#51 Deine ES hat dir Superkräfte beigebracht
5 Eigenschaften, die dich krank gemacht haben – und die du trotzdem behalten darfst
15.04.2026 40 min
Zusammenfassung & Show Notes
Was, wenn die Entstehung einer Essstörung kein Zufall ist – sondern das Zusammenspiel aus fünf Eigenschaften, die fast jede betroffene Frau bei sich wiederfindet?
Was, wenn die Entstehung einer Essstörung kein Zufall ist – sondern das Ergebnis von Eigenschaften, die in einem anderen Kontext eigentlich Stärken wären?
Du hast Ansprüche an dich, die andere nicht mal bemerken. Du ziehst durch, wo andere längst aufgegeben hätten. Du spürst Stimmungen, bevor jemand ein Wort gesagt hat. Und du weißt, wie viel Willenskraft es braucht, jeden Tag gegen die eigenen Bedürfnisse zu handeln.
In dieser Folge spreche ich über fünf Eigenschaften, die Frauen anfällig machen für Essstörungen – und die mir bei den Frauen, die ich begleite, und bei mir selbst immer wieder begegnen.
Was dich erwartet:
- Warum Perfektionismus und Disziplin sich so gut anfühlen – und gleichzeitig so zerstörerisch sein können
- Wie Ängstlichkeit dein Leben sicher, aber verdammt klein macht
- Was passiert, wenn Sensibilität bei anderen Empathie ist, aber bei dir selbst zum inneren Richter wird
- Die eine Frage, die entscheidet, ob deine Eigenschaften für oder gegen dich arbeiten
Wenn du dich in diesen Eigenschaften wiedererkannt hast und spürst, dass sie gerade nicht in Balance sind, dann such dir gern einen Termin für ein kostenfreies Klarheitsgespräch aus. Gemeinsam schauen wir in 20 Minuten, wo du stehst und was dein nächster Schritt sein kann. 🔗 romy-hoerbe.de/kontakt
Über Romy Hörbe - Coach für entspanntes Essverhalten und Körperakzeptanz
Neue Episode jeden zweiten Mittwoch um 6 Uhr
Neue Episode jeden zweiten Mittwoch um 6 Uhr
Diese Episode hat etwas in dir berührt?
Dann spür kurz in dich rein: Willst du weiter zuhören — oder herausfinden, was sich für dich persönlich verändern kann? → Kostenfreies Klarheitsgespräch buchen — 20 Minuten, nur für dich und deine Situation.
Dann spür kurz in dich rein: Willst du weiter zuhören — oder herausfinden, was sich für dich persönlich verändern kann? → Kostenfreies Klarheitsgespräch buchen — 20 Minuten, nur für dich und deine Situation.
Meine Ausbildungen
- CCI Certified Eating Disorder Recovery Coach (Carolyn Costin Institute, USA)
- Zertifizierter systemischer Coach (Coaching Akademie Weimar-Wiesbaden)
- Zertifizierter Identity Transformation Coach (All In Academy Jackie Sharon Tamblyn)
Dieser Podcast ersetzt keine professionelle therapeutische oder medizinische Betreuung. Bei akuten gesundheitlichen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachpersonen.
Transkript
Hallo und schön, dass du hier bist bei Romy's Recovery Reality.
Ich bin Romy Hörbe und nach 20 Jahren Essstörung vollständig recovered.
Heute lebe ich mein bestes Leben.
Ohne Masken, aber mit ganz viel Lebensfreude und Authentizität.
Meine Mission ist es, lebenshungrigen Frauen zu helfen, genau das Gleiche zu tun.
Dieser Podcast ist für dich, wenn du dir tiefe Transformation statt reiner Symptombekämpfung wünschst.
Ich nehme dich mit auf den Weg in die Freiheit und teile ungeschminkt, was mir wirklich geholfen hat.
Mit Herz, Klarheit und der Expertise als Deutschlands erster CCI-zertifizierte Recovery Coach.
Mach es dir gemütlich mit deinem Lieblingstee und lass uns gemeinsam entdecken,
wie viel größer dein Leben jenseits der Essstörung sein kann.
Schön, dass du wieder dabei bist, denn heute ist für mich eine ganz besondere Folge,
denn dieser Podcast feiert heute bereits seinen ersten Geburtstag.
Vor genau einem Jahr habe ich die allererste Folge dieses Podcasts veröffentlicht und jetzt sind wir bereits bei Folge 51.
Wow, schon ein bisschen verrückt, wenn man bedenkt, dass ich diesen Podcast zwei Jahre vor mir hergeschoben habe.
Also ich habe wirklich zwei Jahre intensiv darauf rumgedacht, mache ich das oder mache ich das nicht?
Und ja, irgendwie hatte ich dann letztes Jahr so einen Kellermoment, wo ich mir gedacht habe,
du machst es jetzt. Und zwei Jahre, wie gesagt, hatte ich die Idee und wusste auch, dass ich das machen will.
Aber ich habe mich einfach nicht getraut, weil ich Angst hatte.
Angst, mich zu zeigen und vor allem aber auch, weil mir zum Beispiel ein Ex gesagt hat,
ich hätte eine nervige Stimme.
Aber auch Angst, es nicht gut zu machen.
Und auch Angst vor dem Commitment, denn ich weiß und ich kenne mich da ziemlich gut,
wenn ich was mache, dann mache ich es auch richtig.
Und mir war klar, wenn ich einen Podcast mache, dann mache ich ihn regelmäßig.
Was? Und das habe ich schon geahnt, viel Zeit erfordert.
Zum Glück wusste ich nicht genau, wie viel.
Ja, aber wie ich bereits auch in der 0. Folge zur Einführung des Podcasts bereits gesagt habe,
geht es hier nicht nur um den Weg raus aus der Essstörung,
sondern eben auch um das Leben danach.
Und der Weg hin zu diesem Podcast, der war so ein Danach.
Denn ich habe in der Recovery zwar wahnsinnig viele Ängste überwunden,
aber das heißt eben nicht, dass danach keine mehr auftauchen.
Und dass es diesen Podcast aber nun schon ein Jahr lang gibt
und es im Gegensatz zu meiner Essstörung nicht 20 Jahre gebraucht hat,
diese Ängste zu überwinden,
zeigt auch, dass wir sämtliche anderen Ängste im Leben nach der Recovery
deutlich schneller überwinden können.
Denn Recovery hat mich gelehrt mit der ängstlichen Stimme,
die sagt, mach lieber nicht zu arbeiten
und mich nicht mehr von dem abhalten zu lassen, was ich wirklich will.
Und im Rückblick auf das vergangene Jahr ist mir aufgefallen,
dass dieser Podcast nicht nur inhaltlich wegen der Essstörung existiert,
sondern vor allem auch aufgrund verschiedener Eigenschaften,
die uns anfällig dafür machen,
ob wir überhaupt eine Essstörung entwickeln oder nicht.
