Romys Recovery RealiTea

Romy Hörbe

#51 Deine ES hat dir Superkräfte beigebracht

5 Eigenschaften, die dich krank gemacht haben – und die du trotzdem behalten darfst

15.04.2026 40 min

Zusammenfassung & Show Notes

Was, wenn die Entstehung einer Essstörung kein Zufall ist – sondern das Zusammenspiel aus fünf Eigenschaften, die fast jede betroffene Frau bei sich wiederfindet? 

Was, wenn die Entstehung einer Essstörung kein Zufall ist – sondern das Ergebnis von Eigenschaften, die in einem anderen Kontext eigentlich Stärken wären? 
 
Du hast Ansprüche an dich, die andere nicht mal bemerken. Du ziehst durch, wo andere längst aufgegeben hätten. Du spürst Stimmungen, bevor jemand ein Wort gesagt hat. Und du weißt, wie viel Willenskraft es braucht, jeden Tag gegen die eigenen Bedürfnisse zu handeln. 
In dieser Folge spreche ich über fünf Eigenschaften, die Frauen anfällig machen für Essstörungen – und die mir bei den Frauen, die ich begleite, und bei mir selbst immer wieder begegnen. 
 
Was dich erwartet: 
  • Warum Perfektionismus und Disziplin sich so gut anfühlen – und gleichzeitig so zerstörerisch sein können
  • Wie Ängstlichkeit dein Leben sicher, aber verdammt klein macht
  • Was passiert, wenn Sensibilität bei anderen Empathie ist, aber bei dir selbst zum inneren Richter wird
  • Die eine Frage, die entscheidet, ob deine Eigenschaften für oder gegen dich arbeiten
Wenn du dich in diesen Eigenschaften wiedererkannt hast und spürst, dass sie gerade nicht in Balance sind, dann such dir gern einen Termin für ein kostenfreies Klarheitsgespräch aus. Gemeinsam schauen wir in 20 Minuten, wo du stehst und was dein nächster Schritt sein kann. 🔗 romy-hoerbe.de/kontakt

Über Romy Hörbe - Coach für entspanntes Essverhalten und Körperakzeptanz
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Meine Ausbildungen
  • CCI Certified Eating Disorder Recovery Coach (Carolyn Costin Institute, USA)
  • Zertifizierter systemischer Coach (Coaching Akademie Weimar-Wiesbaden)
  • Zertifizierter Identity Transformation Coach (All In Academy Jackie Sharon Tamblyn)

Dieser Podcast ersetzt keine professionelle therapeutische oder medizinische Betreuung. Bei akuten gesundheitlichen Problemen wende dich bitte an entsprechende Fachpersonen.

Transkript

Hallo und schön, dass du hier bist bei Romy's Recovery Reality. Ich bin Romy Hörbe und nach 20 Jahren Essstörung vollständig recovered. Heute lebe ich mein bestes Leben. Ohne Masken, aber mit ganz viel Lebensfreude und Authentizität. Meine Mission ist es, lebenshungrigen Frauen zu helfen, genau das Gleiche zu tun. Dieser Podcast ist für dich, wenn du dir tiefe Transformation statt reiner Symptombekämpfung wünschst. Ich nehme dich mit auf den Weg in die Freiheit und teile ungeschminkt, was mir wirklich geholfen hat. Mit Herz, Klarheit und der Expertise als Deutschlands erster CCI-zertifizierte Recovery Coach. Mach es dir gemütlich mit deinem Lieblingstee und lass uns gemeinsam entdecken, wie viel größer dein Leben jenseits der Essstörung sein kann. Schön, dass du wieder dabei bist, denn heute ist für mich eine ganz besondere Folge, denn dieser Podcast feiert heute bereits seinen ersten Geburtstag. Vor genau einem Jahr habe ich die allererste Folge dieses Podcasts veröffentlicht und jetzt sind wir bereits bei Folge 51. Wow, schon ein bisschen verrückt, wenn man bedenkt, dass ich diesen Podcast zwei Jahre vor mir hergeschoben habe. Also ich habe wirklich zwei Jahre intensiv darauf rumgedacht, mache ich das oder mache ich das nicht? Und ja, irgendwie hatte ich dann letztes Jahr so einen Kellermoment, wo ich mir gedacht habe, du machst es jetzt. Und zwei Jahre, wie gesagt, hatte ich die Idee und wusste auch, dass ich das machen will. Aber ich habe mich einfach nicht getraut, weil ich Angst hatte. Angst, mich zu zeigen und vor allem aber auch, weil mir zum Beispiel ein Ex gesagt hat, ich hätte eine nervige Stimme. Aber auch Angst, es nicht gut zu machen. Und auch Angst vor dem Commitment, denn ich weiß und ich kenne mich da ziemlich gut, wenn ich was mache, dann mache ich es auch richtig. Und mir war klar, wenn ich einen Podcast mache, dann mache ich ihn regelmäßig. Was? Und das habe ich schon geahnt, viel Zeit erfordert. Zum Glück wusste ich nicht genau, wie viel. Ja, aber wie ich bereits auch in der 0. Folge zur Einführung des Podcasts bereits gesagt habe, geht es hier nicht nur um den Weg raus aus der Essstörung, sondern eben auch um das Leben danach. Und der Weg hin zu diesem Podcast, der war so ein Danach. Denn ich habe in der Recovery zwar wahnsinnig viele Ängste überwunden, aber das heißt eben nicht, dass danach keine mehr auftauchen. Und dass es diesen Podcast aber nun schon ein Jahr lang gibt und es im Gegensatz zu meiner Essstörung nicht 20 Jahre gebraucht hat, diese Ängste zu überwinden, zeigt auch, dass wir sämtliche anderen Ängste im Leben nach der Recovery deutlich schneller überwinden können. Denn Recovery hat mich gelehrt mit der ängstlichen Stimme, die sagt, mach lieber nicht zu arbeiten und mich nicht mehr von dem abhalten zu lassen, was ich wirklich will. Und im Rückblick auf das vergangene Jahr ist mir aufgefallen, dass dieser Podcast nicht nur inhaltlich wegen der Essstörung existiert, sondern vor allem auch aufgrund verschiedener Eigenschaften, die uns anfällig dafür machen, ob wir überhaupt eine Essstörung entwickeln