, was für den einen eben traumatisch sein muss, muss es für den anderen gar nicht sein. Und andersrum, also ich habe es zum Beispiel auch mit meiner Schwester erlebt, wir sind ja letzten Endes auch eigentlich mehr oder weniger im gleichen Haushalt aufgewachsen, die war so grundlegend anders als ich. Und bei mir waren halt immer so, du bist so sensibel und du musst mal härter werden.
Julia
00:29:36
Falsch, falsch, falsch.
Romy
00:29:39
Das macht natürlich auch was mit einem, auch wenn es jetzt nicht böse gemeint ist. Und ich kann mir vorstellen, dass also das dein Buch schon durchaus vielleicht auch ein bisschen Provokation ausgelöst hat oder auch für Eltern vielleicht ein bisschen schwierig ist, wenn gleich du das, du hast es super schön erklärt, weil es geht nicht darum, Schuld zuzuweisen. Es geht nicht darum, wer hat was gemacht, was ja oft auch so ein Punkt ist, wenn wir selber auch lernen, so diese Verantwortung auch zu übernehmen. Nicht zu sagen, weil der das gemacht hat, kann ich heute vielleicht nicht gesund werden.
Julia
00:30:06
Ja, wenn das sehr verstrickt ist, also so symbiotische Beziehungen oder auch Narzissmusbeziehungen sind dafür prägestiniert, dass man auch als Erwachsener noch denkt, ja, es ist ja immer noch meine Mama, es sind meine Eltern, so dieser Satz, ich darf sie nicht verlassen. Oder auch der, dann geht's Mama schlecht. Das mag schon sein, aber ganz ehrlich, wir können unser ganzes Leben lang auch nicht nach den Eltern ausrichten. Das ist doch nicht die Aufgabe. Genau, und ich sage auch sehr hart, wir sind unseren Eltern nicht schuldig. Ja, es ist so. Es ist toll, dass sie uns auf die Welt gebracht haben, aber es wäre noch toller gewesen, sie hätten vielleicht vorher auch noch an sich gearbeitet, auch wenn damals nicht so die Zeit dafür da war. Ich erlebe trotzdem immer wieder auch Gespräche mit Familien, die es anders gemacht haben. Nicht, weil ihnen die Zeit anders war, sondern weil sie sich die Zeit genommen haben, zu schauen, wie geht es unserer Familie durch Kommunikation. Und in meiner Familie gab es das halt nicht. Also schon, natürlich wurde geredet, aber halt über Leistung und über dieses, eben, was ist halt gerade wichtig, ja, der Jahresurlaub so, auf dem man halt hinarbeitet. Aber nicht, wie geht es uns emotional. Und ich würde mir sehr wünschen, wenn wir generell so Emotionsregulationen als ein Schulfach hätten.
Romy
00:31:17
Oh, bitte.
Julia
00:31:17
Also, dass wir einfach, ja, in anderen Ländern gibt es das einfach so viel mehr. Da gibt es auch Trauma mehr. Also im amerikanischen Diagnostiksystem ist es viel, viel besser, ja, als einfach bei uns, wo es so, ja, teilweise, ne, Tiefenpsychologie, wir arbeiten immer noch mit Freud. Also, das zeigt, wie alt wir halt da feststecken. Natürlich sind manche Sachen von ihm auch gut und okay, so wie sie sind in diesem Bereich. Aber dieser neue Wind, ne, der wird halt sehr wenig zugelassen.
Romy
00:31:44
Ja, und das ist ja das Problem, was du vorhin schon beschrieben hast. Und es kommt ja auch nicht wirklich, also das Bissig, was Neues wirklich etabliert hat. Also, was ich ja schon einen viel besseren Ansatz finde, ist zum Beispiel auch Alfred Adler, Individualpsychologie, was ja auch sehr in diese Richtung geht.