Denn es gibt ein paar Eigenschaften,
die man bei Menschen mit Essstörung sehr häufig findet.
Und diese habe ich jahrelang selber erstens gar nicht bewusst gehabt
und zweitens eher als Schwäche gesehen oder als sowas sehr Zwanghaftes.
Aber genau diese Eigenschaften waren es auch,
die richtig angewendet auch eine Superkraft sein können,
wenn wir anfangen, sie für anstatt gegen uns zu nutzen.
Und genau diese Eigenschaften sind es auch,
die dafür gesorgt haben, dass dieser Podcast eben existiert.
Was meine ich damit?
Meine Ängstlichkeit hat dafür gesorgt,
dass ich mich gründlich vorbereitet habe,
bevor ich zum allerersten Mal diesen Aufnahmeknopf gedrückt habe.
Unter anderem eben mit meinen drei Coach-Ausbildungen
und jahrelanger Coaching-Erfahrung,
sowohl im 1 zu 1 als auch in der Gruppe.
Meine Disziplin hat dafür gesorgt,
dass aus einer Idee 51 Folgen mit nur einer Woche Pause wurden.
Mein Perfektionismus sorgt dafür,
dass jede Folge gut recherchiert ist und Substanz hat.
Meine Sensibilität hilft mir vor allem im Coaching,
aber auch hier im Podcast,
um zu spüren, welche Themen euch wirklich beschäftigt.
Und meine Zwanghaftigkeit hat mir geholfen,
dran zu bleiben und auch dann durchzuziehen,
wenn ich mich lieber nur am Pool ausgeruht
oder die Couch, mein Terrain genannt hätte
und einfach auch mal keine Lust hatte,
weil ja, auch sowas kommt vor.
Aber diese Eigenschaften sind nicht mehr destruktiv,
sondern deutlich mehr in Balance als früher.
Und genau darum geht es auch beim Thema der heutigen Folge.
Denn diese Eigenschaften, also Perfektionismus, Disziplin,
Ängstlichkeit, Sensibilität, aber auch Zwanghaftigkeit,
sind genau die Eigenschaften, die Frauen anfällig dafür machen,
eine Essstörung überhaupt erst zu entwickeln.
Und sie sind Teil unseres Temperaments.
Teilweise genetisch angelegt, teilweise aber auch geprägt
oder eben auch erst als Schutzstrategie entstanden.
Und hier kommt das Wichtigste.
Sie müssen nicht weggehen.
Schon gar nicht, wenn du das nicht willst.
Also wie viele Frauen haben Angst, ihre Disziplin zu verlieren?
Und die müssen auch nicht weg, auch wenn du recoverst.
Sie gehören zu dir und sie haben alle auch Sonnenseiten.
Im Coaching begegnet mir tatsächlich häufig die Angst,
durch die Recovery dann zum Beispiel, wie gesagt,
nicht mehr diszipliniert zu sein und faul zu werden.
Aber du verlierst diese Eigenschaften nicht
und es geht, wie gesagt, nicht darum, sie loszuwerden.
Aber du darfst natürlich das, was dir nicht mehr dient,
auch komplett loslassen.
Aber das Schöne ist, dass du das entscheidest.
Die Frage ist daher eher, ob du lernst,
diese Eigenschaften im Balance zu halten
und gezielt einzusetzen, wenn sie gebraucht werden,
anstatt dich, wie jetzt vielleicht noch,
von ihnen steuern zu lassen.
Und ich möchte heute mit dir auf diese fünf Eigenschaften eingehen,
die mir eben, wie bei mir,
aber auch im Coaching immer wieder begegnen.
Also es sind wirklich, wenn ich so gucken müsste,
was für die häufigsten Eigenschaften sind,
würde ich sagen, es sind diese fünf.
So, lass uns mal eintauchen.
Und zwar habe ich als allererstes den Perfektionismus mitgebracht.
Das ist, glaube ich, ja, so ein bisschen der Klassiker.
Kenne kaum eine Frau, insbesondere mit einer restriktiven Essstörung,
die nicht zum Perfektionismus neigt
und alles so gut wie möglich machen will.
Von der Essstörung, aber auch bis hin zum Job,
der Kindererziehung und dem Haushalt.
Und Perfektionismus ist nichts Schlechtes.
Im Gegenteil.
Es bedeutet vor allem,
dass du wahnsinnig hohe Ansprüche an dich selbst hast.
Wahrscheinlich bist du sehr kundlich, detailverliebt.
Du willst, dass Dinge richtig gemacht werden
und findest Fehler, die anderen überhaupt nicht auffallen.
Ruf dich kann das übrigens sehr extrem hilfreich sein,
da man sich auf dich verlassen kann.
Und ja, das für, also wenn ich Angestellte suchen würde,
das wäre eine Eigenschaft, wo ich sage,
ja, damit könnte ich gut arbeiten, würde ich einstellen.
Was aber, wenn dieser Perfektionismus aus der Balance gerät?
Wenn der aus der Balance gerät und ins Extrem kippt,
dann wird er schnell zum Gefängnis.
Dann wird nämlich aus einem, ich will es gut machen,
ein, wenn es nicht perfekt ist, bin ich gescheitert.
Dann brauchst du den perfekten Essensplan,
die perfekte Kalorienbalance, den perfekten Körper
und auch die perfekten Ergebnisse auf Arbeit
und sogar vielleicht in deinen Hobbys.
Und jeder kleine Ausrutscher,
sei das ein ungeplantes Stück Kuchen,
ein Tag ohne Sport.
Kritik vom Chef oder auch ein komischer Blick
an einer Kollegin oder vielleicht von einer Freundin
fühlen sich an wie totales Versagen.
Und hier dockt auch das Schwarz-Weiß-Denken an.
Also etwas ist entweder richtig gut oder voll schlecht.
Also so genannt ist alles-oder-nichts-Prinzip.
Das ist, ja, falls du das von dir kennst,
das ist auch so ein bisschen dem Perfektionismus zu verdanken.
Wenn etwas nicht so läuft, wie du es geplant hast,
dann gleicht das für dich einem Weltuntergang.
Und tatsächlich, das finde ich immer ganz spannend,
kann man das bei Kindern schon
auch sehr, sehr früh beobachten.
Also die so ein sehr starkes Rechtsbewusstsein haben,
wie etwas sein muss.
Und ich muss dann eine Geschichte von meiner Ausbilderin Carolyn Kostin denken,
die zum Beispiel als Kind bei Fantasiespielen
öfters mal angeeckt ist,
weil sie der Meinung war,
dass ein Pferd nicht rosa sein kann
und das dann auch lautstark verteidigt hat.
Also sie hatte da schon sehr klaren Sinn dafür,
wie sollten Dinge sein und wie nicht.