oder nicht. Denn es gibt ein paar Eigenschaften, die man bei Menschen mit Essstörung sehr häufig findet. Und diese habe ich jahrelang selber erstens gar nicht bewusst gehabt und zweitens eher als Schwäche gesehen oder als sowas sehr Zwanghaftes. Aber genau diese Eigenschaften waren es auch, die richtig angewendet auch eine Superkraft sein können, wenn wir anfangen, sie für anstatt gegen uns zu nutzen. Und genau diese Eigenschaften sind es auch, die dafür gesorgt haben, dass dieser Podcast eben existiert. Was meine ich damit? Meine Ängstlichkeit hat dafür gesorgt, dass ich mich gründlich vorbereitet habe, bevor ich zum allerersten Mal diesen Aufnahmeknopf gedrückt habe. Unter anderem eben mit meinen drei Coach-Ausbildungen und jahrelanger Coaching-Erfahrung, sowohl im 1 zu 1 als auch in der Gruppe. Meine Disziplin hat dafür gesorgt, dass aus einer Idee 51 Folgen mit nur einer Woche Pause wurden. Mein Perfektionismus sorgt dafür, dass jede Folge gut recherchiert ist und Substanz hat. Meine Sensibilität hilft mir vor allem im Coaching, aber auch hier im Podcast, um zu spüren, welche Themen euch wirklich beschäftigt. Und meine Zwanghaftigkeit hat mir geholfen, dran zu bleiben und auch dann durchzuziehen, wenn ich mich lieber nur am Pool ausgeruht oder die Couch, mein Terrain genannt hätte und einfach auch mal keine Lust hatte, weil ja, auch sowas kommt vor. Aber diese Eigenschaften sind nicht mehr destruktiv, sondern deutlich mehr in Balance als früher. Und genau darum geht es auch beim Thema der heutigen Folge. Denn diese Eigenschaften, also Perfektionismus, Disziplin, Ängstlichkeit, Sensibilität, aber auch Zwanghaftigkeit, sind genau die Eigenschaften, die Frauen anfällig dafür machen, eine Essstörung überhaupt erst zu entwickeln. Und sie sind Teil unseres Temperaments. Teilweise genetisch angelegt, teilweise aber auch geprägt oder eben auch erst als Schutzstrategie entstanden. Und hier kommt das Wichtigste. Sie müssen nicht weggehen. Schon gar nicht, wenn du das nicht willst. Also wie viele Frauen haben Angst, ihre Disziplin zu verlieren? Und die müssen auch nicht weg, auch wenn du recoverst. Sie gehören zu dir und sie haben alle auch Sonnenseiten. Im Coaching begegnet mir tatsächlich häufig die Angst, durch die Recovery dann zum Beispiel, wie gesagt, nicht mehr diszipliniert zu sein und faul zu werden. Aber du verlierst diese Eigenschaften nicht und es geht, wie gesagt, nicht darum, sie loszuwerden. Aber du darfst natürlich das, was dir nicht mehr dient, auch komplett loslassen. Aber das Schöne ist, dass du das entscheidest. Die Frage ist daher eher, ob du lernst, diese Eigenschaften im Balance zu halten und gezielt einzusetzen, wenn sie gebraucht werden, anstatt dich, wie jetzt vielleicht noch, von ihnen steuern zu lassen. Und ich möchte heute mit dir auf diese fünf Eigenschaften eingehen, die mir eben, wie bei mir, aber auch im Coaching immer wieder begegnen. Also es sind wirklich, wenn ich so gucken müsste, was für die häufigsten Eigenschaften sind, würde ich sagen, es sind diese fünf. So, lass uns mal eintauchen. Und zwar habe ich als allererstes den Perfektionismus mitgebracht. Das ist, glaube ich, ja, so ein bisschen der Klassiker. Kenne kaum eine Frau, insbesondere mit einer restriktiven Essstörung, die nicht zum Perfektionismus neigt und alles so gut wie möglich machen will. Von der Essstörung, aber auch bis hin zum Job, der Kindererziehung und dem Haushalt. Und Perfektionismus ist nichts Schlechtes. Im Gegenteil. Es bedeutet vor allem, dass du wahnsinnig hohe Ansprüche an dich selbst hast. Wahrscheinlich bist du sehr kundlich, detailverliebt. Du willst, dass Dinge richtig gemacht werden und findest Fehler, die anderen überhaupt nicht auffallen. Ruf dich kann das übrigens sehr extrem hilfreich sein, da man sich auf dich verlassen kann. Und ja, das für, also wenn ich Angestellte suchen würde, das wäre eine Eigenschaft, wo ich sage, ja, damit könnte ich gut arbeiten, würde ich einstellen. Was aber, wenn dieser Perfektionismus aus der Balance gerät? Wenn der aus der Balance gerät und ins Extrem kippt, dann wird er schnell zum Gefängnis. Dann wird nämlich aus einem, ich will es gut machen, ein, wenn es nicht perfekt ist, bin ich gescheitert. Dann brauchst du den perfekten Essensplan, die perfekte Kalorienbalance, den perfekten Körper und auch die perfekten Ergebnisse auf Arbeit und sogar vielleicht in deinen Hobbys. Und jeder kleine Ausrutscher, sei das ein ungeplantes Stück Kuchen, ein Tag ohne Sport. Kritik vom Chef oder auch ein komischer Blick an einer Kollegin oder vielleicht von einer Freundin fühlen sich an wie totales Versagen. Und hier dockt auch das Schwarz-Weiß-Denken an. Also etwas ist entweder richtig gut oder voll schlecht. Also so genannt ist alles-oder-nichts-Prinzip. Das ist, ja, falls du das von dir kennst, das ist auch so ein bisschen dem Perfektionismus zu verdanken. Wenn etwas nicht so läuft, wie du es geplant hast, dann gleicht das für dich einem Weltuntergang. Und tatsächlich, das finde ich immer ganz spannend, kann man das bei Kindern schon auch sehr, sehr früh beobachten. Also die so ein sehr starkes Rechtsbewusstsein haben, wie etwas sein muss. Und ich muss dann eine Geschichte von meiner Ausbilderin Carolyn Kostin denken, die zum Beispiel als Kind bei Fantasiespielen öfters mal angeeckt ist, weil sie der Meinung war, dass