Julia
00:31:56
Ja, richtig. Es ist halt, ja, böse ausgedrückt, lebt halt eine andere Industrie sehr gut von Diagnosen und von gewissen Krankheiten, wo man sehr gut etwas geben kann. Auch das hat seine Relevanz. Ich bin gar nicht gegen Medikamente. Ich finde das sogar wichtig und ich habe auch eine Zeit lang Antidepressiva genommen, weil ich dachte, okay, vielleicht bringt es ja was. Hat es überhaupt nicht, aber es gibt Menschen, denen hilft es trotzdem temporär mit seinen engsten Zwängen etc. umzugehen. Und deswegen ist das überhaupt keine Schande und auch gar kein Versagen. Aber so dieses über den Tellerrand hinaus, das ganzheitliche. Also ich habe mir immer gespürt, trotz der ganzen gestörten Gedanken, eigentlich bin ich mehr hier als nur zum Leiden. Das war für mich so ein wichtiger Punkt auch, wo ich gemerkt habe, das Leben von meinem Papa ist immer weitergelaufen. Der hat das so und so dann so getan. Ach ja, die berappelt sich schon wieder. Das hat tatsächlich meine Klinikzeit als Ausrutscher bezeichnet. Das fand ich auch ganz spannend. So ein bisschen wie, ah ja, bin durch eine Prüfung gefallen. Also der hat das einfach völlig abgeblockt von sich, wo ich auch gesehen habe, okay, das wird sich nichts ändern. Wenn ich leide und dafür mich bestrafe und mein Leben jetzt der Erstörung widme, wird das nothing in ihm ändern. Ich werde auch nichts von ihm bekommen, was ich mir wünsche, sondern nur ich verpasse mein Leben. Und das war schon auch sehr hart, mir das einzugestehen und zu sagen, okay, ja, it's my turn. Also erlaube ich mir jetzt zu leben und nochmal mein Leben richtig umzudrehen? Und das ist auch hart, weil wir dann die Verantwortung vertragen müssen. Oder bleibe ich?
Romy
00:33:28
Jetzt kann ich so nachempfinden. Also das war wirklich genau dieser Turn. Und wenn wir das aber wirklich verinnerlichen, also rausgehen aus dieser, weil das und das passiert ist. Also so diese Entschuldigung sozusagen dazu suchen und so anzuerkennen, ja, das ist passiert. Und gleichzeitig ist es heute aber als Erwachsene auch meine Aufgabe, da eben die Verantwortung auch für zu übernehmen, für mein Leben. Weil die Einzige, die mit den Konsequenzen lebt, bin ja auch ich. Ja, oder unsere Kinder. Ja, eben, es gibt sich ja auch weiter.
Julia
00:33:56
Ja, also oftmals ist es tatsächlich aber so, dass es eher so ein bisschen andersrum ist, dass man es wieder komplett anders macht. Wobei auch das in den Kindern durchaus jetzt nicht ein total reines Bild macht, weil es ist so, Kinder beobachten, sie lernen durch Beobachtung. Und wir können zwar sagen, du darfst alles essen, wenn aber Kind sieht, Mama muss sich ständig den Kuchen verbieten oder so, macht es in den Kindern halt so andere, ich sag mal, Aufpasserrollen. Ich sag jetzt, keine Essstörung, um Gottes Willen. Aber es ist auch nicht so, dass das Kind frei aufwächst, weil Kinder wollen nicht, dass es Eltern schlecht geht. Das ist ja Teil auch von Trauma, dass wir so wie ich sagen, okay, mein Papa, der ist mein Retter. Das ist so idealisiert, dass ich für den alles getan habe.
Romy
00:34:37
Ja, das sage ich auch immer. Und ich sehe es ja, ich komme ja auch grundsätzlich aus der Pädagogik und habe teilweise schon bei Zweijährigen gesehen, wie krass die sich wirklich auch um ihre große Schwester in der Vorschule oder auch um die Eltern gekümmert haben. Also wenn es der Schwester gut geht, dann geht es den Eltern gut. Also wie viel Verantwortung die schon übernommen haben, weil dieses innere Bestreben, dass es den Eltern eben gut geht, was ja auch entwicklungspsychologisch macht, das ja auch Sinn.