In Balance ist Perfektionismus etwas ganz anderes
und kann unglaublich hilfreich sein.
Denn dann wird daraus eine Gründlichkeit
oder vielleicht auch ein Qualitätsbewusstsein.
Also dein Anspruch ist dann immer noch hoch,
Dinge nicht halbherzig zu machen,
aber mit der Fähigkeit gekoppelt,
Fehler als Teil des Prozesses zu akzeptieren,
ohne sich oder andere dafür zu verurteilen.
Wahrscheinlich eher sich selbst.
In der Recovery heißt das,
du gibst dich nicht mit quasi Recovery zufrieden
und du schaust wirklich hin.
Das heißt, du bist da auch wie so ein Trüffelschwein
und denkst dir, okay,
wo schnickt meine Essstörung gerade noch rein
und wo bin ich wirklich frei.
Und das kann sehr, sehr hilfreich sein,
um wirklich auch diese letzten Strippen durchzuschneiden.
Aber es bedeutet auch,
du brichst nicht zusammen
und landest in einem Strudel aus Selbstverurteilung,
wenn ein Tag mal nicht perfekt läuft.
In Balance siehst du Fehler und Rückschritte,
aber als Lernchancen
und hast sie von deinem Selbstwert entkoppelt.
Auch ich habe immer noch einen gewissen Perfektionismus
und bin auch komplett fein damit, muss ich sagen.
Denn wo ich mich früher für jeden Makel
zum Beispiel an meinem Körper verurteilt habe,
kann ich ihn heute annehmen.
Und kann ich auch diese Makel annehmen,
weil sie gehören halt einfach dazu.
Heißt, ich habe gelernt,
meinen Perfektionismus gezielt einzusetzen,
wo es Sinn macht und loszulassen,
wo er mir nicht dient.
Als ich mich meiner Recovery verpflichtet habe,
habe ich es damals zum ersten Mal geschafft,
sie auch wirklich durchzuziehen.
Also mein Perfektionismus war so
der beste Freund meiner Recovery,
aber nicht im destruktiven,
weil ich weiß,
es wird häufig auch und gibt dann ins andere Extrem,
auf die Recovery angewendet
und dann kann es die Recovery wieder behindern.
Also es geht hier wirklich um die Balance.
Und in meiner Arbeit
habe ich natürlich auch einen sehr hohen Anspruch
an mich selbst.
Ich bereite mich gründlich vor
und ich bilde mich auch stetig weiter.
Wenn ich also eine Coaching-Ausbildung zum Beispiel mache,
dann hänge ich mich da auch richtig rein.
Aber ich lasse mich von meinem Perfektionismus
nicht mehr bestrafen,
wenn etwas mal nicht nach Plan läuft.
Deswegen habe ich mir auch vom Anfang
oder direkt, als ich gedacht habe,
okay, wenn ich einen Podcast mache,
wie mache ich den denn dann?
Mir vorgenommen, den nicht zu schneiden,
wenn ich mich zum Beispiel verspreche
oder irgendwas Ungeplantes passiert.
Falls du schon länger dabei bist.
Ich sage nur,
der Hotelfernseher in Dubai,
der plötzlich mitten in der Aufnahme
vom Podcast wie von Zauberhand anging
und ich hatte keine Fernbedienung und nichts
und es ging einfach nicht aus.
Ja, passiert.
Ist auch drin geblieben.
Und es bedeutet auch,
dass natürlich jede Folge hier Substanz hat,
recherchiert und fachlich untermauert ist.
Und auch wenn ich Interviewpartner habe,
mir natürlich auch ihre Hintergründe genau anschauen
und eben auch mir überlege,
hey, was sind denn Dinge,
die ich sie fragen kann,
die für dich hier als Hörerin
wirklich relevant sind.
Und das alles aber nicht,
weil ich perfekt sein muss,
sondern weil ich das eben
in einen Anspruch an Qualität
gewandelt habe.
Und weil dieser Perfektionismus
heute für mich arbeitet
und mich nicht mehr quält,
denn ich habe wirklich gelernt,
da auch mit einem gut genug umzugehen.
Was nicht heißt,
dass ich grundsätzlich trotzdem
einen Anspruch habe.
Die zweite Eigenschaft
ist eng verwandt mit dem Perfektionismus.
Die sind sozusagen Best Friends.
Jetzt mal kurz überlegen.
Es ist die Disziplin.
Das heißt,
du ziehst durch,
was du dir vornimmst
und die meisten Menschen
können sich nicht vorstellen,
wie viel Willenskraft es braucht,
gegen die eigenen Bedürfnisse zu handeln,
was eine Essstörung per Definition ist.
Zum Beispiel gegen den eigenen Hunger anzukämpfen,
bei minus fünf Grad
oder im strömenden Regen joggen zu gehen,
obwohl dein Körper am Ende ist.
Sogar Grundbedürfnisse
wie den Toilettengang aufzuschieben,
weil erst noch die Bearbeit
beendet werden muss.
Sowas durchzuziehen
ist eine enorme Kraft.
Aber wie alle Kräfte
kann sie auch sehr zerstörerisch sein,
wenn wir sie gegen uns verwenden.
Heißt,
ohne Balance
wird Disziplin zur Selbstzerstörung,
die sich wie Leistung anfühlt
und blöderweise
dann auch noch
ein absolutes Hochgefühl erzeugt,
weil ich kann ja Dinge,
die andere nicht machen können.
Und darauf ist
dein Essgestörter Anteil
total stolz.
Und kann ich nachvollziehen,
weil meiner war es auch.
Das bedeutet,
er macht dein Durchhaltevermögen
zur Waffe gegen dich.
Und dieselbe
Sturheit oder Disziplin,
die dich
Mahlzeiten auslassen lässt,
sorgt dafür,
dass du an der Essstörung
festhältst.
Selbst wenn du eigentlich
längst weißt,
dass es so nicht weitergeht.
Aber die kurzfristige Belohnung,
wenn du es geschafft hast,
die fühlt sich einfach
zu gut an.
Wie so ein kurzer
Drogenrausch.
In Balance hingegen
wird aus Disziplin
Entschlossenheit.
Dann bist du die Frau,
die dran bleibt.
Auch und besonders,
wenn es schwer wird.
Und auch und besonders dann,
wenn dein Essstörungsanteil
laut wird.
Was er,
wenn wir in die Recovery
reingehen,
einfach wird.
Und diese Eigenschaft
ist enorm hilfreich,
da sich Veränderung
nun mal erstmal
nicht gut anfühlt.
Wenn wir aber Disziplin haben,
dann sind wir auch
in der Lage,
da durchzugehen.
Heißt,
die Frau,
die monatelang jeden Tag
x-tausend Schritte gemacht hat,
kann sich mit derselben
Konsequenz
jeden Tag
zum Essen,
zum Pausieren von Sport,
zum Dialog führen
mit ihrem essgestörten Anteil
und viel,
viel mehr,
was für die Recovery
wirklich essentiell ist,
selber bringen.