ein Pferd nicht rosa sein kann und das dann auch lautstark verteidigt hat. Also sie hatte da schon sehr klaren Sinn dafür, wie sollten Dinge sein und wie nicht. In Balance ist Perfektionismus etwas ganz anderes und kann unglaublich hilfreich sein. Denn dann wird daraus eine Gründlichkeit oder vielleicht auch ein Qualitätsbewusstsein. Also dein Anspruch ist dann immer noch hoch, Dinge nicht halbherzig zu machen, aber mit der Fähigkeit gekoppelt, Fehler als Teil des Prozesses zu akzeptieren, ohne sich oder andere dafür zu verurteilen. Wahrscheinlich eher sich selbst. In der Recovery heißt das, du gibst dich nicht mit quasi Recovery zufrieden und du schaust wirklich hin. Das heißt, du bist da auch wie so ein Trüffelschwein und denkst dir, okay, wo schnickt meine Essstörung gerade noch rein und wo bin ich wirklich frei. Und das kann sehr, sehr hilfreich sein, um wirklich auch diese letzten Strippen durchzuschneiden. Aber es bedeutet auch, du brichst nicht zusammen und landest in einem Strudel aus Selbstverurteilung, wenn ein Tag mal nicht perfekt läuft. In Balance siehst du Fehler und Rückschritte, aber als Lernchancen und hast sie von deinem Selbstwert entkoppelt. Auch ich habe immer noch einen gewissen Perfektionismus und bin auch komplett fein damit, muss ich sagen. Denn wo ich mich früher für jeden Makel zum Beispiel an meinem Körper verurteilt habe, kann ich ihn heute annehmen. Und kann ich auch diese Makel annehmen, weil sie gehören halt einfach dazu. Heißt, ich habe gelernt, meinen Perfektionismus gezielt einzusetzen, wo es Sinn macht und loszulassen, wo er mir nicht dient. Als ich mich meiner Recovery verpflichtet habe, habe ich es damals zum ersten Mal geschafft, sie auch wirklich durchzuziehen. Also mein Perfektionismus war so der beste Freund meiner Recovery, aber nicht im destruktiven, weil ich weiß, es wird häufig auch und gibt dann ins andere Extrem, auf die Recovery angewendet und dann kann es die Recovery wieder behindern. Also es geht hier wirklich um die Balance. Und in meiner Arbeit habe ich natürlich auch einen sehr hohen Anspruch an mich selbst. Ich bereite mich gründlich vor und ich bilde mich auch stetig weiter. Wenn ich also eine Coaching-Ausbildung zum Beispiel mache, dann hänge ich mich da auch richtig rein. Aber ich lasse mich von meinem Perfektionismus nicht mehr bestrafen, wenn etwas mal nicht nach Plan läuft. Deswegen habe ich mir auch vom Anfang oder direkt, als ich gedacht habe, okay, wenn ich einen Podcast mache, wie mache ich den denn dann? Mir vorgenommen, den nicht zu schneiden, wenn ich mich zum Beispiel verspreche oder irgendwas Ungeplantes passiert. Falls du schon länger dabei bist. Ich sage nur, der Hotelfernseher in Dubai, der plötzlich mitten in der Aufnahme vom Podcast wie von Zauberhand anging und ich hatte keine Fernbedienung und nichts und es ging einfach nicht aus. Ja, passiert. Ist auch drin geblieben. Und es bedeutet auch, dass natürlich jede Folge hier Substanz hat, recherchiert und fachlich untermauert ist. Und auch wenn ich Interviewpartner habe, mir natürlich auch ihre Hintergründe genau anschauen und eben auch mir überlege, hey, was sind denn Dinge, die ich sie fragen kann, die für dich hier als Hörerin wirklich relevant sind. Und das alles aber nicht, weil ich perfekt sein muss, sondern weil ich das eben in einen Anspruch an Qualität gewandelt habe. Und weil dieser Perfektionismus heute für mich arbeitet und mich nicht mehr quält, denn ich habe wirklich gelernt, da auch mit einem gut genug umzugehen. Was nicht heißt, dass ich grundsätzlich trotzdem einen Anspruch habe. Die zweite Eigenschaft ist eng verwandt mit dem Perfektionismus. Die sind sozusagen Best Friends. Jetzt mal kurz überlegen. Es ist die Disziplin. Das heißt, du ziehst durch, was du dir vornimmst und die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, wie viel Willenskraft es braucht, gegen die eigenen Bedürfnisse zu handeln, was eine Essstörung per Definition ist. Zum Beispiel gegen den eigenen Hunger anzukämpfen, bei minus fünf Grad oder im strömenden Regen joggen zu gehen, obwohl dein Körper am Ende ist. Sogar Grundbedürfnisse wie den Toilettengang aufzuschieben, weil erst noch die Bearbeit beendet werden muss. Sowas durchzuziehen ist eine enorme Kraft. Aber wie alle Kräfte kann sie auch sehr zerstörerisch sein, wenn wir sie gegen uns verwenden. Heißt, ohne Balance wird Disziplin zur Selbstzerstörung, die sich wie Leistung anfühlt und blöderweise dann auch noch ein absolutes Hochgefühl erzeugt, weil ich kann ja Dinge, die andere nicht machen können. Und darauf ist dein Essgestörter Anteil total stolz. Und kann ich nachvollziehen, weil meiner war es auch. Das bedeutet, er macht dein Durchhaltevermögen zur Waffe gegen dich. Und dieselbe Sturheit oder Disziplin, die dich Mahlzeiten auslassen lässt, sorgt dafür, dass du an der Essstörung festhältst. Selbst wenn du eigentlich längst weißt, dass es so nicht weitergeht. Aber die kurzfristige Belohnung, wenn du es geschafft hast, die fühlt sich einfach zu gut an. Wie so ein kurzer Drogenrausch. In Balance hingegen wird aus Disziplin Entschlossenheit. Dann bist du die Frau, die dran bleibt. Auch und besonders, wenn es schwer wird. Und auch und besonders dann, wenn dein Essstörungsanteil laut wird. Was er, wenn wir in die Recovery reingehen, einfach wird. Und diese Eigenschaft ist enorm