Julia
00:35:00
Ich sag mal, wenn es den Eltern nicht gut geht, dann rot. Richtig, das ist das Ding, weswegen Entwicklungstrauma einfach sehr gut funktioniert, sage ich auch mal ein Stück weit, weil wir einfach abhängig sind von unseren Eltern. Und das ist auch wichtig und gut so. Aber es macht in uns natürlich ganz viel in sehr jungen Jahren.
Romy
00:35:19
Wie erlebst du das oder kriegst du das so ein bisschen mit? Weil du hast ja schon eher so die Klienten, die dann sagen, okay, ich komme jetzt hier selber und ich will jetzt auch was machen. Aber wie reagieren denn Eltern? Hast du da Erfahrung, wenn die das hören, also dass es eben wirklich systemisch ist und nicht hier, mein Kind hat das Problem, geh mal und mach das weg. Sondern vielleicht ein Teil von dem ganzen System, also nicht im Sinne von Schuld, weil das passiert, glaube ich, auch oft so noch in diesem Therapiekontext. Weil deine Eltern, also diese Schuldzuweisung, die wird ja auch auf den Eltern gegeben, was ja keinem hilft. Aber wie erleben Eltern das so, wenn sie sagen, okay, es ist schon systemisch etwas, wo ich einfach auch einen Anteil habe und auch mitgestalten kann. Also auch für die Heilung oder Unterstützung meiner geliebten Person.
Julia
00:35:59
Es kommt sehr auf die Eltern drauf an. Also ich arbeite jetzt ja nicht typisch im Kinderjugendbereich, muss man dazu sagen. Also ich habe manchmal durchaus Fälle, wo Mütter mich mal ansprechen oder wo man das durchaus auch mal machen kann. Es kommt wirklich darauf an, wie sehr halt das System Familie danach bestrebt ist, auch in System Familie zu bleiben und natürlich auch offen ist für Veränderungen. Also ich hatte letztes Jahr auch ein zwölfjähriges Mädchen, wo die Mama mein Buch gelesen hat, mein erstes, und auf mich zugekommen ist und gesagt hat, hey, wir brauchen Hilfe, die Therapieplätze sind voll, was können wir tun? Und ich glaube, irgendwann kommen Eltern auch an so einen verzweifelnden Punkt, ja ehrlicherweise, wenn das Kind sich auf nichts mehr einlässt, immer dünner wird. Also ich meine, kein Elternteil will dem Kind beim Sterben zusehen, ganz klar. Gleichzeitig ist es auch psychologisch nicht leicht, dass Eltern in so eine Co-Abhängigkeit kommen, ja, weil sie denken, wir kriegen das schon irgendwie zu Hause hin. Und das Kind will ja oftmals auch nicht in die Klinik, weil auch wieder da viele Punkte mit einhergehen. Also wenn Eltern offen sind, finde ich es super schön, wenn man auch so Familienkonzepte wirklich, dann gibt es auch im Kinder- und Jugendbereich, dass man wirklich schaut, wie können wir als Familie zu Hause das mitbegleiten, wie können wir das auch zu Hause schaffen, weil das Kind kommt nicht gesund wieder. Das ist so eine Illusion, die man Eltern auch früh aufzeigen muss. Aber es kommt wirklich sehr darauf an, wie offen die Familie ist, auch was Geschwisterkinder noch eine Rolle bei spielen, wie die Familie halt systemisch aufgestellt ist. Wenn sie so, ich sage mal, wie meine Familie sind, dann ist es natürlich schwierig. Dann wird halt gesagt, okay, hier ist so Therapie, da gehst du halt mal hin, oder jetzt gehst du halt in die Klinik und wir zwingen dich. Aber das ist auch elementar wichtig für das Kind, dass es erlebt, meine Bezugsperson, die bleibt, auch wenn ich mich gerade richtig gegen dich verhalte und dich hasse und so, weil sie sind ja auch selbst einfach mit sich überfordert. Sie wissen auch gar nicht, was für sie gut ist. Und das ist auch so ein Punkt, ab wann übernehmen Eltern und sagen, du musst jetzt. Also es sind wirklich ganz viele auch so ethische Punkte, wo es kein richtig oder falsch gibt, weil es für jede Familie was ganz anderes sein kann. Das Kindeswohl muss an oberster Stelle stehen.