Das heißt,
die Kraft ist dieselbe.
Sie bekommt nur
ein anderes Ziel.
Meine Disziplin
war eine meiner stärksten
Eigenschaften
und eine,
auf die ich,
wie gesagt,
unglaublich stolz war.
Denn
sie hat mir ganz,
ganz häufig
auch ein Gefühl
von Überlegenheit gegeben.
Also zum Beispiel
am Befehl
ganz selbstverständlich
an der süßen Abteilung
vorbeigehen zu können.
Zu Weihnachten
irgendwie immer
Niedriggewicht zu haben,
während alle anderen
zugenommen haben.
Im Restaurant lang
Salat zu wählen
statt Pasta.
Das Dessert
dankend abzulehnen,
während andere
beherzt zugegriffen haben
oder eben wirklich
noch die Extrarunde
laufen zu gehen
vor Festivitäten,
Feierlichkeiten,
während die anderen
ausgeschlafen
in den Feiertag
gestartet sind.
Das hat sich in dem Moment
so, so gut angefühlt,
weil ich gedacht habe,
je, aber ich kann das.
Aber jede dieser Handlungen
war eine Strenge
und eine Härte
gegen mich
und meinen Körper,
auf die ich heute
nicht mehr stolz bin.
Ich habe
im Gegenteil
eher unglaubliches
Mitgefühl
mit meinem Körper,
der all das ausgehalten hat
und aushalten musste
und dennoch so zuverlässig,
wie er nur konnte
für mich da war.
Heute bin ich,
würde ich sagen,
immer noch sehr diszipliniert,
aber nur da,
wo es sinnvoll ist
oder ich sein muss.
Ich vergesse zum Beispiel nie,
also eigentlich wirklich nie,
meine Nahrungsergänzung zu nehmen,
weil ich weiß,
dass sie mir,
meinem Körper
und jetzt auch
meinem Baby gut tut.
Und wenn nötig,
sitze ich mehrfach die Woche
bis abends 22 Uhr
in Zoom-Calls,
auch wenn ich oft
lieber nach dem Abendessen
bereits auf der Couch chillen
und einfach gar nichts mehr machen würde.
Warum?
Um so vielen Frauen wie möglich,
die Live-Teilnahme
an meinen Gruppencoachings
zu ermöglichen.
Das ist für die meisten
nun mal eher abends.
Und auch meine Zähne,
blödes Beispiel jetzt,
aber wer sich vielleicht noch erinnert,
ich hatte ja Zahnschienen auch
in Wisselein,
weil mein einer Zahn
immer weiter vorgerutscht ist
und das einfach
immer schlechter geworden ist.
Meine Zähne wären
ohne meine Disziplin,
diese Invisalign-Schienen
dann wirklich auch konsequent
zu tragen,
wohl immer noch schief
oder schon wieder verschoben,
weil ich vergessen hätte,
die Schienen auch wirklich
reinzumachen.
Also ich habe auch jetzt
noch eine Nachtschiene
und ich mache die konsequent rein.
Lustig war gerade der Prozess
mit den Zähnen
auch echt nicht,
aber meine Disziplin
hat mir geholfen,
dran zu bleiben
und ich habe jetzt ein Ergebnis,
mit dem ich echt happy bin.
und auch dieser Podcast
hätte wahrscheinlich
die ersten drei Episoden
nicht überstanden,
nachdem mir klar wurde,
wie viel Zeit und Arbeit
wirklich dahinter steckt.
Aber habe ich mich einmal entschieden,
dann ziehe ich das durch
und jetzt sind wir hier
51 Folgen
und ein Jahr später hier.
Und ich habe das Öftere
mit dem Gedanken gespielt,
einfach mal eine Woche
ausfallen zu lassen.
Aber wie gesagt,
ich habe mir zu Beginn
ein Commitment gegeben,
so ein ähnliches Commitment
tatsächlich auch
wie in meiner Recovery,
das erste Jahr
jede Woche eine Folge
zu veröffentlichen.
And here we are.
Und tatsächlich
habe ich mir trotzdem,
wie gesagt,
so nach Weihnachten,
bewusst eine Woche Pause gegeben,
da die Disziplin da gedroht hat,
in eine Stränge zu kippen
und ich wirklich erstmal
eine kreative Pause
und etwas Abstand gebraucht habe.
Also ich habe das Warnsignal
sehr, sehr schnell erkannt
und gesagt,
nee, egal wie,
das steht jetzt drüber,
wir machen jetzt
diese eine Woche Pause
als bewusste Entscheidung.
Also ich hätte die mit der Disziplin
auch durchgezogen,
aber ich wusste genau,
nee,
das ist nicht die Form
von Disziplin,
die ich haben möchte.
Weil hier geht es tatsächlich
auch um Flexibilität.
Und genau das
ist die Flexibilität,
die ich mir früher
never ever erlaubt hätte.
Das heißt,
heute stelle ich die Bedingungen auf
und ich fühle mich auch
nur diesen verpflichtet,
aber auch hier,
wie gesagt,
nicht mehr zwanghaft,
sondern ich kann sie
immer wieder anpassen.
Und mit Beginn
des zweiten Podcastjahres
und meines dritten Trimesters
in der Schwangerschaft,
was jetzt auch gerade
losgegangen ist,
habe ich mich daher auch entschieden,
von nun an nur noch
alle zwei Wochen
eine Folge zu veröffentlichen,
um mich im Endspurt,
bevor das Baby kommt,
auf meine 1 zu 1 Coachings
zu fokussieren.
Dafür habe ich nämlich
tatsächlich jetzt auch noch mal
extra ein paar kürzere
und damit auch kostengünstigere
Coachingprogramme entwickelt,
wo du die Möglichkeit hast,
eine Einzelstunde zu nehmen,
wenn du wirklich sagst,
ey,
ich will einfach mal
meine Themen loswerden.
Oder ja,
wenn du einfach merkst,
dass du an einem bestimmten Punkt
in deiner Recovery
allein nicht weiterkommst
und mit mir gemeinsam
dann noch mal tiefer
eintauchen möchtest.
Dann, wie gesagt,
hast du da jetzt noch
die Möglichkeit dazu
und das hat jetzt auch
absolute Priorität für mich,
weil ich weiß,
dass ich im 1 zu 1
einfach deutlich mehr bewirken kann
als im Podcast.
Und mein Wunsch,
was zu bewirken,
ist der Hauptgrund,
warum ich Recovery Coach
geworden bin.
Kommen wir zur dritten Eigenschaft,
der Ängstlichkeit.
Oder wie ich es manchmal
auch gerne nenne,
eigentlich ist eine Ängstlichkeit
auch eine erhöhte Wachsamkeit.