hilfreich, da sich Veränderung nun mal erstmal nicht gut anfühlt. Wenn wir aber Disziplin haben, dann sind wir auch in der Lage, da durchzugehen. Heißt, die Frau, die monatelang jeden Tag x-tausend Schritte gemacht hat, kann sich mit derselben Konsequenz jeden Tag zum Essen, zum Pausieren von Sport, zum Dialog führen mit ihrem essgestörten Anteil und viel, viel mehr, was für die Recovery wirklich essentiell ist, selber bringen. Das heißt, die Kraft ist dieselbe. Sie bekommt nur ein anderes Ziel. Meine Disziplin war eine meiner stärksten Eigenschaften und eine, auf die ich, wie gesagt, unglaublich stolz war. Denn sie hat mir ganz, ganz häufig auch ein Gefühl von Überlegenheit gegeben. Also zum Beispiel am Befehl ganz selbstverständlich an der süßen Abteilung vorbeigehen zu können. Zu Weihnachten irgendwie immer Niedriggewicht zu haben, während alle anderen zugenommen haben. Im Restaurant lang Salat zu wählen statt Pasta. Das Dessert dankend abzulehnen, während andere beherzt zugegriffen haben oder eben wirklich noch die Extrarunde laufen zu gehen vor Festivitäten, Feierlichkeiten, während die anderen ausgeschlafen in den Feiertag gestartet sind. Das hat sich in dem Moment so, so gut angefühlt, weil ich gedacht habe, je, aber ich kann das. Aber jede dieser Handlungen war eine Strenge und eine Härte gegen mich und meinen Körper, auf die ich heute nicht mehr stolz bin. Ich habe im Gegenteil eher unglaubliches Mitgefühl mit meinem Körper, der all das ausgehalten hat und aushalten musste und dennoch so zuverlässig, wie er nur konnte für mich da war. Heute bin ich, würde ich sagen, immer noch sehr diszipliniert, aber nur da, wo es sinnvoll ist oder ich sein muss. Ich vergesse zum Beispiel nie, also eigentlich wirklich nie, meine Nahrungsergänzung zu nehmen, weil ich weiß, dass sie mir, meinem Körper und jetzt auch meinem Baby gut tut. Und wenn nötig, sitze ich mehrfach die Woche bis abends 22 Uhr in Zoom-Calls, auch wenn ich oft lieber nach dem Abendessen bereits auf der Couch chillen und einfach gar nichts mehr machen würde. Warum? Um so vielen Frauen wie möglich, die Live-Teilnahme an meinen Gruppencoachings zu ermöglichen. Das ist für die meisten nun mal eher abends. Und auch meine Zähne, blödes Beispiel jetzt, aber wer sich vielleicht noch erinnert, ich hatte ja Zahnschienen auch in Wisselein, weil mein einer Zahn immer weiter vorgerutscht ist und das einfach immer schlechter geworden ist. Meine Zähne wären ohne meine Disziplin, diese Invisalign-Schienen dann wirklich auch konsequent zu tragen, wohl immer noch schief oder schon wieder verschoben, weil ich vergessen hätte, die Schienen auch wirklich reinzumachen. Also ich habe auch jetzt noch eine Nachtschiene und ich mache die konsequent rein. Lustig war gerade der Prozess mit den Zähnen auch echt nicht, aber meine Disziplin hat mir geholfen, dran zu bleiben und ich habe jetzt ein Ergebnis, mit dem ich echt happy bin. und auch dieser Podcast hätte wahrscheinlich die ersten drei Episoden nicht überstanden, nachdem mir klar wurde, wie viel Zeit und Arbeit wirklich dahinter steckt. Aber habe ich mich einmal entschieden, dann ziehe ich das durch und jetzt sind wir hier 51 Folgen und ein Jahr später hier. Und ich habe das Öftere mit dem Gedanken gespielt, einfach mal eine Woche ausfallen zu lassen. Aber wie gesagt, ich habe mir zu Beginn ein Commitment gegeben, so ein ähnliches Commitment tatsächlich auch wie in meiner Recovery, das erste Jahr jede Woche eine Folge zu veröffentlichen. And here we are. Und tatsächlich habe ich mir trotzdem, wie gesagt, so nach Weihnachten, bewusst eine Woche Pause gegeben, da die Disziplin da gedroht hat, in eine Stränge zu kippen und ich wirklich erstmal eine kreative Pause und etwas Abstand gebraucht habe. Also ich habe das Warnsignal sehr, sehr schnell erkannt und gesagt, nee, egal wie, das steht jetzt drüber, wir machen jetzt diese eine Woche Pause als bewusste Entscheidung. Also ich hätte die mit der Disziplin auch durchgezogen, aber ich wusste genau, nee, das ist nicht die Form von Disziplin, die ich haben möchte. Weil hier geht es tatsächlich auch um Flexibilität. Und genau das ist die Flexibilität, die ich mir früher never ever erlaubt hätte. Das heißt, heute stelle ich die Bedingungen auf und ich fühle mich auch nur diesen verpflichtet, aber auch hier, wie gesagt, nicht mehr zwanghaft, sondern ich kann sie immer wieder anpassen. Und mit Beginn des zweiten Podcastjahres und meines dritten Trimesters in der Schwangerschaft, was jetzt auch gerade losgegangen ist, habe ich mich daher auch entschieden, von nun an nur noch alle zwei Wochen eine Folge zu veröffentlichen, um mich im Endspurt, bevor das Baby kommt, auf meine 1 zu 1 Coachings zu fokussieren. Dafür habe ich nämlich tatsächlich jetzt auch noch mal extra ein paar kürzere und damit auch kostengünstigere Coachingprogramme entwickelt, wo du die Möglichkeit hast, eine Einzelstunde zu nehmen, wenn du wirklich sagst, ey, ich will einfach mal meine Themen loswerden. Oder ja, wenn du einfach merkst, dass du an einem bestimmten Punkt in deiner Recovery allein nicht weiterkommst und mit mir gemeinsam dann noch mal tiefer eintauchen möchtest. Dann, wie gesagt, hast du da jetzt noch die Möglichkeit dazu und das hat jetzt auch absolute Priorität für mich, weil ich weiß, dass ich im 1 zu 1 einfach deutlich mehr bewirken kann als im