Romy
00:37:58
Ja, sehr, sehr wichtiger Punkt. Und letztendlich beschreibt es ja auch dieses Phänomen, weil selbst wenn das Kind in die Klinik gebracht wurde zum Beispiel, dort auch Unterstützung bekommt, vielleicht aufgepäppelt wird und so und dann aber aus dieser Bubble oder Glocke wieder zurück nach Hause kommt und das System hat sich aber nicht verändert, dann ist es natürlich, also ich sage mal, entweder die Rückfallgefahr, wenn es überhaupt schon so weit war oder eben, dass man es wirklich auch nachhaltig auflösen kann, natürlich deutlich schwieriger.
Julia
00:38:22
Richtig. Also ich mache super gern auch immer Angehöringengespräche, dass man sich wirklich auch auf den Angehörigen konzentriert, weil auch die haben ja ihre Themen. Es ist ja nicht immer so, dass man nur als Mama da ist, sondern man ist ja auch noch als Frau da und man darf auch die anderen Kinder oder sich selbst auch nicht vergessen. Also es sind ganz, ganz viele Sachen, wo eigentlich die ganze Familientherapie braucht. Wenn wir ehrlich sind, es geht nicht nur ums Kind. Und das ist natürlich aber auch je nach Akutzustand einfach ganz unterschiedlich. Aber ich finde, die Eltern werden offener. Sie belesen sich mehr. Die Kinder wachsen ja auch anders auf heutzutage. Ich glaube, viele sind vielleicht schon manchmal aber auch übervorsichtig deswegen und sagen, okay, kein Medienkonsum, kein gar nichts. Also auch man muss aufpassen, dass man nicht nur damit verboten agiert oder versucht, die Kinder so von allem fernzuhalten und so helikoptermäßig den Kindern alles abnehmen möchte, weil auch das ist nicht Teil der Lösung. Nee, dann geht es eher ins Gegenteil und dann wird das Recht ausprobiert, sobald die Freiheit kommt.
Romy
00:39:17
An dieser Stelle möchte ich für heute eine Pause einlegen, denn Julia und ich haben so intensive Themen besprochen, dass ich das Ganze in zwei Teile aufgeteilt habe, damit einfach nichts verloren geht. Und ich verspreche dir, was in der nächsten Folge kommt, ist nochmal eine ganz andere Ebene, denn dann sprechen wir darüber, was dieses ganze Entwicklungstrauma eigentlich auch mit unserem Nervensystem macht und warum so viele von euch sagen, ich weiß doch eigentlich alles, aber ich schaffe es einfach nicht, das umzusetzen. Und Julia erklärt uns ihren Saboteur, der meinem Essstörungsanteil verdammt ähnlich sieht. Außerdem hat sie uns noch eine ganz konkrete Übung mitgebracht, die du direkt ausprobieren kannst. Also hör auch nächste Woche unbedingt wieder rein und abonniere den Podcast, damit du keine Folge verpasst. Bis dahin, alles Liebe! Vielen Dank, dass du dir Zeit für eine Tasse Reality mit mir genommen hast. Ich hoffe, diese Folge hat einen kleinen positiven Unterschied in deinem Tag gemacht. Mit deiner Fünf-Sterne-Bewertung kannst du genau diesen Unterschied auch im Leben anderer lebensvolliger Frauen bewirken, die diesen Podcast noch nicht gefunden haben und sich ebenfalls nach einem Leben in Freiheit und Authentizität sehnen. Ich danke dir von Herzen und freue mich, auf Instagram mit dir in Kontakt zu bleiben. Alle Links findest du in den Shownotes. Bis zum nächsten Mal!

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