Bedeutet,
du denkst voraus,
du siehst Gefahren,
bevor sie da sind
und du bereitest dich
auf alle Eventualitäten vor.
Das heißt,
du gehst lieber auf Nummer sicher
und hast wahrscheinlich
für jede Situation
mindestens 10,
meistens wahrscheinlich
Katastrophenszenarien
im Kopf parat.
Falls du den Film
Alles steht Kopf
Teil 2 geschaut hast,
das wäre auch Anxiety
oder auf Deutsch heißt sie Zweifel,
weil die verkörpert
diese Eigenschaft wirklich perfekt.
Also absolute Filmempfehlung,
wie sie das mit dieser
Schaltzentrale da darstellt.
Ich finde diesen Film
wirklich so genial
und dachte mir einfach nur so,
genau so hat sich das
früher immer im Kopf angefühlt.
Halleluja.
Also absolute Filmempfehlung.
Ohne Balance
wird aus dieser Eigenschaft
eine Angst,
die dich lähmt.
Also zum Beispiel
die Angst vor Gewichtszunahme.
Deswegen machen wir ja nicht,
was wir eigentlich
vielleicht machen wollen.
Die Angst,
nicht zu wissen,
was passiert,
wenn du eine Mahlzeit
nicht planst
oder dich vielleicht
spontan mit jemandem treffen willst,
wo Essen eine Rolle spielen könnte.
Die Angst vor dem,
was andere denken.
Und dein Essstörungsanteil
nutzt diese Ängstlichkeit,
um dich im vermeintlich
Sicheren zu halten.
Wobei
sicher in dem Fall halt bedeutet,
in der Essstörung,
damit auch im goldenen Käfig
und in einer
der tödlichsten
psychischen Erkrankungen.
Also sicher ist das nicht,
aber es fühlt sich halt so an.
Weil diese Sicherheit,
auch wenn sie dein Leben
verdammt klein und eng macht,
zumindest berechenbar ist.
Bei mir war diese Ängstlichkeit
auch ein Grund,
der mich, wie gesagt,
zwei Jahre lang
davon abgehalten hat,
diesen Podcast zu starten.
Und ja,
die Kommentare waren
vielleicht ein paar andere.
Also bei mir war es eher
diese Stimme auch
mit tausend
Katastrophengedanken.
Also zum Beispiel,
was, wenn es nicht gut genug ist?
Was, wenn dich jemand kritisiert?
Was, wenn du nichts
Wichtiges zu sagen hast?
Was, wenn es keiner hört?
Ich höre jetzt mal auf mit
Aufzählen.
Mir würden noch 50 andere
Sachen einfallen,
wie gesagt,
die ich mir angefangen habe
zu erzählen
und die dazu geführt haben,
dass der Podcast,
wie gesagt,
zwei Jahre nicht
zustande gekommen ist.
Aber, da wir hier sind,
siehst du auch,
ich habe sie überwunden
und diese Ängstlichkeit
umgewandelt.
Denn in Balance
kann Ängstlichkeit
auch eine unglaublich
nützliche Eigenschaft sein.
Dann ist es zum Beispiel
eher Umsicht
oder auch vorausschauendes
Denken und Handeln.
Dann wird es zur Fähigkeit,
Risiken einzuschätzen
und dich vorzubereiten,
bevor du losgehst.
In der Recovery
heißt es zum Beispiel,
du springst nicht blind
vom 10-Meter-Turm
oder lässt einfach so
deinen schwimmenden Kaktus los.
Eine Metapher,
die wir in einer
der ersten Folgen
mal genutzt haben.
Sondern,
du baust dir erst
ein neues Netz auf
oder lernst Fähigkeiten,
die dir helfen,
selbstständig zu schwimmen
und diesen Kaktus loszulassen.
Wenn du soweit bist.
Und das heißt nicht,
dass man erst
die Angst loswerden muss.
Nee, das funktioniert nicht.
Sondern,
du entwickelst die Fähigkeiten,
während du Angst hast.
Und,
du suchst dir auch Unterstützung
und baust dir
im wahrsten Sinne des Wortes
ein soziales Netz,
welches dich auch
in schwierigen Situationen
stützt und hält auf.
Weil die Essstörung
gedeiht nun mal am besten
in der Einsamkeit.
Vielleicht nochmal
ein persönliches Beispiel von mir.
Also auch ich habe heute noch
viele Situationen,
in denen ich schon eher
die Tendenz habe,
auch ängstlich zu sein
und Dinge zu sehr zu zerdenken.
Ich bin also
nicht plötzlich
angstfrei geworden,
als ich recovered bin.
Aber,
ich habe gelernt,
sie als Impuls zu nutzen,
statt als Dauerzustand
oder Signal
etwas nicht zu tun.
Heißt,
wenn Angst kommt,
dann schaue ich hin.
Ist das wirklich
eine bedrohliche Situation?
Oder ist es mein System,
das Alarm schlägt,
obwohl eigentlich
alles in Ordnung ist?
Und wenn es eine bedrohliche Situation ist,
dann prüfe ich,
ob oder wie ich mich
darauf vorbereiten kann.
So muss ich zum Beispiel
gerade auch sagen,
habe ich wirklich tierischen Respekt,
auch hier,
ein bisschen umgewandelt,
ich habe tierischen Respekt
vor der Geburt.
Denn,
und dann hört man auch so Sachen wie,
es gibt keinen größeren Kontrollverlust.
Ja,
Dankeschön.
Es ist mir auch bewusst,
dass eine Geburt wahrscheinlich
eine der Situationen ist,
die man so wenig wie,
weiß ich nicht,
wahrscheinlich viel anderes
kontrollieren kann.
Also mit Kontrolle
kommen wir da nicht weit.
Aber anstatt mich jetzt
mit Katastrophenszenarien
weiter in die Angst zu steigern,
nutze ich sie,
um mich bestmöglich vorzubereiten.
Im Wissen,
hallo Perfektionismus,
dass das niemals
zu 100 Prozent möglich ist.
Also egal,
was ich tue
und egal wie viele,
weiß ich nicht,
Geburtsvorbereitungskurse
und friedliche Geburten
und keine Ahnung,
was ich mir da anhöre,
mache und pipapo.
Es gibt keine Garantie
und das weiß ich.
Deswegen versuche ich es auch
gar nicht perfekt zu machen.
Aber eben,
ja,
einfach vorbereiten.
Und es muss auch nicht
100 Prozent perfekt sein,
denn durch meine Recovery
habe ich auch sehr,
sehr viel Vertrauen
in mich selbst
und in meinen Körper aufgebaut.
Das heißt,
mein Nervensystem hat gelernt,
wenn sie es geschafft hat,
nach 20 Jahren Essstörung
frei zu werden
und durch sämtliche Ängste
hindurch zu gehen,
dann wird sie auch
mit der nächsten Herausforderung
umgehen können.