Podcast. Und mein Wunsch, was zu bewirken, ist der Hauptgrund, warum ich Recovery Coach geworden bin. Kommen wir zur dritten Eigenschaft, der Ängstlichkeit. Oder wie ich es manchmal auch gerne nenne, eigentlich ist eine Ängstlichkeit auch eine erhöhte Wachsamkeit. Bedeutet, du denkst voraus, du siehst Gefahren, bevor sie da sind und du bereitest dich auf alle Eventualitäten vor. Das heißt, du gehst lieber auf Nummer sicher und hast wahrscheinlich für jede Situation mindestens 10, meistens wahrscheinlich Katastrophenszenarien im Kopf parat. Falls du den Film Alles steht Kopf Teil 2 geschaut hast, das wäre auch Anxiety oder auf Deutsch heißt sie Zweifel, weil die verkörpert diese Eigenschaft wirklich perfekt. Also absolute Filmempfehlung, wie sie das mit dieser Schaltzentrale da darstellt. Ich finde diesen Film wirklich so genial und dachte mir einfach nur so, genau so hat sich das früher immer im Kopf angefühlt. Halleluja. Also absolute Filmempfehlung. Ohne Balance wird aus dieser Eigenschaft eine Angst, die dich lähmt. Also zum Beispiel die Angst vor Gewichtszunahme. Deswegen machen wir ja nicht, was wir eigentlich vielleicht machen wollen. Die Angst, nicht zu wissen, was passiert, wenn du eine Mahlzeit nicht planst oder dich vielleicht spontan mit jemandem treffen willst, wo Essen eine Rolle spielen könnte. Die Angst vor dem, was andere denken. Und dein Essstörungsanteil nutzt diese Ängstlichkeit, um dich im vermeintlich Sicheren zu halten. Wobei sicher in dem Fall halt bedeutet, in der Essstörung, damit auch im goldenen Käfig und in einer der tödlichsten psychischen Erkrankungen. Also sicher ist das nicht, aber es fühlt sich halt so an. Weil diese Sicherheit, auch wenn sie dein Leben verdammt klein und eng macht, zumindest berechenbar ist. Bei mir war diese Ängstlichkeit auch ein Grund, der mich, wie gesagt, zwei Jahre lang davon abgehalten hat, diesen Podcast zu starten. Und ja, die Kommentare waren vielleicht ein paar andere. Also bei mir war es eher diese Stimme auch mit tausend Katastrophengedanken. Also zum Beispiel, was, wenn es nicht gut genug ist? Was, wenn dich jemand kritisiert? Was, wenn du nichts Wichtiges zu sagen hast? Was, wenn es keiner hört? Ich höre jetzt mal auf mit Aufzählen. Mir würden noch 50 andere Sachen einfallen, wie gesagt, die ich mir angefangen habe zu erzählen und die dazu geführt haben, dass der Podcast, wie gesagt, zwei Jahre nicht zustande gekommen ist. Aber, da wir hier sind, siehst du auch, ich habe sie überwunden und diese Ängstlichkeit umgewandelt. Denn in Balance kann Ängstlichkeit auch eine unglaublich nützliche Eigenschaft sein. Dann ist es zum Beispiel eher Umsicht oder auch vorausschauendes Denken und Handeln. Dann wird es zur Fähigkeit, Risiken einzuschätzen und dich vorzubereiten, bevor du losgehst. In der Recovery heißt es zum Beispiel, du springst nicht blind vom 10-Meter-Turm oder lässt einfach so deinen schwimmenden Kaktus los. Eine Metapher, die wir in einer der ersten Folgen mal genutzt haben. Sondern, du baust dir erst ein neues Netz auf oder lernst Fähigkeiten, die dir helfen, selbstständig zu schwimmen und diesen Kaktus loszulassen. Wenn du soweit bist. Und das heißt nicht, dass man erst die Angst loswerden muss. Nee, das funktioniert nicht. Sondern, du entwickelst die Fähigkeiten, während du Angst hast. Und, du suchst dir auch Unterstützung und baust dir im wahrsten Sinne des Wortes ein soziales Netz, welches dich auch in schwierigen Situationen stützt und hält auf. Weil die Essstörung gedeiht nun mal am besten in der Einsamkeit. Vielleicht nochmal ein persönliches Beispiel von mir. Also auch ich habe heute noch viele Situationen, in denen ich schon eher die Tendenz habe, auch ängstlich zu sein und Dinge zu sehr zu zerdenken. Ich bin also nicht plötzlich angstfrei geworden, als ich recovered bin. Aber, ich habe gelernt, sie als Impuls zu nutzen, statt als Dauerzustand oder Signal etwas nicht zu tun. Heißt, wenn Angst kommt, dann schaue ich hin. Ist das wirklich eine bedrohliche Situation? Oder ist es mein System, das Alarm schlägt, obwohl eigentlich alles in Ordnung ist? Und wenn es eine bedrohliche Situation ist, dann prüfe ich, ob oder wie ich mich darauf vorbereiten kann. So muss ich zum Beispiel gerade auch sagen, habe ich wirklich tierischen Respekt, auch hier, ein bisschen umgewandelt, ich habe tierischen Respekt vor der Geburt. Denn, und dann hört man auch so Sachen wie, es gibt keinen größeren Kontrollverlust. Ja, Dankeschön. Es ist mir auch bewusst, dass eine Geburt wahrscheinlich eine der Situationen ist, die man so wenig wie, weiß ich nicht, wahrscheinlich viel anderes kontrollieren kann. Also mit Kontrolle kommen wir da nicht weit. Aber anstatt mich jetzt mit Katastrophenszenarien weiter in die Angst zu steigern, nutze ich sie, um mich bestmöglich vorzubereiten. Im Wissen, hallo Perfektionismus, dass das niemals zu 100 Prozent möglich ist. Also egal, was ich tue und egal wie viele, weiß ich nicht, Geburtsvorbereitungskurse und friedliche Geburten und keine Ahnung, was ich mir da anhöre, mache und pipapo. Es gibt keine Garantie und das weiß ich. Deswegen versuche ich es auch gar nicht perfekt zu machen. Aber eben, ja, einfach vorbereiten. Und es muss auch nicht 100 Prozent perfekt sein, denn durch meine Recovery habe ich auch sehr, sehr viel Vertrauen in mich selbst und in meinen Körper aufgebaut. Das heißt, mein Nervensystem hat gelernt, wenn sie es geschafft hat, nach 20 Jahren Essstörung frei zu werden und durch sämtliche Ängste hindurch zu gehen, dann wird sie auch mit der nächsten Herausforderung umgehen können. Das war übrigens auch ein Punkt, wie ich zum Beispiel nach meiner Recovery dann auch meine Höhenangst überwunden habe. Ich habe mich einfach so dermaßen, wirklich, da kam wieder so ein bisschen Sturheit auch rein und trotz Kopf habe ich mich so geweigert, Höhenangst zu haben. Ich sage, das kann doch nicht sein. Die Recovery war so ziemlich das Beängstigendste, was ich je gemacht habe. Da bin ich durchgegangen. Ich weigere mich jetzt, Angst vor Höhe zu haben und ich bin durchgegangen. Es war ein Prozess, aber wie gesagt, all die Recovery-Fähigkeiten, die ich da gelernt habe, die haben mir eben auch hier dann sehr, sehr geholfen. Eigenschaft Nummer vier ist die Sensibilität oder bei sehr vielen Frauen mit Essstörung sogar eine Hochsensibilität. Das bedeutet, du nimmst alles intensiver wahr als andere. Also deine Umgebung, Stimmungen, Blicke, Kommentare. Du bist wie so eine Antenne, die ständig empfängt und versucht, diese Informationen zu verarbeiten. Und das sind verdammt viele. Gleichzeitig bist du wahrscheinlich unglaublich selbstkritisch, denn du siehst ja auch jeden Fehler oder jede vermeintliche Schwäche bei dir. Das ist so ein bisschen wie, als würdest du mit einem Fernglas nochmal so richtig reinzoomen, wohingegen du bei anderen aber höchstwahrscheinlich sehr großzügig mild und vergebend sein kannst. Also würdest du dieses Fernglas, ich habe das als Kind immer gemacht, ich habe immer das Fernglas genommen, hast du so schön in die Ferne geguckt und mir das nah rangeholt und dann habe ich es umgedreht und von der falschen Seite reingeschaut und dann war alles winzig klein. Und genauso klein erscheinen dir auch die Fehler, bei anderen Menschen, während deine eigenen, wie gesagt, dir riesig vorkommen. Ohne Balance wird diese Sensibilität eigentlich zu einer Art inneren Richter, der alles an dir verurteilt. Jeden Bissen, jedes Kilo, jede Entscheidung. Deswegen fühlt man sich oft auch so unsicher. Und alles, was du sagst oder auch nicht sagst, also egal wie du es machst, also irgendwie, ein Stück weit ist es wahrscheinlich schwer, es dir selber recht zu machen. Das heißt, auch jeder Kommentar von außen trifft dich ins Markt und bestätigt, was dein Essstörungsanteil ohnehin schon denkt. Du bist nicht genug. Du bist nicht richtig. Und die Selbstkritik frisst deinen Selbstwert auf. Solange, bis die Essstörung das Einzige ist, was dir noch das Gefühl gibt, irgendwas zu können. In Balance hingegen wird aus dieser Sensibilität mit Empathie. Nicht nur für andere, sondern vor allem auch für dich selbst. Denn dann ist es die Fähigkeit, Menschen zu lesen, Zwischentöne zu hören, zu spüren, was jemand anderes, aber eben auch du selbst brauchst. Und dein kritischer Blick wird zur Reflexionsfähigkeit, der Fähigkeit, ehrlich hinzuschauen, ohne dich dafür zu zerstören. In der Recovery kannst du diese Sensibilität nutzen, um die Lügen, Versprechungen und Drohungen deines Essstörungsanteils zu durchschauen. Und um dir selbst gegenüber dieselbe Empathie aufzubringen, die du anderen so selbstverständlich gibst. Bei mir ging es irgendwann so weit, dass ich, je schlechter es mir selber ging, ich auch andere Menschen unglaublich schlecht leiden sehen konnte. Meine Mama hat zum Beispiel früher, da war ich noch ziemlich jung, aber eben auch schon in den, also diesen ganzen selbstschädigenden Dingen drin, die hat immer Notruf geguckt. Also die Serie, wo, ich weiß gar nicht mehr, war so ein weißhaariger Typ, glaube ich, wo immer irgendwelche Verunglückten gerettet wurden und die waren teilweise echt heftig verletzt. Und ich konnte das, bevor ich damit angefangen habe, ich weiß gar nicht, ob ich das gucken durfte, jedenfalls konnte ich das ganz früher, bevor ich so selbstschädigend war, noch ganz gut angucken. Sobald ich aber, also oder je mehr ich mir selbst angefangen habe, weh zu tun, desto weniger konnte ich das Leid bei anderen sehen. Und auch im Gruppencoaching erlebe ich das in jeder Runde. Also die Frauen, die am härtesten mit sich selbst sind, geben gleichzeitig den liebevollsten Rat an andere. Sie würden einer anderen Frau oder Freundin nie sagen, was sie sich selbst sagen. Das heißt, die Empathie ist da. Sie darf sich jetzt nur noch auf dich selbst richten. Und damit kommen wir zur fünften und letzten Eigenschaft. Wie gesagt, die sind nicht alle umfassend. Es gibt auch noch mehr, aber ich dachte, wir konzentrieren uns mal auf diese fünf. Und das ist die Zwanghaftigkeit. Und nicht zufällig treten Zwangsstörungen und Essstörungen auch sehr häufig gemeinsam auf. Also das ist wirklich dieses Gefühl, etwas tun zu müssen und es nicht auszuhalten, wenn es nicht getan wird. Weil dann vermehrt Ängste und Unsicherheit auftreten. Und diese ständigen Rituale, das Regelwerk der Essstörung und die innere Anspannung, wenn etwas davon abweichen, die sind genau das Futter, von dem sich deine Essstörung oder dieser essgestörte Anteil eben ernährt. Das heißt, ohne Balance wird Zwanghaftigkeit wie zu so einer Art Obsession. Dort der ebenfalls sehr intensiv ausgeführten Leidenschaft, die der funktionale Gegenspieler dazu wäre. Und der Unterschied ist nicht, wie