Das war übrigens auch ein Punkt,
wie ich zum Beispiel
nach meiner Recovery
dann auch meine Höhenangst
überwunden habe.
Ich habe mich einfach so dermaßen,
wirklich,
da kam wieder so ein bisschen
Sturheit auch rein
und trotz Kopf
habe ich mich so geweigert,
Höhenangst zu haben.
Ich sage,
das kann doch nicht sein.
Die Recovery war so
ziemlich das Beängstigendste,
was ich je gemacht habe.
Da bin ich durchgegangen.
Ich weigere mich jetzt,
Angst vor Höhe zu haben
und ich bin durchgegangen.
Es war ein Prozess,
aber wie gesagt,
all die Recovery-Fähigkeiten,
die ich da gelernt habe,
die haben mir eben auch hier
dann sehr, sehr geholfen.
Eigenschaft Nummer vier
ist die Sensibilität
oder bei sehr vielen Frauen
mit Essstörung
sogar eine Hochsensibilität.
Das bedeutet,
du nimmst alles
intensiver wahr als andere.
Also deine Umgebung,
Stimmungen,
Blicke,
Kommentare.
Du bist wie so eine Antenne,
die ständig empfängt
und versucht,
diese Informationen zu verarbeiten.
Und das sind verdammt viele.
Gleichzeitig bist du wahrscheinlich
unglaublich selbstkritisch,
denn du siehst ja auch
jeden Fehler
oder jede vermeintliche
Schwäche bei dir.
Das ist so ein bisschen wie,
als würdest du mit einem Fernglas
nochmal so richtig reinzoomen,
wohingegen du bei anderen
aber höchstwahrscheinlich
sehr großzügig mild
und vergebend sein kannst.
Also würdest du dieses Fernglas,
ich habe das als Kind immer gemacht,
ich habe immer das Fernglas genommen,
hast du so schön in die Ferne geguckt
und mir das nah rangeholt
und dann habe ich es umgedreht
und von der falschen Seite reingeschaut
und dann war alles winzig klein.
Und genauso klein
erscheinen dir auch die Fehler,
bei anderen Menschen,
während deine eigenen,
wie gesagt,
dir riesig vorkommen.
Ohne Balance
wird diese Sensibilität
eigentlich zu einer Art
inneren Richter,
der alles an dir verurteilt.
Jeden Bissen,
jedes Kilo,
jede Entscheidung.
Deswegen fühlt man sich
oft auch so unsicher.
Und alles,
was du sagst
oder auch nicht sagst,
also egal wie du es machst,
also irgendwie,
ein Stück weit ist es wahrscheinlich schwer,
es dir selber recht zu machen.
Das heißt,
auch jeder Kommentar von außen
trifft dich ins Markt
und bestätigt,
was dein Essstörungsanteil
ohnehin schon denkt.
Du bist nicht genug.
Du bist nicht richtig.
Und die Selbstkritik
frisst deinen Selbstwert auf.
Solange,
bis die Essstörung
das Einzige ist,
was dir noch das Gefühl gibt,
irgendwas zu können.
In Balance hingegen
wird aus dieser Sensibilität
mit Empathie.
Nicht nur für andere,
sondern vor allem auch für dich selbst.
Denn dann ist es die Fähigkeit,
Menschen zu lesen,
Zwischentöne zu hören,
zu spüren,
was jemand anderes,
aber eben auch du selbst brauchst.
Und dein kritischer Blick
wird zur Reflexionsfähigkeit,
der Fähigkeit,
ehrlich hinzuschauen,
ohne dich dafür zu zerstören.
In der Recovery
kannst du diese Sensibilität nutzen,
um die Lügen,
Versprechungen und Drohungen
deines Essstörungsanteils
zu durchschauen.
Und um dir selbst gegenüber
dieselbe Empathie aufzubringen,
die du anderen
so selbstverständlich gibst.
Bei mir ging es irgendwann so weit,
dass ich,
je schlechter es mir selber ging,
ich auch andere Menschen
unglaublich schlecht leiden sehen konnte.
Meine Mama hat zum Beispiel früher,
da war ich noch ziemlich jung,
aber eben auch schon in den,
also diesen ganzen
selbstschädigenden Dingen drin,
die hat immer Notruf geguckt.
Also die Serie,
wo, ich weiß gar nicht mehr,
war so ein weißhaariger Typ,
glaube ich,
wo immer irgendwelche
Verunglückten gerettet wurden
und die waren teilweise
echt heftig verletzt.
Und ich konnte das,
bevor ich damit angefangen habe,
ich weiß gar nicht,
ob ich das gucken durfte,
jedenfalls konnte ich das
ganz früher,
bevor ich so selbstschädigend war,
noch ganz gut angucken.
Sobald ich aber,
also oder je mehr ich mir selbst
angefangen habe,
weh zu tun,
desto weniger konnte ich
das Leid bei anderen sehen.
Und auch im Gruppencoaching
erlebe ich das
in jeder Runde.
Also die Frauen,
die am härtesten
mit sich selbst sind,
geben gleichzeitig
den liebevollsten Rat
an andere.
Sie würden einer anderen Frau
oder Freundin
nie sagen,
was sie sich selbst sagen.
Das heißt,
die Empathie ist da.
Sie darf sich jetzt
nur noch auf dich selbst richten.
Und damit kommen wir
zur fünften und letzten Eigenschaft.
Wie gesagt,
die sind nicht alle umfassend.
Es gibt auch noch mehr,
aber ich dachte,
wir konzentrieren uns mal
auf diese fünf.
Und das ist die Zwanghaftigkeit.
Und nicht zufällig
treten Zwangsstörungen
und Essstörungen
auch sehr häufig gemeinsam auf.
Also das ist wirklich
dieses Gefühl,
etwas tun zu müssen
und es nicht auszuhalten,
wenn es nicht getan wird.
Weil dann vermehrt Ängste
und Unsicherheit auftreten.
Und diese ständigen Rituale,
das Regelwerk der Essstörung
und die innere Anspannung,
wenn etwas davon abweichen,
die sind genau das Futter,
von dem sich deine Essstörung
oder dieser essgestörte Anteil
eben ernährt.
Das heißt,
ohne Balance
wird Zwanghaftigkeit
wie zu so einer Art Obsession.
Dort der ebenfalls
sehr intensiv
ausgeführten Leidenschaft,
die der funktionale
Gegenspieler dazu wäre.
Und der Unterschied
ist nicht,
wie sehr,
sondern das,
wer hat die Kontrolle.
Das heißt,
bei einer Obsession,
also wirklich
dieser Zwanghaftigkeit,
kontrolliert die Sache dich.
Nicht umgekehrt.
dann musst du Kalorien zielen.
Musst du die Nährwerte
nachschlagen.
Musst du dich bewegen,
obwohl dein Körper
längst nicht mehr kann.