sehr, sondern das, wer hat die Kontrolle. Das heißt, bei einer Obsession, also wirklich dieser Zwanghaftigkeit, kontrolliert die Sache dich. Nicht umgekehrt. dann musst du Kalorien zielen. Musst du die Nährwerte nachschlagen. Musst du dich bewegen, obwohl dein Körper längst nicht mehr kann. Das fühlt sich also nicht mehr nach einer Wahl an, sondern nach einem Zwang. Und noch etwas passiert. Eine Obsession oder diese Zwanghaftigkeit frisst auch alles andere auf. Deine Beziehungen, deine Hobbys, deine Freude und alles wird Stück für Stück kleiner, weil die Obsession den ganzen Raum einnimmt. Das Essen, die Bewegung, der Körper, am Ende dreht sich alles nur noch darum. Nicht, weil du das willst, sondern weil du nicht mehr aufhören kannst. In Balance hingegen wird aus demselben Feuer Leidenschaft. Und der Unterschied ist spürbar. Woran erkennen wir das? Leidenschaft gibt dir Energie. Zwanghaftigkeit raubt sie dir. Leidenschaft bereichert dein Leben. Du gehst darin auf, aber du kannst doch wieder auftauchen. Die Zwanghaftigkeit verengt dein Leben und du gehst darin unter. Bei Leidenschaft behältst du die Kontrolle. Du entscheidest, wann du dich reinknien willst und wann du aufhörst. Bei einer Zwanghaftigkeit entscheidet der Zwang in der Regel aus Angst für dich. Bei Leidenschaft kommst du hinterher erfüllt raus, bei einer Zwanghaftigkeit erschöpft. Und Leidenschaft lässt auch Raum für andere Lebensbereiche. Zwanghaftigkeit macht jeden anderen Bereich platt. Auch ich war insbesondere, würde ich sagen, so in den letzten Jahren meiner Essstörung, also gerade mit der Orthorexie und dem Spurzwang, regelrecht obsesst. Um mal das englische Wort zu nehmen. Und zwar davon, immer gesündere Lebensmittel und auch immer gesündere Zubereitungsarten zu finden, von den Kalorien, von Bewegung, ja einfach von Kontrolle. Was wir ja gerade gehört haben, ich hatte eigentlich überhaupt keine mehr. Das hat sich nur so angefühlt. Denn ich hatte gefühlt keine Wahl mehr. Mein Kopf wollte irgendwann nicht mehr und ich habe mich wirklich gefühlt wie ferngesteuert. Und obwohl ich wusste, dass das, was ich tat, ja auch schon lange nicht mehr gesund war, konnte ich einfach nicht aufhören. Und so hat meine Essstörung mit der Zeit alles andere aufgefressen. Meine Energie, meine Beziehungen, Freude, Spontanität, Leichtigkeit, Lebensfreude. Einfach alles, bis ich nur noch eine, naja, am Ende nicht mal mehr funktionierende Hülle war. Also am Ende hat selbst das nicht mehr geklappt. Heute hingegen habe ich unglaublich viel Leidenschaft für mein Coaching und jede einzelne Frau, die ich begleiten darf. Ich arbeite möglichst bei jeder Einzelnen mich so, so tief in ihre Lebenswelt ein und will wirklich jedes Detail verstehen, um mit ihr den für sie besten Weg hin zur Freiheit zu finden. Aber auch für diesen Podcast, denn gerade die letzten Wochen waren oft auch, ganz ehrlich gesagt, frustrierend, weil ich gemerkt habe, dass ich damit zwar sehr viel Hoffnung und Inspiration geben, aber eben nicht so viel verändern kann wie im Coaching, weil immer mehr Wissen nun mal leider nicht frei macht. Im Gegenteil, es kann sogar nachteilig sein, weil es der Ängstlichkeit immer mehr Ängste, oh Gott, Ängste, die brauchen nicht noch mehr Ängste, immer mehr Argumente an die Hand gibt. Aber ich weiß auch, dass dieser Podcast für viele Frauen der Türöffner in meinem Coaching war und ich dadurch im letzten Jahr mehr Frauen als je zuvor gleichzeitig unterstützen konnte und dafür brenne ich und deswegen gibt es den auch weiter. Und dann ist ja ein neuer Leidenschaftsbereich, interessant auch, hätte ich nie gedacht, dass sich das so entwickelt, ist mit dem kleinen Bauchzwerg jetzt natürlich auch nochmal eine ganz neue Leidenschaft in mein Leben gekommen. Heißt, ich finde, den Prozess, ihn sich jetzt schon so entwickeln, zu spüren, muss ich ja sagen, weil sehen tue ich ihn ja noch nicht wirklich, um mich damit zu beschäftigen, auch unglaublich spannend und würde mir manchmal echt wünschen, mein Tag hätte 48 Stunden, um all meine Leidenschaften möglichst intensiv Raum geben zu können und in all diesen Bereichen brennt heute so viel Feuer in mir und all diese Dinge geben mir auch verdammt viel Energie und ich habe natürlich auch so viel mehr Energie dafür, weil ich es mir ja nicht mehr wegnehme. Das heißt, die Intensität ist geblieben und dafür bin ich auch ehrlich dankbar, denn ganz ehrlich, Halbherzigkeit war einfach noch nie meins. Aber ich kann inzwischen auch mal abschalten und Pausen machen und so, wie ich mich auch für eine Woche Podcast-Pause oder jetzt den zweiwöchigen Rhythmus entschieden habe, ohne dass die Welt zusammenbricht, also ist ja einfach wirklich viel mehr Flexibilität reingekommen, kann ich zum Beispiel jetzt auch abends auf der Couch sitzen und nicht mehr ans nächste To-Do auf meiner Liste, die eh nie alle wird, denken. Und ich muss es auch nicht vorher noch abarbeiten, weil dann würde ich nie auf die Couch kommen, bevor ich mich ausruhen darf. Und das ist der Unterschied, der wirklich frei macht. Was ich dir also aus diesen fünf Eigenschaften mitgeben möchte, ist, es geht nicht darum, etwas an dir loszuwerden. Du wirst auch nach der Recovery höchstwahrscheinlich nicht plötzlich ein tiefenentspannter Mensch, der alles super locker sieht und sich gar keine Gedanken mehr um nichts macht. Diese Eigenschaften gehören zu dir und sie sind ein Teil deines Temperaments. Das Ziel ist, sie in Balance zu bringen, zu lernen, wann eine Eigenschaft gerade hilfreich ist und wann sie dich steuert. Perfektionismus ist fantastisch, wenn du etwas Wichtiges richtig machen willst, aber er ist eben zerstörerisch, wenn er es, ja, wenn er dir verbietet, Fehler zu machen. Ängstlichkeit kann dein Leben retten oder so ein Eng, dass du nur noch existierst, anstatt zu leben. Und Disziplin kann dich tragen oder dich kaputt machen. Recovered zu sein heißt also nicht, diese Eigenschaften abzuschalten. Es heißt, dass du selbst am Steuer sitzt, zu entscheiden, wann du den Perfektionismus brauchst und wann du ihn loslässt, wann die Ängstlichkeit ein echtes Signal ist und wann sie nur Lärm macht. Du managst dann deine Eigenschaften, statt dass sie dich managen und, ja, du dich von ihnen kontrolliert fühlst. Und du hältst die Zügel über dein Leben in der Hand, während du es im vollen Galopp, aber sicher im Sattel verankert, auskostest. Vielleicht denkst du jetzt, ja, klingt logisch, aber wie finde ich denn diese Balance konkret? Genau das ist der Punkt, an dem Wissen aufhört und Veränderung wirklich anfängt. zu erkennen, dass deine Eigenschaften Stärken sind, ist schon mal ein wichtiger Schritt. Aber diese Balance wirklich auch zu finden, in dem Moment, wenn der Perfektionismus dir nachts sagt, dass du versagt hast und wenn die Ängstlichkeit dich lähmt, wenn die Disziplin dich auf die Waage treibt, passiert nicht allein beim Zuhören. Und falls du merkst, dass zwischen dem Erkennen und dem Verändern noch eine Lücke ist, dann ist das kein Zeichen, dass du nicht stark genug bist. Im Gegenteil. Ich glaube, das haben wir jetzt ganz deutlich geklärt. Das ist der Punkt, an dem dann Begleitung anfängt. Du bist nicht zu viel. Du bist doch nicht zu perfektionistisch, zu ängstlich oder was ich mir auch immer wieder anhören durfte, zu sensibel. Du bist eine Frau mit starken Eigenschaften, die durch verschiedenste Ereignisse in deinem Leben aus der Balance geraten sind. Und die Frage ist also nicht, hast du die Stärke oder schaffst du das? Weil tatsächlich sehe ich das auch oft als Zweifel. Gar nicht mal das Vertrauen in mich als Coach, sondern schaffe ich das? Weil ich habe ja schon so viel anderes gemacht. Ja, wenn du lernst, wie? Und dass du schwere Dinge schaffen kannst und stark bist, hast du doch längst bewiesen, jeden einzelnen Tag. Die Frage ist, lernst du, diese Stärken für dich einzusetzen, statt weiterhin gegen dich? Denn was mir in meiner eigenen Recovery am meisten geholfen hat, war zu erkennen, dass diese Eigenschaften tatsächlich nicht nur mir helfen, sondern, dass ich mit ihnen wirklich auch etwas bewirken kann. Für mich selbst und für andere. Dass mein Perfektionismus, meine Disziplin und auch Sensibilität, ja, auch meine Leidenschaft, einen Sinn haben, der größer ist als ich. Dieser Podcast zum Beispiel, mein Coaching, jeder einzelne Frau, der ich heute zeigen darf, dass es einen anderen Weg gibt, das alles wäre ohne diese Eigenschaften nicht möglich. Und wenn ich das kann, dann kannst du das auch. Vielleicht nicht als Coach. Also, darfst du natürlich auch gerne. aber nicht jeder will hier danach Coach werden oder vielleicht überhaupt noch was mit dem Thema zu tun haben. Ich freue mich auch über jeden, der danach nichts mehr damit zu tun haben will. Keine Ahnung. Wie auch immer. Aber vielleicht als Freundin, als Mutter, als Kollegin, als Mensch, der etwas in dieser Welt hinterlässt. Aber was genau das ist, das entscheidest du. Du musst dafür kein anderer Mensch werden. Du darfst der Mensch werden, der du ohne deine Essstörung schon immer warst. Mit all deinen Eigenschaften nur eben in Balance. Und damit kommen wir zum Ende der heutigen Folge und des ersten Podcast-Jahres. Ole, ole. Ich würde mich riesig freuen, wenn du mir hier unter dem Podcast oder auf Instagram schreibst, in welchen Eigenschaften du dich wiedererkannt hast. Denn wahrscheinlich hast du es heute ein bisschen rausgehört. Das, was mich antreibt und was mich auch abends um 10 an einem Karfreitag noch meine Gedanken für die nächsten Podcast-Famme mich zusammentragen lässt, ist zu wissen, dass das, was ich tue, etwas bewirkt. Und wenn du dich heute in diesen Eigenschaften wiedererkannt hast und spürst, dass sie gerade nicht in Balance sind, dann such dir super gerne einen Termin für ein kostenfreies Klarheitsgespräch mit mir aus. Das sind 20 Minuten, in denen wir einfach nochmal gemeinsam hinschauen, wo du stehst und was dein nächster Schritt sein kann. Die Links dazu findest du, wie gesagt, wie immer in den Shownotes. Und ja, an diesem Punkt wünsche ich dir erstmal alles, alles Liebe und sage, bis zum nächsten Mal in zwei Wochen. Vielen Dank, dass du dir Zeit für eine Tasse Reality mit mir genommen hast. Ich hoffe, diese Folge hat einen kleinen positiven Unterschied in deinem Tag gemacht. Mit deiner Fünf-Sterne-Bewertung kannst du genau diesen Unterschied auch im Leben anderer lebensfondiger Frauen bewirken, die diesen Podcast noch nicht gefunden haben und sich ebenfalls nach einem Leben in Freiheit und Authentizität sehnen. Ich danke dir von Herzen und freue mich, auf Instagram mit dir in Kontakt zu bleiben. Alle Links findest du in den Shownotes. Bis zum nächsten Mal.

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