Das fühlt sich also
nicht mehr nach einer Wahl an,
sondern nach einem Zwang.
Und noch etwas passiert.
Eine Obsession
oder diese Zwanghaftigkeit
frisst auch alles andere auf.
Deine Beziehungen,
deine Hobbys,
deine Freude
und alles wird Stück für Stück
kleiner,
weil die Obsession
den ganzen Raum einnimmt.
Das Essen,
die Bewegung,
der Körper,
am Ende dreht sich
alles nur noch darum.
Nicht,
weil du das willst,
sondern weil du nicht mehr
aufhören kannst.
In Balance hingegen
wird aus demselben Feuer
Leidenschaft.
Und der Unterschied
ist spürbar.
Woran erkennen wir das?
Leidenschaft
gibt dir Energie.
Zwanghaftigkeit
raubt sie dir.
Leidenschaft
bereichert dein Leben.
Du gehst darin auf,
aber du kannst
doch wieder auftauchen.
Die Zwanghaftigkeit
verengt dein Leben
und du gehst darin unter.
Bei Leidenschaft
behältst du die Kontrolle.
Du entscheidest,
wann du dich reinknien willst
und wann du aufhörst.
Bei einer Zwanghaftigkeit
entscheidet der Zwang
in der Regel aus Angst
für dich.
Bei Leidenschaft
kommst du hinterher
erfüllt raus,
bei einer Zwanghaftigkeit
erschöpft.
Und Leidenschaft
lässt auch Raum
für andere Lebensbereiche.
Zwanghaftigkeit
macht jeden anderen
Bereich platt.
Auch ich war
insbesondere,
würde ich sagen,
so in den letzten Jahren
meiner Essstörung,
also gerade mit der
Orthorexie und dem
Spurzwang,
regelrecht obsesst.
Um mal das englische
Wort zu nehmen.
Und zwar davon,
immer gesündere
Lebensmittel
und auch immer gesündere
Zubereitungsarten
zu finden,
von den Kalorien,
von Bewegung,
ja einfach von Kontrolle.
Was wir ja gerade gehört haben,
ich hatte eigentlich
überhaupt keine mehr.
Das hat sich nur so angefühlt.
Denn ich hatte gefühlt
keine Wahl mehr.
Mein Kopf
wollte irgendwann
nicht mehr
und ich habe mich
wirklich gefühlt
wie ferngesteuert.
Und obwohl ich wusste,
dass das,
was ich tat,
ja auch schon lange
nicht mehr gesund war,
konnte ich einfach
nicht aufhören.
Und so hat meine Essstörung
mit der Zeit
alles andere aufgefressen.
Meine Energie,
meine Beziehungen,
Freude,
Spontanität,
Leichtigkeit,
Lebensfreude.
Einfach alles,
bis ich nur noch
eine,
naja,
am Ende nicht mal mehr
funktionierende Hülle war.
Also am Ende hat selbst
das nicht mehr geklappt.
Heute hingegen
habe ich unglaublich
viel Leidenschaft
für mein Coaching
und jede einzelne Frau,
die ich begleiten darf.
Ich arbeite möglichst
bei jeder Einzelnen
mich so,
so tief in ihre
Lebenswelt ein
und will wirklich
jedes Detail verstehen,
um mit ihr
den für sie besten
Weg hin zur Freiheit
zu finden.
Aber auch für diesen Podcast,
denn gerade die letzten Wochen
waren oft auch,
ganz ehrlich gesagt,
frustrierend,
weil ich gemerkt habe,
dass ich damit zwar
sehr viel Hoffnung
und Inspiration geben,
aber eben nicht
so viel verändern kann
wie im Coaching,
weil immer mehr Wissen
nun mal leider nicht
frei macht.
Im Gegenteil,
es kann sogar
nachteilig sein,
weil es der Ängstlichkeit
immer mehr Ängste,
oh Gott,
Ängste,
die brauchen nicht noch
mehr Ängste,
immer mehr Argumente
an die Hand gibt.
Aber ich weiß auch,
dass dieser Podcast
für viele Frauen
der Türöffner
in meinem Coaching
war und ich dadurch
im letzten Jahr
mehr Frauen
als je zuvor
gleichzeitig
unterstützen konnte
und dafür brenne ich
und deswegen gibt es
den auch weiter.
Und dann ist ja
ein neuer Leidenschaftsbereich,
interessant auch,
hätte ich nie gedacht,
dass sich das so entwickelt,
ist mit dem kleinen Bauchzwerg
jetzt natürlich auch
nochmal eine ganz neue
Leidenschaft in mein Leben
gekommen.
Heißt, ich finde,
den Prozess,
ihn sich jetzt schon
so entwickeln,
zu spüren,
muss ich ja sagen,
weil sehen tue ich ihn
ja noch nicht wirklich,
um mich damit zu beschäftigen,
auch unglaublich spannend
und würde mir manchmal
echt wünschen,
mein Tag hätte 48 Stunden,
um all meine Leidenschaften
möglichst intensiv
Raum geben zu können
und in all diesen Bereichen
brennt heute
so viel Feuer in mir
und all diese Dinge
geben mir auch
verdammt viel Energie
und ich habe natürlich
auch so viel mehr Energie
dafür,
weil ich es mir ja
nicht mehr wegnehme.
Das heißt,
die Intensität ist geblieben
und dafür bin ich auch
ehrlich dankbar,
denn ganz ehrlich,
Halbherzigkeit war einfach
noch nie meins.
Aber ich kann inzwischen
auch mal abschalten
und Pausen machen
und so,
wie ich mich auch
für eine Woche
Podcast-Pause
oder jetzt den
zweiwöchigen Rhythmus
entschieden habe,
ohne dass die Welt
zusammenbricht,
also ist ja einfach wirklich
viel mehr Flexibilität
reingekommen,
kann ich zum Beispiel
jetzt auch abends
auf der Couch sitzen
und nicht mehr
ans nächste To-Do
auf meiner Liste,
die eh nie alle wird,
denken.
Und ich muss es auch
nicht vorher noch
abarbeiten,
weil dann würde ich
nie auf die Couch kommen,
bevor ich mich ausruhen darf.
Und das ist der Unterschied,
der wirklich frei macht.
Was ich dir also
aus diesen fünf Eigenschaften
mitgeben möchte,
ist,
es geht nicht darum,
etwas an dir loszuwerden.
Du wirst auch nach der Recovery
höchstwahrscheinlich
nicht plötzlich
ein tiefenentspannter Mensch,
der alles super locker sieht
und sich gar keine Gedanken
mehr um nichts macht.
Diese Eigenschaften
gehören zu dir
und sie sind ein Teil
deines Temperaments.
Das Ziel ist,
sie in Balance zu bringen,
zu lernen,
wann eine Eigenschaft
gerade hilfreich ist
und wann sie dich steuert.
Perfektionismus ist fantastisch,
wenn du etwas Wichtiges
richtig machen willst,
aber er ist eben
zerstörerisch,
wenn er es,
ja, wenn er dir verbietet,
Fehler zu machen.
Ängstlichkeit kann
dein Leben retten
oder so ein Eng,
dass du nur noch existierst,
anstatt zu leben.
Und Disziplin kann dich tragen
oder dich kaputt machen.
Recovered zu sein
heißt also nicht,
diese Eigenschaften
abzuschalten.
Es heißt,
dass du selbst
am Steuer sitzt,
zu entscheiden,
wann du den Perfektionismus
brauchst
und wann du ihn loslässt,
wann die Ängstlichkeit
ein echtes Signal ist
und wann sie nur Lärm macht.
Du managst
dann deine Eigenschaften,
statt dass sie dich managen
und, ja,
du dich von ihnen
kontrolliert fühlst.
Und du hältst die Zügel
über dein Leben
in der Hand,
während du es
im vollen Galopp,
aber sicher im Sattel
verankert,
auskostest.
Vielleicht denkst du jetzt,
ja,
klingt logisch,
aber wie finde ich denn
diese Balance konkret?
Genau das ist der Punkt,
an dem Wissen aufhört
und Veränderung
wirklich anfängt.
zu erkennen,
dass deine Eigenschaften
Stärken sind,
ist schon mal
ein wichtiger Schritt.
Aber diese Balance
wirklich auch zu finden,
in dem Moment,
wenn der Perfektionismus
dir nachts sagt,
dass du versagt hast
und wenn die Ängstlichkeit
dich lähmt,
wenn die Disziplin
dich auf die Waage treibt,
passiert nicht allein
beim Zuhören.
Und falls du merkst,
dass zwischen dem Erkennen
und dem Verändern
noch eine Lücke ist,
dann ist das kein Zeichen,
dass du nicht stark genug bist.
Im Gegenteil.
Ich glaube,
das haben wir jetzt
ganz deutlich geklärt.
Das ist der Punkt,
an dem dann
Begleitung anfängt.
Du bist nicht zu viel.
Du bist doch nicht
zu perfektionistisch,
zu ängstlich
oder was ich mir
auch immer wieder
anhören durfte,
zu sensibel.
Du bist eine Frau
mit starken Eigenschaften,
die durch verschiedenste Ereignisse
in deinem Leben
aus der Balance geraten sind.
Und die Frage ist also nicht,
hast du die Stärke
oder schaffst du das?
Weil tatsächlich sehe ich
das auch oft als Zweifel.
Gar nicht mal das Vertrauen
in mich als Coach,
sondern schaffe ich das?
Weil ich habe ja schon
so viel anderes gemacht.
Ja, wenn du lernst,
wie?
Und dass du schwere
Dinge schaffen kannst
und stark bist,
hast du doch längst bewiesen,
jeden einzelnen Tag.
Die Frage ist,
lernst du,
diese Stärken
für dich einzusetzen,
statt weiterhin gegen dich?
Denn was mir
in meiner eigenen Recovery
am meisten geholfen hat,
war zu erkennen,
dass diese Eigenschaften
tatsächlich nicht nur mir helfen,
sondern,
dass ich mit ihnen
wirklich auch etwas bewirken kann.
Für mich selbst
und für andere.
Dass mein Perfektionismus,
meine Disziplin
und auch Sensibilität,
ja,
auch meine Leidenschaft,
einen Sinn haben,
der größer ist als ich.
Dieser Podcast zum Beispiel,
mein Coaching,
jeder einzelne Frau,
der ich heute zeigen darf,
dass es einen anderen Weg gibt,
das alles wäre ohne diese Eigenschaften
nicht möglich.
Und wenn ich das kann,
dann kannst du das auch.
Vielleicht nicht als Coach.
Also,
darfst du natürlich auch gerne.
aber nicht jeder
will hier danach Coach werden
oder vielleicht überhaupt noch
was mit dem Thema zu tun haben.
Ich freue mich auch über jeden,
der danach nichts mehr
damit zu tun haben will.
Keine Ahnung.
Wie auch immer.
Aber vielleicht
als Freundin,
als Mutter,
als Kollegin,
als Mensch,
der etwas in dieser Welt hinterlässt.
Aber was genau das ist,
das entscheidest du.
Du musst dafür
kein anderer Mensch werden.
Du darfst der Mensch werden,
der du ohne deine Essstörung
schon immer warst.
Mit all deinen Eigenschaften
nur eben in Balance.
Und damit kommen wir
zum Ende der heutigen Folge
und des ersten Podcast-Jahres.
Ole, ole.
Ich würde mich riesig freuen,
wenn du mir hier unter dem Podcast
oder auf Instagram schreibst,
in welchen Eigenschaften
du dich wiedererkannt hast.
Denn wahrscheinlich hast du es
heute ein bisschen rausgehört.
Das, was mich antreibt
und was mich auch abends um 10
an einem Karfreitag
noch meine Gedanken
für die nächsten Podcast-Famme
mich zusammentragen lässt,
ist zu wissen,
dass das, was ich tue,
etwas bewirkt.
Und wenn du dich heute
in diesen Eigenschaften
wiedererkannt hast
und spürst,
dass sie gerade nicht
in Balance sind,
dann such dir super gerne
einen Termin
für ein kostenfreies
Klarheitsgespräch mit mir aus.
Das sind 20 Minuten,
in denen wir einfach
nochmal gemeinsam hinschauen,
wo du stehst
und was dein nächster Schritt
sein kann.
Die Links dazu findest du,
wie gesagt,
wie immer in den Shownotes.
Und ja,
an diesem Punkt
wünsche ich dir erstmal
alles, alles Liebe
und sage,
bis zum nächsten Mal
in zwei Wochen.
Vielen Dank,
dass du dir Zeit
für eine Tasse Reality
mit mir genommen hast.
Ich hoffe,
diese Folge hat
einen kleinen positiven
Unterschied
in deinem Tag gemacht.
Mit deiner
Fünf-Sterne-Bewertung
kannst du genau
diesen Unterschied
auch im Leben
anderer lebensfondiger
Frauen bewirken,
die diesen Podcast
noch nicht gefunden haben
und sich ebenfalls
nach einem Leben
in Freiheit
und Authentizität sehnen.
Ich danke dir von Herzen
und freue mich,
auf Instagram
mit dir in Kontakt zu bleiben.
Alle Links
findest du in den Shownotes.
Bis zum nächsten Mal.
Feedback geben
Dir gefällt der Podcast und Du möchtest das mal loswerden? Du hast Tipps für neue Themen oder magst über den Inhalt bestimmter Folgen diskutieren? Dann wähle im Formular die jeweilige Episode aus und schreib uns eine Nachricht. Vielen Dank für Dein Feedback!